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20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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VIRON
Metal muss nicht platt sein!
Thorsten Dietrich
www.viron1.com


Reinrassiger Metal muss nicht voller Klischees sein, wo jedes zweite Wort, "Steel", "Metal" oder "Warrior" ist. Die Musiker mssen nicht aussehen wie ein wandelnder Eisenwarenladen und trotzdem ist das Ergebnis richtiger, trendfreier Metal wie bei den deutschen VIRON. Schlagzeuger Andreas Neuderth (ex-Century), ein passionierter LP-Sammler und Metalverrckter gab mir interessante und sympathische Antworten.

Euer erstes Album hatte den tollen Titel "NWOGHM" und war auf einem griechischen Label. Jetzt heit die Platte schweres Metall ("Ferrum Gravis") und ist bei einem deutschen Label. Das klingt alles etwas abgefahren. Gab es Leute, die sich ber euren Albumtitel mokierten oder ihn vielleicht erst gar nicht kapiert haben?

"NWOGHM" hat als Titel tatschlich polarisiert, gibt Andreas zu, allerdings im geschtzten Verhltnis 80/20 zu unseren Gunsten. Wer die Platte gehrt hat, hat gemerkt, dass wir den typisch deutschen Metal noch nicht mal spielen. Leute, die nicht der Szene angehrig sind, haben den Titel natrlich gar nicht verstanden, da er ja nicht noch irgendwo ausgeschrieben war. Und ein groes Online-Mag hat uns sogar ein ausgeklgeltes Marketingkonzept unterstellt, zusammen mit dem Bandfoto, in dem wir mit alten Platten und Heften zu sehen waren. Allerdings spiegelte der Titel und auch das Foto wirklich uns fnf wider. "Ferrum Gravis" war eine schwerere Geburt, denn wir wollten weder einen Track zum Titelsong machen, noch zuviel Aussage in den CD-Namen stecken. Jetzt drckt der Titel einfach das aus, was man auf der Scheibe zu Hren bekommt, und das in einer inaktiven Sprache. Da wir weder diese berzogene Metalglorifizierung mgen, noch von Schwertern und Drachen angetan sind, aber dennoch unseren Stil optisch ausdrcken wollen, sind wir mit diesem Weg sehr zufrieden.

Produktion und Sound sind fr mich top. Dagegen haben andere Bands billige "Do it yourself"-Methoden und viele CDs minderer Qualitt in Sound und Aussehen berschwemmen den Markt. Glaubt ihr da mit eurem neuen Album gut da zu stehen?

Vielen Dank, freut sich der Drummer und erklrt seine Sicht: Das oft zitierte "Frher war alles besser" stimmt im Metal, wenn es um lebendige und frische Produktionen geht. Heute wird einfach zuviel geglttet, gemogelt und geradegerichtet. Man muss zwar nicht gleich in ein 24-Spur Analogstudio gehen, aber nur ein geringer Prozentsatz der Metalbands der letzten Jahre nehmen so CDs auf, wie es frher war. Wir haben ber sechs Wochen im Studio verbracht und haben so lange gespielt, bis es geil war! Dies ist heute nicht mehr blich. Wir haben weder Amp-Simulationen, Trigger am Schlagzeug, noch tagelange Editierungen genutzt. Dadurch klingt die Produktion zeitlos und lt sich nicht einem Jahrzehnt zuordnen.

Viron Viron

Viele Metalbands dieser Zeit klingen wie Kopien bekannter Originale oder sind gar die dritte Generation der Kopie. Wie schafft ihr es, so frisch und eigenstndig zu klingen, ohne in eine Metalschublade zu passen?

Wir sind Metalfans und Musiker, was quasi VIRON berhaupt zur Folge hatte. Es gibt viele Sub-Genres, die dem klassischen Metal zugeordnet werden. Neben dem typischen Metal wie PRIEST und MAIDEN gibt es Thrash, Speed, Doom, Power etc. Einiges davon findet bei uns innerhalb eines Songs statt, was ich als wichtiges Stilelement fr VIRON ansehe. Unser Hauptsongwriter Thilo schafft es dann immer wieder, solche Mischungen flssig zu arrangieren, so als ob es das Normalste der Welt wre. Zustzlich haben wir seit Beginn eine sehr starke Besetzung. Jede Idee lt sich sofort umsetzen, denn wir mssen nicht auf ein schwcheres Bandmitglied Rcksicht nehmen.

