|

Die Schweizer EMERALD legen im Herbst bereits ihr viertes Album vor,
wobei man beim Erstling fairerweise betonen muss, dass man sich damals
noch in der Findungsphase befand. "Hymns To Steel" setzt konsequent den
eingeschlagenen Weg der Eidgenossen fort, jenseits aller Trends, dem
Underground treu bleibend. Mit Ivo Julmy hat die Band zudem einen
Sänger, der von seiner Art zu singen her stark polarisiert. Man mag ihm
oder lehnt seine Art die Songs zu intonieren ab. Ich persönlich finde
allerdings, für EMERALD könnte es keinen passenderen Vokalakrobaten
geben. Gitarrist und Bandleader Michael Vaucher, ein äußerst
freundlicher Zeitgenosse, nahm sich für uns Zeit, um alle Fragen über
Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart beantworten zu können.
Hallo Michael,
"Hymns To Steel" steht nun endlich in den Läden. Was ist es für ein
Gefühl, wenn eine neue Scheibe das Licht der Welt erblickt?
Es ist ein super Gefühl, ein guter Mix aus Erleichterung und Stolz. Wir
haben gerade für diese Scheibe so hart und lange gearbeitet wie noch
nie, deshalb sind wir jetzt einfach nur froh, dass die Scheibe endlich
draußen ist und erst noch überall super Reviews erhält. Und es ist
natürlich immer ein super Ding, Dein Werk in den Läden und Magazinen zu
sehen und daraufhin das Feedback von den Fans zu erhalten.
Ich darf ja ruhig zugeben, ein großer EMERALD-Fan zu sein. "Calling The
Knights" ist meiner Meinung nach eines der besten Epik-Alben aller
Zeiten. Worin siehst Du denn selbst die Unterschiede oder
Verbesserungen zu dieser Platte oder zum letzten Werk "Forces Of Doom"?
Wow, Danke erstmal für dieses große Kompliment, welches uns sehr ehrt.
Wir haben beim neuen Album vor allem versucht, noch etwas mehr
Abwechslung ins Spiel zu bringen, ohne allerdings auch nur einen
Millimeter von unserem Stil, dem epischen 80er Jahre Metal, abzurücken.
So sind die Vocals sicher so abwechslungsreich wie noch nie geworden
und wir haben diesmal auf Wunsch vieler, auch etwas mehr schnellere
Sachen gemacht. Dazu hat es aber auch bombastische Intros, eine
keltisch angehauchte Ballade und die typischen EMERALD Epic-Metal-Songs. Ein weiterer Unterschied ist bei den Lyrics zu finden, wo ich
zum ersten Mal ganz neue Terrains betrete und nicht mehr "nur" über
Fantasy-Sachen und Metal schreibe sondern mit "Empire of Lies" und
"Blind Mass" auch zwei politische Songs dabei sind, welche mir sehr am
Herzen liegen.
Ein Problem in letzter Zeit ist, dass viele CDs ohne die Lyrics zur
Besprechung abgegeben werden. Das sollten die Labels mal wieder
dringend ändern, damit wir Hobbyengländer uns auch ergiebig mit den
Texten beschäftigen können!
Ich persönlich finde den Titelsong (bis auf das eingestreute "Hey") und
"We Shall Rise" gnadenlos gut. Habt ihr gerade auch beim Titelstück auf
die Livetauglichkeit geschaut?
Danke, das freut mich. Wir schauen beim Songwriting eigentlich nie auf
solche Sachen, die Songs entstehen einfach, meistens aus dem Bauch
heraus oder aus dem Jammen auf der Gitarre. Ob ein Song dann live gut
funktioniert oder nicht, kommt erst viel später aus, wenn wir die Songs
im Proberaum zusammen spielen. "Hymn To Steel" eignet sich tatsächlich
super für das Live-Programm (die eingestreuten Shouts sind übrigens ein
"Hail", nicht "Hey" (lacht), hingegen "We shall rise" eher weniger aus
unserer Sicht, das ist ein totaler Studiosong mit all den Tempowechseln
etc.
