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13. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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FJOERGYN
Von unbeschönigten Tatsachen und ehrlichen Worten ...
Sabine Jordan
www.fjoergyn.de


"Sade et Masoch" ist endlich mal wieder eine Veröffentlichung, die nicht nur in musikalischer Hinsicht mein Interesse geweckt hat, etwas genauer nachzufragen. Stephan L. gab mir ausführliche Antworten auf meine Fragen, mit denen er - abgesehen von der Outro-Frage - meine Neugier stillen konnte.

"Sade et Masoch" hat ein beeindruckendes lyrisches Konzept. Leider fällt einem das erst bei genauem Hinsehen auf. Da man nicht alle gesungenen/geschrienen Parts verstehen kann muss man wirklich nachlesen, nur kann man jetzt nicht davon ausgehen, dass jeder nachforscht. Fändest Du es nicht schade, oder sogar ignorant, wenn man das als Besitzer Eurer Scheibe übersieht? Denkst Du es werden zumindest alle Fans verstehen?

Natürlich liegt es mir am Herzen, dass unsere Texte ebenso Beachtung finden, wie die sie untermauernde Musik. "Sade et Masoch" ist ein Gesamtwerk und sollte auch als solches verstanden werden. Es ist schwierig eine dieser Seiten losgelöst von der anderen zu betrachten, da sie sich gegenseitig ergänzen. In wieweit sich jeder Hörer mit diesem Konzept befasst ist ihm überlassen. Jeder Text enthält seine versteckten Wahrheiten, man muss sie lediglich für sich deuten und interpretieren. Nach unserem ersten Album habe ich einige Zuschriften bekommen, in denen Meinung zu den lyrischen Inhalten von "Ernte im Herbst" verfasst waren. Jene welche, die sich mit unsere Musik identifizieren, tun dies, und dafür danke ich ihnen, auch mit unseren Texten.

Sicherlich geht es zu einem Großteil auch gar nicht um die Fans, sondern darum künstlerisch und gedanklich ausgedrückt zu haben, was einem auf der Seele brannte. Aber gibt es einen Zusammenhang zwischen Euch, Eurem Gesamtkunstwerk und dem Verständnis der Fans und vielleicht der Meinung der Presse?

Es interessiert mich nur bedingt, was die Presse über uns und unsere Musik schreibt. Sicherlich freut man sich über positives Feedback, dennoch würde ich meine musikalische Identität nicht von deren Meinung abhängig machen. FJOERGYN ist mein Sprachrohr, es ist meine Option den Gedanken Luft zu machen. Umso schöner ist es wenn man auf diesem Weg Menschen trifft, die eine ähnliche Meinung vertreten und leben.

Erst als ich die Texte vor mir liegen hatte ist mir aufgefallen, dass es eigentlich Gedichte mit Kreuz- oder Paarreimen sind. Schreibst Du die Texte alleine, oder schreibt Ihr zusammen? Wie lange habt Ihr dafür gebraucht und fällt es Dir/Euch leicht Deine/Eure Gedanken in Reime zu fassen?

Bisher habe ich die Texte alleine geschrieben. Während der Arbeit am Konzept jedoch, sammelten wir gemeinsam die Ideen und bauten die in Worte zu kleidenden Bilder. Ich finde es nicht leichter in Reimen zu schreiben, sie sind für mich angenehmer zu lesen und besser zu verarbeiten. Ein Reim, so zumindest empfinde ich es, schließt eine Aussage. Er beendet einen Gedankengang.

Eure Texte sind nicht nur lyrische Kunstwerke, sie sind dazu noch gesellschaftskritisch, aber eben stellenweise auch sehr brutal. Wer das ganze Konzept nicht kennt, könnte vielleicht das ein oder andere falsch verstehen. Musstest Du Dich schon mal für die Texte rechtfertigen?

