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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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SUN OF SADNESS
Inspiration aus der Straßenbahn
Andre Kreuz
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"Ghosts" von SUN OF SADNESS hat mich kürzlich völlig unerwartet überrollt und mit seinen clever arrangierten, vielschichtigen Stücken dauerhaft in seinen Bann gezogen. Da nicht nur die düstere Musik, sondern auch Artwork und Texte etwas zu sagen hatten, machte ich mich mit Gitarrist Mitja auf Geisterjagd.

Bei der Veröffentlichung eures Zweitwerks "Forest" hattet ihr Probleme mit eurem damaligen Label "M.O.S. Records". Was ist da schief gelaufen?

Sun Of Sadness - Mitja

Kurz vor der Veröffentlichung von "Forest" stellte M.O.S. Records leider seine Geschäftstätigkeit ein. Ich kann nicht genau sagen was bei M.O.S. schief gelaufen ist. Es gab aber keine Probleme mit der Band oder ähnliches. Wir hatten also keinen Einfluß auf eine weitere Zusammenarbeit.

Daraufhin habt ihr die CD als kostenlosen Download im Internet angeboten. Wieso habt ihr diesen Weg gewählt und welches Fazit zieht ihr im Nachhinein aus dieser Aktion?

Wir wollten einfach nicht zu lange von der Bildfläche verschwinden. Es hat nach der M.O.S Geschichte noch einige Zeit Verhandlungen mit anderen Plattenfirmen gegeben. Das war allerdings recht unfruchtbar und hat dann auch noch so viel Zeit in Anspruch genommen, dass wir so schnell es geht, etwas veröffentlichen wollten, um nicht von der Bildfläche zu verschwinden. Zudem ist "Forest" ja auch nur ein Remake von unserer ersten Demo-CD "A Forest in my dreams". Die meisten potentiellen Käufer hatten die Songs also schon. Es hat sich im nachhinein auf jedenfall äußerst positiv auf unseren Bekanntheitsgrad ausgewirkt. Die Songs von "Forest" wurden bis bis zu 10.000 mal heruntergeladen. Da kann man ja nicht meckern.

Wie steht ihr als Musiker zum Thema MP3s aus dem Netz?

Tolle Sache. MP3s sind doch wirklich eine super Erfindung. Ich hab so viele neue Bands nur gehört, weil man sie einfach mal downloaden kann. Und wenn es nicht gefällt, wird's halt gelöscht. Wenn die Band allerdings gut ist, kaufe ich mir auch gerne das Album. Der finanzielle Schaden für die Plattenfirmen ist natürlich die Kehrseite der Geschichte und hat bestimmt auch Auswirkungen, die wir als eine der vielen kleineren Bands zu spüren bekommen.

Euer neues Werk "Ghosts" ist mit einem interessanten Cover-Artwork geschmückt. Für mich stellt es die Symbiose aus Bandname und dem Titel des jüngsten Releases dar, da die den Tod und damit Trauer symbolisierten Skelette Sonnen-förmig angeordnet sind. Wie siehst Du das?

Ghosts Cover

Ich sehe ehrlich gesagt mit Vergnügen zu, wie die Leute ihrer Phantasie freien Lauf lassen. Wir haben uns da gar nicht so viel bei gedacht. Sieht halt gut aus und passt zur Stimmung der CD.

Textlich beschäftigt ihr euch nicht nur in "Suicide Dreams" gerne mit dem Thema Selbstmord. Auch sonst ziehen sich düstere Themen wie vertane Chancen, verlorene Liebe und Verachtung für die Menschheit wie ein roter Faden durch die Texte. Woher zieht ihr diese dunklen Inspirationen? Ist das Texten eine Möglichkeit neben der Musik, negative Gefühle zu kanalisieren?

Die Dinge aus der Sicht des Sängers und Texters:

Die Texte beziehen sich hauptsächlich auf unsere Weltanschauung. Wir verarbeiten damit sämtlichen Frust aus der Vergangenheit und Gegenwart, in der Hoffnung auf Besserung. Wie so oft bleibt es aber bei der Hoffnung, die bekanntlich zuletzt stirbt. Der Selbstmord soll ja bekanntlich der leichteste Weg sein (diese Ansicht teilen wir nicht, denn ein Mensch, der seinen Selbsterhaltungstrieb überwindet geht bestimmt keine leichten Wege). Allerdings bezieht sich dieser "Selbstmord" wohl eher auf die Tatsache, dass bei jedem Abschied von etwas Wertvollem ein kleiner Teil der Seele stirbt. Man beginnt quasi von vorne. Was die Verachtung für die Menschen angeht ist sie genauso gemeint wie sie geschrieben wurde. Damit ist nicht gesagt, dass wir bessere Menschen sind, aber wir halten mehr von vernünftigen Wesen als von einer Welt, die sich selbst belügt und vernichtet. Inspiration kann man überall finden, es reicht manchmal in der Straßenbahn zu fahren, um unglaublich viele Dinge zu sehen und zu hören, die so einfach nicht richtig sein können. Diese Welt macht uns traurig und wütend und doch gibt es genügend Dinge, die das Leben lebenswert machen. Wir versuchen die Texte so zu verpacken, dass man sie mit dem Herzen schneller versteht als mit dem Verstand.

Sun Of Sadness

Das Akustik-Stück "Helios" ist ein episch-erhabenes Highlight auf "Ghosts". Wie ist seine Entstehungsgeschichte und warum habt ihr das gute Stück nicht länger gemacht?

Das Stück ist von unserem Keyboarder. Er hat es uns im Studio gezeigt und gesagt, dass er es gerne aufnehmen würde. Wir haben dann im Studio noch die Schlagzeugparts und eine Akustik-Gitarre aufgenommen. Für die Platte wollten wir ein paar kurze, unverzerrte Zwischenstücke machen, die die Platte ein wenig auflockern und etwas Dynamik reinbringen sollten. "Helios" sollte so ein Stück werden. Deswegen ist es auch nicht länger geworden. Ich finde es allerdings auch gut so wie es ist und würde es nicht länger haben wollen, da es so wie es ist sehr gut funktioniert und über einen schönen Spannungsbogen verfügt. Ich finde auch gut, dass man, wenn das Stück vorbei ist, es sofort wieder hören möchte, da sich die Themen noch nicht ausgereizt haben. Auf jedenfall ist es so besser als wenn die Themen zu lange gespielt worden wären und man nach dem Stück sagen würde: "Puh, das war jetzt aber lang genug!"

Im Infozettel zu "Ghosts" ist zu lesen, dass "Becken ruhig mal scheppern dürfen" und ihr "dem düsteren Metal mehr Dreck verleihen" wollt. Ist das - provokant gefragt - eine Entschuldigung für den nicht zu glatten Sound der Scheibe? Sind euch Aufnahmen stilistisch ähnlich gelagerter Bands nicht derbe genug bzw. wie definiert ihr einen anständigen "Metal-Sound"?

Nein, das soll natürlich keine Entschuldigung für den Sound sein. Der Sound ist genauso, wie wir ihn haben wollten.
Wir wollten auch nicht sagen, dass der Sound der stilistisch verwandten Bands schlecht ist, obwohl es solche natürlich gibt, aber es ist halt der Sound, der unserer Meinung nach am besten zu unseren Stücken passt.

Ihr habt ja auch schon auf dem Wave Gothic Treffen gespielt. Wie wurdet ihr da aufgenommen und wie habt ihr das Festival erlebt?

Wir haben vom Wave Gothic Treffen keine großen Resonanzen erhalten, was unsere Musik angeht. Das Festival war aber natürlich eins der großen Highlights in unserer Bandgeschichte, weil es einfach eine ganz andere Erfahrung ist auf einer großen Bühne zu stehen. Wir haben da ansonsten ausgiebig mit den anderen Bands gefeiert. Vor allem mit ASHES YOU LEAVE, die wir schon vorher kannten, haben wir eine gute Zeit verbracht.

Aus welchen Reihen rekrutiert ihr eure Fans und in welcher "Szene" fühlt ihr euch am ehesten zugehörig, wenn überhaupt?

Ich würde sagen, dass wir größtenteils Leute aus der Metal-Szene ansprechen und uns auch da am wohlsten fühlen.
Ich glaube für die Gothic-Szene ist der Gesang doch zu Black Metal-lastig.

Was steht in naher Zukunft bei SUN OF SADNESS an?

Sun Of Sadness

Wir werden natürlich versuchen, so viel wie möglich zu spielen und unsere CDs an den Mann (oder auch Frau) zu bringen. Ich denke, das ist das Wichtigste für uns. Nach dem langen Songwriting und den Aufnahmen wollen wir wieder auf die Bühne

Letzte Worte (Abschiedsbrief)?

Danke an alle, die uns unterstützen, besonders unsere treuen Fans in Bonn und Rheinbach.

www.sunofsadness.de

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