Ich denke, dass ihr euren Stil konsequent geht. Wird es da nicht
mittlerweile schwer, innerhalb dieses Spektrums neue Ideen zu
entwickeln? Mir kam es nämlich so vor, den Song "My Way" zu kennen.
Hieß der nicht auf dem letzten Album "Something In The Dark"?
Ich denke, diese beiden Songs sind sehr unterschiedlich, schon nur
deshalb, weil "Something in the Dark" von unserem Ex-Bassisten Stephan
stammt und "My Way" von mir, und wir hatten einen komplett anderen Stil
beim Komponieren. Neue Ideen sind eigentlich generell kein Problem bis
jetzt, wir variieren jetzt wie gesagt mehr mit dem Tempo und den
Vocals, ansonsten fühlen wir uns pudelwohl in unserem Stil.
Jvos Gesang ist für viele Leute nicht gerade leicht zu verdauen. Ihr
habt allerdings nie Zweifel an eurem Frontmann aufkommen lassen. Ich
denke, gerade ein Song wie "Empire Of Lies" geht sehr ins Extrem, oder?
Ja, bei "Empire of Lies" geht's tatsächlich bis zum Limit, aber ich
finde das halt geil. We don't give a fuck, was andere über Jvo denken,
solange uns die Sache gefällt, ist es gut. Und wir sind begeistert von
den Vocals auf der neuen Platte! Der Plattenfirma und vielen anderen
hat genau dieser Song super gefallen. Sein Gesang war halt schon immer
ein "Love it or hate it"-Ding und es ist uns lieber, man hasst oder man
liebt uns, als wenn es heißen würde: "klingt wie tausend andere Bands
auch, durchschnittlicher True Metal". Mit dem haben ja tausende Bands
vor allem aus Italien und Skandinavien zu kämpfen.
Insgesamt gesehen ist das neue Album wieder sehr kompakt und stimmig,
was die Anordnung der Songs angeht und die Covergestaltung. Wer ist
denn für das Aussuchen eurer geilen Coverversionen zuständig und wer
hat das Cover gezeichnet?
Also das Cover stammt von Timo Würz, der auch schon für SACRED STEEL
oder AMON AMARTH gemalt hat. Ein echter Künstler, der sonst weniger für
die Metalszene macht, dafür in der Werbung und vielen anderen Bereichen
noch aktiv ist. Wir sind selber auch total glücklich mit dem Artwork,
es entspricht genau unseren Vorstellungen.
Was die Coverversionen angeht, so mache meistens ich der Band einige Vorschläge und wir suchen dann gemeinsam einen Song dafür aus. Diesmal haben wir uns für CRIMSON GLORY entschieden, eine meiner absoluten Lieblingsbands aus den 80ern.
Die ersten beiden CG-Scheiben sind bei mir unter den Top 20
Metalscheiben aller Zeiten, echt Metal-Klassiker, die leider nie die
Anerkennung erhielten, die sie verdient hätten. Für die anstehende
Vinylversion des neuen Albums haben wir noch eine weitere Coverversion
aufgenommen: "Warlord's Wrath" von BLACK KNIGHT. Dieser Song ist
ebenfalls ein verkannter Klassiker, den wohl fast niemand kennen
dürfte, da die Band nur eine rare Privatpressung-EP in den 80ern
veröffentlichte. Das ist übrigens auch unser Anliegen bei unseren
Coverversionen. Lieber verkannte oder unbekannte alte Klassiker
einspielen als zum 100sten Mal die gleichen BLACK-SABBATH-, MAIDEN- oder
PRIEST-Covers bringen.
Erzähl uns doch mal, wie es zu den Besetzungswechseln bei euch kam und
was Du von den neuen (alten) Leuten erwartest?
Ja, es hat leider einige Wechsel gegeben in den letzten Jahren. Das
kommt fast immer von da her, dass viele Leute zwar gerne in einer Band
spielen, aber wenn's dann um das regelmäßige Proben geht, fehlt
plötzlich die Zeit oder die Lust dazu. Wir proben zwei Mal die Woche
zusammen, vor dem Studio natürlich noch mehr, dazu kommen noch Konzerte
und Studioaufenthalte. Ist also sehr zeitaufwendig, da wir alle ja noch
unsere Vollzeit-Jobs haben neben der Band (einige auch noch Familie).
