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21. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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RIEFENSTAHL
Hallo Sören!
Sönke Hansen
www.riefenstahl-music.com


Als ich das zweite Album von RIEFENSTAHL ("Instinkt") zum Rezitieren erhielt, staunte ich erstmal nicht schlecht über den Bandnamen. Musste jedoch schnell feststellen, dass ich mich in der Ausrichtung der Band deutlich getäuscht hatte. Im Gegenteil, so weisen die ausnahmslos in deutscher Sprache gehaltenen Texte doch ein hohes Potenzial an Tiefgang auf, wie ich es selten zuvor gehört hatte. Das machte Hunger auf mehr und bot Stoff für ein Interview.
Nichtsdestotrotz ließ ich es mir nicht nehmen, die Band auf ihren Namen anzusprechen - vor allem in Hinsicht auf die sehr aktuelle Thematik der Unterwanderung unserer Szene aus rechter Richtung. Da sich Riefenstahl keinesfalls nur im Metal sehen, gar den "europäischen Metalkram nicht gebrauchen können", wissen sie wahrscheinlich auch nicht um diese Problematik und reagieren einigermaßen überrascht, wenn nicht gar etwas verärgert, auf die eine oder andere Fragestellung. Doch lest einfach selbst:

Hallo!


Hallo Sören! (Sönke... ;-) -Anm. d. Verf.)

Erstmal Glückwunsch zur erfolgreichen Veröffentlichung von "Instinkt". Habt ihr dem Publikum live schon einige neue Stücke präsentieren können und wenn ja, wie sind sie angekommen?

Danke! Ja! Die neue Platte macht auch live viel Spaß und ist für unsere Fans noch einmal das Ding zum Mitmachen. Viele sagen nach einem Konzert, dass unsere Songs Live noch intensiver erscheinen und damit ein noch mal ganz anderes Erlebnis darstellen. Darauf sind wir natürlich sehr stolz.

Wie siehst du Eure Weiterentwicklung von "Seelenschmerz" zu "Instinkt"?

Als Band entwickelst du dich natürlich automatisch weiter. So ist das von Album zu Album bei fast jeder Band zu beobachten. Wir haben sicher an unserem Stil nicht viel geändert, unsere Songs auf "Instinkt" machen unter dem Strich dort weiter, wo wir bei unserem ersten Album "Seelenschmerz" aufgehört haben. Ingesamt ist "Instinkt" etwas rockiger ausgefallen und somit für den Mainstream bestens geeignet; das ist wirklich erfreulich, da wir auch nie nur eine Szene bedienen wollen und uns keinesfalls nur im Metal sehen.

Eure durchwegs in deutscher Sprache gehaltenen Texte zeichnen sich vor allem durch eine angenehme Ausdrucksweise aus; ein Thema, an dem sich viele Bands die Finger verbrennen, da viele ihrer Formulierungen unausgegoren oder gar peinlich klingen. Habt ihr Vorbilder in der Richtung?

Danke für die Blumen.
Ich kenne in unserem Genre momentan keine deutsche Band, die mich textlich wirklich vom Hocker haut. Vorbilder im deutschsprachigen Bereich gibt es für mich nicht und wenn, kennt sie keiner mehr. Alles andere, was heute auf dem Markt sein Unwesen treibt, ist lyrisch oftmals völlig daneben, und sie wissen nicht was sie tun. International kann man sich da schon viel mehr `ne Scheibe abschneiden und mal über den Tellerrand schauen; da macht dann auch das Mitessen richtig Spaß. Wer mir aber deutschsprachig gesehen zurzeit persönlich wirklich gut gefällt, ist Christina Stürmer oder auch Silbermond. Künstler wie Pink, Godsmack und Flaw beeindrucken mich lyrisch am meisten.

Ist es von Euch geplant, mal einen Text in einer anderen Sprache zu verfassen?

Spanisch lernen wäre ein Traum und vielleicht gelingt mir das einmal. Momentan machen wir unsere Musik in deutscher Sprache, es ist schließlich unsere Muttersprache und mit dieser leben und fühlen wir. Man weiß aber nie, zu was man sich im Leben noch entschließen wird.

Wie verlief die Trennung von eurem Schlagzeuger Sven Petersen?

Sven passte nicht mehr zu unserer Bandphilosophie, das haben wir irgendwann mal vor ein, zwei Jahren gemerkt. Wenn du so etwas erstmal weißt, versuchst du dann alles daran zu setzen, um einen Bandkollegen so zu justieren, dass es irgendwie alles klappt und der Hebel mal umgelegt wird. Immer mit der Hoffnung: Alles wird gut!
Dann kommt jedoch der Zeitpunkt, wo du merkst, es geht so nicht mehr. Diese Trennung war echt zum Kotzen und wir haben das alles nur sehr schwer über unsere Herzen bringen können. Der Zeitpunkt ist ja auch sehr ungünstig gewesen. Kurz vor einer VÖ? nicht einfach!
Sven hat uns jahrelang begleitet und wir haben uns ja auch immer gut verstanden. Dennoch musst du als Band deiner Linie und deinen Privilegien treu bleiben. Letztlich ist es die beste Entscheidung gewesen. Wenn du auf Bandwegen vorsätzlich Fehler begehst, dann verlierst du viel zu viel an Glaubwürdigkeit, auch dir persönlich gegenüber. Dann wird irgendwann deine Bandseele krank und alle können sich nicht mehr in die Augen schauen. Das wäre die schrecklichere Variante. Diese Trennung ist schade, jedoch war sie notwendig und wir hoffen für Sven sehr, dass er sich woanders neuen Aufgaben s tellen kann.

Wie fügt sich der neue Mann hinter der Schießbude, Gregor Heise, ein?

Gregor hat sich sehr gut eingefügt und auf Anhieb den Ton der Band erkannt. Er ist ein progressiver Schlagzeuger mit viel Energie und Hunger auf etwas Neues. Genau so etwas ist dann auch das Salz in der Suppe, wenn du gerade neue Rezepte probierst. Gregor ist zum richtigen Zeitpunkt ein Glücksgriff für unsere Band.

Gregor gibt als einziger in seinem Steckbrief auf Eurer Homepage als Getränk etwas Alkoholhaltiges (Becks) an?

Ja, ja, das ist sein Problem. ;-), ich trinke aber auch gern mal ein Becks.

So mancher Depp von Recht-Außen könnte Gefallen an Eurem Bandnamen finden und auf einem Eurer Konzerte erscheinen. Habt ihr ein Problem damit?

Keine Ahnung wovon du redest! Uns haben noch keine Rechtsradikalen auf unseren Namen angesprochen. Wir haben diese Probleme nicht und auf unseren Konzerten finden wir keinerlei politische Bewegungen.

Zwar konnte Leni Riefenstahl sich auch nach dem dritten Reich noch als hochtalentierte Künstlerin beweisen (zuletzt durch Unterwasser-Photos, die sie auf Tauchgängen schoss ? und das im hochbetagten Alter!). Letztlich verbindet man dennoch euren Bandnamen unweigerlich mit der Zeit, in der sie ihre Kunst den Nazis zur Verfügung stellte. Das hinterlässt einen extrem bitteren Beigeschmack?

Sören, jetzt enttäuschst du mich aber. Du hast doch deinen Standpunkt zu unserem Namen schon eindrucksvoll in deinem Review unter Beweis gestellt. Deshalb verstehe ich diese Frage nicht ganz. Ich will dir aber gern helfen. Gehen wir mal davon aus, dass es viele Leute gibt, die tatsächlich unseren Namen auf Leni Riefenstahl limitieren und damit ernsthafte Probleme haben. Nun zeige mir doch genau die Leute, die Leni Riefenstahls gesamte Kunst heute offiziell über Bertelsmann, Weltbild, Kabel 1, etc. verkaufen und kaufen. Bei Bertelsmann findet man Leni Riefenstahls Olympia auf 3 DVDs für 27,99 €. Es ist ja geradezu grotesk, dass wir immer wieder darüber diskutieren müssen.
Welche Moral leben wir hier eigentlich? Oder, über welche Moral sprechen wir? Was haben wir für ein Problem oder welche Probleme werden suggeriert?
Wir haben nie behauptet, dass wir uns nach Leni Riefenstahl benannt haben und wir sind auch keine verkappten Fans des NS Regimes.
(Was auch ich nie behauptet habe. -Anm. d. Verf.)


Was hörst du privat so an Mucke?
Godsmack, Flaw, Breaking Benjamin, KHZ, Azam Ali, jede Menge Pop und Rock, Klassik, Techno usw. .
Was ich nicht gebrauchen kann, ist dieser ganze Metalkram, der hier so in Europa entsteht, das ist mir teilweise einfach zu doof und hat so nen üblen Beigeschmack.

Stehen schon Termine für die nächsten Konzerte fest?

Wir schrauben gerade an einem Bookingkonzept und führen Gespräche, um so schnell wie möglich wieder mehr live zu spielen. Unsere Termine findet ihr immer auf unserer Website.
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