Bis jetzt zum Glück noch nicht. Ich möchte meine Texte nicht als brutal, viel eher als sehr ehrlich bezeichnen. Ich verherrliche den Tod eines Menschen nicht, sondern sehe ihn einfach nur in seiner Bedeutung als unabdingbare und schmerzhafte Tatsache. Das Konzept dieses Albums bedurfte eines manchmal harsch anmutenden Tons.

Das ein oder andere Mal liest man in den Texten von Gott und Engeln, ist das lediglich ein Stil- und/oder Vergleichsmittel. Oder hast Du mal an Gott oder ein gottesähnliches Wesen geglaubt, oder tust Du es noch? Wer oder was spendet Dir Licht bei all diesen dunklen Gedanken?

Ich finde Engel sehr interessant. Ihr Wesen wandelte sich im Laufe der Geschichte und wurde in jeder Epoche neu definiert. Von kleinen dicken Putten über Schutzengel, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Fest jedoch steht, dass Engel in ihrer eigentlichen Bedeutung Söldner sind. Es ist eine Art stehendes Heer. "Wir wussten uns`ren freien Willen nur mit Tod und Sünd zu stillen." Falls sie sich irgendwann gegen die Menschheit auflehnen sollten, möchte ich nicht hier sein. Wir hatten derartig viele Möglichkeiten und haben so viele davon ausgeschlagen. Ich bin kein Christ, falls die Frage dies abzielte, weiß jedoch über die Vielseitigkeit jedes Glaubens. Der Gedanke, dass die Menschheit von ihren falsch gedeuteten Beschützern gerichtet werden könnte, ist hierbei lediglich ein Sinnbild für unser naives alles in Beschlag nehmendes Denken.

Wie grausam der Mensch wirklich ist muss man immer wieder durch die Medien feststellen und in letzter Zeit liest man vermehrt von Gewaltverbrechen, mal ganz abgesehen von dem ganzen Terror-Kram. Was sagst Du in diesem Zusammenhang zur Diskussion über die Frage, ob man Killerspiele verbieten sollte? Bzw. was ist Deiner Meinung nach der Grund für diese bedenkliche Entwicklung.

Da diese Frage bereits unzählige Male die Medien hoch unter runter diskutiert wurde, wird mein Standpunkt nun die wenigsten interessieren, dennoch werde ich ihn zu erörtern versuchen. Zu aller erst sollte Diskussionskern nicht sein, ob man gewisse Medien, seien es Spiele oder Bands, verbieten sollte, viel eher sollte man sich mit dem Phänomen der Adaption auseinandersetzen. Kopiert Leben einen Film, oder kreieren wir das, was uns die Umwelt vorgibt. War zuerst das Ei oder die Henne da? Computerspiele wie auch manche Filme eröffnen tatsächlich reichlich ausgemalte Möglichkeiten der visuellen Befriedigung von Gewalt. Fest steht des weiteren, dass die Hemmschwelle für Gewaltverbrechen durch eine dargestellte bzw. glorifizierende Gleichgültigkeit gegenüber dem menschlichen Leben sinken kann. Fraglich jedoch ist, in wieweit solche anfälligen Personen auch ohne den vorherigen Konsum eines solchen Mediums zu Gewalt neigen. Soll heißen: steht der Verlust der Hemmschwelle in einem kausalen Zusammenhang mit der Verarbeitung von darstellender Gewalt bzw. inwieweit war ein Grundpotential an Gewalt gegenwärtig, was nur darauf wartete auszubrechen. Langzeitstudien ergaben, dass solche Killer-Spiele auch andere Dinge beeinflussen. Dies jedoch erachten unsere Skandalreporter als zweitrangig. "KS" haben im Rahmen in dem sie exzessiv gespielt werden, weniger etwas mit dem Töten andere Mitspieler oder dem Aufschäumen von Blut, als viel mehr mit einem Gruppendenken zu tun. Der Inhalt solcher Spiele, wie sie im Netzwerk zuhauf gespielt werden, ist auf der einen Seite das Retten von Geiseln bzw. auf der anderen, das Verteidigen einer Festung (als Beispiel). Das Töten von Mitspielern ist neben dem taktischen Zusammenspiel zweitrangig. Das jedoch ist Interpretationssache. Des weiteren ergaben sie eine Verbesserung der Konzentration und eine positive Beeinflussung der Teamfähigkeit. Betrachtet man die Zahlen von Gewaltverbrechen, die auf ein solches "KS" zurückgeführt werden, so sind sie in Anbetracht der Zahl aller Spieler verschwindend gering. Die Medien brauchen einen Sündenbock, so damals in Erfurt. Dass das Schulsystem mit seinen Problemen im Mittelpunkt gestanden haben könnte und Auslöser war wollte niemand annehmen. Ich empfinde fiktive Gewalt, solange sie kunstvoll bzw. in einem Erkenntniszusammenhang präsentiert wird, als ein sehr interessantes und wichtiges Stilmittel, mit dem jeder Einzelne umzugehen wissen muss. Die Darstellung von Gewalt findet sich überall, nehme man nur die Kindermärchen. Interessant erweist sich hingegen, dass wir sie dort nur bedingt wahrnehmen. Man könnte also sagen, es gibt akzeptierte Gewalt, der nur selten Beachtung zukommt.... Man könnte ewig so fortfahren...

Im aktuellen Rock Hard gibt es einen Bericht über die rechte Szene im Black Metal. Es ist erschreckend was da so ans Licht gebracht wird. Aber abgesehen von den wirklich schwarzen äh braunen Schafen, gerät auch der Black Metal in Verruf und es werden Bands verdächtigt, die nun wirklich nichts mit diesen Dingen zu tun haben. Hattet Ihr - auch wenn ihr keine BM-Band in dem Sinne seid - diesbezüglich schon Ärger und was geht Dir durch den Kopf wenn Du sowas liest?

Nein, zum Glück ist uns derartiges erspart geblieben. Ich vertrete die Einstellung Musik und Politik stets zu trennen, da es feige ist mit einem solchen beliebten und überall zugänglichen Medium auf Wählerfang zu gehen. Leider weiß man nie, was sich hinter einem Musiker verbirgt, dennoch finde ich jene aufkommende Hexenjagd, unabhängig vom Rockhard, da ich jenen Artikel nicht kenne, ziemlich sinnlos. "Black Metal" versucht das böseste und intoleranteste Stück Musikgeschichte zu sein, das es je gab (und dafür hat man einiges getan). Erst musste Satan dafür herhalten, vor dem sich jedoch niemand mehr zu erschrecken scheint. Daher greifen wir auf die wahren Abgründe unserer Gesellschaft zurück. Das finstere an ihnen ist ihr realer widerlicher Background. In dem Moment, wo wir sie als wahren Abschaum der Szene entlarven, könnten sie sich in ihrer Einstellung gestärkt fühlen. Man sollte daher auf diese Gefahr aufmerksam machen, das Handeln dieser Gruppierung nicht dulden, usw. sollte aber diese Hexenjagd unterbinden, da hierbei auch unpolitische Menschen ins Fadenkreuz geraten.

Nun noch eine Musikerfrage, die ich jetzt unbedingt einmal anbringen muss. Was bringt einen Künstler dazu Hidden Bonus-Tracks auf seine CDs zu pressen, oder einen Song künstlich in die Länge zu ziehen um dann wie z.B. bei Sade noch etwas Gesinge am Ende folgen zu lassen? Mich als Zuhörer nervt das ja eher, als dass ich mich über das Extra freuen würde. Vielleicht verstehe ich aber die Kunst dabei auch nicht???

Ich mag Outros... :)

Wie stehen die Chancen Euch demnächst mal live zu sehen? Auf eurer Homepage gebt Ihr dazu ja leider recht wenig Informationen preis.

Wir werden dieses Jahr das Wolfszeit, das Nocturnal Empire und das "Barth. Metal OA" spielen. Vielleicht kommen hier und da noch ein paar kleine Konzerte dazu, näheres steht aber noch nicht fest.

Jokerfrage mit Antwort:

Wie wird's weiter gehen? Wir arbeiten fleißig am dritten Album...

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