Eurer Snger ist ja eine gute Wahl. Hat aber manchmal den Drang, es allen zu zeigen und jodelt dann leider etwas arg hoch. Auch so ein Mitsingspielchen wie auf der neuen CD finde ich etwas antiquiert. Weniger wre da mehr. Wollt ihr polarisieren oder was hat euch da geritten?

Alexx ist und bleibt ein Glcksgriff und seit "NWOGHM" haben verschiedene Bands versucht, ihn uns zu klauen. In smtlichen Reviews wurde er gesondert herausgehoben. Seine Gesangsleistung auf "Ferrum Gravis" ist auch fr uns sehr beeindruckend. Allerdings hat er, wie auch sonst niemand in der Band, den Drang, seine Fhigkeiten zur Schau zu stellen. Der Song steht bei uns immer im Mittelpunkt, das ist das oberste Gesetz, obwohl wir alle "richtig losfiedeln" knnten, wenn wir wollten. Wenn der Song hohe Screams verlangt, dann werden sie auch gemacht. Den gleichen Vorwurf knntest du auch Rob Halford auf den alten PRIEST-Scheiben machen. Bei vielen Gigs merkten wir, dass wir dem Publikum zu wenig Mglichkeiten zum Mitsingen geboten haben. Natrlich ist das bei unserem Stil nicht lebensnotwendig, doch behielten wir dies bei den Aufnahmen im Hinterkopf. Im Grunde betrifft das von dir angesprochene nur den Song "Isle of Man". Eigentlich mssten wir dem Publikum die Credits fr diesen Mitsingpart berlassen, denn sie haben den Akustikpart lauthals mitgesungen. Uns hat das gefallen und jetzt ist es ist es so auf dem Album.

Viele Bands im Metal geben sich politisch leider recht desinteressiert oder behaupten gar, so etwas habe in den Texten nichts verloren. Was fr Themen behandeln denn VIRON-Texte im Allgemeinen und Speziellen?

Es ist schon richtig, dass Heavy Metal Unterhaltung ist, vielleicht auch eine Flucht aus dem Alltag. Auf "Ferrum Gravis" gibt es keine Themenlinie, an die sich Alexx beim Schreiben der Lyrics gehalten htte. Dass dieses Mal gleich drei Anti-Kriegssongs aufs Album gekommen sind, hat sich einfach so ergeben, auch ohne gleich eine politische Band zu sein. Bei "Liberator" geht es mehr oder weniger um die faulen Ausreden, in Lndern mit Bodenschtzen Krieg zu fhren. "Man On The Run" handelt von einem Mann, der zu unrecht des Mordes verdchtigt wird und sich deshalb auf der Flucht befindet. Dies sieht man ja im Videoclip auch sehr deutlich:

Zum Anderen haben wir einen Song ber das berhmte Motorradrennen auf der "Isle of Man", sehr passend, denn es ist der bisher schnellste VIRON-Track.

Einige Musiker sind nach dem Fertigstellen eines Album nie zufrieden und knnen sich gar ihre eigenen CDs nie locker anhren. Gehrst du auch zu diesen Perfektionisten?

Ich selbst sehe eine CD als Momentaufnahme an. "NWOGHM" war zu dieser Zeit und mit dem zur Verfgung stehenden Budget richtig gut und ich kann mir die Scheibe immer noch anhren. Nun, der Song "Born Out Of Light" hat mir nie gefallen und das wird sich auch niemals ndern. "Ferrum Gravis" hre ich seit Ende Oktober mehrmals pro Woche und ich finde nichts, was anders sein sollte oder knnte. Mit VIRON machen wir genau die CDs, die wir auch selbst gerne hren wrden. Zunchst mal mssen wir fnf selbst unsere grten Fans sein, sonst knnten und wollten wir VIRON nicht nach auen transportieren.

Das ist wohl wahr!

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