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13. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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MIKE SLAMER
Die Kreativität der 70er
Marek Schoppa
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Dein neues Album ist ziemlich progressiv und heavy ausgefallen. Insbesondere der Titeltrack klingt recht untypisch für das AOR / Melodic Rock Genre. Welche Fan-Schicht wolltest du damit primär errichen?

Ich glaube Melodic Rock ist Rock Musik mit sehr starken Melodien, um es ganz simpel auszudrücken. "Nowhere Land" ist eben ein Rockalbum mit starken Melodien. Das einzig Ungewöhnliche an diesem Album ist die Vielfalt an verschiedenen Stimmungen innerhalb der einzelnen Songs. Einigen Läuten wird das gefallen, einigen nicht. Wie jeder Komponist und Musiker hofft man, dass die Musik den Leuten gefallen wird.

Slamer Ist die Platte empfehlenswert für der typischen AOR-Fan? Jene Leute scheinen oft recht engstirnig zu sein, wenn man sie mit ungewöhnlichen Songstrukturen konfrontiert. Was glaubst du?

Da denke ich nicht drüber nach und habe das auch bisher nicht getan. Ein Grund warum ich die Musik der 70er und frühen 80er liebe, ist, dass es damals keine Regeln gab, was Kreativität und Individualität anging. Als Teenager besuchte ich ständig irgendwelche Rockkonzerte. Black Sabbath, Jethro Tull, Free, Deep Purple, Pink Floyd, Yes und die Liste könnte man beliebig fortführen.... So viel Musik, und großartige Rockmusik. Mit CITY BOY, meiner erste richtige Band, deckten wir mit 7 Alben ein breites musikalisches Feld ab und es war eine super Zeit. Jeder, der meine Geschichte kennt, sollte von diesem Album nicht überrascht sein. Es handelt sich eben um ein Melodic Rock Album.

Kann man "Nowhere Land" als ein echtes Solo-Album sehen? Lediglich mit eigenen musikalischen Ideen, oder hast du das Material zusammen mit Terry und/oder Chet geschrieben?

Es handelt sich um eine Soloplatte, doch hat Terry eine elementare Rolle dabei gespielt. Ich schrieb die ganze Musik, entschied über die Motive, skizzierte die Schlüsselphrasen, die groben Melodiestrukturen und Arrangements. Danach halfen mir Terry und Billy die Songs zu beenden. Zu manchen Songs steuerten sie eine Menge bei, doch immer hatten sie dabei meine Intentionen für die Stücke im Hinterkopf.

Hattest du bestimmtes Konzept für die Platte im Kopf oder handelt es sich dabei schlich und einfach um eine Ansammlung musikalischer Ideen?

Kein Konzept. Jedoch hatte ich eine genaue Vorstellung von dem, was ich wollte und von dem, was ich nicht wollte. Ich schrieb gerade mal 12 Songs, von denen es 11 auf das Album schafften.

Verfolgst du beim Komponieren irgendwelche strikten Muster, oder schreibst du aus dem Bauch heraus?

Ich bin kein "Muster"Rock-Komponist. Wie du eben sagtest, klingen einige Sachen recht ungewöhnlich... naja, so klingt es eben, wenn man aus dem Bauch heraus schreibt.

Slamer Welcher Song der Platte ist deiner Meinung nach am besten gelungen? Gibt es einen Song, den du im Nachhinein anders gemacht oder lieber außen vor gelassen hättest?

Jeder fragt mich die gleiche Frage. Ich glaube das hängt damit zusammen, dass die Stücke untereinander so verschieden sind. Es kommt immer auf meinen momentanen Gemütszustand an, aber ich habe keinen definitiven Lieblingssong. Ehrlich... ich versuche der Frage nicht auszuweichen. Würde ich etwas im Nachhinein ändern wollen? Nein, ich glaube nicht!

Mit CITY BOY startete deine Karriere vor gut 30 Jahren. Ich schätze, in dieser Zeit konntest du eine Menge Erfahrungen machen, was das Komponieren und Musikmachen an sich betrifft. Erzähl mir von den wichtigsten Begebenheiten, die dich in dieser Hinsicht geprägt haben.

  • Das erste Mal als ich Cream sah; das war der Grund dafür Gitarrist zu werden.
  • Durch Zeppelin und Purple wollte ich unbedingt in einer Band sein.
  • Dann ganz offensichtlich die Zeit bei CITY BOY.
  • Die fünf Platten mir Mutt Lange schulten mich jeglicher Hinsicht und gaben mir eine enormen Einblick in die Aufnahmeund Produktionsprozesse. Der Typ ist brilliant.
  • STREETS ... ließen mich zu einem besseren Musiker werden.
Diese Punkte führen die Liste an!

Erzähl doch mal wie es war mit einer Persönlichkeit wie Steve Walsh zu arbeiten.

Es war großartig mit einem Sänger und Musiker wie Steve Walsh zu spielen. Wir machten zwei großartige Alben zusammen und es war eine verdammt gute Erfahrung.

Du hast ebenfalls Songs für Bands wie HARDLINE oder HOUSE OF LORDS geschrieben. Was ist das für ein Gefühl, etwas so persönliches wie einen eigenen Song quasi einer anderen Gruppe zu verkaufen? Oder siehst du dies als einen normalen Job an?

Ich hab niemals einen Song an irgendjemanden verkauft. Wenn jemand mag, was du geschrieben hast und dich fragt es für ein Album aufnehmen zu dürfen, ist dies ein Kompliment! David Sykes (Bassist von BOSTON) und ich sind gut befreundet und ich erinnere mich daran, dass er uns zu einer BOSTON-Show hier in Los Angeles, bei der HARDLINE eröffneten. Als ich sie dann "Doctor Love" spielen hörte und das Publikum lauthals mitsang, war das großartig für mich. Als ich "Metallic Blue" zusammen mit Mike Baker schrieb, waren er und James gerade dabei das HOUSE OF LORDS Album fertig zu stellen und als James "Metallic Blue" zum ersten Mal hörte, wollte er ihn aufnehmen. Ich dachte mir nur: "Super, James wird den verdammt gut rüber bringen". Irgendwie scheint die Frage einen negativen Unterton zu haben.... Ich weiß nicht warum.

Was glaubst du, ist das Ghost-Writing, wenn ich es so nennen darf, weit mehr im Rock und Metal verbreitet, als es der Otto-Normal-Hörer erwarten würde?

Ich kenne niemanden, der im Rock Ghost-Writing betreiben würde. Das heißt nicht, dass es das nicht gibt, jedoch kenne ich niemanden. Bist du sicher, dass du nicht Ghost-Playing meinst? Das habe ich definitiv schon gemacht.

Manchmal habe ich eben das Gefühl, dass insbesondere Melodic Rock Bands sich ihren Erfolg erschleichen möchten, indem sie einfach mit außenstehenden Komponisten zusammen arbeiten. Würde das denn nicht in absoluter Uniformität enden? Liege ich damit falsch?

Ich war niemals ein Fan von Bands, die auf solche Komponisten setzen. Rock ist eine sehr persönliche Art der Musik. Es ist Weg sich selbst auszudrücken mittels seiner Kreativität und dem Schreiben. Wenn du einen Song hörst und möchtest ihn dann aufnehmen, ist das völlig in Ordnung, doch mit jemandem, der Band aussenstehenden, zu arbeiten um Hits zu produzieren; das ist Pop Musik! Nicht Rock.

In wie fern hat sich das Musikbusiness verändert innerhalb der letzten 20 oder 30 Jahre? Glaubst du, es ist eine gute Zeit für Rock 'n Roll im Moment? Wird die Mentalität der 80er, was Rock betrifft, jemals zurückkehren können?

Es hat sich total gewandelt. Mitte und gegen Ende der 70er waren die Englischen Labels daran interessiert, Bands über zwei oder drei Alben hinweg zu entwickeln. Sie waren auf der Suche nach origineller Musik, Sounds und Ideen. Sie wollten einfach nichts, dass klang wie eine andere Band. Individualität zu besitzen galt damals als sehr wichtig. Daher war diese Zeit für Rock Musik wie gemacht. Ich lebe seit geraumer Zeit nun in LA und die Major-Labels in Hollywood verhalten sich absolut konträr zu damals. Zwar wollen sie alle die nächste, völlig neue und originelle Megaband, doch niemand hat die Vision und die Eier es einfach mal anzupacken. Daher springen alle einfach auf den Mainstream-Zug mit auf. Das Internet könnte das irgendwann jedoch ändern, da ein jeder seine Musik publik machen kann. Doch leider hege ich keine Hoffnung die Kreativität der 70er irgendwann zurückkehren zu sehen.

Eine letzte Frage noch: Was sind deiner groben Zukunftspläne? Weitere Projekte anzugehen, ein weiteres SLAMER Album aufzunehmen, auf Tour gehen ... ?

Ich denke, ich werde gegen Ende des Jahres Terry Brocks neues Album produzieren und im Frühjahr werden Billy und ich an das dritte 7th KEY Album machen. Zudem schreibe ich momentan die Musik zu einigen TV Shows. Natürlich hoffe ich auch, dass "Nowhere Land" gut ankommen wird und ich einige Liveshows spielen kann, denn die 7th KEY Gigs haben meinen Appetit, live zu spielen, wieder geweckt. Danach wird hoffentlich eine neue SLAMER Platte folgen.
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