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21. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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FARSOT
Von Hass, Angst, Tod und Trauer
Andre Kreuz
www.farsot.de


Black Metal mit Hirn gibt es leider viel zu selten. Denn kommt es zum lyrischen Aspekt, erstreckt sich der Horizont vieler Protagonisten nicht weiter als plakative Huldigungen des Gehrnten und Schimpf-Tiraden gegen die verschiedenene Weltreligionen.
Dass es auch anders geht, zeigen die Deutschen FAROST auf ihrem Debt "IIII". Trotz zumeist traditioneller Ausrichtung beim Songwriting hat die Band sehr wohl die eine oder andere berraschung im rmel, und auch was die Texte angeht, gibt es durchaus mehr als Klischee-beladene Floskeln zu entdecken. Grund genug, sich nach den Beweggrnden hinter "IIII" zu erkundigen:

Da "IIII" euer Debt ist, stellt euch doch bitte erst mal kurz vor!

Farsot

Unsere ersten musikalischen Lebenszeichen gab es 1999. Nach einigen Bestetzungswechseln und der Verffentlichung eines eher uninteressanten Rehearsal-Tapes, bilden wir seit mittlerweile 2003 ein gut aufeinander eingespieltes Line-up. In dieser Konstellation wurde 2004 das erste offizielle Demo "042103freitod" in Eigenregie aufgenommen. Diesem folgte, bevor im Oktober letzten Jahres unser Debt-Album "IIII" ber Lupus Lounge erschien, ein Beitrag auf dem KATATONIA-Tribute "December Songs" via Northern Silence.

Was hat es mit dem Titel eures ersten Albums auf sich? Eine rmische "4" ist es nicht, euer viertes Album sowieso nicht. Sind evtl. die vier Eckpfeiler eures Albums, namentlich Hass, Angst, Tod und Trauer gemeint?

Das Debt ist eigentlich vllig titellos. Der Titel "IIII" sowie die Track-Bezeichnungen mussten aus brokratischen Grnden vergeben werden. Das Linienkonstrukt auf dem Cover bildet den eigentlichen Titel. Jede der einzelnen Linien versinnbildlicht mit ihrem eigenen bestimmten Verlauf eine der vertonten Emotionen: Hass, Angst, Nchternheit und Trauer.

Wie seht ihr das Zusammenspiel aus diesen vier Komponenten?

Wir geben keine Chronologie vor, legten etwa fest, dass Angst nach Hass kommen muss... Der Eigeninterpretation des Hrers sind keine Grenzen gesetzt. Emotionen kann man nicht beeinflussen und sie werden von Mensch zu Mensch vllig unterschiedlich verarbeitet. Jedoch sind die Titel nicht nur auf lyrischer Ebene sehr stark ineinander verwoben. Wir experimentierten musikalisch mit der Atmosphre, welche jede der einzelnen Gefhlszustnde verbreitet und versuchten diese eigenen Stimmungen sprbar zu intonieren. Hass - kalt, kompromisslos, einfach. Angst - verhalten, unentschlossen, verzweifelt. Tod - klinisch, dunkel, irisierend. Trauer - dramatisch, abgrundtief, melancholisch.

Kannst Du in diesem Zusammenhang etwas auf die Texte eingehen?

Das Grundkonzept, welches hinter dem Album steckt, ist die musikalische und lyrische Auseinandersetzung der menschlichen Psyche, welche in Konfrontation mit dem Verlust einer nahe stehenden Person gert. Abgrundtiefe Emotionen, wie Hass, Angst oder Trauer beherrschen das Denken und Handeln in einer derartigen Situation am meisten. Sie sind immer prsent und zermrben das Vermgen "wahr von "falsch", sowie "recht" von "unrecht" unterscheiden zu knnen, jedoch mit dem allgegenwrtigen trockenen Beigeschmack, den Tod als lediglich finalen Schritt zu betrachten (Thematik: Tod). Die Texte sollen den Hrer regelrecht penetrieren. Durch das immer wieder kehrende "wenn ... dann" wird der starke Bezug, in dem die Thematiken zueinander stehen, extrem veranschaulicht.

Weshalb das doch sehr unscheinbare, kaum erkennbare Coverartwork?

Farsot IIII Cover

Es spiegelt fr uns den undurchdringlichen, dichten und erdigen Charakter des Albums perfekt wieder.

Was hat der Kufer dann im Booklet zu "IIII" zu erwarten?

Nun, was sich vorher fr den Einen als "kaum erkennbar" herausstellte, wird mit dem Aufklappen der CD-Hlle pltzlich sichtbar... zudem besteht das Booklet der ersten Auflage (aufwendig gefalztes CD-Pak) aus fnf einzelnen Karten, ganz ordinr bedruckt mit Lyrics und Bandfotos.

Und woher kommt euer Bandname?

