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19. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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TWISTED INTO FORM
Jedem das Seine
Marek Schoppa
www.twistedintoform.no


TWISTED INTO FORM gelten als die Nachfolgeband von SPIRAL ARCHITECT! Was dafr spricht ist nicht nur die wahnwitzige, technisch anspruchsvolle Ausrichtung der Mucke, sondern vor allem die Tatsache, dass sich im Line-Up der Combo zwei ehemalige Mitglieder der Architekten austoben. Grund genug also, sich mit Klampfer/Komponist Kaj Goritzka mal intensiv auseinander zu setzten und ihm einige Details aus dem Lager von TWISTED INTO FORM zu entlocken. Er erwies sich als uerst auskunftfreudiger und intelligenter Zeitgenosse, was dieses Interview zu einem wahren Erlebnis werden lie. Aber lest selbst.

Hallo Kaj, gib uns doch erstmal einen kleinen Einblick in TWISTED INTO FORM. Es werden euch noch nicht allzu viele Leute kennen. Wer verbirgt sich hinter TIF und wie klingt eure Mucke?

Twisted Into Form

TWISTED INTO FORM besteht aus David Husvik (EXTOL) an den Drums, Erik Aadland (ex-LUNARIS) am Bass, Leif Knashaug, den einige von seiner Sessionarbeit beim 95er SPIRAL ARCHITECT-Demo her kennen knnten, am Gesang, und mir, Kaj Gornitzka (ex-SPIRAL ARCHITECT) an der Gitarre. Was aus diesem lustigen Mix von Individuen herausgekommen ist, ist ein recht open-minded Metalalbum, welches sich nicht darum schert, in irgendeine vordefinierte Nische passen zu mssen. Die musikalische Basis bildet progressiver/technischer Metal mit einem Schuss Jazz/Fusion, etwas Weltmusik, ein wenig Death Metal, einigen programmierten Sequenzen und einem Fnkchen Pop darin. Es ist immer schwer die eigene Musik zu beschreiben, aber dies sollte eine grobe Vorstellung davon vermitteln.

Gib uns eine Definition des Titels "Then Comes Affliction To Awaken The Dreamer". Welche Idee steht hinter diesem Titel?

Es ist ursprnglich ein Zitat des dnischen Existenzphilosophen Sren Kirkegaard, bezieht sich jedoch nicht auf seine Werke als solche. Fr mich beinhaltet dieser Ausdruck die Essenz der auf dem Album vertretenen Themen; mit einer tiefen Trauer kommt er daher, bezogen auf all die Dinge, die wir erfllt sehen mchten, die wir als wahr haben mchten, die uns jedoch - unausweichlich, wie es scheint - von dem, was die Realitt uns tatschlich darbietet, versperrt werden. Wir trumen stetig von einer besseren Welt, doch zum Schluss bleiben wir eher mit weniger Hoffnung auf der Strecke, nicht mehr. Die Stimmung des Albums ist keine sehr hoffnungsvolle und all das wird in diesem Titel eingefangen.

Gibt es ein grundstzliches Statement hinter eurer Musik und der Band? Und worum geht es in euren Songs bzw. Texten im Groben?

Hinter der Band steht keine explizite Ideologie und ich glaube, wir haben uns nie wirklich darber Gedanken gemacht. Aber dies mag auch damit zusammenhngen, dass wir in vielen fundamentalen Dingen von Grund auf die gleichen Ansichten haben. Ohne uns anzumaen, eine politische Band zu sein, geht es nicht spurlos an uns vorbei, was in der Welt passiert, und unsere Ansichten decken sich meist, ohne dass groartig darber diskutiert wird; mit Ausnahme des Religisen. David ist jemand, den man als einen stark Glubigen bezeichnen wrde, der Rest von uns ist eher atheistisch.
Was die Songs angeht, so schreiben wir nie mit einer bestimmten Absicht im Hinterkopf, aber trotzdem zieht sich ein gewisser roter Faden durch das Album. Alle Stcke beschftigen sich mit existenziellen Fragen und Problemen. Es gibt da ein akutes Gefhl der Hoffnungslosigkeit, nicht unbedingt bezogen auf eine private oder persnliche Ebene, sondern vielmehr auf die menschliche Rasse im Allgemeinen, auf die Art, wie wir unser Leben leben, uns und alles um uns herum stets bedrohen und anfeinden. Wenn Du willst, kannst Du es als eine Erkundung der menschlichen Psyche sehen, oder als eine Vorausschau auf das, wohin sie uns letzten Endes fhren wird.

