Navigation
                
21. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Band
Titel
Autor
Homepage
>> Als E-Mail versenden
LE GRAND GUIGNOL
Die Luxemburger Freigeister lassen sich in keine Schublade schieben
Snke Hansen
www.legrandguignol.com


Die Idee, Klassik und Metal miteinander zu verbinden, ist gewiss nicht neu; doch die symbiontische Verbindung, die die verschiedenen Musikstile in "The Great Maddening" eingehen, hrt sich nicht nur sehr natrlich an, sondern sie zeigt auch das Potenzial einer Band, die sich intensiv mit ihren Kompositionen auseinandersetzt. Und sie zeigt uns noch etwas: Mit Toleranz lt sich, im Resultat einer Zusammenkunft von Musikern aus verschiedenen Sparten mit den entsprechenden persnlichen Vorlieben, eine musikalische Vision kreieren, die letztlich der Schaffung von etwas Neuem gleicht. So ist "The Great Maddening" als solches gesehen zwar kein musikalisches Neuland, in ihrer Ausfhrung und Darbietung aber hingegen uerst innovativ.
Ohne Frage - LE GRAND GUIGNOL machen keine Musik von der Stange und legen viel Wert auf Qualitt und Originalitt.
Philip Breuer (Gesang, Texte) hat sich meinen Fragen gestellt und zeigte sich dabei als offener, freundlicher und recht redseliger Zeitgenosse, der viele interessante Sachen ber die Band und auch darber hinaus zu berichten wei.


Hallo!

Hallo! :-)

Das Thtre du Grand Guignol - ein ehemaliges Theater in Paris, das seine Glanzzeit vor ber 50 Jahren hatte und sich auf groteske Inszenierungen von Horrorstcken spezialisiert hatte.
Seht ihr euch mehr als Schauspieler in einem musikalischen Theaterstck im Gewand des extremen Metals, oder seid ihr eher Metaller, die sich der akustischen Elemente des Horrortheaters bedienen?


Philip: Als Schauspieler sehen wir uns nicht, da mssten wir uns ja an Regeln halten, die jemand uns vorgesetzt hat (Intendant, Regisseur ... Metalszene, haha etc.). Allerdings bedienen wir uns auch nicht der Elemente des Horrortheaters, denn die Themen, die wir besprechen, haben eigentlich nur im weitesten Sinn etwas mit Horror zu tun und die Parallelen zum Theater sind lediglich die Unvorhersehbarkeit der Stcke und die gewisse knstlerische Freiheit.
Wir sind lediglich ein paar gute alte Freunde, die sich auf allen Ebenen perfekt ergnzen um ihre gemeinsamen Visionen zu vertonen. Wir alle haben verschiedene Hintergrnde und so kommen einige aus der Klassik, andere eher aus dem Rock und wiederum andere aus dem Metal, so dass es schwer wird, Le Grand Guignol irgendwie zu pauschalisieren.

Wie wrdest du mit wenigen Worten euren Musikstil bezeichnen?

Philip: Eklektischer Metal (nicht zu verwechseln mit elektrisch!). Will heien, wir bedienen uns frei an allen Stilen und Methoden, welche die Musik hergibt und fgen sie unter einem metallischen Banner neu zusammen. Dies geschieht allerdings nicht mit Absicht oder Kalkulation, unsere Visionen lassen sich nunmal nur auf diese Weise vertonen.

Wollt ihr den geneigten Zuhrer nur angenehm unterhalten oder auch eine bestimmte Botschaft vermitteln? Die Werbe-Anzeigen zu "The Great Maddening" in den Zeitschriften strotzen ja gerade zu vor Zitaten philosophischer, wenn auch augenzwinkernder Art.