"farsot" kommt aus dem Schwedischen und bedeutet "Epidemie". Bei der Namenssuche vor bereits ber sieben Jahren stieen wir eher durch Zufall auf den Namen, welcher sich im Laufe der Zeit als immer passender herausstellte.

Bleiben wir direkt bei Namen: Was hat es mit dem Titel eures bereits erwhnten Demos "042103Freitod" und euren Pseudonymen auf sich?

Die Zahlen vor dem Titel symbolisieren das Ende eines Abschnitts. Das Wort "Freitod" vertritt fr uns in erster Linie die negativen Tendenzen und Energien, die es beim Lesenden evoziert. Die Ausweglosigkeit und Verzweiflung, aber auch die Gefhlsklte des "Aktes" an sich. Unsere Pseudonyme sind lediglich Verschlsselung unserer brgerlichen Namen und als Vervollkommnung unseres Gesamtkonzeptes zu betrachten.

Zur Musik: In meinem Review hab ich als eure Einflsse KEEP OF KALESSIN, SHINING und TAAKE genannt. Knnt ihr damit was anfangen?

Allesamt musikalisch hochwertige Bands, die sich zu Teilen auch in unseren CD-Sammlungen wieder finden. Explizite Einflsse gibt es fr uns jedoch nicht, da wir stets um Eigenstndigkeit bemht sind. Man kann jedoch nicht abstreiten, dass jeder Musiker von der einen oder anderen Band dieses Planetens, bewusst oder unbewusst, musikalisch beeinflusst wird.

Im Stck "Tod - Trauer" ist ein weiblicher Choral zu hren. Wie kamt ihr auf diese fr eine Black-Metal-Band ungewhnliche aber toll umgesetzte Idee?

Unser Bassist hat aus irgendwelchen Grnden den Choral bei den Aufnahmen fr "IIII" dabei gehabt, ohne dass ihn jemand anderes aus der Band vorher schon einmal gehrt hat. Wir waren sprachlos, als wir ihn zum ersten Mal hrten und wussten: "Ohne ihn geht es nicht!" Er ist thematisch und textlich einfach wie fr diesen Teil gemacht.

Das abschlieende Stck dauert eine satte Viertelstunde. Wie schreibt man so ein Mammut-Stck? Ist die Idee vom groen Ganzen von Anfang an da oder wchst so ein Lied?

Das war in diesem Fall relativ einfach, ohne vorher jedoch auch nur zu erahnen, dass er am Ende eine solch stolze Spielzeit aufweisen wird und dennoch nicht langweilt (uns zumindest). Das Songwriting dauerte zwar einige Zeit (vor allem der Part nach dem Interludium machte uns zu schaffen), jedoch sind wir eigentlich generell keine Akkord-Songschreiber.

"IIII" ist der erste von fnf Alben, das ihr ber Lupus Lounge rausbringen werdet. Wieso die lange Zusammenarbeit und ist das nicht ein gewisses Risiko?

Das ist bei Prophecy / Lupus Lounge Gang und Gebe. Wir sind da keine Ausnahme. Wir sind zufrieden mit dem Label und dessen Arbeit. Das Label wird auch wissen, was es tut, denn hier geht es schlielich nicht ausnahmslos um den konomischen Faktor, sondern um "Unheimlich emotionale Musik"..

Ende Januar/Anfang Februar geht's mit THE VISION BLEAK und NEGURA BUNGET auf Tour. Was habt ihr fr Erwartungen und was macht einen Live-Auftritt von FARSOT aus? Spielt ihr da auch den 15-Minuten-Trmmer?

Farsot

Erwartungen haben wir eigentlich keine. Wir sind voller Spannung und Vorfreude und hoffen, einige Hrer live berzeugen zu knnen. Der 15-Minuten Trmmer hat in echt ber 20 Minuten Spiellnge. Das Hauptproblem ist allerdings nicht die Lnge, sondern das Interludium. Wir wollen den Song auf jeden Fall komplett spielen. Im Sptsommer steht, wenn das Glck auf unserer Seite ist, nochmals eine kleine Tour an. Dort wird es ihn komplett zu hren geben, vorher leider nur verkrzt.

Wie geht es danach weiter, seid ihr schon Plne fr das zweite Album am schmieden?

Zwei neue Songs sind fertig. Wir spielen sie sogar schon auf der Tour im Wechsel. Das Schreiben an neuem Material musste zwecks Vorbereitungen auf die Tour, vorerst hinten angestellt werden. Der aktuelle Plan nach der Tour ist ein unkonventioneller Beitrag zu einer sehr interessanten und auergewhnlichen Compilation (mehr in Krze). Ansonsten geht's weiter, wie eh und je...

Danke fr Deine Zeit, letzte Worte?

Wir hoffen auf zahlreiches Erscheinen whrend der Tour. Dort wird es dann auch, neben der noch erhltlichen Demo, brandneues Farsot-Merchandise geben.
Vielen Dank fr das Interview und die positive Resonanz.

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