Navigation
                
12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Band
Titel
Autor
Homepage
>> Als E-Mail versenden
CIRCLE OF PAIN
Einsatz zahlt sich aus
Thorsten Dietrich
www.circle-of-pain.de


Einsatz zahlt sich aus! Zumindest auf knstlerischem Niveau, wie bei den Sddeutschen Circle Of Pain. Diese haben eine tolle zeitlose Metalplatte gemacht, die auch was fr die Augen und das Hirn bietet. Bassist und Songwriter Sandro La Guidici erwies sich als intelligenter, freundlicher Mensch, musikalisch und menschlich wahre Dinge ausspricht.

Sandro, Circle Of Pain sind wirklich fr mich auf der Bildflche erschienen, wieso habe ich von der Band noch vorher nichts gehrt? Erzhl auch bitte mal was ber die Vorgngeralben!


Vielleicht kennst Du die Band noch unter ihrem alten Namen "Tipsy Slut"! 1994 hat Gee Kay, unser Rhythmus Gitarrist die Gruppe gegrndet. Unter diesem Namen wurden dann die Alben " Life is on TV"(1995), "Borrowed Time"(1996) und gemeinsam mit den United Artist for Bosnia "Back to Bosnia"(1998) verffentlicht. Als wir dann in 2000 mit den Aufnahmen zu dem Konzeptalbum "Paradox of Destitution" begonnen hatten, wurde schnell klar, dass ein so ernstes und nachdenklich machendes Thema berhaupt nicht zu dem bisherigen Bandnamen passte. Also haben wir uns entschieden uns in Circle of Pain umzutaufen. Der Name kam uns sehr passend vor fr die Themen, mit denen wir uns beschftigen wollten und auf die wir uns seitdem konzentrieren. "Paradox of Destitution" war also das erste Album das unter dem neuen Namen, damals brigens bei MTM verffentlicht wurde. Es folgten dann "Alive and Kicking" (2002) und die Doppel Live CD "Classic Live Tunes", die unter dem gleichen Namen 2005 auch als DVD bei ZYX Records erschienen ist.

Jetzt wird mir einiges klar! "Our Darkest Hour" ist ja kein Album, was so einfach dahingeschlunzt wurde. Artwork, Texte und die DVD bilden eine Einheit. Wie lange hast du daran gesessen und wie bist du auf die Idee fr dieses eigentlich recht persnliche Werk gekommen?

Von der ersten Idee bis zum fertigen Master haben wir 3 Jahre an "Our Darkest Hour" gearbeitet. Viel zu lange fr die heutigen Verhltnisse in der Musikindustrie, aber gerade lang genug, um dem Thema und dem Anspruch gerecht zu werden, den wir uns fr dieses Album gesetzt haben. Wie auch schon bei "Paradox of Destitution" kam die Idee zu dem Thema aus einem persnlichen Erlebnis. Mein Grovater hat frher nie ber den Krieg gesprochen. Seit etwa 5 Jahren hat er nun die Alzheimersche Krankheit, die unter anderem dazu fhrt, dass sein Kurzzeitgedchtnis nachlsst und er immer fter in der Vergangenheit lebt. Immer wieder kehrt er zurck in die Jahre in denen er als junger Mann im 2. Weltkrieg war. Ich glaube es ist fr uns Musiker ganz wichtig auch persnliche Elemente und Gedanken in die Arbeit einzubringen, weil genau dies die Dinge sind, die uns Menschen hauptschlich berhren. In "Trilogy of War, Hate and Forgiveness" die auf der Bonus - DVD von "Our Darkest Hour" als zusammenhngende Story gespielt wird geht es nicht vorrangig um den 2.Weltkrieg, sondern um das Einzelschicksal eines damals blutjungen Mannes, der die klassische Karriere in der deutsche Wehrmacht durchluft. Er kommt aus einfachen Verhltnissen, wird im Anschluss an den Arbeitsdienst einberufen und nach kurzer Ausbildung an die Front geschickt. Dort erlebt er in den Jahren seiner Jugend alles, was man sich an Extremen in einem Menschenleben berhaupt vorstellen kann. Hunger, Durst, Klte, Brutalitt, Tod, Verrohung, Angst, etc.. Keine Seele kann diese Dinge verarbeiten, ohne erheblich Schaden zu nehmen, Schaden, der sich auf die unterschiedlichste Art und Weise uern kann. Auf jeden Fall aber ist es ein Schaden, der durch das gesamte Leben nach einem solchen Erlebnis andauert.
Ich habe das "Our Darkest Hour" - Album meinem Grovater gewidmet, der, wie Millionen anderer junger Mnner in der ganzen Welt diese Erlebnisse machen musste. Heute, im Alter von 85 fhren ihn seine Gedanken immer wieder zurck in seine Jugend, sprt er den Hunger wieder, die Angst vor den Granaten des Feindes. "Krieg ist halt so......" ist der abgestumpfte und nchterne Kommentar eines Politikers im Fernsehen, der analytisch auf die nur noch geringe Zahl der lebenden Veteranen des 2. Weltkriegs schaut. Das mag sein, aber mit uns wollen viele andere Menschen sich nicht damit abfinden. Ich hoffe das die DVD dazu beitrgt, das junge Menschen sich heute vergegenwrtigen, das die alten Opas und Omas, die so hufig gerne in Alterheime abgeschoben werden, alleine und zum Teil auch recht drftig mit finanziellen Mitteln ausgestattet sind, alle hnliche Schicksale hinter sich haben. Vielleicht ndert das auch manchmal die Sichtweise auf das eine oder andere sonderbare Verhalten, was diese Menschen an den Tag legen.

