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22. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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LORDI
Metal-Monster gewinnen den Grand Prix!
Sven Lohnert/Thorsten Dietrich
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Drei Alben haben Lordi, die finnischen Hardrocker schon gemacht und haben immer ihr Konzept der Monsterverkleidung beibehalten. Auch nach zwei Line- up-Wechseln stehen die fnf Finnen mit einer recht neuen Platte "The Arockalypse" seit Mrz wieder voll im Saft, nachdem Album Nummer Zwei "The Monsterican Dream" ja etwas schwcher war. Als dann Lordi mit 42% der Zuschauerstimmen zum Halbfinale des Grand Prix als finnische Abgesandte gewhlt worden sind, war ich nicht verblfft. Es gibt circa 5 Millionen Finnen von denen viele in mehr als drei Metalbands spielen und Metal ist in Finnland ein richtiges Chartthema. Als Lordi dann auch im Halbfinale weiterkamen, war ich auch nicht berrascht. Das die Brut dann aber mit ber 30 Punkten Vorsprung gegen die Armada von Plastik Popbands, Boygroups und falschen Blondinen gewann hat mich doch dann sehr gewundert und natrlich gefreut! Da haben die Metalheads aus aller Welt zusammengehalten. Lordi sind seit dem in aller Munde und in smtlichen Kseblttern, Ralf Siegel ist laut Gerchten mit GWAR fr 2007 im Studio und auch wir sind voll aus dem Huschen.
Finnland 12 Punkte!!! Finnland heit der Sieger des 51. Eurovision Song Contests in Athen. Am Abend des 20. Mai konnten die Monsterrocker von Lordi ihrem Song "Hard Rock Hallelujah" die Mehrheit der ber 100 Millionen Fernsehzuschauer fr sich gewinnen. Platz 2 belegte Dima Bilan aus Russland mit "Never Let You Go". Dritter wurde Hari Mata Hari aus Bosnien- Herzegowina mit "Leijla". Die deutsche Country-Truppe Texas Lightning (Ghn) mit ihrem Singalong-Song "No No Never" nur Platz 15 - immerhin noch vor der Schweiz, die mit einem Titel von Schmonzetten-Kaiser Ralph Siegel ins Rennen ging. Lordi begeisterten wie schon beim Semifinale am 18. Mai mit einer auergewhnlichen Performance (berdimensionale, ausfahrbare Fledermausflgeln und coole Pyro-Show inbegriffen) und gewannen mit insgesamt 292 Punkten den ersten Platz. Whrend einige Lnder bis kurz vor Beginn der Veranstaltung versuchten Lordi am Start zu hindern, hagelte es fr die sympathischen Finnen aus vielerlei Lndern Hchstnoten en masse - auch Deutschland zckte 10 Punkte - nur getoppt von der Wertung fr die Trkei.

Und so begibt es sich, dass trotz des absoluten Interviewmarathons Drummer Kita, immerhin zweites Sprachrohr der Band nach Frontmann Lordi, Zeit findet Interview zu stellen. Zuerst einmal natrlich: Herzlichen Glckwunsch zu diesem berwltigenden Erfolg!


Vielen Dank. Man hat uns auch gesagt, dass dies wirklich ein riesiger Triumph sei. Das htten wir am Anfang gar nicht gedacht. Wir wurden vom finnischen Radiosender, der fr den nationalen Vorentscheid zustndig ist eingeladen. Die gaben uns 24 Stunden Bedenkzeit und nach einigen Diskussionen entschlossen wir uns an der nationalen Ausscheidung teilzunehmen. Eigentlich haben wir das nur gemacht, weil uns davon kostenlose TV-Sendezeit und somit tolle Werbung fr unser Album "The Arockalypse" versprachen. Wir haben das am Anfang wirklich berhaupt nicht ernst genommen. Doch pltzlich standen wir als Gewinner des Vorentscheids fest und ab dem Zeitpunkt wurde uns langsam bewusst was da abging. In Finnland brach ber Nacht der Sturm los. Die einen feierten uns die anderen gingen auf uns los. Egal ob die Kirche oder diverse Medien - man erklrte uns zur Schande Finnlands und versuchte uns alle erdenklichen Hindernisse zwischen die Fe zu werfen. Wir haben versucht uns davon nicht beeindrucken zu lassen, denn eigentlich hatten wir unser Ziel ja erreicht. Die Teilnahme am Eurovision Song Contest in Athen garantierte uns mediale Aufmerksamkeit weltweit. Andere Bands kmpfen Jahrzehnte lang um ein bisschen Beachtung und wir wurden in 10 Tagen weltbekannt - was kann man mehr verlangen? Der Hammer ist natrlich, dass wir dann auch noch das Halbfinale und das Finale gewonnen haben - Mann, hier ist echt der Teufel los.