Tippt man euren Bandnamen bei Google ein, so ergeben sich zahlreiche Resultate, die auf das gleich betitelte Album von FORBIDDEN verweisen. Standen FORBIDDEN tatschlich eurem Namen Pate?

Ja, er wurde bei FORBIDDEN "entliehen". Erik hrte die Platte hin und wieder, als es mit unserer Band konkret wurde. Wir brauchten natrlich einen Namen und er stellte mir diese Phrase vor. Es ist und bleibt aber die einzige Verbindung zwischen uns und FORBIDDEN, zhlen sie musikalisch auch nicht wirklich zu unseren Einflussquellen. "TWISTED INTO FORM" schien zu unserer Mucke jedoch recht gut zu passen, was uns nicht daran hindern sollte, es als Bandnamen zu adaptieren, obwohl FORBIDDEN eines ihrer Alben so nannten.
brigens, da Du es angesprochen hast, habe ich mich selbst mal auf die Suche begeben, um mal zu sehen, wie weit wir bei den Google-Ergebnissen mittlerweile liegen. Ich war ganz froh zu sehen, dass unserer Website endlich unter den Top 5 registriert wurde. Als ich die Seite fertig gestellt habe, war sie unter Yahoo!-Search sogar direkt aufrufbar, bei Google hingegen erschien sie berhaupt nicht. Die scheinen dort etwas lahm zu sein mit ihren Updates, aber immerhin besser spter als nie!

Was geschah, nachdem Du SPIRAL ARCHITECT verlassen hattest, oder anders gefragt, was veranlasste Dich dann, TWISTED INTO FORM zu grnden?

Nun, als ich SPIRAL ARCHITECT 1998 verlie, hing mir das Gitarrespielen absolut zum Hals raus. Doch wie jeder, der sein Instrument eine gewisse Zeit schon mal beiseite legte, es dir auch besttigen wrde, kommt man an einen Punkt, an dem das Jucken in den Fingern nicht mehr ignoriert werden kann. Bei mir dauert so was fr gewhnlich zwar etwas lnger, und ich habe auch lngere Phasen gehabt, in denen ich so gut wie gar nicht mehr spielte, doch frher oder spter ereilt mich das Verlangen wieder. In diesem Falle fiel der Zeitpunkt gleich mit Eriks Ausstieg bei LUNARIS - irgendwann 2000 - und wir beide fingen an uns ber gewissen musikalische Ideen auszutauschen, die sich bei uns mit der Zeit so angesammelt hatten. Wir kennen uns ja bereits seit Mitte der Achtziger, aber so fanden wir auch raus, dass wir gut zusammen arbeiten knnen. Unsere Stile unterscheiden sich zwar recht stark von einander, doch ergnzen sie sich musikalisch auf eine sehr interessante Art und Weise. So fing alles an; ein unentrinnbarer Drang brach ber uns herein, die Sache ins Rollen zu bringen.

Knntest Du einige Worte darber verlieren, warum genau Du bei SPIRAL ARCHITECT alles hingeschmissen hast?

Als wir damals ins Studio gingen, um "A Sceptic's Universe" aufzunehmen, hatte wir uns die letzten fnf Jahre zuvor quasi im fensterlosen Keller eingeschlossen, um bis zu vier Mal die Woche das Material zu proben und ich glaube einfach, dass mich das zum Ende hin sehr ermdete. Ich habe neben der Musik noch zahlreiche weitere Interessen, die ich zu der Zeit nie vertiefen konnte. In einer Band wie SPIRAL zu spielen bedeutet auch, dass es das normale Band-Drumherum nicht wirklich gibt, d.h., nur sehr wenige Konzerte, wenn berhaupt, und es gibt so gut wie keine Abwechslung zu der monotonen Arbeit, dem Proben im Proberaum. Auerdem steh ich nicht so auf das stndige ben, und wenn es das einzige ist, was Du tun musst... Zudem berschlugen sich die Dinge whrend der Aufnahmen, ich war mit einigen Sachen nicht wirklich einverstanden und das fhrte eben zu meinem berdruss. Als ich das Aufnahmestudio verlie, verlie ich auch die Band. Ich vermute, jene Umstnde trugen dazu bei, dass ich die Gitarre fr zwei Jahre wegschloss.

Wie hat es sich eigentlich dann ergeben, dass Leif, der einstige Session-Snger von SPIRAL ARCHITECT, ebenfalls in eurem Projekt mitwirkte?

Fr diejenigen, die die ganze Geschichte kennen, sollte dies keine berraschung darstellen, aber vielleicht ist eine Erklrung trotzdem angebracht: Zum ersten Mal wurde ich Leif durch einen Freund 1987 vorgestellt, als ich mich bereiterklrte, bei der ersten richtigen Platte, an der ich mitgewirkt habe, mit den Vocals auszuhelfen. Die Band hie ANASTHESIA, die zufllig als SPIRAL ARCHITECT einige Jahre spter wiedergeboren wurde. Ich war derjenige, der mit Leif in Kontakt blieb, und als wir all die vielen Jahre spter dringend einen Snger fr die Aufnahme der SPIRAL-Demo suchten, rief ihn wieder an und fragte ihn, ob er daran Interesse htte. Er nahm das Angebot dankbar an. Genauso reagierte er, als ich ihn fragte, ob er uns bei TWISTED INTO FORM untersttzen wollte. Nur dass er dieses Mal ein vollwertiges Band-Mitglied sein wrde und nicht blo ein provisorischer Vokalist. Ich persnlich glaube, dass er eine tolle Stimme hat, und was ich daran am meisten mag ist die Tatsache, dass es nicht die typische Metal-Stimme ist. In seinem Gesang steckt sehr viel Emotion, was unseren Songs noch eine zustzlich Dimension verleiht. Ist schon komisch - die Leute scheinen ihn entweder zu lieben oder zu hassen, es gibt nichts dazwischen.

Twisted Into Form

Ich denke auch, dass er Groartiges auf dieser Platte geleistet hat. Deshalb kann ich nicht verstehen, wieso KERRANG schrieb: "He's a piss poor vocalist." ;)

Nun, um fair zu bleiben, muss man dazu sagen, dass es sich hier um ein altes Zitat handelt - ich bezweifle, dass KERRANG je unser Album rezensiert hat - aber das zeigt wieder einmal, dass man sich wirklich nicht ber Geschmack streiten kann. Einige Dinge sind, was sie sind, Du kannst sie mgen, oder auch nicht. Dieses Beispiel sagt mir auch, dass man nicht alles den Kritikern berlassen sollte, da sie sich offensichtlich in vielem irren, hehe.

Soweit ich wei hat es ziemlich lange gedauert, das Material zu komponieren und aufzunehmen. Warum?

Es hat schon recht viel Zeit in Anspruch genommen, aber nicht so viel, wie die Leute vielleicht denken knnten, wenn sie erfahren, dass wir seit 2000 zusammen spielen. Die Sache ist die, dass es mehr ein Freundschaftsding war, als Erik und ich angefangen haben. Wir trafen uns vielleicht einmal in der Woche, sprachen ber Musik im Allgemeinen und experimentierten eine oder zwei Stunden mit ein paar Ideen herum. Erst nach einigen Monaten, oder war es doch mehr als Jahr, na jedenfalls hat es recht lange gedauert, bis wir uns sagten: "Ok, wir haben all diese aufregenden Ideen. Wie wre es damit, aus ihnen etwas zu machen?" Erst dann fragten wir David, ob er mitmachen wollte. Dennoch ging alles recht langsam und wir hatten noch keine Plne, tatschlich etwas aufzunehmen. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt, nmlich als ich mich entschieden hatte, von Norwegen nach Portugal umzusiedeln, hatten wir eine Entscheidung zu treffen, und wir waren alle der Meinung, dass es eine Schande wre, nicht wenigstens das aufzunehmen, was wir bis dahin erarbeitet hatten. Das war Mitte 2003. Wir machten einen Studio-Termin und begannen mit dem Schreiben, Entwickeln, die Musik zu arrangieren, und alles in einem viel schnelleren Tempo. Und holten auch Leif an Bord. Wir nahmen das Schlagzeug Anfang 2004 auf, und ich verbrachte fast den ganzen Frhling im Studio. Wir hatten viel Glck und keine Beschrnkungen, was unseren Studio-Aufenthalt anging, mit der unausweichlichen Konsequenz, dass wir noch nicht fertig waren, als ich im Mai des Jahres nach Portugal umziehen musste. Ich habe den Sommer durchgeschrieben - zustzlichen Gitarrenparts, Vocals, Lyrics etc. - und flog Ende August zurck, um die Aufnahmen abzuschlieen. Eigentlich waren wir der Meinung, dass wir das Album fertig hatten, als wir es im September 2004 abmischten, aber nach der Unterzeichnung des Vertrags mit Sensory wollte Ken Golden, dass wir noch ein paar weitere Songs auf die Platte packen. Da wir kein weiteres Material hatten, bedeutete es fr uns weiteres Songwriting. Die neuen Songs zu schreiben und aufzunehmen hat den ganzen Prozess um ein paar Monate verlngert, und als Neil Kernon mit seiner magischen Einflussnahme fertig war, hatten wir schon das Jahr 2006.

Wo haben die Aufnahmen stattgefunden, irgendwelche Kommentare dazu? Und ist es eigentlich fr Dich als Musiker und fr den Produzenten schwerer, solch verrcktes Zeug aufzunehmen?

Die Schlagzeugspuren wurden von Brge Finstad in seine Toproom Studio aufgenommen, wo auch schon EXTOL, BORKNAGAR, MAYHEM und viele andere norwegische Metal Acts ihre Platten gemacht haben. Das Schlagzeug wurde an einem sehr langen und erschpfenden Wochenende fertiggestellt, bevor wir in das nagelneue Multimono Studio von Asgeir Michelson (SPIRAL, BORKNAGAR) umzogen, um den Rest der Aufnahmen zu erledigen. Der Grund dafr, dass wir die Drums nicht ebenfalls dort aufgenommen haben, ist der, dass das Studio noch nicht fertig war, als wir anfingen. Wir waren die erste Band, die das Studio benutzt, und es wurde quasi um uns herum gebaut. Ziemlich cool! Jedes Mal, wenn wir dort waren, gab es einen neuen Ausstattungsgegenstand, oder eine neue Wand, oder eine Tr...
Wie ich schon sagte, hatten wir freien Zugang zu dem Studio, wann immer wir wollten, sodass vieles zu den Songs direkt im Aufnahme-Prozess hinzugefgt wurde, auch wenn die Songstrukturen schon vor den Aufnahmen feststanden. Wir hatten die Freiheit, jede mgliche Idee auszuprobieren, und ich denke, dass man diesen Luxus dem Endergebnis ansieht. Wir haben das Album (zusammen mit Asgeir als Co-Producer) selbst produziert, und meistens war es so, dass ich mich solange aufnahm, bis ich zufrieden war und es den anderen zeigen konnte, um mit ihnen darber zu diskutieren. Asgeir gab ebenfalls seine Meinungen und Vorschlge dazu, und Erik nahm das Meiste seines Materials auf, als die Gitarrentracks schon fertig waren. Da wir alles selbst machten, mussten wir stndig unsere eigenen Entscheidungen treffen, und manchmal habe ich mir wirklich gewnscht, dass wir einen Produzenten gehabt htten, der uns hin und wieder htte sagen knnen: "Ok, that's a wrap!", aber zur gleichen Zeit bin ich sehr froh darber, dass wir dabei geblieben sind, denn es hat unserem gesamten Album eine Frische verliehen, die wir sicher eingebt htten, wenn mehr Personen an der Fertigstellung und den einzelnen Entscheidungen beteiligt gewesen wren.
Was das "Verrckte" angeht, so fllt mir das Aufnehmen beliebiger Musik schwer (ich hab ja schon erwhnt, dass ich kein groer Fan von ben bin...), wobei ich nicht glaube, dass es unbedingt schwerer ist, unsere Art von Musik zu spielen als irgendetwas anderes. Es kommt darauf auf, mit welcher Stilistik man vertraut ist, und fr uns ist dieses sogenannte "technische" Zeug eben das, was wir die ganze Zeit machen. Sodass es uns in mancher Hinsicht schwerer fallen kann, einen straighten, groovenden Pop-Song zu spielen. Fr einen Produzenten mag die Sache allerdings komplizierter aussehen, denn er (oder sie) war nicht im Songwriting-Prozess inbegriffen und muss bei dieser Art von Musik daher viel mehr auf einmal verdauen.

Erzhl mir etwas ber Deine Kompositionsmethoden. Welchen Mustern folgst Du und wer ist insbesondere fr das Songwriting verantwortlich?

Wie ich schon angedeutet hat ist unser Album auf verschiedene Arten und Weisen geschrieben worden. Grundstzlich erfinden Erik und ich die ganzen Riffs, die dann whrend unserer Proben zusammen mit David arrangiert werden. So haben wir die Grundstrukturen all unserer Lieder komponiert, die wir bei unserem ersten Studiobesuch bereits hatten. Erik hat einen ziemlich einzigartigen Stil, der sich sehr von dem meinigen unterscheidet, uns durch Kombination unserer Ideen knnen wir viel interessantere Resultate erzielen. Was die Musik angeht, so teilen wir uns die Arbeit fifty/fifty auf. Ich bin fr alle Vokal-Linien verantwortlich, die wir dann ausarbeiten und zusammen mit Leif whrend der Aufnahmen weiterentwickeln.
So sehen die Grundzge unserer Vorgehensweise aus. Aber als wir dann im Studio waren, haben Erik und ich uns keinerlei Grenzen gesetzt und jegliche musikalische Pfade ausgekundschaftet. Als spter neues Material gebraucht wurde, hat jeder je einen Song in verschiedenen Lndern geschrieben. Wir diskutierten dann die Mglichkeiten, indem wir Sound-Dateien zwischen uns herumgeschickt haben, und programmierten Click-Tracks, damit David damit arbeiten konnte. Ich denke, dass es gut ist, nicht in einer Methodik steckenzubleiben, das hlt frisch.

Was sind die wichtigsten musikalischen Einflsse im Sound von TWISTED INTO FORM? Welche Musik hrst Du privat und welche Platten drehen sich derzeit in deinem CD-Player?

Es gibt so ein paar Bands, vor denen Du nicht entfliehen kannst: DEATH, CYNIC, PSYCHOTIC WALTZ, SPASTIC INC/WATCHTOWER, FATES WARNING, QUEENSRYCHE, ATHEIST, BELIEVER. Aber es gibt auch einige Knstler, die man nicht unbedingt direkt heraushrt, wie zum Beispiel DEPECHE MODE, VOIVOD, WEATHER REPORT, KATE BUSH und diverse Jazz/Fusion-Musiker.
Ich persnlich msste noch all das alte METALLICA-Zeug hinzufgen, mit dem ich im Prinzip aufgewachsen bin und Gitarre spielen gelernt habe, und auch BLACK SABBATH, DEEP PURPLE, ALICE IN CHAINS und so weiter. Ich liebte die erste von DREAM THEATER, tue ich brigens immer noch, und war damals auch sehr an allerleri Thrash- und Speed Metal-Bands von der Mitte bis zum Ende der 80er Jahre interessiert, aber auch an einigen klassischen Heavy Metal Acts. Da wren dann noch A-Ha, Weltmusik verschiedenster Art, etwa bulgarische Chormusik mit weiblichen Stimmen, spanisches Flamenco, portugiesisches Fado, sdamerikanische Musik, und solche Bands wie Zap Mama, Bel Canto und andere. Kurz gesagt, ich hre mir jede Menge Musik aus sehr unterschiedlichen Sparten und Stilen an, und ich werde von allen diesen Stilen gleichermaen inspiriert, solange es gut gemacht ist und vom Herzen kommt. Musik ohne Emotion gibt mir nicht viel... jetzt gerade grabe ich einige Weihnachtsschtze durch und habe gerade "Du & Jag Dden" der schwedischen Band Kent durchgehrt - superb melodische und etwas melancholische Musik. Genau in diesem Augenblick rotiert "Monument Bineothan" der Norweger Benea Reach in meinem Player, und danach wird es wahrscheinlich Zeit fr The Mars Volta und "Amputechture".

Knntest Du mir eine Definition des Begriffes "Progressive Metal" in deinen eigenen Worten geben?

Twisted Into Form

Wenn etwas ein Begriff oder ein Label wird, dann heit dies meistens, dass etwas erkennbar und vorhersehbar geworden ist. Kann es dann gleichzeitig noch als progressiv bezeichnet werden? Das ist ein Paradox, auf das ich keine zufriedenstellende Antwort kenne. Im Bereich der harten Rock-Musik scheint "progressiv" einen bestimmten Stil zu beschreiben, in den sich viele Bands schn einpassen. Ich denke oft, dass das, was einstmals als progressiv gegolten hat, mit der Zeit das Gegenteil davon sein wird, und neue Stile werden das Progressiv-Label fr sich beanspruchen, whrend das Label aber weiterhin mit dem Alten assoziiert werden wird. Beispielsweise glaube ich, dass viele der modernen Black und Death Metal Bands viel progressiver zu Werke gehen als viele der Bands, die sich selbst als progressiv einstufen. Im Endeffekt geht es bei Progressivitt, ob nun im Metal oder in anderen Musikrichtungen, um Aufgeschlossenheit und die Bereitschaft, ein Querdenker oder einfach nur neugierig zu sein. Man muss daran interessiert sein, neue Gebiete zu erforschen und auch mal Risiken einzugehen.

Oft sagen Leute, dass Prog blo etwas fr Egozentriker sei, die ihre eigenen musikalischen Fertigkeiten hervorheben wollen. Wie sehr bist Du mit dieser Ansicht einverstanden?

Eigentlich gar nicht so sehr. Die Prog-Szene ist nicht gerade der schnellste Weg, um an Ruhm zu gelangen und ein Star zu werden, falls es das ist, wonach man sucht. Auerdem will jeder Musiker irgendeine Form von Anerkennung erlangen, ich glaube nicht, dass es sonderlich genre-abhngig ist. Man kann das aus zwei Perspektiven sehen: Sind die Mitglieder einer Progrock-Band egozentrisch, wenn sie sich 20-mintigen Solos hingeben, oder geben eher die anderen Musiker dem Solisten durch ihre Untersttzung die Mglichkeit, sich auszudrcken? Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es im Prog mehr egomane Arschlcher als in irgendeinem anderen Genre gebe. Diejenigen, die ich kenne, sind die nettesten und unegoistischsten Menschen, die ich mir vorstellen kann. Auf der anderen Seite kommt man nicht um die Tatsache herum, dass die meisten dieser Musiker ber sehr ausgeprgte spieltechnische Fhigkeiten verfgen, ohne die sie einfach nicht in der Lage wren, die Art von Musik umzusetzen, die sie spielen. Und es gibt selbstverstndlich auch niemanden, der auf die Bhne geht, um unsichtbar zu werden. Am Ende zhlt nur, ob man denn nun ein egozentrisches Individuum ist oder nicht, die Musikrichtung tut nichts zur Sache - man bleibt in jeder Band ein Arschloch.

Wie wrdest Du reagieren, wenn jemand sagen wrde: "WATCHTOWER sucks!"

Jedem das Seine... Normalerweise interessiere ich mich nicht sonderlich fr Diskussionen ber Geschmack, dass es eigentlich nie mglich sein wird, irgendeine bereinstimmung zu erreichen - Leute mgen die Dinge, die sie mgen aus einer Million verschiedener Grnde, und sie werden ihre Meinung ganz bestimmt nicht ndern, wenn ich ihnen sage, dass sie unrecht haben. Wenn es allerdings um WATCHTOWER geht, so wrde ich sie allerdings schon gerne nach dem Warum fragen, denn nach denn dem Menschen bekannten Mastben ist die Behauptung "WATCHTOWER sucks" ein Ding der Unmglichkeit. Bis auf die Vocals, die vielleicht einen Tick "sucky" ausgefallen sein knnten. Musikalisch gesehen sind sie jedoch unantastbar! Man muss sie natrlich nicht mgen, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Und was kannst Du ber die Prog- und Tech Metal-Szene aussagen? Gibt es in Norwegen (und auch sonst) eine Fanbase? Wie stark ist sie ausgeprgt?

Ich muss zugeben, dass ich die letzten paar Jahre so sehr mit meinem eigenen Projekt beschftigt war, dass ich der Szene nicht gnzlich folgen konnte, was ich derzeit ein bisschen nachzuholen versuche. Wir hatten viele Besucher auf der MySpace-Seite, und versuche immer, mich mit allen Bands auseinanderzusetzen, die mit uns Kontakt aufnehmen - es ist zur Zeit so Einiges los in der Prog/Tech-Szene, wie es scheint. Einiges davon ist ziemlich interessant und ich glaube, dass man behaupten kann, dass die Szene expandiert. Was Norwegen angeht, so ist dort die Metal-Szene grundstzlich immer gut und stark ausgebildet, aber weil das Land so klein ist, gibt es einfach nicht gengend Menschen, um aus diesem relativ kleinen Genre einen groen Markt zu machen. Und was TWISTED INTO FORM angeht, so gehe ich davon aus, dass die meisten Leute keine Ahnung haben, dass wir existieren...

Kommen wir nun zum Schluss: Welche Plne gibt es fr die Zukunft? Hast Du vor, weitere Platten zu produzieren, oder wird es TWISTED so hnlich ergehen wie dem Spiral-Phnomen? Und was ist mit Tour-Plnen?

Wir haben noch nicht sehr viel ber die Zukunft gesprochen, im Moment konzentrieren wir uns lediglich darauf, dieses Album zu promoten. Aber ich wsste nicht, wieso wir irgendwann nicht ein weiteres Album aufnehmen sollten. Wir haben bereits einige neue Ideen, deswegen kann es gut sein, dass wir Dich eines Tages mit einem zweiten Album berraschen knnten. Es wird nicht sehr bald passieren, aber vielleicht gehen wir die Dinge diesmal etwas anders an, als mit den Spiral-Jungs, hehe.
Wir haben derzeit keine Tour-Plne, vor allem wegen unserer Schwierigkeiten mit regelmigem Proben, und auch weil David extensiv mit EXTOL tourt und an Aufnahmen arbeitet. Aber wir haben einige Einladungen von diversen Festivals bekommen und berlegen, was wir machen knnten. Ich persnlich wrde es toll finden, unsere Songs live zu spielen, aber wir mssen wohl abwarten und sehen was passiert.

Nun kannst Du noch eine letzte Message loswerden, wenn Du willst:

Nun, wenn man sich dieses Interview anschaut, so glaub ich, dass ich schon genug gesagt habe. Leistet weiterhin gut Arbeit, habt einen offenen Verstand und ein tolerantes Herz - vielleicht knnen wir auf diese Weise erreichen, dass die Welt 2007 eine bessere sein wird. Und vergesst die Musik nicht!

Vielen Dank fr die Zeit, die Du uns zur Verfgung gestellt hast. Ich hoffe, ich hab Dich nicht allzu sehr gelangweilt. Und nochmals einen groen Dank fr die herausragende Musik. Ich hoffe, dass ihr weiterhin solche Edelsteine/Meisterwerke spielen werdet.

Danke auch dir fr die Mglichkeit, mit euch zu sprechen - es war alles andere als langweilig. Hoffentlich hab ich nicht zu viel geredet ;)

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