Wahre Worte, die sich jeder aufmerksam durchlesen sollte! Ich dachte erst das Ganze sei eine Konzeptstory ber den zweiten Weltkrieg und deinen Grovater, aber durch das tolle Booklet und die Linernotes erkennt der Leser, dass viele Themen fr diese CD aufgegriffen wurden. Auch scheinst du recht christlich drauf zu sein, baue das mal alles zusammen fr uns!

Circle of Pain beschftigt sich mit Themen, die im Alltag an den meisten von uns vorbei rauschen, aber fr wenige Betroffene tiefgehende Ereignisse darstellen. Es ist uns sehr wichtig solche Themen mglichst nah an den interessierten Fan heranzubringen. Wir mchten zum Nachdenken anregen, zum Nachfragen anstiften und selber unseren Blick scharf halten fr Dinge, die ber das alltgliche Einerlei hinausgehen. Wir leben in einer Welt, in der wir durch die Medien tglich einen unglaublich hohen Durchsatz an Informationen erhalten. In den seltensten Fllen jedoch geht etwas wirklich an uns. Versetzt man sich aber einmal mit etwas Phantasie in die Betroffenen Menschen, versucht nachzuspren, wie sie sich wohl fhlen mgen, sind diese Informationen manchmal kaum zu ertragen. Wenn durch Musik, Film oder Bcher fr einzelne dieser Themen ein Bewusstsein geschaffen werden kann, setzt man sich neu mit der Sache auseinander. Und manchmal entstehen dann tolle Sachen, wie zum Beispiel Hilfsaktionen oder einfach nur ein besserer Umgang mit dem Nchsten. Du hast angesprochen, dass ich Christ bin. Daher versuche ich zu leben, wie es Jesus uns vorgelebt hat. Bedauerlicherweise stelle ich dabei jeden Tag wieder neu fest, dass ich immer wieder ber meine eigenen Fe stolpere. Das lsst mich wach bleiben und macht mir klar, wie viel ich noch lernen muss bzw. darf. Gott sei Dank!

Ihr habt ja einen neuen Snger in der Band. Was ist mit dem alten passiert und erzhl doch mal was ber den neuen!

Uwe Johann vor den Aufnahmen zu "Our Darkest Hour" ausgeschieden. Er arbeitet seitdem mit seiner Coverband Rock`s Off und in seinen Soloprojekten. Connie Andreszka wurde dann unser neuer Shouter und wenn Du mich fragst einer der absoluten Spitzenklasse in Deutschland. Wir haben uns ber die Empfehlung von Stefan Kllner, mit dem ich zu dieser Zeit gemeinsam bei Domain spielte, kennen gelernt. Er ist ein versierter Musiker und Snger und abgesehen davon auch ein lieber Kerl. Die Arbeit mit ihm macht unglaublich viel Spa und ich bin der festen berzeugung, dass man noch einiges von ihm erwarten darf.

Wie konnte eine vergleichsweise kleine Band so eine DVD verffentlichen? Ihr seid doch bestimmt schon lange dabei und richtige Profimusiker, oder?

Wir haben eigentlich immer das gemacht, was wir gerade als das nchste Projekt fr uns empfunden haben. Das war bei dem Weltrekord so, bei den Studio und Live -Alben und natrlich auch bei der DVD. Erst gab es die Idee, dann das Konzept und zum Schluss kam das Produkt. Ich knnte Bcher darber fllen, mit wie viel Aufwand und Kosten einzelne Projekte entstanden sind, aber letztlich ist das uninteressant. Wir haben es gemacht und hoffen, dass es unseren Fans Freude macht es zu hren und zu sehen. Der grte Teil der Band arbeitet bereits seit ber 20 Jahren als Musiker und wir hoffen, dass es mindestens noch mal genauso lange weiter so sein wird.

