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15. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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CREMATORY
Vaterfreuden und Prioritäten!
Thorsten Dietrich
www.crematory.de


Eigentlich waren CREMATORY schon wieder fleißig und hatten ein neues Album in der Mache, doch die Schwangerschaft von Keyboarderin Kathrin (Ehefrau von Drummer Markus Jüllich) brachte den Plan dann doch etwas durcheinander. Das neue Album "Pray" wurde auf 2008 verschoben, zwischenzeitlich wurde dann Bandsprachrohr Markus Jüllich zum zweiten Mal Vater und erzählte mir kurz vor dem Aufbruch zu einem Weihnachtsmarkt und zwischen dem Babysitten bei der Tochter, wie man das alles unter eine Hut bekommt. Man setzt Prioritäten - das Album kommt dann wenn alle Zeit haben Gas zu geben.

Markus, mit eurem Album "Pray" habt ihr euch ja fast beeilt. Das sind ja gerade Mal knappe zwei Jahre für eine Hobbyband mit Job und Familie!

Crematory

Nein, das lief einfach gut von der Hand, wir haben nicht viel Zeit vergeudet und haben viel am Wochenende gearbeitet und schwupp war die Platte fertig! Wir haben ja im Januar angefangen, da das Album ja ursprünglich ein halbes Jahr später als noch 2007 erscheinen sollte und waren pünktlich fertig, erklärt der Versicherungskaufmann hörbar fröhlich.

Wieso war denn überall in der Presse zu lesen das neue Album würde "Gothic Metal" heißen?

So war das ursprünglich gedacht. Da hat die Plattenfirma zu schnell Infos rausgegeben. Das war unsere Alternative! Wenn uns nichts mehr einfällt, dann soll das Album so heißen. Was drin ist, soll auch draufstehen! Als wir dann das Cover und die Bilder hatten haben wir diese Idee jedoch geändert, da wir auch einen Song hatten, der auch so hieß. Wir sind auch nicht religiöser als andere und das Cover und der Songtitel haben einfach zusammen gepasst. Sicher passt das auch zu der Gothic-Sache und der Mystik, aber wir sind nicht religiöser als andere auch!

O.k.! Mir ist aufgefallen, ihr seid wieder beim Kohle - Christian Kohlmannslehner, der schon paar Scheiben von euch gemacht hat. Ist das nun euer Hausproduzent, weil er gute Arbeit macht?

Den Kohle kenne ich schon ewig, der war ja mal Musiker bei meiner Band CENTURY. Der hatte damals schon ein Studio und hat sich seit der Zeit brutal entwickelt und immer besseres Equipment an der Hand gehabt. Eines Tages sagte er, ich solle ihn doch mal mixen lassen. Er hat sich das früher nicht zugetraut, danach waren wir begeistert. Diesmal sind wir direkt auf ihn zugegangen, er hat mit mir die Scheibe produziert und ich denke das Ergebnis ist gelungen.

Habt ihr bei solch einem Album eine Wochenendarbeit oder wie kann man sich solch eine Albumproduktion als Laie vorstellen?

Wir machen das so: Beim Komponieren nehmen wir alles so auf, dass wir es mixfertig verwenden können! Das heißt, wenn der Matze Gitarren aufnimmt, nimmt er direkt sechs Gitarren auf mit verschiedenen Sounds, so ist das bei den anderen Musikern auch. Dann können wir das mixfertig verwenden. Deshalb waren diesmal auch so "schnell" weil wir es soundtechnisch so angelegt haben, dass wir keine Vorproduktion brauchten, also gleich vernünftig gearbeitet haben.

Ihr geht ja nun weg von der letzten deutschen Platte und ballert wieder heftiger und singt nur englisch...

Beim Comeback der "Revolution"-Platte hatten wir mehr elektronische Sachen und während "Klagebilder" war es ganz klar, dass es rockiger wird wie unser altes deutsches Album. Jetzt beim "Pray"-Album haben wir gesagt "Back To The Roots" - Gothic Metal, auf die Fresse und wir machen das, was wir am besten können. Düstere Sounds mit Ohrwurmmelodien vom Keyboard. Wir haben uns auch die alten Platten wieder reingezogen, um das Feeling zu bekommen und dann ging das Ruck-Zuck.

Wollt ihr es denn noch einigen Leuten zeigen mit dieser Platte?

Eigentlich nicht! Diese Presse-Geschichte hat sich seit dem "Act 7"-Album eigentlich erledigt. Es gibt immer jemand, der einen nicht mag und das ist uns auch egal. Mit der Presse ist es eigentlich recht cool und zeigen oder beweisen müssen wir eigentlich niemandem mehr was! Wir sind seit 15 Jahren am Start und haben unseren Fankreis. Wir haben einfach Bock auf härteres Zeug seit dem wir in Russland gespielt haben. Dort haben sich die Veranstalter ein Best-Of-Programm gewünscht und da haben wir erst gesagt: "Scheiße, jetzt müssen wir den ganzen alten kram spielen und auch wieder üben!" Im Proberaum hat das uns dann wider erwarten voll Spaß gemacht. Die Reaktionen auf die Shows waren gigantisch und deshalb machen wir jetzt fetten Gothic Metal.

Habt ihr noch die Muse andere Länder als Liveband zu durchforsten, wie kürzlich Russland, oder schafft ihr das wegen Wochenendgigs und Familie nicht?

Wir machen das wieder, aber als "Hobbyband". Wir können wegen der Jobs und der Familie nicht mehr acht Wochen am Stück spielen. Die Konzerte suchen wir uns gezielt aus, das sind meist Festivals, wo wir Samstags spielen und Freitags/Sonntags An- bzw. Abreisen. An den Wochenenden sind auch mehr Leute als in der Woche auf Konzerten und das ist ja schon cool. In Russland waren wir in Moskau und St. Petersburg, da waren wir mit dem Transsibirienexpress gefahren. Das war geil. Rumänien war ein Open Air mit 5000 Leuten und das macht viel Spaß. Seit unserem Comeback sind die Reaktionen im Ausland auch wesentlich besser als es in der Vergangenheit war.

Das neue Cover ist ja nicht schlecht, aber eure alten und bunten Cover vermisse ich trotzdem. Der Felix sagte mir mal die hätte immer so ein ältere Mann gemalt. Warum habt ihr die nicht mehr verwendet?

Crematory Pray Cover

Den Mann haben wir über unsere Plattenfirma Massacre besorgt bekommen und der wohnte sogar bei mir in der Nähe. Der muss damals schon Ende 60 gewesen sein. Wir haben den das letzte Mal vor zehn Jahre getroffen beim "Awake"-Album. Keine Ahnung! Der war recht durchgeknallt, aber hat geil gemalt. Ab der "Act 7" haben wir ja unseren Artworkstil geändert. Ich habe aber eine ganze Kollektion von dem mal gekauft, mal schauen was ich damit mache... Wir sind aber der Meinung, dass das neue Cover viel besser zum Thema passt. Klar waren die Cover früher etwas, worüber sich Presseleute aufgeregt haben. Bei Gothic Metal sollte man nicht solch bunten Cover haben! Der neue Stil ist zeitgemäßer. Die Frau im Booklet der CD ist übrigens meine Sekretärin, erklärt der gewitzte Versicherungskaufmann.

Mir haben eure Cover immer gefallen, da kann man immer was Neues entdecken, die sind so detailreich. Bis vor paar Wochen war euer Cover nicht online und ich dachte ggf. nehmt ihr so ein altes Cover, weil ihr ja "back to the roots" wollt.

Du wirst lachen, anfangs hatten wir auch daran gedacht solch ein Cover wieder zu nehmen! Wir wollten aber etwas Zeitgemäßes haben. Das letzte Cover ist auch zehn Jahre her und vielleicht denken die Fans auch wir spinnen nach zehn Jahren wieder mit solchen Artworks anzukommen! Wenn du die CD in der Hand hast, wirst du wissen, was wir wollen. Da ist eine komplette Bildergeschichte im Booklet, diese ist auch im Header unserer Homepage.

Das muss ich mir mal anschauen!

Wir überlegen uns auch, einen Videoclip zu drehen, da wir auch ein Angebot für Filmmusik haben und da dann auch Filmclips einbauen könnten. Gestern haben wir erst die Fotosession für die CD gemacht, durch die Schwangerschaft meiner Frau ist halt alles etwas verschoben worden! Es ist schon wichtig seine Musik visuell vernünftig umsetzen zu können. Die Verkäufe sind in der Szene rückläufig und früher hat so ein Clip 50.000 DM gekostet.