Das glauben wir Kita gern, denn immerhin brauchte es unzhlige Anlufe, Telefonate, Faxe und E-Mails bis dieses Interview endlich im Kasten war. Lordi hetzen derzeit sprichwrtlich von Termin zu Termin. Aber ernsthaft, wie fhlt man sich als Rock 'n Roller bei einer Schlagerveranstaltung wie dem Grand Prix?

Das hat natrlich mit Rock 'n Roll oder Heavy Metal rein gar nichts zu tun. Du wirst als Knstler einfach in ein System geworfen und der Reihe nach durchgeschleust. Da ist alles minutis durchgeplant und durchgestylt. Das fngt bei offiziellen Presseterminen an und hrt bei vorgegeben Essenszeiten auf. Wir mussten ja auch bereits eine Woche vor dem Halbfinale nach Athen reisen, um die vom Veranstalter angesetzten Rehearsals durchzufhren. Und zu denen mussten wir jeden Tag - jeder Knstler hatte tglich eine halbe Stunde die Pflicht zu proben. Kannst du dir vorstellen was das fr eine Tortur fr uns war? Jeden Tag die Kostme anzulegen. Nur wegen einer halben Stunde? Zudem mussten wir jeden Tag die komplette Bhnenshow fahren - inklusive Fledermausflgel und Pyros. Wir htten das nicht gebraucht, aber an einem Tag wurde der Ton eingestellt, am nchsten das Licht, am dritten die Kamerafhrung festgelegt, usw. - das war echt heftig.

Auch der riesige Medienrummel sollte da wohl nicht auer Acht bleiben.

Du sagst es. Ich glaube ich habe in Athen so viele Interviews gegeben wie fr alle unsere Platten zusammen. Das war vllig verrckt. In 10 Tagen hatten wir nur einen einzigen Day-Off, an dem wir kurz in die Stadt sind, um ein paar Souvenirs einzukaufen.

Oder sich an den Pool zu legen, wie Fotos von Drakkar Records-Boss Boggi Kopec belegen.

Hehehe - das stimmt! Das wurde bei Empfang der finnischen Botschaft in Athen aufgenommen. Kannst du das glauben? Die haben dort echt einen Swimming Pool. Die sollen doch arbeiten und sich nicht vergngen. Aber egal. Auf alle Flle war auch dort pressetechnisch die Hlle los - immerhin hatte es Finnland vor uns noch mit keinem Beitrag ins Finale des Grand Prix geschafft.

Wahnsinn!
Die Masken mssen in Griechenland ja wohl ihr briges zur "Stresituation" beigetragen haben.


Da hatten wir wirklich Glck. Denn es war bei weitem nicht so hei wie befrchtet. Ich glaube zwei Wochen spter htten wir wirklich Probleme mit den Kostmen bekommen, denn dann htte sich wieder der Klebstoff gelst mit dem wir die Masken in den Gesichtern befestigen - da hilft dann absolut nichts mehr auer alles auszuziehen, zu duschen und noch mal von vorn zu beginnen. Beim Rest der Band geht das ja, aber bei unserem Snger Mr. Lordi dauert diese Prozedur ja 3 Stunden.

Kann sich Kita denn ber die Behandlung seitens diverser Mitstreiter des Grand Prix beschweren?

berhaupt nicht. Angefangen bei den Offiziellen bis hin zu unseren Konkurrenten kann ich nur sagen: super! Jeder umsorgte uns oder untersttzte uns wo es nur ging. Da fiel kein schrges Wort. Die waren alle extrem berrascht wie nett wir in Wirklichkeit sind und deswegen waren alle gut gelaunt und haben gemeinsam Spa mit uns gemacht.

Ich hatte mir eigentlich gedacht, dass die beiden Womanizer der Band Lordi - nmlich Kita und Amen - sich schnurstracks um die Teilnehmerin aus der Ukraine "gekmmert" htten.

Hahaha . Aber die war wirklich schnuckelig und wir haben schon ein bisschen Party gemacht, denn immerhin hatte die auch noch ihre Garderobe neben uns und wir konnten ihr immer beim Einsingen zu hren. Dabei konnten wir leider nicht umhin das Echo fr sie zu spielen, haha. Immer wenn nebenan ihre Sirene ertnte, stimmten wir ebenfalls mit ein. Als sie das mitbekommen hatte, drehte sie noch weiter auf und wir legten auch noch einen Zahn zu - es war ein echter Wettbewerb bis wir dann beide gleichzeitig die Tr zum Gang ffneten und uns lachend gegenberstanden. Die Lady war echt cool.

Was siehst du eigentlich als Hauptgrund fr den Sieg in Athen an?

Puh. Schwer zu sagen. Aber ich glaube wirklich, dass es der Sieg im finnischen Vorentscheid war. Das gab uns die Plattform dank dieses medialen Overkills ber Nacht weltweit bekannt zu werden. Sogar die Menschen in den USA, Australien und Neuseeland kennen uns jetzt, obwohl wir noch keine unserer Platten dort verffentlicht haben. Durch diese grere Verbreitung unseres Namens wurden alle Hardrock-Fans und solche, die sich bislang noch nicht dazu zhlten, auf uns aufmerksam. Zudem wurde parallel dazu natrlich eine Welle der Mund-zu-Mund-Propaganda durch die "I Vote For Lordi"-Aktion ausgelst. Ich glaube wirklich, dass wir es allen Hardrock- und Heavy Metal- Fans zu verdanken haben, dass wir das Ding gewonnen haben.

Ich sage es ja immer : "In Union We Stand!"
Und so war am Freitag den 26. Mai war die Hlle los in Helsinki. Knapp eine Woche nach dem Sieg beim Eurovision Song Contest feierten die Fans Lordi bei einem Empfang in Helsinki und sangen lautstark den Siegertitel "Hard Rock Hallelujah". 80.000 Finnen begrten auf dem alten Fischmarkt ihre Athen- Grand Prix Sieger mit einem riesigen Open Air und Volksfest. Dabei wurde auch ein Guiness-Rekord aufgestellt: Nmlich die grte Karaokesession der Welt, die im Guiness Buch der Rekorde festgehalten wurde. Auerdem hatten Lordi eine Prsidentenaudienz - nach Angaben der Polizei musste der Platz am alten Fischmarkt in Helsinki wegen des Menschenandrangs abgesperrt werden. Lordi, der mit brgerlichem Namen Tomi Putansuu heit wurde von Prsidentin Tarja Halonen begrt. Er trat in seiner gewohnten Teufelsmaske vor die Staatschefin. Halonen, die selbst ihrer knalligen Haarfarbe wegen gerne "Rote Tarja" genannt wird, hatte sich fr einen geplanten offiziellen Empfang zum finnischen Unabhngigkeitstag ausbedungen, dass Lordi und seine vier Band-Kollegen ohne ihre Horrormasken in den Prsidentenpalais kommen. Staatsprsidentin Tarja Halonen lobte Lordi als "finnische Qualittsarbeit". Sie bergab der Band einen berdimensionalen bronzenen Schlssel fr die Frderung finnischer Musik in aller Welt als Ehrenbrger von Helsinki.


Das war dann in der Tat das Sahnehubchen. Mann, wir haben nur einen Sngerwettstreit gewonnen und pltzlich steht das ganze Land Kopf. Da stehst du einfach da und bist zu Trnen gerhrt, wenn 80.000 Menschen dein Lied singen. Aber auch in anderen Lndern geht jetzt die Post ab. Ich habe gestern Interviews fr Spanien gegeben und alle haben mir besttigt, dass smtliche Rockclubs bei der bertragung aus allen Nhten geplatzt waren - jeder Besucher hat fr uns angerufen und sie haben sogar ihre eigenen Pyroshows uns zu Ehren veranstaltet.

Fr uns war eines sehr offensichtlich. Die Heavy Metal-Fangemeinde war bezglich Lordi immer gespalten. Auf der einen Seite diejenigen, die die Finnen von Beginn an supporteten und auf der anderen Seite die Nrgler, die sich permanent ber den Kiss/Alice Cooper-lastigen Sound und die "klischeehaften" Masken des Fnfers beschwerten. Als dann jedoch eine realistische Siegchance fr eine Heavy Metal-Band beim grten Schlagerfestival der Welt bestand, da rckten alle Fans zusammen, um mit einer einzigen lauten Stimme fr Lordi zu votieren.

Haben Lordi die ganze Szene wieder vereint - wenn auch nur fr einen Tag?


Bestimmt. Ohne die vereinten Krfte htten wir nie gewonnen! Wir haben ja auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass es ohne Kiss oder Alice Cooper kein Lordi geben wrde. Wir haben mit Sicherheit keinen neuen Sound erfunden. Aber es ist fr uns das grte, dass Bruce Kulick (spielte auf "The Arockalypse" ein Gitarrensolo) am nchsten Morgen bei Mr. Lordi auf dem Handy anrief um uns zum Sieg zu gratulieren. Peter Criss und Gene Simmons haben uns Glckwunsch-E-Mails geschickt und geschrieben, da sie stolz auf uns seien - Mann, da habe ich echt weiche Knie bekommen. Unsere Gtter kennen uns nicht nur - sie gratulieren uns auch noch...

rgerlich fand ich wieder einmal die Respektlosigkeit der Klatschpresse. Da Lordi es strikt ablehnen ohne Masken fotografiert zu werden, wurde eine wahre Treibjagd auf die Band von Bild-Zeitung und Konsorten erffnet. In Finnland gab es deswegen sogar richtig rger, weil eine Zeitung gegen den Willen von Snger Tomi Putansuu dessen Konterfei ablichtete - es folgte ein Leserboykott der Zeitung, und ein wahrer Sturm der Entrstung.