Philip: Es freut mich zu hren, dass Du den augenzwinkernden Unterton verstanden hast. Ich finde, der kommt vielen Bands heutzutage zu sehr abhanden. Natrlich sind wir keine Spaband, die blo angenehm unterhalten will. Ich denke, die Musik gewisser Kollegen eignet sich da viel besser zu... Eine bestimmte Botschaft wollen wir auch nicht vermitteln (ich beziehe mich jetzt auf die Texte). Ich mae es mir nicht an, jemand anders mit meinem persnlichen Gedankengut und meinen Ideologien zu bekehren oder zu belstigen. Ich denke, unsere Zuhrer sind erwachsen genug, um sich selbst ein Bild von der Welt machen zu knnen. Sie brauchen keinen Vorkauer und falls doch, dann knnen sie woanders fndig werden. Ich bin kein Prediger, ich bin Metal-Snger. Meine Texte werden oft aus der Ich-Perspektive heraus erzhlt, so dass sie sehr persnlich sind. Trotz ihrer Tiefe sind sie in gewisser Weise universal und somit fr jeden zugnglich.
Die Mehrzahl der Texte auf der Platte handelt vom Streben nach dem Erreichen einer neuen Ebene (sowohl intellektuell als auch physisch) und den oft damit verbundenen verschiedenen Formen des Wahnsinns. Dieser Wahnsinn kann sich sowohl positiv als auch negativ manifestieren, kann sowohl an einzelne Personen gebunden sein als auch an globale Situationen, er kann sowohl greifbar sein und befreiend wirken, als auch Angst, Beklemmung und Hilflosigkeit hervorrufen. Manchmal wirkt er katalytisch, manchmal hemmend. Einige seiner Entstehungen und Auswirkungen habe ich versucht, in unseren Texten wiederzugeben.
Dieser "faustsche" Ansatz ist vielleicht ein Grund fr die philosophischen Zitate in den Anzeigen! ;-)

Auf der Bhne wrde ich als Besucher eines eurer Konzerte ein opulentes Bhnenbild erwarten, mit Kerzenschein, Totenkpfen und allem, was dazu gehrt. Wrde ich enttuscht werden?

Philip: Naja, Du wrdest in der Hinsicht enttuscht werden, als dass wir in nchster Zukunft keine Konzerte geplant haben ...aus dem von Dir angesprochenen Grund.
Das liegt vor allem daran, dass es schwierig wird, unser Material live vernnftig wiederzugeben. Uns liegt nichts daran, den Leuten eine abgespeckte Version der Album-Songs zu prsentieren. Das ist weder in unserem Sinne, noch im Sinne der Musik, noch in dem der Zuschauer. Falls wir live spielen werden, lassen wir uns auf jeden Fall etwas Besonderes einfallen, etwas, das dem Ganzen eine bestimmte neue Dimension verleiht. Natrlich ist wie so oft der Wunsch Vater des Gedanken, bzw. das Finanzielle das Ende der Trume. Nichtsdestotrotz soll die hohe Qualitt der Album-Aufnahmen sich auch auf der Bhne fortsetzen. Ich denke, viele Leute haben es satt, sich immer das Gleiche bei Konzerten anzuschauen.
Lrm und Bier sind schn und gut, allerdings stellen wir etwas hhere Ansprche an uns, welche schlussendlich auch dem Publikum zu Gute kommen sollen. Es soll etwas erleben - etwas, das lnger im Kopf bleibt als ein Kater und ein Tinnitus! Bei der ganzen Akribie, die in der Aufnahme steckt, wollen wir einfach auch live das meiste bieten, was irgendwie mglich ist. Niemand soll enttuscht werden, am allerwenigsten wir selbst. Um dies zu erreichen berstrzen wir nichts, machen uns aber alle mglichen Gedanken zur Realisierung.Und vielleicht heit es ja schon bald wieder: Vorhang auf im LE GRAND GUIGNOL!

Ein groer Bestandteil von "The Great Maddening" sind die vielen, unterschiedlichen Instrumente. Wie viel davon ist tatschlich echt und was kommt vom Keyboard?

Philip: Alle Instrumente wurden echt eingespielt. Die meisten davon allerdings fr Samples, die wir dann benutzt haben! ;-)
Patrick: Htte sich das irgendwie finanzieren lassen, htten wir sicher ein reales Orchester und alle weiteren Instrumente in Echt einspielen lassen.
Alles ist in Partituren festgehalten und liee sich mit einem richtigen Orchester umsetzen.
Stattdessen haben wir die am Besten klingenden, real eingespielten Samples eingesetzt und uns die grte Mhe beim Programmieren gemacht, so dass es weitestgehend real klingt.
Fr die nchste CD ist geplant, zumindest die wichtigsten orchestralen Melodien in Echt einzuspielen oder einspielen zu lassen.

Zum Teil sind eure Lieder unheimlich komplex aufgebaut. Wie komponiert ihr so ein Song? Habt ihr einen Hauptschreiber oder sind die elf Stcke von "The Great Maddening" Gemeinschaftsarbeit?

