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20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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DOMAIN
Alles andere als faul
Thorsten Dietrich
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Deutsche Bands gelten oft als fleiig und strebsam. So auch die Sddeutschen DOMAIN, welche 2006 eine Art Jubilum feiern und dafr eine "Nobel-Hobel" Digipackedition ihres aktuellen Albums "Stardawn" neben dem regulren Teil auf den Markt bringen. Ein gut aufgelegter Gitarrist und Songschreiber mit eisernen Fingern namens Axel Ritt stand auskunftsfreudig bereit und wusste sich in den verschiedenen Fragekategorien gut zu behaupten, wobei er natrlich seine Arbeit zu loben wei.

Domain

Axel, Du feierst mit deiner Band 20 Jahre Jubilum. Aber eigentlich war doch auch jahrelang Pause mit DOMAIN. Darf man dann eigentlich so ein Jubilum dann berhaupt feiern? Ich meine wenn du dich von einer Frau scheiden lsst und wieder dieselbe heiratest, feierste dann auch keine silberne Hochzeit. Du weit was ich meine, oder?

Wir hatten in der Tat eine sehr lange Medien-Pause von knapp acht Jahren, was sich im Nachhinein auch als ein groer Fehler heraus gestellt hat, aber die Band war keineswegs unttig. Zum einen erschien die Best-Of Scheibe "Collection 86-92", welche dann ein Jahr spter nochmals von mir remastered wurde und es gab auch eine Vorproduktion mit Teilen der Mark I Besetzung, welche jedoch nie verffentlicht wurde. Zu unterschiedlich waren die Vorstellungen in welche Richtung DOMAIN zu gehen htte wischt Axel mein Misstrauen dann etwas vom Tisch und fhrt fort: Ende 1998 habe ich dann schon wieder mit der Planung der Reunion begonnen, d.h. alles in allem war die Pause dann doch nur knapp zwei Jahre. So lange brauchten DEF LEPPARD um "Hysteria" aufzunehmen.

Eure Jubilumsplatte ist ja in der limitierten Auflage sehr opulent ausgefallen. Zwei CDs, eine DVD und zwei Booklets im Digipack sind eindeutig fett! Wie kam es zu dieser Idee und wie viele graue Haare hat Dich das gekostet?

Es kam Schlag auf Schlag. Was zunchst als normales Studio-Album geplant war, wuchs schlielich zu einem riesigen Fan-Package heran, mit dem ich selbst nicht gerechnet hatte. Zuerst gab es nur die berlegung einer Bonus-CD fr eine limited Edition, es war noch nicht einmal eindeutig fest gelegt welcher Content sich auf der Bonus-CD befinden sollte. Dann kam der Vorschlag die Asien-Best-Of Scheibe "The Essence Of Glory" als Bonus-CD zu nehmen, welche jedoch aus rechtlichen Grnden keine Titel der ersten drei DOMAIN-Alben "Our Kingdom", "Before The Storm" und "Crack In The Wall" enthielt. Nach zhen Verhandlungen gelang es unserer Company tatschlich die zwei Hit-Singles "Lost In The City" und "I Dont Wanna Die" nebst "Hard Road To Midnight" zu lizenzieren, welche dann noch von mir remastered wurden. Schlielich gelang es unserer koreanischen Plattenfirma auch noch Kopien der TV-Ausstrahlungen unserer Korea-Performances auf dem Busan Festival und in Koreas grter Samstag-Abend Show zu besorgen, welche dann noch geschnitten und aufbereitet werden mussten. Frag mich bitte nicht wie meine Nerven zu dieser Zeit aussahen, denn je nher der Abgabetermin rckte umso mehr Material tauchte pltzlich auf, was man dem Fan prsentieren konnte. Das Ergebnis ist wirklich erste Sahne, klopft sich Axel selber auf die Schulter und gesteht: Aber kein Mensch kann sich vorstellen mit welchem Kraftakt das Ganze zum Schluss verbunden war. Ich habe manche Nacht durch gearbeitet...

Wenn man sich eure DVD anschaut, knnte man denken nach eurer Asientour seid ihr in Deutschland in ein Loch gefallen. Wie schwer ist solch eine - wie ihr selber auf der DVD sagtet - unerwartete Popularitt zu verkraften?

Das hngt von der Persnlichkeit und der individuellen Festigung des jeweiligen Knstlers ab. Ich kann hier nur fr mich sprechen und es wre gelogen, zu sagen ich htte diese Zeit nicht in vollen Zgen genossen aber man sollte niemals die Realitt aus den Augen verlieren. Wir waren sehr gut und wir waren zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, aber wer seine persnliche Glckseeligkeit von der Euphorie der Fans abhngig macht, ist in diesem Beruf hoffnungslos verloren. Ich habe in Korea gelernt warum Erfolg eine ernsthafte Suchtkrankheit ist und warum viele Kollegen sich in Alkohol und Drogensucht verlieren wenn ihre Popularitt schwindet. Wahrscheinlich ist es genetisch vorprogrammiert ob man nach solchen Events wieder landet oder aber den Boden unter den Fssen verliert...