Was willst du denn dagegen tun? Bei euch ging ja das Gercht um, wir wrden Fotos von irgendeinem deutschen Komponisten zerreien oder sogar aufessen - was fr eine gequirlte Scheie! Ihr von der Rockpresse kennt eben noch die Begriffe "Ehre" und "Respekt". Bei Lordi geht es nicht um unsere wahren Gesichter - Lordi ist ein Gesamtkunstwerk aus Musik und Kostmen. Aber mach dir nichts draus. Wenn es nach den Medien geht, haben wir bislang 18 verschiedene Bandmitglieder. Wir lachen uns echt den Arsch ab. Da sind teilweise Bilder von anderen finnischen Musikern, unseren Geschwistern oder vllig fremden Menschen abgedruckt und dann steht darunter "Lordi-Drummer Kitas wahres Gesicht!".
Aber da wir sowieso alles dementieren, ist das doch sowieso egal, oder? Es wre mir wirklich egal, denn ich kann es ja jederzeit dementieren lassen, dass ich das auf dem Foto bin. Mich nerven nur etwas die Fotografen, die uns stndig folgen - da kannst du echt nicht mal allein aufs Klo. Die kleben dir richtig am Arsch. Wir sind heute Morgen von Helsinki aus nach London zur Kerrang-Party geflogen und ziehen dann weiter nach Oslo und was soll ich dir sagen, da hngen dir seit Tagen die gleichen Typen am Rockzipfel.

Wie sieht es denn mit Liveshows in der Zukunft aus? Das wre doch jetzt genau die richtige Manahme.

Es sind ein paar Auftritte bei Sommerfestivals geplant und im Herbst soll die Europatour folgen. Vielleicht kommt natrlich jetzt noch einiges hinzu. Zumindest ist nun das eingetroffen auf was wir seit ber sechs Jahren hinarbeiten: die Band ist populr und wir knnen endlich etwas Geld mit unserer Musik verdienen. Das fngt schon damit an, dass wir in grere Hallen wechseln werden und zum ersten Mal unsere komplette Bhnenshow aufbauen knnen. Mehr Fans, mehr Fans und ein bichen mehr Geld was wollen wir mehr? Das spielt natrlich auch fr die nchste Platte eine Rolle, denn jetzt kennt uns ganz Europa. Wir werden die nchste Platte in allen Lndern zeitgleich verffentlichen und auch in jedem Land touren knnen - das ist fantastisch, wie ein Lotteriegewinn.

Noch mal zurck zum Grand Prix. Gibt es da fr den Sieger eigentlich einen geldwerten Preis zu gewinnen?

Nein, berhaupt nicht. Du bekommst einen warmen Hndedruck, denn den berreichten Pokal nehmen sie dir wieder ab - der ist nmlich fr den nationalen Ausrichter unter den Radiostationen bestimmt - wir haben den nur stellvertretend in Empfang genommen und die haben ihn sich gleich in ihren Sender gestellt, haha. Unsere Belohnung ist die folgende: Seit gestern hat "The Arockalypse" in Finnland Doppel-Platinstatus erreicht, "The Monsterican Dream" hat vorletzte Woche die Gold-Auszeichnung bekommen und mit unserem Debt "Get Heavy" stehen wir ebenfalls kurz vor Doppel-Platin. Und so geht das auch in allen europischen Lndern gerade ab. Platz 1 in Griechenland, Top 10 in Schweden, Top 15 in Deutschland - von den Single- Platzierungen mal ganz zu schweigen. Aber das ist auch unser Ziel gewesen. Wir sind eine Rock 'n Roll-Band und keine Schlagerfuzzis die zu Vollplayback ihre Lippen bewegen. Wir wollen nicht auf den Eurovision Song Contest reduziert werden, denn wir haben vor noch in den nchsten zehn Jahren zu rocken.

Saubere Einstellung, welche die Jungs hoffentlich auch behalten werden!

Natrlich wehren wir uns nicht, wenn uns ein paar hbsche Frauen cool finden! Es ist eben wirklich hart fr sie, wenn sie feststellen wie gut wir unter den Masken wirklich aussehen, haha.
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