Philip: Eigentlich ist unser Hauptsongschreiber der Yves. Er komponiert die meisten Grundideen, -Melodien, -Riffs. Anschliessend treffen sich er und Patrick um das Ganze noch zu verfeinern und musikalisch zu besprechen. Darauf hin wird das Resultat im Studio noch weiter perfektioniert. Besonders hilfreich ist es, wenn es bereits ein festes Hintergrundkonzept, eine Storyline fr einen Song gibt. Dann geleiten die Bilder im Kopf mehr oder weniger automatisch zum Resultat.
Das klingt jetzt so einfach, ich wette, wenn unsere Songschreiber das lesen, treten sie mir mchtig in den Arsch, haha! Wir sind also keine typische Proberamband, die ihre Songs gemeinsam beim Jammen schreibt. Das wrde in unserem Fall zu keinem befriedigenden Reslutat fhren. Was aber nicht heien will, dass beim Jammen keine guten Ideen entstehen knnen. Blo in unserem Fall entstehen keine ganzen Songs auf diese Weise.

Was hrst du privat fr Musik?

Philip: Niemals satt hren kann ich mich an japanischem psychedelischen Folk/Rock mit Frauengesang aus den 70er Jahren. Sehr gerne hre ich auch Soundtracks von Komponisten wie Jo Yeong-Wook oder Joe Hisaishi sowie fast alle Arten der klassischen Musik.
Um jetzt nicht vllig als Freak dazustehen, nenne ich aber auch gerne Megadeth, welche ich sehr schtze. Ansonsten hre ich vor allem Musik, zu welcher ich einen persnlichen Bezug habe (z.B. Musik von befreundeten Bands etc.).
Vor rund 10-12 Jahren habe ich mir jede Menge CDs gekauft (vor allem aus dem extremen Metal Bereich)... neuerdings fast gar nichts mehr, da mich immer weniger Bands berzeugen knnen. Wo ist die damalige Aufbruchstimmung hin? Aufgrund der Unflexibilitt und Schienendenkens einiger Magazine kann ich allerdings verstehen, dass sich junge Musiker lieber mit "Standard-Musik" auf festem Eis bewegen wollen als dass ihre hingebungsvolle Musik von einem berforderten Rezensenten verrissen wird, der sich noch nicht mal die Mhe gemacht hat, das Album konzentriert zu Ende zu hren. Das ist eine Schande fr die Kunst und sehr zu bedauern!

Bier, Wein oder doch lieber Wasser?

Philip: Zuhause darf es desfteren gerne ein luxemburgischer Riesling oder auch mal ein Pinot Gris von der Mosel sein. Dem spanischen Rioja gegenber bin ich allerdings auch nicht abgeneigt.
Auf Konzerten dann eher Bier und am "Tag danach" viiieeel Wasser! ;-)

Headbanging oder Tanzen?

Philip: Ich bin ein uerst schlechter Tnzer, von daher reduziert sich meine Antwortmglichkeit drastisch auf das Headbangen. Allerdings auch blo, wenn ich auf der Bhne stehe. Frher habe ich gerne in Clubs gebangt, aber man wird ja lter und dann diese Rcken- und Nackenschmerzen ... ;-)
Allerdings kann ich es mir sehr reizvoll vorstellen, wenn einige Leute live zu unserer Musik tanzen wrden. Gelegenheit dazu gibt es ja bei unseren Walzer oder Salsa -Teilen!

Ein kleiner Blick meinerseits ber den Tellerrand: Hierzulande ist derzeit in der Metal-Community ein Thema vorherrschend: die Infiltration der Metal-Szene von rechts-auen.
Habt ihr damit bei euch auch schon Erfahrungen gemacht?


Philip: Glcklicherweise haben wir damit keine direkten Erfahrungen gemacht, auch wenn man natrlich immer wieder Statements von Idioten liest, die das Internet als Plattform missbrauchen, um ihre kranken Ideologien feige und anonym zu verbreiten. Leider beschrnkt sich der ganze Mist nicht nur auf "hierzulande"!
Ich denke allerdings nicht, dass unsere Band als Anlaufstelle groartig interessant wren fr diese Leute, was natrlich gut ist! Man kann auch anders von sich reden machen als so extreme wie mgliche Parolen zu schmeien und das Ganze dann noch mit unterstklassiger Musik zu "untermalen".
NSBM war, ist und bleibt nichts anderes als Dreck, der in jeglicher Musik- und Gedanken-Kultur nichts zu suchen hat! Weg damit!

Danke fr das Interview!

Wir haben zu danken!

Also, liebe Leser: Seht zu, dass ihr euch "The Great Maddening" ranschafft, damit die Herren an gengend Kohle fr anstndig inzinierte Konzerte rannkommen und auf jeden Fall eines weiteres Album wie dieses aufnehmen knnen!
Und natrlich um in den einmaligen Genu ihrer genialen Mucke zu kommen.
<< vorheriges Interview
SPELLBOUND - The Spell You're Under?
nchstes Interview >>
SOUL DOCTOR - Des Doktors Seele scheint geheilt




 Weitere Artikel mit/ber LE GRAND GUIGNOL: