Navigation
                
12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Band
Titel
Autor
Homepage
>> Als E-Mail versenden
OBSCENITY
Die moderne Version der Hölle
Andre Kreuz
Homepage suchen ...


Mit dem deutschen Death Metal-Urgestein OBSCENITY ein Interview zu machen ist gar nicht so einfach. Bereits 2002, als unser Magazin gerade der Ursuppe entsprungen war, unternahm ich diesen Versuch und scheiterte kläglich.
Nach dem grandiosen Rundumschlag "Where Sinners Bleed" musste ich aber doch nochmal den Versuch wagen, das Album war einfach zu gut! Nach einigen Hin-und-Hers kam tatsächlich folgendes informative und erfrischend ehrliche Interview heraus, bei dem Gitarrero Henne freimütig über ungeliebte Alben, Basser-Probleme und griechische Ethno-Tanten plauderte.

Henne, erst mal Glückwunsch zu eurem siebten Werk "Where Sinners Bleed". Wie sind denn die Reaktionen bisher ausgefallen?

Obscenity - Henne

Hi, Andreas. Vielen Dank für die Blumen und sorry dass es erst jetzt mit dem Interview geklappt hat. Es hat nicht sollen sein.
Die ersten Reaktionen sind, bis auch zum heutigen Tage, zu einem sehr hohen Prozentsatz überdurchschnittlich gut ausgefallen. Den magazinen scheint der Silberling zu gefallen. Das ist auch auf unserer HP nachzulesen. Dort sind einige nochmal im O-ton widergegeben.

Warum habt ihr euch nach "Cold Blooded Murder" ganze vier Jahre bis zum aktuellen Release verstreichen lassen? Erwartet uns das nächste Album dann auch erst 2010?

Jeder braucht mal 'ne Pause oder Abstand zu gewissen Dingen. Man schaut wie es weitergeht oder welche Richtung man einschlägt. Dazu muss ich gestehen, dass z.B. "Obsessed With Slavery" der erste Song war, den wir für "WSB" geschrieben hatten. Er ist kurz nach Veröffentlichung von "CBM" entstanden. Er ist also gut vier Jahre alt! Außerdem hatten wir einiges an Live-Aktivitäten abzuarbeiten. Das war zwar nicht sonderlich viel, aber es ist ja auch eine Frage der Zeit, die man investieren muss, wenn man ein solches Projekt durchzieht.
Aber noch einmal vier jahre braucht keiner zu warten, denn ich bin schon eifrig dabei Ideen für ein Folgealbum zu sammeln und aufzunehmen, zumal wir den Proberaum umgebaut hatten und ein Homestudio drangebastelt haben,um Demos schneller aufzunehmen. Das macht den ganzen Prozess etwas flüssiger weil wir somit unsere alten Hirne nicht so anstrengen müssen mit dem, was wir bei der letzten Probe noch alles gemacht hatten, hehehehe...

Warum seid ihr eigentlich von eurem langjährigen Label Morbid Records zu Armageddon Music gewechselt?

Ursprünglich hatten wir "WSB" für Morbid aufgenommen, und nach Fertigstellung der Aufnahmen hatten wir allesamt das Gefühl, dass sich was ändern muss. Wir hatten fast zehn jahre lang mit Morbid zusammengearbeitet und irgendetwas sollte nun passieren. Wir hatten quasi das Gefühl auf der Stelle zu treten. Mit Armageddon haben wir ein fähiges Label gefunden, die einen guten Background mitbringen.

Ich bin bei "The 3rd Chapter" zu den Reihen eurer Anhänger gestoßen und kenne die ersten beiden Alben leider nicht. Wie hat sich euer Sound seit den Anfangstagen verändert?

Die ersten beiden CDs gibt es Gottseidank nicht mehr im Handel. Mit dem ersten Output waren wir nie wirklich zufrieden. Der sound war viel zu brav und glatt. Jahrelang haben wir in Proberaum geschuftet mit dem Gedanken alles niederzudreschen was uns vor die Flinte kommt, und dann kam die ernüchterung als es hieß, dass Andy Classen im Urlaub ist und eine Vertretung die Aufnahmen macht. So klang's dann auch.
Im Laufe der Jahre ist der Sound dann verbessert worden, obwohl wir auch im zweiten Studio keinen Glücksgriff gelandet hatten. Erst zur "The 3rd Chapter" war der Sound annehmlich gut und wir waren doch recht zufrieden. Obwohl einige neider uns immer eine Mädchenproduktion vorgeworfen hatten. Trotzdem brauchten wir uns nie hinter einem miesen Knüppelsound unsere musikalischen Fähigkeiten zu verstecken, hehehehe...

Ihr habt immer euer eigenes Ding durchgezogen und euch nie anpassen wollen. War das schwierig und gab es in eurer Karriere schon mal Momente, an denen ihr am liebsten alles hingeschmissen hättet?

Obscenity

Yo, das gab's. Aber wir waren niemals Ja-Sager! Und werden es auch niemals sein. Wenn jemand uns was vorschreiben will wird er einfach stehengelassen oder eines besseren belehrt. Mag sein, dass es vielleicht besser gelaufen wäre wenn wir auf den einen oder anderen Spinner gehört hätten, aber das wäre nicht OBSCENITY und somit fake!

Solide Einstellung! Ihr habt mittlerweile viele Gigs auf den unterschiedlichsten Festivals vorzuweisen. Wie unterscheiden sich aus Band-Sicht kleinere Open Airs wie das FTC und das Party.San von größeren wie Wacken und dem WFF? Habt ihr da Präferenzen?

Ich persönlich mag lieber die übersichtlichen Open Airs wie z.B. das Party.San und das FTC. Gerade weil es persönlicher ist und man einfach mehr Einblick in das ganze Geschehen hat.
Wir haben 2x auf dem Wacken gespielt und 2x haben wir uns gefühlt wie Tiere, die man irgendwo hineinpfercht ohne dass sie wissen was um sie herum passiert. Und wenn man Fragen zum Geschehen hat, braucht man eh keinen danach zu fragen, weil keiner einen blassen Schimmer hat was, wann und als nächstes passiert. Haha!

Zurück zu "Where Sinners Bleed": Wer hat das Horrorfilm-mäßige Cover geschaffen und wie passt es zum Inhalt der CD?

Where Sinners Bleed Cover

Das Cover hat Björn Goses (Killustrations) entworfen. Er hatte die Vorgabe etwas zu dem Titel "Where Sinners Bleed" zu entwerfen.
Wenn man genau hinsieht, kann man die Blutlachen an den Fenstern erkennen. Vielleicht ist es die moderne Version der Hölle! Zudem hatte er die Idee das ganze Booklet als eine Story aufzuziehen, was ihm auch super gelungen ist.
Außerdem muss die Verpackung nicht immer zum Inhalt passen (alte Werbeweisheit).

Worum drehen sich die Texte? Habt ihr immer noch gesellschaftskritische Einflüsse, wie das z.B. auf "The 3rd Chapter" teilweise der Fall war?

Na, eher kaum. Ich denke irgendwann gibt es kaum noch Themen, denen man sich nähern kann ohne sich zu wiederholen. Mittlerweile ist Olli soweit, dass er mit Fantasy- und Gore-Texten Frieden geschlossen hat. Er hatte immer den Anspruch etwas gut zu machen und das mit maximalen Aufwand. Das soll heißen, dass er nächtelang an einer Textidee saß. Und das bei jedem Song und bei jedem Album. Und jetzt kannst Du Dir vorstellen wie das für ihn war, dass andere junge Bands mit den grottigsten Songtexten und ihrem Erfolg an uns vorbeizogen. Das war doch sehr ernüchternd.

Hat man es euch denn je zum Vorwurf gemacht, textlich nicht stur den Mord-Und-Totschlag-Klischees der Death-Metal-Gemeinde zu folgen?

Wie gesagt, das ist jetzt zum ersten mal der Fall, dass wir uns Klischees bedient haben. Rein musikalisch war es schon eher der Fall. Man ging sogar schon soweit dass man uns als "oldschool" tituliert hat, hehehe. Das resultiert aber eher daraus, dass wir sehr viel älter sind als die anderen Combos...

Alex (bass) und Marc Andree (drums) wüten ja auch bei DEW-SCENTED. Gibt es da keine terminlichen Probleme?

Marc Andree spielt nicht bei denen, er hat lediglich mal ausgeholfen. Was Alex betrifft kannst du recht haben. Auf dem Papier ist er der Basser von DEW-SCENTED. Habe ihn aber auch schon seit Monaten nicht mehr gesehen. Das letzte, was ich über ihn hörte war, dass er ausssteigen wollte; uns das aber doch persönlich sagen wolle.
Na, bis heute ist er noch nicht dazu gekommen. Allerdings kann ich hier ja die Gelegenheit nutzen, nach einem fähigen Basser auszurufen!
Es gab schon einige terminliche Probleme, da es oftmals zu Überschneidungen kam wenn beide Bands spielen sollten und es ging nicht immer zu unserem Vorteil aus. Aber wir haben dann trotzdem gespielt und wenn es auch ohne Bassist war.

Was hat euch 1999 dazu bewogen eure Demos von 1991 bis 1993 in Form der CD "Demo-Niac" unters Volk zu bringen? Ging die Scheibe gut weg?

Tja, das ungeliebte Kind. Es war eine Überbrückungs-Idee von Morbid, um das Warten auf die "Intense" zu verkürzen.
Ob die Scheibe gut verkauft wurde, wissen wir nicht. Es gab kaum eine Art Abrechnung von Morbid. Aber es waren schon einige tausend (hätte trotzdem gerne gewusst, wer die alle gekauft hat, hahaha).

Obscenity

Mich hat schon immer das Intro dieser Platte fasziniert: Sind die Fugees Fans von OBSCENITY oder umgekehrt?

Ich muss erst mal klarstellen, dass das nix mit denen zu tun hat! Erstens hatten wir es zuerst und zweitens stammt es nicht von denen sondern von "Enya" (griechische Ethno-Tante), was wir aber auch zuerst nicht wussten. Wir hatten diesen song damals in einem Film namens "Sleepwalker" gesehen: und das gefiel uns so gut, dass wir es bis heute als Live-Intro nehmen.

Aha, ein Mysterium weniger!
Danke jedenfalls für Deine Zeit! Letzte Worte?

Ja, nochmals vielen dank für diese zweite Chance ;-) Und noch ein Appell an die Death Metal-Jünger:
Leute checkt "WSB" an, ihr werdet nicht entäuscht sein!!!
Stay obscene!

www.obscenity.de

<< vorheriges Interview
DANNY VAUGHN - Listening Session
02.10.06 Rockfabri [...]
nächstes Interview >>
SUN OF SADNESS - Inspiration aus der Straßenbahn




 Weitere Artikel mit/über OBSCENITY: