Navigation
                
20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Band
Titel
Autor
Homepage
>> Als E-Mail versenden
EMERALD
Der Smaragd glänzt wieder
Matthias Decklar
www.emerald.ch


Die Schweizer EMERALD legen im Herbst bereits ihr viertes Album vor, wobei man beim Erstling fairerweise betonen muss, dass man sich damals noch in der Findungsphase befand. "Hymns To Steel" setzt konsequent den eingeschlagenen Weg der Eidgenossen fort, jenseits aller Trends, dem Underground treu bleibend. Mit Ivo Julmy hat die Band zudem einen Sänger, der von seiner Art zu singen her stark polarisiert. Man mag ihm oder lehnt seine Art die Songs zu intonieren ab. Ich persönlich finde allerdings, für EMERALD könnte es keinen passenderen Vokalakrobaten geben. Gitarrist und Bandleader Michael Vaucher, ein äußerst freundlicher Zeitgenosse, nahm sich für uns Zeit, um alle Fragen über Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart beantworten zu können.

Hallo Michael,
"Hymns To Steel" steht nun endlich in den Läden. Was ist es für ein Gefühl, wenn eine neue Scheibe das Licht der Welt erblickt?

Emerald

Es ist ein super Gefühl, ein guter Mix aus Erleichterung und Stolz. Wir haben gerade für diese Scheibe so hart und lange gearbeitet wie noch nie, deshalb sind wir jetzt einfach nur froh, dass die Scheibe endlich draußen ist und erst noch überall super Reviews erhält. Und es ist natürlich immer ein super Ding, Dein Werk in den Läden und Magazinen zu sehen und daraufhin das Feedback von den Fans zu erhalten.

Ich darf ja ruhig zugeben, ein großer EMERALD-Fan zu sein. "Calling The Knights" ist meiner Meinung nach eines der besten Epik-Alben aller Zeiten. Worin siehst Du denn selbst die Unterschiede oder Verbesserungen zu dieser Platte oder zum letzten Werk "Forces Of Doom"?

Wow, Danke erstmal für dieses große Kompliment, welches uns sehr ehrt.
Wir haben beim neuen Album vor allem versucht, noch etwas mehr Abwechslung ins Spiel zu bringen, ohne allerdings auch nur einen Millimeter von unserem Stil, dem epischen 80er Jahre Metal, abzurücken. So sind die Vocals sicher so abwechslungsreich wie noch nie geworden und wir haben diesmal auf Wunsch vieler, auch etwas mehr schnellere Sachen gemacht. Dazu hat es aber auch bombastische Intros, eine keltisch angehauchte Ballade und die typischen EMERALD Epic-Metal-Songs. Ein weiterer Unterschied ist bei den Lyrics zu finden, wo ich zum ersten Mal ganz neue Terrains betrete und nicht mehr "nur" über Fantasy-Sachen und Metal schreibe sondern mit "Empire of Lies" und "Blind Mass" auch zwei politische Songs dabei sind, welche mir sehr am Herzen liegen.

Ein Problem in letzter Zeit ist, dass viele CDs ohne die Lyrics zur Besprechung abgegeben werden. Das sollten die Labels mal wieder dringend ändern, damit wir Hobbyengländer uns auch ergiebig mit den Texten beschäftigen können!
Ich persönlich finde den Titelsong (bis auf das eingestreute "Hey") und "We Shall Rise" gnadenlos gut. Habt ihr gerade auch beim Titelstück auf die Livetauglichkeit geschaut?

Danke, das freut mich. Wir schauen beim Songwriting eigentlich nie auf solche Sachen, die Songs entstehen einfach, meistens aus dem Bauch heraus oder aus dem Jammen auf der Gitarre. Ob ein Song dann live gut funktioniert oder nicht, kommt erst viel später aus, wenn wir die Songs im Proberaum zusammen spielen. "Hymn To Steel" eignet sich tatsächlich super für das Live-Programm (die eingestreuten Shouts sind übrigens ein "Hail", nicht "Hey" (lacht), hingegen "We shall rise" eher weniger aus unserer Sicht, das ist ein totaler Studiosong mit all den Tempowechseln etc.

Ich denke, dass ihr euren Stil konsequent geht. Wird es da nicht mittlerweile schwer, innerhalb dieses Spektrums neue Ideen zu entwickeln? Mir kam es nämlich so vor, den Song "My Way" zu kennen. Hieß der nicht auf dem letzten Album "Something In The Dark"?

Ich denke, diese beiden Songs sind sehr unterschiedlich, schon nur deshalb, weil "Something in the Dark" von unserem Ex-Bassisten Stephan stammt und "My Way" von mir, und wir hatten einen komplett anderen Stil beim Komponieren. Neue Ideen sind eigentlich generell kein Problem bis jetzt, wir variieren jetzt wie gesagt mehr mit dem Tempo und den Vocals, ansonsten fühlen wir uns pudelwohl in unserem Stil.

Jvos Gesang ist für viele Leute nicht gerade leicht zu verdauen. Ihr habt allerdings nie Zweifel an eurem Frontmann aufkommen lassen. Ich denke, gerade ein Song wie "Empire Of Lies" geht sehr ins Extrem, oder?

Ja, bei "Empire of Lies" geht's tatsächlich bis zum Limit, aber ich finde das halt geil. We don't give a fuck, was andere über Jvo denken, solange uns die Sache gefällt, ist es gut. Und wir sind begeistert von den Vocals auf der neuen Platte! Der Plattenfirma und vielen anderen hat genau dieser Song super gefallen. Sein Gesang war halt schon immer ein "Love it or hate it"-Ding und es ist uns lieber, man hasst oder man liebt uns, als wenn es heißen würde: "klingt wie tausend andere Bands auch, durchschnittlicher True Metal". Mit dem haben ja tausende Bands vor allem aus Italien und Skandinavien zu kämpfen.

Insgesamt gesehen ist das neue Album wieder sehr kompakt und stimmig, was die Anordnung der Songs angeht und die Covergestaltung. Wer ist denn für das Aussuchen eurer geilen Coverversionen zuständig und wer hat das Cover gezeichnet?

Emerald Hymns To Steel Cover

Also das Cover stammt von Timo Würz, der auch schon für SACRED STEEL oder AMON AMARTH gemalt hat. Ein echter Künstler, der sonst weniger für die Metalszene macht, dafür in der Werbung und vielen anderen Bereichen noch aktiv ist. Wir sind selber auch total glücklich mit dem Artwork, es entspricht genau unseren Vorstellungen.
Was die Coverversionen angeht, so mache meistens ich der Band einige Vorschläge und wir suchen dann gemeinsam einen Song dafür aus. Diesmal haben wir uns für CRIMSON GLORY entschieden, eine meiner absoluten Lieblingsbands aus den 80ern. Die ersten beiden CG-Scheiben sind bei mir unter den Top 20 Metalscheiben aller Zeiten, echt Metal-Klassiker, die leider nie die Anerkennung erhielten, die sie verdient hätten. Für die anstehende Vinylversion des neuen Albums haben wir noch eine weitere Coverversion aufgenommen: "Warlord's Wrath" von BLACK KNIGHT. Dieser Song ist ebenfalls ein verkannter Klassiker, den wohl fast niemand kennen dürfte, da die Band nur eine rare Privatpressung-EP in den 80ern veröffentlichte. Das ist übrigens auch unser Anliegen bei unseren Coverversionen. Lieber verkannte oder unbekannte alte Klassiker einspielen als zum 100sten Mal die gleichen BLACK-SABBATH-, MAIDEN- oder PRIEST-Covers bringen.

Erzähl uns doch mal, wie es zu den Besetzungswechseln bei euch kam und was Du von den neuen (alten) Leuten erwartest?