Wer "Dont Pay The Ferryman" covert, ist sich doch bewusst, dass man nicht der einzige ist, wieso musst es ausgerechnet dieser Song sein?

Das erste Konzert, welches unser Snger Carsten je besucht hat, war ein Chris De Burgh Konzert. So wie es aussieht, hat es einen bleibenden Eindruck hinterlassen, denn er brachte die Idee zu dieser Covernummer an. Zu Anfang konnte ich mich so gar nicht mit dieser Idee anfreunden. Burgh hat zwar einen sehr guten Ruf als freundliche und hfliche Persnlichkeit, aber sein Standing im Metal-Bereich ist doch eher marginal, stapelt Herr Ritt etwas tief. Je mehr ich mich aber mit dem Arrangement beschftigte umso mehr konnte ich tatschlich Parallelen zu DOMAIN-Trademarks wie z.B. die hufig von uns benutzten Synth-Brass Sounds erkennen und so reifte der Gedanke an eine Powerversion dieser Nummer immer mehr. Um ehrlich zu sein, ich htte nicht gedacht dass die Nummer so gut wird. Nach anfnglicher Skepsis ist mittlerweile sogar unsere Plattenfirma so sehr von dem Potential der Nummer berzeugt, dass eine separate Rockclub-Promotion gestartet wurde, um die wichtigsten Discotheken mit dem Dancefloor-Hammer zu versorgen.

Textlich gibt es keine 100%-ige Konzeptplatte, aber einen aufgesplitteten Mammutsong ber einen Vampirclan. Wie wichtig sind Dir Texte, oder bist Du nur in erster Linie Gitarrist ? Wie lange komponiert man an so etwas?

Text und Musik mssen in dem richtigen Verhltnis abhngig vom jeweiligen Song funktionieren, daher kann man keine globale Aussage treffen, zudem hat jeder Zuhrer seine eigenen Prioritten, stellt Axel erst mal klar. Im Metal-Bereich wrde ich persnlich eine leichte Bevorzugung des musikalischen Teils sehen, allerdings auch nur so lange es sich um englische Texte handelt. Bei deutschsprachiger Musik kehrt sich das Verhltnis um, aber wie gesagt, jeder so wie es ihm gefllt.
Der von Dir angesprochene Song "Shadowhall" hat wirklich alles bis dato von mir komponierte gesprengt. Wir haben knapp ein Jahr an dem Album "Stardawn" gearbeitet, davon fielen ca. 7-8 Monate bei mir auf die Komposition und das Arrangement von "Shadowhall", allein die Partituren der Orchesterarrangements nahmen knapp drei Monate in Anspruch. Ich war wirklich vllig ausgelaugt nach der Fertigstellung dieses Albums. Da DOMAIN aber einen Vertag ber mehrere Alben haben geht es munter weiter wie Axel berichtet: Glcklicherweise hlt dieser Zustand aber immer 3-4 Wochen an, danach habe ich schon wieder mit dem Songwriting von neuen Titeln begonnen.

Fleiig! Fleiig! Die Songs sind diesmal fr meine Ohren stilistisch sehr abwechslungsreich gehalten, so dass Melodic Metal, Hard Rock, Musicaltendenzen und gar progressive Parts keine Seltenheit sind. Das ist geil! Wolltest Du schon immer so rberkommen?

Wir hatten im Vorfeld des Albums ausufernde Diskussionen wie das neue Album zu konzipieren wre. Einige wollten das Album lieber den Melodic Metal Bereich strken und den Epic-Bereich zurck fahren, Andere, zu denen auch ich gehrte, wollten die Epic-Symphonic-Anteile beibehalten und lieber noch ein wenig mehr ausbauen. Wir einigten uns schlielich darauf den Fans acht Nummern im klassischen DOMAIN-Songgewandt aus Melodic-Metal und Power-Metal zu prsentieren, whrend ich die Aufgabe erhielt, "Shadowhall" zu komponieren in dem bzgl. der symphonischen Orchestereinstze aus dem Vollem geschpft werden konnte. So hat jeder in der Band seine Prioritten wahren knnen und der Fan bekommt ein Art "zweigeteiltes Album" auf dem beide Trademarks, welche DOMAIN ausmachen, ausreichend vertreten sind.

Andere Bands touren viel an Wochenenden. Bist Du dafr mit Deinem Studio und der Rest mit anderen Dingen zu sehr eingespannt, da ich DOMAIN nicht so sehr als Konzerband im Kopf habe!?

Domain

Es ist immer eine Frage der Zeitplanung und der Wirtschaftlichkeit. 90% aller Musiker in Deutschland haben einen normalen Job mit dem sie ihren Lebensunterhalt verdienen und betreiben die Musik als Hobby nebenbei. In dieser Konstellation ist es wirtschaftlich nicht so entscheidend ob Du mit einer Show die Kosten einfhrst oder u.U. vielleicht sogar noch etwas drauf legst, wichtig ist es dass man ein schnes Konzert und eine gute Zeit hat. Wenn man wie ich und einige der Kollegen von der Musik lebt, muss man sich zweimal fragen ob man am Wochenende die kleine Show spielen will oder vielleicht doch besser den neuen Song zu Ende schreibt, fr den bereits die Anfrage vom Verlag vorliegt. Generell spiele ich sehr gerne live, auch ein kleinen Clubs, aber das Verhltnis zwischen Aufwand und Fankontakt muss stimmen, aber glaube mir, ich wrde viel lieber mehr live spielen, gesteht Axel ein.

Seit Jahren lese ich bei Dir immer den Spitznamen "Ironfinger" und bei eurem Snger Carsten "Lizard". Was hat es mit diesen doch ungewhnlichen Namen auf sich? Klr mich und unsere Leser doch mal auf!

Mein Spitzname hat man mir aufgrund meiner extrem dicken Saiten gegeben, welche ich auf meinen Gitarren spiele (fr Insider: 013-056 in Standard-Tuning). Durch diese Saiten entsteht ein Saitenzug von fast 100 Kilopond, so dass viele Spieltechniken wie z.B. das Saitenziehen wesentlich schwieriger sind als bei dnneren Saiten. Die meisten Gitarristen kommen mit dieser Saitenstrke nicht klar, daher meinte ein Kollege einmal dass man "Finger aus Eisen" haben msste um diese Gitarren spielen zu knnen, daher der Spitzname, erklrt Axel und bringt dadurch etwas Licht ins Dunkel. Bei seinem Snger wei er aber dann leider nicht so gut bescheid: Carsten hat mir seine Geschichte mehrfach erzhlt aber ich bin irgendwie zu blde, um sie mir richtig merken zu knnen. Wenn ich mich recht entsinne, wurde ihm der Name von einem Freund verliehen und bezieht sich auf eines seiner Tattoos.

DOMAIN sind ja nicht gerade ein Garant fr ein stabiles Linuep und selbst in den letzten Jahren nach der Reunion ist eure Band immer mal wieder umgekrempelt worden. Da muss ich mich fragen, ob du das Mustaine-, Lawless-, Kasparek-Syndrom hast: Du bist der Boss und der Rest tanzt nach Deiner Pfeife? Schlielich ist klar, wer die meisten Songs schreibt usw. Oder sind das alles nur friedliche Trennungen gewesen?

"Schwarzie Gesetzlos" hat ein eigenes Syndrom?, fragt Axel lachend und fhrt fort: Nein, im Ernst, die Line-Up Wechsel waren in der Tat nahezu alles friedliche Trennungen, wenn wir mal von dem sehr unschnen "Nachtreten" einiger ehemaliger Mitglieder der Mark I Besetzung absieht, welche mich vor vielen Jahren aus namensrechtlichen Grnden vor Gericht gezerrt haben. Menschen verndern sich bzw. ihre Prioritten und ich kann von niemandem verlangen dass er die gleiche Besessenheit wie ich bzgl. DOMAIN an den Tag legt. Eine gute und funktionierende Band ist wie eine Firma, in der die Ideen gemeinsam erarbeitet werden und dann jeder seinen Bereich verwaltet und abarbeitet.
Einer ist jedoch immer verantwortlich, jedenfalls bei DOMAIN wie Axel erklrt: Die letztendliche Entscheidung muss aber von einer einzelnen Person getroffen werden, da man sich sonst dumm und dmlich diskutiert, was nicht nur zu kreativem Stillstand fhrt, sondern auch noch die Atmosphre vergiftet. Diese Person ist aber auch verantwortlich fr evtl. Misserfolg und ist zumeist auch derjenige, der in der finanziellen Haftung steht. Wenn DOMAIN Scheie bauen, Vertrge nicht erfllen, miese Songs abliefern oder die Tour-Kalkulation platzt und pltzlich Tausende von Euro zu decken sind, hafte ich mit meinem persnlichen Eigentum dafr, sprich mein Kopf steht wirtschaftlich stndig auf dem Spiel, das darf man nie vergessen. Und urpltzlich will keiner mehr mit mir tauschen..

So ist das halt im Musikbusiness... Nach diesem Interview sind Snger Carsten Schulz und Bassist Jochen Bauer wegen geschftlicher Angelegenheiten ausgestiegen, hierzu wollte sich Axel so nahe nach dem Ausstieg dann nicht mehr uern.

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