Wenn eine bekannte Band in Frankfurt für um die 20 € nur 160 Leute zieht, kann man sich fragen, ob sie zu überpräsent ist. Ihr spielt ja nicht so oft, wie stehst du zu Konzertpreisen, wie haltet ihr die stabil?

Alles wird teuer - Crew, Nightliner und Produktionskosten. Es muss alles im Rahmen bleiben und die Fans müssen sich es leisten können. Da muss ein Mittelweg gefunden werden. Es ist halt immer schwierig und das Risiko liegt bei der Band. Viele Veranstalter machen auch nur noch Prozentdeals, da sie Gagen zu riskant finden. Die Band hat fixe Kosten und wenn dann nur 160 Leute kommen, kotzt du dich als Musiker voll. Wir machen im Mai eine Tour, da sind drei Feiertage, das bietet sich gut an. Wir haben gerade dem Booker gesagt er soll schon mal schauen. Wacken haben wir wieder bestätigt. Wir sind geil auf Festivals, dort hat man nur eine 3/4 Stunde Zeit und kann nur die Hits raus hauen, lacht Markus.
Clubkonzerte sind natürlich auch toll. Wir schauen mal, was wir machen. LACRIMAS PROFUNDERE sind Freunde von uns, ATARGATIS waren schon mit uns auf Tour und relative Newcomer. Das hat gut geklappt und wir wollen auf Tour auch Spaß haben und Leute mit denen wir klar kommen. Klar gibt es auch Bands, die mitfahren wollen und einen Buy On bieten. Wir schauen aber da eher drauf mit wem wir klar kommen und wollen keine Eierköpfe dabei haben, die meinen sie wären Rockstars. (Eine gesunde Einstellung hat Markus die anderen Bands sicherlich fehlt! -Anm.d.Verf.) Wir sind eine Hobbyband und machen Musik aus Spaß und den wollen wir auch haben. Wir machen so lange weiter wie wir Lust haben und uns die Leute sehen wollen. Die Intervalle zwischen den Scheiben könnten etwas länger werdenb, legt Markus nach.

Musikalisch dachte ich immer du bist sehr auf die elektronische Seite gewandert. Ich gehe nächste Woche auf ein SAXON-Konzert, kannst du damit noch was anfangen?

Crematory

Doch, ich bin da sehr flexibel. Es gibt Zeiten da habe ich mehr das elektronische Faible, dann eine Deutsch-Rock-Phase und es kann dann auch mal wieder Black Metal sein. Was ich nicht so mag sind diese Klassik- oder Jazz-Geschichten. Wenn du meine CD-Regal sehen würdest, da ist alles drin. Bei uns im Media Markt waren jetzt CDs im Angebot da habe ich richtig zugeschlagen: VAN HALEN, MEGADETH, SISTERS OF MERCY, QUEENSRYCHE und ERASURE. Da sieht man wie breit mein Musikgeschmack ist. Ich hole mir da auch viele Ideen, da jede Musikrichtung was bietet. Ich ziehe mir da von jedem das Beste raus und das macht den Sound von CREMATORY so vielschichtig!

Die Frage an alle Bands: Was kommt zuerst bei euren Alben, die Musik oder die Texte?

Generell machen wir zuerst die Musik. Der Felix bekommt dann die Musik und macht dann seinem Feeling gemäß die Texte dazu. Es kam aber auch schon vor, dass der Felix sagte: Ich habe hier 'ne geile Hookline, macht mal was dazu." Das ist aber eher selten.

Wie wichtig ist eine schöne Edition für ein Album? Ihr habt ja da immer was Nettes in Petto!

Ich bin halt der Meinung, du musst den Leuten was bieten, damit sie die CD kaufen und nicht runterladen. Die Verpackung ist da schon ein Grund, man sollte da auch schon was Wertiges in der Hand haben. Diesmal gibt es eine normale CD, Digipack mit Bildschirmschoner, Handytöne und noch eine Box mit Postern aus dem Booklet. Das wird dann eine recht wertige Sache für die Fans.

Schöne Aussichten für Gothic-Metal-Fans! Ab Mai geht die Band wohl auf Tour und Festivals sind für den Sommer auch geplant. Also nichts wie hin zum "Beten"!

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