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21. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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ASGAIA
Das Fleisch ist das einzige ist, was zählt
Andre Kreuz
www.asgaia.de


ASGAIA aus Deutschland, die dem gemeinen Wortspiel nicht abgeneigt sind, haben mit "In Carni Veritas" eine satt produzierte Eigenproduktion veröffentlicht, die Scheuklappen-befreiten Freunden des düsteren Metals gefallen sollte.
Basser und Sänger Thomas ließ sich einige Infos über die CD, einen Videodreh und eher untypische Cover-Songs entlocken.

Hi Thomas!
Ihr seit seit 1995 im Metal-Zirkus mit dabei und dennoch war eure jüngste CD "In Carni Veritas" mein Erstkontakt mit euch. Stell doch bitte ASGAIA und euren Werdegang kurz vor!

Asgaia

Eigentlich sind wir noch ein bisschen länger dabei. Marcel, Stefan und ich haben ja schon als DAMNATION zusammen gespielt. Es gab eigentlich keinen harten Schnitt oder Gründungstag von ASGAIA. Lediglich der Drummer und der Name wurden ausgetauscht ;-) Den Namen DAMNATION (vom MORBID ANGEL-Song entlehnt) gab's dann schon in Form der Polen und erschien uns auch zu klischeehaft. Das neue Songmaterial, was wir in der Zeit ohne festen Drummer geschrieben hatten, hatte zwar noch ausschließlich Grunzgesang, war aber schon deutlich das was man "Gothic Metal" (ich mag den Begriff nicht) nennt. Also lag der Nameswechsel eigentlich nahe. Und da wollten wir einen Namen haben, der aus einen Wort besteht und den es garantiert nicht schon gibt. (Lustigerweise hat ein italienischer Raftingveranstalter später die domain www.asgaia.it reserviert, Mist!). Trotzdem mussten wir mit ASGAIA quasi von Null anfangen. Christian Winterberg stieg dann kurze Zeit später fest als Keyboarder ein.
1995 waren wir - noch als DAMNATION - auf einem von Nuclear Blast vertriebenen Sampler "Under The Sepulture" vertreten. Daraufhin bekamen wir das Angebot für eine EP bei einem schweizer Label. Leider wurde diese Waves-EP aus Kostengründen als Split-LP mit PLEURISY veröffentlicht. Die CD-Version wurde dann von einem Label aus Wien vertrieben. Anfang 1999 hatten wir dann den Vertrag mit Husky Records und Anfang 2000 erschien dann die CD.

Worum handelt es sich bei diesem Husky Records, unteren deren Fittichen ihr ja auch kurz wart? Was wurde/wird da sonst noch veröffentlicht und warum habt ihr euch von ihnen getrennt?

Husky Records kommen aus Frankfurt und sind ein kleines Indi-Label. POSTMORTEM, die Du sicherlich eher kennst, hatten auch eine CD dort veröffentlicht. Husky Records hat leider nicht viel für uns gemacht. Der Chef hatte sich auch nie wieder bei uns gemeldet. War schon etwas komisch. So war es nicht schade, dass der Vertrag nicht verlängert wurde. Leider hatten wir dann gar kein Label mehr uns so verschoben wir die neue Platte bis 2004.

Seid ihr denn momentan aktiv auf Labelsuche oder mit dem gegenwärtigen Stand zufrieden?

Natürlich suchen wir immer noch ein Label. Wir hatten auch bis Mitte 2006 noch ein Label für die CD gesucht, die seit Anfang 2005 im Kasten war. Wir haben auch eigentlich fast nur gute bis sehr gute Reaktionen von den Labels bekommen. Nie eine Standardantwort. Aber entweder passte es nicht ins Labelprogramm oder das Label konnte aus finanziellen und personellen Gründen keine weitere Band mehr aufnehmen. Die kleinen Labels haben kein Geld und für die großen sind wir zu unbekannt.
Eigenproduktion ist zwar nicht schlecht, zumal ich mein eigenes kleines Studio habe, aber es ist halt in vielen Dingen schwer ohne Plattenlabel was zu unternehmen. Sei es dass man im RockHard unter "Eigenproduktion" und nicht unter regulären CDs eingeordnet wird oder dass man nicht als Toursupport in Frage kommt etc.pp.
Hat halt immer so das Image: Eigenproduktion - kann ja heute jeder Depp machen.

Ich komm von der Mosel und weiß dass "In Vino Veritas". Aber wieso ist denn auch "In Carni Veritas"?

Ist eigentlich genau das Wortspiel mit diesem Spruch. Im Fleisch liegt die Wahrheit. Und das kannst Du jetzt in den verschiedensten Richtungen interpretieren. Erstmal essen wir ganz gerne mal Fleisch, zweitens ist Fleischeslust doch auch nicht schlecht und drittens gibt es für mich als Atheisten keine Existenz die außerhalb des Körpers, also des Fleisches, existiert. Und mehr noch, gerade die instinktiven körperlichen Bedürfnisse dominieren ja unser Leben. Man könnte es auch so sehen, dass Fleisch das einzige ist, was zählt. Nur dort ist die Wahrheit, die wahre Existenz. Außerdem steckt auch Incarn(ation) mit drin. Damit wäre auch ungefähr umrissen um was es in den Texten geht.

OK, dann erläutere doch bitte mal den Text zu "Masculinity"! Da scheint es darum zu gehen, wie gewisse Teile der Menschheit oder Stammbäume aus Dummheit aussterben. Wie sind Aussagen wie "Build In Hygiene Of Race \ Stupid Men Will Die" oder "Some Men Are Gay - Another Way\ To Prevent Genes Will Survive\ Mechanism To Strength The Natural Drives" zu verstehen?

Ich mag Textfragen eigentlich nicht. Die Musik muss durch sich selbst wirken. Texte werden bei uns immer so geschrieben, dass sie sich gut auf den geplanten Vokallinien singen lassen. Teilweise habe ich beim Textschreiben Andeutungen und mehrfach mögliche Interpretationen hineingepackt, die ich dann später selber nicht mehr weiß ;-) Aber trotzdem:
Die entscheidende Strophe in dem Song ist die erste. Es geht um Männer, die ihre Männlichkeit im Kampf beweisen wollen. Ein Motiv, das ja auch im Metal immer wiederkommt. Nur sind eben die wahren Männer die, die zuhause bleiben und zwischenzeitlich, während die Möchtegernhelden sich ihre Eier auf dem Schlachtfeld wegballern lassen, die daheim geblieben Frauen beglücken. Das ist die schließlich die naturgegebene Aufgabe eines Mannes.
Kurz die Dummen sterben halt aus und das ist ganz gut für den menschlichen Genpool. (sagt Dir Darwin-Award was? Ist das selbe Prinzip.)
Es ist nun mal keine Heldentat, sondern Dummheit, wenn man sich für eine Idee, die nicht von einem selbst stammt, einspannen lässt und sein Leben dafür opfert. Ob das nun Vaterland, der König oder die Religion ist. Ich bin kein Pazifist, aber mein Leben riskiere ich nur für Dinge, die mir persönlich wichtig sind und nicht für den Herrschaftsanspruch anderer.
Lustigerweise hatte ich gerade den Text fertig als ich im Äyptenurlaub die Geschichte des Min erfuhr, der seinen Status als Fruchtbarkeitsgott genau daher hat. Als Krüppel konnte er nicht mit in den Krieg und als die anderen heimkamen waren alle Frauen schwanger. Im Booklet ist unter dem Text deshalb auch ein Bild von ihm. Falls Dir noch nicht aufgefallen sein sollte, alle Texte sind im Booklet mit Bildern unterlegt, die einen inhaltlichen Bezug zum Song haben. Unser Beitrag für den zunehmenden Analphabetismus der PISA-Generation? ;-) Ok, die hören auch kein Metal, sondern Hiphop...

Wie kam es zum Videodreh zu "Masculinity" und was für Erfahrungen konntet ihr da für euch verbuchen? Seid ihr mit dem Ergebnis zufrieden?

Das ist eigentlich nichts Besonderes. Wir wollten lediglich die Aufnahmen dokumentieren und haben da ein bisschen gefilmt. Auch bei der Fotosession und beim konspirativen Spareribs-Essen.
Daniel, unser Lichttechniker, der auch beim lokalen TV arbeitete, hat dann das ganze geschnitten und auch ein paar Livemitschnitte eingeschnitten. Da das ganz gut geworden war, kamen wird auf die Idee das mit auf CD zupacken.
Es sollte nie ein richtiges Video sein, was jetzt auf Viva laufen könnte. Sondern einfach ein eher dokumentarisches Homevideo, was zeigen soll, wie ist die CD entstanden ist. Quasi ein Making-Of.

Im Booklet und im Video zu "Masculinity" post ihr kräftig zwischen und um Steinsäulen herum. Ist das ein Denkmal oder worum handelt es sich bei dem Bau?

Asgaia

Es sind Metallsäulen. Die stehen auf dem Erfurter Petersberg. Und da sind wir wieder bei Min: es ist das Denkmal des unbekannten Deserteurs.
Steckt aber keine Bedeutung drin. Wir suchten einfach eine coole Foto-Location in unserer Nähe. Eine alte Burg oder Klosterruine oder der tiefe dunkle Thüringer Wald war zu abgedroschen.

Auf eure jüngste Platte haben es gleich zwei Cover geschafft, habt ihr zu wenig eigenes Material oder was ist der Grund?

Warum sollten wir nicht die Coverversionen, die live immer sehr gut ankamen, mit drauf packen?
Wir spielen die Teile ja nicht nach. Sondern haben sie komplett umarrangiert, in andere Tonarten transponiert und im Falle von "Children" komplett neue Bass- und Gitarrenlinien gebastelt, die im Original gar nicht vorkommen. Das macht nicht weniger Aufwand als einen eigenen Song zu schreiben!

Wieso habt ihr ausgerechnet die niederländischen THE NITS ("In The Dutch Mountains") und eben Robert Miles' "Children" ausgewählt? Wie sind die Reaktionen auf eure Interpretationen? Habt ihr da auch Feedback der Original-Künstler bekommen?

Bei "Children" hat unser Keyboarder das Thema mal aus Langeweile im Proberaum angespielt. Und dann kam die Idee, das könnten wir doch mal gnadenlos vermetaln. Techno und Metal ist ja musiktheoretisch gesehen, gar nicht so weit auseinander wie man als Metal-Fan denken mag. Klar sind die Instrumente und der Sound komplett anders und auch die Drums komplizierter gespielt. Aber es ist eben meist auch im Metal einfach 4/4-Takt und Moll. So was wie die kitschige Melodie von "Children" findest Du in ähnlicher Form auch bei manchen Black- und Pagan Metal-Bands. Dort dann halt nur mit 16tel Leadgitarre geschrubbt, statt mit Piano. Live kam der Song jedenfalls immer sehr gut an.
Die Idee für "In The Dutch Mountains" hatten wir schon länger. Aber als ATROCITY die "Werk80" veröffentlichten, wollten wir nicht als Nachahmer dastehen. Deswegen erst jetzt.
Beiden habe ich Demoversionen zugeschickt. Aber bis auf ein generelles ok, kam keine Reaktion.

Was für gute Vorsätze habt ihr euch als Band für das Jahr 2007 genommen?

Viele gute Konzerte spielen und viele CDs verkaufen. Mittlerweile sind auch schon wieder drei neue Songs fertig.

Nochmals vielen Dank für Deine Zeit, berühmte letzte Worte?

Noch fühle ich mich noch zu jung für "letzte Worte". Vielen Dank für das Interview und schön, dass Dir unsere CD gefällt. Ich kann nur hoffen, das geht vielen so ;-)

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