Das heißt, wir erwarten von den Bandmitgliedern einfach, dass sie
motiviert sind und genug Zeit für EMERALD einsetzen können, dazu kommt
noch der finanzielle Aspekt, aber das ist eine andere Sache. Wir sind
aber im jetzigen Line-up pudelwohl und ich denke (und hoffe), dass
jetzt erstmal Ruhe eingekehrt ist im Hause EMERALD.
Was wird sich an der Livefront tun? Habt ihr schon Ideen für eine Tour
oder plant man als kleine Band schon gar nicht mehr mit solchen Kosten?
Wir glauben ehrlich gesagt nicht, dass eine Tour realisierbar ist im
Moment. Dafür fehlen uns und auch unserer Plattenfirma einfach die
nötigen finanziellen Mittel. Dazu kommt noch, dass wir wohl auch
terminlich einige Probleme hätten, dies mit unseren Jobs in Einklang zu
bringen. Aber wir hoffen, dass sich einige Einzelgigs und vor allem
nächstes Jahr ein paar Festivals realisieren lassen. Wer Interesse hat,
uns für Einzelkonzerte oder für Festivals zu buchen, soll sich bitte an
die Kontaktadresse am Schluss melden. Eine Tour im Vorprogramm einer
bekannten Band wäre natürlich Gold wert als Promotion und um die Band
weiterzubringen, aber es bleibt im Moment wohl beim Traum, da machen
wir uns nichts mehr vor.
Gib uns zum Abschluss doch bitte mal ein paar persönliche Worte, die
unseren Lesern den Metalfan Michael Vaucher genauer vorstellen!
Hahaha, gute Frage. Ich bin halt einfach ein etwas verrückter Metal-Maniac, der seit über 20 Jahren den Heavy Metal vergöttert und mit viel
Leidenschaft LPs und CDs sammelt und jede freie Minute entweder Metal
hört, liest oder selber spielt. Es ist eine Sucht, aber eine, die ich
sicher nie loswerden möchte, Heavy Metal is my life and passion, darum
geht es auch in meinem Song "My Way". Meine Lieblingsbands sind sicher
mal IRON MAIDEN, mit denen alles angefangen hat 1985 und die ich auch
heute noch grandios finde, dazu noch VIRGIN STEELE, SAVATAGE, RUNNING WILD, OMEN, CRIMSON GLORY, MEDIEVAL STEEL, SLAYER, HELSTAR, AGENT STEEL, KING DIAMOND, AXEL RUDI PELL (in Sachen Gitarristen mein Idol) und JAG PANZER.
Na, geht es noch besser? Den Titel fachkundigster Fan der Szene,
Spezialgebiet 80er, gewinnt Michael Vaucher locker. Ihr seht, auch auf
meine kritischen Fragen, die ich als gnadenloser Fan der Schweizer
natürlich stellen muss, gibt es zufrieden stellende Antworten und manch
einmal mag auch der Eindruck des Schreibers etwas trügen. Fakt ist,
dass "Hymns To Steel" mit jedem Tag wächst und ich momentan schon einen
Punkt mehr ziehen würde. Aber liebe Schweizer, den heben wir uns dann
für das fünfte Album auf, welches bestimmt keinen Deut schlechter sein
wird.
Wenn Michael oder ich euer Interesse für EMERALD haben wecken können,
dann wendet euch an folgende Adressen:
Ich bedanke mich für das Interview und den Support! Hier noch unsere
Kontaktadresse:
EMERALD
c/o Michael Vaucher
Meisenweg 16
CH-3186 Düdingen
E-Mail: msvaucher@freesurf.ch Website: www.emerald.ch Sowie: myspace.com/emeraldch.
Wir freuen uns auf Kontakt und Feedback. By the Power of the EMERALD - The Spirit of Metal will never die!
|
|