Ich sehe euch musikalisch in der Schnittmenge Savatage / Evergrey mit etwas Angel Dust. Kannst du dich damit identifizieren?

Ich mag alle drei Bands sehr gerne! Vergleiche mit Savatage und Evergrey habe ich auch schn fter gelesen. Angel Dust ist neu, aber interessant. Wnschenswert ist es allerdings so zu klingen wie man selbst. Wenn wir das noch nicht erreicht haben, mssen wir weiter daran arbeiten!

Ihr stammt ja aus dem hessischen und sddeutschen Raum und wohnt teilweise recht weit auseinander. Wie gestalten sich denn da die Proben und die Konzerte?

Wir haben unser Probekonzept verndern mssen. Bis zur Trennung von Uwe Johann haben wir regelmig geprobt und auch relativ viele Gigs in der Region gespielt. Durch die Distanzen von bis zum Teil 400 Kilometern von unseren Wohnorten zum bungsraum arbeiten wir heute in Blockproben vor. Das heit, wir treffen uns dann drei Wochen vor einer lngeren Tour und proben tglich. Beide Arbeitsweisen haben vor und Nachteile. Einzelne regionale Gigs sind nicht mehr so einfach mglich, weil die Fahrtwege und der logistische Aufwand zu teuer werden wrde. Allerdings weigern wir uns auch den Fans horrende Eintrittspreise abzuverlangen. Schlielich sind wir eine Rockband und unser Publikum ist in der Regel nicht gerade mit Geld im berfluss gesegnet.

Mir sagte mal jemand vom Media Markt dass jeden Monat Rock und Metalbereich 400 Verffentlichungen erscheinen. Das trifft euch auch, war frher vor 15 Jahren oder so alles einfacher als Metalband wie COP?

Aus heutiger Sicht glaubt man immer, frher sei alles einfacher gewesen. Wir leben und spielen hier und heute, das ist alles was zhlt. Heute wollen wir etwas mitteilen, heute wollen wir gehrt werden und heute wollen wir lernen nicht immer an gestern zu denken, besonders dann, wenn es uns hilft Endschuldigungen frs Heute zu manifestieren. Trotzdem hat die Vergangenheit auch immer einen gewissen Einfluss auf die Gegenwart. Was wir vor 15 Jahren erlebt haben tragen wir als Erinnerungen und Erfahrungen mit uns.

Eure Produktion ist ja wie der Rest der Scheibe auf einem hohen Niveau. Wie wichtig ist heutzutage eine Produktion mit richtigem Sound und ohne diese billigen PC Gitarren und getriggerten Drums oder gar Drumcomputer?

Fr uns waren gute Produktionen immer eine absolute Vorraussetzung fr die Verffentlichung von unserem Material. Eine Band reift im Laufe ihrer Geschichte, sie findet ihren eigenen Stil, arbeitet an Schwchen etc. Aber unseres Erachtens sollte sie immer darauf aufpassen, das ein Produkt, dass man dem Fan verkaufen will auf dem hchsten Standart angesiedelt ist, den man leisten kann. Dazu gehrt natrlich auch eine groe Portion an Bereitschaft zu lernen und sich helfen zu lassen. Meiner Meinung nach sollte ein auen stehender Producer eine Produktion leiten, um auch in den Arrangements, der Wahl der Sounds und der Takes den passenden Schliff zu geben. In unserem Fall ist das mein Freund Axel Ritt. Ein passendes Studio sollte auch gewhlt werden. Das kostet natrlich auch alles eine Stange Geld und nicht jede Band hat seitens ihrer Schallplattenfirma ein entsprechendes Budget. Aber bevor man dann dem Fan irgendetwas hinwirft, sollte man es lieber weiter reifen lassen, bis es passt. Wrde sicherlich auch dem Markt mal ganz gut tun.

Wenn ich mich an die ganze PC und Blechproduktionen der letzten Jahre erinnere, wo ein Drumcomputer beteiligt war, kann ich vor dieser Einstellung nur den imaginre Hut ziehen!
<< vorheriges Interview
VIRGIN BLACK - Jede Gabe erfodert harte Arbeit, um sie [...]
nchstes Interview >>
DESASTER - Bleiben sich treu




 Weitere Artikel mit/ber CIRCLE OF PAIN: