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20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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DISHARMONIC ORCHESTRA
Sicke Ösis
Flo
www.disharmonic.com

Als Thorsten mir vorgeschlagen hat ein Interview mit Disharmonic Orchestra zu machen habe ich erst einige Zeit überlegen müssen. Zwar hat mir das neue Album der Ösis ziemlich gut gefallen, allerdings war ich mir nicht sicher ob ein Interview wirklich Sinn macht, da ich auf viele potentiell interessante Sachen aufgrund meiner völligen Unkenntnis der alten Disharmonic Orchestra-Veröffentlichungen nicht eingehen kann. Letztens Endes kam es mir aber doch auf einen Versuch an, da „Ahead“ mich durch Originalität und Einfallsreichtum sehr positiv überrascht hat.

So, erst mal zum warm werden, wer seit ihr, was tut ihr, warum tut ihr das was ihr tut und warum tut ihr das was ihr tut nach so langer Zeit nun wieder?

Wir sind Disharmonic Orchestra, kommen aus dem Schurkenstaat Kärnten in Österreich. Wir tun das was wir tun, weil wir Zwangsneurotiker sind. Da kann man nicht anders. Die lange Pause dazwischen hat uns wehgetan.

Was habt ihr in den vergangenen 8 Jahren so gemacht? Noch irgendwelche musikalischen Projekte? Und wieso habt ihr euch damals überhaupt aufgelöst?

Wahrscheinlich war diese Auszeit nötig, damit wir uns wieder zusammentun konnten. Gut Ding braucht eben Weile. Die Pause ist allerdings doch etwas länger geworden, als wir uns das gedacht hatten. Nach der „Pleasuredome“ wollten wir uns ein wenig zurückziehen. Unser damaliges Plattenlabel und Management hatten leider keine so gute Arbeit geleistet und der Businesskram war uns zu wider. Herwig war und ist mit seiner anderen Band Naked Lunch beschäftigt und so hat sich das ganze ein wenig in die Länge gezogen.



Mir persönlich ist auf „Ahead“ die Vielfalt an Stilelementen aufgefallen. Wie entstehen eure Songs (wirklich aus der Probe heraus oder aus den Ideen Einzelner) und was denkt ihr euch dabei?

Die Songs entstehen im Proberaum beim Jammen bzw. einer von uns hat ein konkretes Riff, dann fummeln wir da rum. Wir haben beim entstehen der Songs kein wirkliches Ziel, das wir verfolgen. Der Weg ist es vielmehr. Wir können am Entstehungsbeginn einer Nummer nicht genau sagen, wie sie am Ende klingen wird. Die Vielfalt der Stilelemente ergibt sich eben aus dem Zusammenspiel unserer Einflüsse, Tagesverfassung und was wir zu Mittag gegessen haben.

Welche musikalischen Einflüsse habt ihr? Die Frage ist zwar abgedroschen, aber wenn ich mir eure Musik so anhöre hoffe ich auf interessantere Antworten als das übliche „Slayer, Maiden, Venom etc.“...

Unsere Einflüsse sind verschieden und vielschichtig. Zu beginn unserer Karriere waren es doch eher so Bands wie Post Mortem (USA), Repulsion, Death und jede Menge Voivod. Jetzt sind es Sachen, die wir uns privat reinziehen. Coole Elektronik wie Herbert, Autechre, Coil bis zu klassischen Sachen wie Steve Reich und Phillip Glass, aber auch Popsachen und natürlich Slayer, Maiden und Venom ;-)

Inwiefern haben sich eure Einflüsse im Vergleich zu früher verändert? Sind mittlerweile neue Sachen dazugekommen, die Anfang der 90er noch nicht präsent waren? Der Elektro-Anteil auf „Ahead“ ist ja relativ hoch, ist das so ein Ding, dass ihr im Nachhinein entdeckt habt und nun in euren Sound integrieren wollt oder ist das schon seit dem Aufkommen dieser Musik ein Thema für euch?

Das Aufkommen der Elektronik hat schon in den späten Sechzigern begonnen. (Ups, mea culpa – Anm.v.Flo) Bands wie Tangerine Dream, Klaus Schulze, Tomita oder Popoh Vuh. Das war mein Einstieg überhaupt in die Musik. Zum Rock bin ich erst durch Kiss gekommen. Die Idee bei uns jetzt moderne Elektronik einfließen zu lassen war meine. Ich dachte mir das könnte ganz gut zu unserem Gesamtsound passen und würde ihn auch erweitern. Uns war am Anfang auch nicht ganz klar, wie das so am Ende klingen wird. Und es war gut. Wir werden auch in Zukunft Elektronik einbauen. Sie wird sicher nicht dominieren, aber ein beständiger Begleiter sein.

Was steckt hinter „R.U.S.M.T.S.I.M.“? Die reine Verarsche des Hörers (der Übergang zwischen Intro, besagtem Song und „Supervision“ bringt mich jedes Mal zum Grinsen, ich habe irgendwie immer das Bild eines total überforderten und verwirrten Metalheads vor Augen, der grade gedacht hat nach dem „scheiss Techno-Intro“ käme mal „richtiger Metal“) oder etwas mehr dahinter? Und aus reiner Neugier, hat der Titel irgendeinen Sinn?

Als Verarschung war es nicht gedacht, aber ich stelle mir das auch etwas komisch vor, wenn ein totaler Metalhead unser Album zum ersten Mal hört und nicht weiß, was ihn erwartet. Die zwei Abkürzungen haben sehr wohl einen Sinn. Dies wird auch eine Quizfrage werden, die wir auf unserer Website machen wollen. Wer die Lösung dann hat bekommt ein T-Shirt. Cool was?

Inwiefern unterscheidet sich „Ahead“ von euren alten Veröffentlichungen? Ich denke der jüngeren Generation (zu der ich ja nun auch gehöre) sind Dismarmonic Orchestra nicht mehr wirklich ein Begriff. Was haben „wir“ denn da früher verpasst?

„Ahead“ ist im Vergleich zu unserer ersten VÖ, der Split LP mit Pungent Stench, komplett was anderes, aber wenn man sich alle unsere VÖs anhört, dann kann man sehr wohl einen roten Faden erkennen. Der Unterschied ist jetzt sicher der, dass wir keinen Grindcore und keinen Death Metal mehr machen. Wir haben zwar immer noch solche Stilelemente drin, aber vermischen die mit anderen. Früher habt ihr Anfangstage des Grindcores und Death Metals verpasst. Eben die erste Generation.
Aber das macht nichts. ;-)

Wie seit ihr an den Deal mit Nuclear Blast gekommen? Betriebswirtschaftlich gesehen passt ihr ja in die bunte Mischung aus Din-genormtem Power Metal und massenkompatiblem Extrem-Metal nicht wirklich rein, zumal sich das Verkaufspotential von „Ahead“ denke ich mal eher in Grenzen halten dürfte.

Nach der Wiederveröffentlichung von unserem ersten Album “Expositionsprophylaxe“ hab ich mich bei Nuclear Blast gemeldet und Markus Staiger, der Boss von NBR hat sich daraufhin bei mir gemeldet und uns gefragt, ob wir nicht wieder was Neues machen wollten. Und ja, das wollten wir dann auch. Es stimmt allerdings, dass wir eher so die Exotenband auf dem Nuclear Blast Katalog sind. Das Verkaufspotential sehe ich auch nicht unbedingt im massenkompatiblen Extrem Metal bzw. im Power Metal, *g* sondern eher im aufgeschlossenen, alternativen Publikum, das sich gerne harte Sachen reinzieht, aber auch Indie Rock und coole Eletronik á la Aphex Twin, Autechre, etc. anhört.



Seit ihr als Band jetzt wieder wirklich existent, d.h. mit Proben und Liveauftritten (wenn ja wann und wo?) und allem was dazu gehört? Werdet ihr live auch noch altes Zeug spielen? Und wird die elektronische Komponente einiger Songs live auch zum Tragen kommen?

Ja, wir sind wirklich existent. Uns gibt es nicht nur im Kopf und auf CD. Wir werden im November ein paar Shows in Österreich machen und hoffen noch dieses Jahr eine kleine Germany Tour zu machen. Eine größere Tour ist für Februar 2003 geplant. Wir werden auch die elektronischeren Songs spielen. Die Sachen macht dann der Lord Deisen. der drückt dann auf die Tasten. Altes Zeugs gibt es natürlich auch. Sogar noch von der Split LP. Ja, so sind wir eben.

Die Frage ist zwar nicht gerade originell, aber was soll´s: Wovon handeln die Texte? Titel wie „If this is it, it isn´t, is it?” oder “Dual peepholes” lassen ja eher auf eine gewissen Portion Ironie schließen...

Unsere Texte sind Hirnwixereien. Da geht es um nix bestimmtes. Zumindest die, die ich schreibe. Wir wollen den Leuten keine vorgekaute Meinung hinknallen. Wir haben auch keine Message in unseren Texten. Die sind einfach sinnfrei und im Abgang haben sie einen zarten Schmelz.

Inwiefern machen Nuclear Blast Promo für euch? Seid ihr zufrieden? Wie sieht´s aus mit Anzeigen, Interviews und Ähnlichem? Legt ihr darauf überhaupt Wert und macht ihr die Musik nur aus Spaß am Musik machen?

Na ja, wir geben auf My Revelations ein Interview. Sie machen ihr Arbeit gut, sind professionell. Wir wissen, dass wir nicht ganz super auf Nuclear Blast raufpassen, aber sie haben einen super Vertrieb und es läuft alles ganz easy ab. Interviews sind uns schon wichtig. Es ist auch wichtig, dass uns Leute kennen lernen. So können sie sich vielleicht ein Bild machen. Die Musik machen wir aus Spaß an der Musik. Das macht immer lecker Laune.

Zum Abschluss wäre es vielleicht noch ganz interessant zu wissen, welche Alben bei euch privat derzeit laufen. Geht es vielleicht von jedem Bandmitglied so eine Art Top-5-Playlist zu machen?

Wieso?

Na ja, dann eben nicht. Aber egal, war trotzdem ein ganz interessantes Interview, oder? Und selbst wenn nicht, wer bis hierhin gelesen hat, für den ist es eh zu spät, hähähä...

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