Ja, es hat leider einige Wechsel gegeben in den letzten Jahren. Das kommt fast immer von da her, dass viele Leute zwar gerne in einer Band spielen, aber wenn's dann um das regelmäßige Proben geht, fehlt plötzlich die Zeit oder die Lust dazu. Wir proben zwei Mal die Woche zusammen, vor dem Studio natürlich noch mehr, dazu kommen noch Konzerte und Studioaufenthalte. Ist also sehr zeitaufwendig, da wir alle ja noch unsere Vollzeit-Jobs haben neben der Band (einige auch noch Familie). Das heißt, wir erwarten von den Bandmitgliedern einfach, dass sie motiviert sind und genug Zeit für EMERALD einsetzen können, dazu kommt noch der finanzielle Aspekt, aber das ist eine andere Sache. Wir sind aber im jetzigen Line-up pudelwohl und ich denke (und hoffe), dass jetzt erstmal Ruhe eingekehrt ist im Hause EMERALD.

Was wird sich an der Livefront tun? Habt ihr schon Ideen für eine Tour oder plant man als kleine Band schon gar nicht mehr mit solchen Kosten?

Wir glauben ehrlich gesagt nicht, dass eine Tour realisierbar ist im Moment. Dafür fehlen uns und auch unserer Plattenfirma einfach die nötigen finanziellen Mittel. Dazu kommt noch, dass wir wohl auch terminlich einige Probleme hätten, dies mit unseren Jobs in Einklang zu bringen. Aber wir hoffen, dass sich einige Einzelgigs und vor allem nächstes Jahr ein paar Festivals realisieren lassen. Wer Interesse hat, uns für Einzelkonzerte oder für Festivals zu buchen, soll sich bitte an die Kontaktadresse am Schluss melden. Eine Tour im Vorprogramm einer bekannten Band wäre natürlich Gold wert als Promotion und um die Band weiterzubringen, aber es bleibt im Moment wohl beim Traum, da machen wir uns nichts mehr vor.

Emerald

Gib uns zum Abschluss doch bitte mal ein paar persönliche Worte, die unseren Lesern den Metalfan Michael Vaucher genauer vorstellen!

Hahaha, gute Frage. Ich bin halt einfach ein etwas verrückter Metal-Maniac, der seit über 20 Jahren den Heavy Metal vergöttert und mit viel Leidenschaft LPs und CDs sammelt und jede freie Minute entweder Metal hört, liest oder selber spielt. Es ist eine Sucht, aber eine, die ich sicher nie loswerden möchte, Heavy Metal is my life and passion, darum geht es auch in meinem Song "My Way". Meine Lieblingsbands sind sicher mal IRON MAIDEN, mit denen alles angefangen hat 1985 und die ich auch heute noch grandios finde, dazu noch VIRGIN STEELE, SAVATAGE, RUNNING WILD, OMEN, CRIMSON GLORY, MEDIEVAL STEEL, SLAYER, HELSTAR, AGENT STEEL, KING DIAMOND, AXEL RUDI PELL (in Sachen Gitarristen mein Idol) und JAG PANZER.

Na, geht es noch besser? Den Titel fachkundigster Fan der Szene, Spezialgebiet 80er, gewinnt Michael Vaucher locker. Ihr seht, auch auf meine kritischen Fragen, die ich als gnadenloser Fan der Schweizer natürlich stellen muss, gibt es zufrieden stellende Antworten und manch einmal mag auch der Eindruck des Schreibers etwas trügen. Fakt ist, dass "Hymns To Steel" mit jedem Tag wächst und ich momentan schon einen Punkt mehr ziehen würde. Aber liebe Schweizer, den heben wir uns dann für das fünfte Album auf, welches bestimmt keinen Deut schlechter sein wird.
Wenn Michael oder ich euer Interesse für EMERALD haben wecken können, dann wendet euch an folgende Adressen:

Ich bedanke mich für das Interview und den Support! Hier noch unsere Kontaktadresse:

EMERALD c/o Michael Vaucher
Meisenweg 16 CH-3186 Düdingen

E-Mail: msvaucher@freesurf.ch
Website: www.emerald.ch
Sowie: myspace.com/emeraldch.

Wir freuen uns auf Kontakt und Feedback. By the Power of the EMERALD - The Spirit of Metal will never die!

<< vorheriges Interview
SODOM - Manchmal kommen sie wieder!
nächstes Interview >>
DELAIN - King Of Gothic Metal?




 Weitere Artikel mit/über EMERALD: