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19. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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CALIBAN
Aufstieg bringt Veränderung, Veränderung führt zum Aufstieg
Thomas Roos
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Caliban aus dem Ruhrgebiet sind seit 1997 aktiv. Obwohl sie der Hardcore- Szene entspringen, lief das, was sie machen, eigentlich immer weitestgehend an mir vorbei. Bis zu einem gewissen Punkt zumindest, denn irgendwann hätte man schon am Nordpol oder im Busch leben müssen, um von Caliban nichts mitzubekommen. Mit ihren Anfängen auf Lifeforce legten sie den Grundstein für ihre Laufbahn und hatten es nach gut fünf Jahren so weit gebracht, dass sie in Discos gespielt wurden und auf Viva liefen. An solchen Punkten scheiden sich natürlich die Geister, aber für Caliban sollte das noch lange nicht das Ende sein. Nach ihrem Wechsel zu Roadrunner ist dort mit "The Undying Darkness" kürzlich ihr zweites Album für dieses Label erschienen. Heute gelten sie als Vorreiter des europäischen Metalcore und haben auf diesem Kontinent die Führungsposition in diesem Genre inne. Im Verlauf der Jahre hat sich also viel getan bei Caliban. Auf der "Darkness Over Europe Tour" hab ich mich am 02.04.2006 in Wiesbaden mit Sänger Andy über Aufstieg und Veränderungen unterhalten.

Caliban ist ein Dämon aus Shakespears Werk "Sturm". Warum habt Ihr diesen Namen für Eure Band gewählt? Was hat es damit auf sich?


Von den Namen, die wir uns damals so überlegt hatten, haben wir den besten ausgewählt. Ich fand halt die Story von Caliban ziemlich geil. Caliban ist aber auch noch ein Mutant aus X-Force. Marc hat ihn auf seinen Unterarm tätowiert. Wir konnten uns mit dem Dämon auch gut identifizieren.

Gegründet habt Ihr Euch aber unter dem Namen Never Again. Wie und warum kam es zu der Umbenennung?

Wir mochten den Namen eh nie so wirklich. Musiktechnisch gingen wir anfangs ziemlich in die Richtung von Morning Again. Da hörte sich dann nicht nur die Musik, sondern auch noch der Name ähnlich an. Und der war ja eh nicht so gut. Ich fand den nie wirklich cool. Deshalb wollten wir den auch wechseln. Er hat uns einfach nicht gefallen.

Ihr kommt aus dem HC und so weit ich weiß, seht Ihr Euch auch selbst eher als eine HC-Band und weniger als eine Metal-Band. Eure Website habt Ihr aber calibanmetal.com genannt und ohnehin seid Ihr im Metal alles andere als fremd. Wo genau seht Ihr Euch jetzt selbst eigentlich?

Mittlerweile ist der Metal-Anteil schon größer als damals zu unseren Anfängen. Aber der Hardcore ist schon irgendwie das, wo wir her kommen, und dem entspringt auch unsere Attitüde. Musikalisch gesehen ist aber nicht mehr viel Hardcore übrig geblieben. Die Breakdowns halt schon, aber ansonsten ist es ja doch mehr Metal. Hardcore ist unser Leben, würde ich sagen, das ist unsere Einstellung. Das ist uns wichtiger als alles andere. Musikalisch sind es aber eigentlich nur noch die Breakdowns.

Ich hab Euch in den 90ern schon auf Tierrechtsfestivals spielen sehen und zumindest teilweise seid Ihr auch Vegetarier. Sind Tierrechte für die Band allgemein ein Thema oder nur für einzelne Mitglieder? Hat sich mit zunehmender Popularität für Euch vielleicht auch die Gewichtung dieser Thematik verschoben?

Früher waren wir mal alle Vegetarier, Marc war sogar mal ein paar Jahre vegan. Mittlerweile sind wir noch drei Vegetarier, nämlich Denis, Marc und ich. Patrick und Marco sind halt Fleischesser. Das ist kein wirklich großes Thema bei uns. Wir sind halt Vegetarier, die anderen nicht. Die beschweren sich nur manchmal darüber, dass wir vegetarisches Catering bestellen. Tiere sind mir schon wichtig, sonst würde ich den Vegetarismus nicht leben. Für Marc ist das nicht anders, der konnte nur aus gesundheitlichen Gründen nicht weiter vegan leben. Es ist schon ein Thema für uns. Textlich hab ich auch mal so zwei oder drei Sachen dazu geschrieben, aber ich will das auch nicht die ganze Zeit predigen oder so.

Als Grund für den Ausstieg Eures alten Drummers Robert wurde fehlende Zeit aufgrund seines Studiums genannt. In der Szene machte jedoch das Gerücht die Runde, dass Ihr ihn raus gekickt habt, weil er nicht gut genug war, um die steigenden Ansprüche zu erfüllen. Wie viel ist da dran?

Irgendwie ist das beides wahr. Robert konnte oder wollte die erforderliche Zeit nicht aufwenden, weil er sein Studium machen wollte, was ja auch verständlich ist. Auf der anderen Seite war er mit seinem spielerischen Können aber auch schon an seinen Grenzen und wir sind nun mal weiter gegangen. Es ist natürlich schade, wenn man an seine Grenzen stößt und die anderen nicht und wenn man dann als Band weiter möchte. Es ist immer scheiße, sich von jemandem zu trennen, aber wenn man weiter will und kann, dann kann man nun mal leider nicht darauf Rücksicht nehmen. Das war schon ein Grund, aber hauptsächlich lag es doch an der Zeit. Bei uns ging es nun mal ab zu diesem Zeitpunkt und wir sind viel getourt, aber er konnte das eben einfach nicht. Er war zwar am Ende seiner Fähigkeiten, aber das ist auch zu ändern, indem man wieder Unterricht nimmt oder mehr übt. Somit war der Hauptgrund also doch seine fehlende Zeit. Aber es war auch schwer für ihn, denn er ist damals schon einfach nicht mehr hinterher gekommen.

Rekrutiert Ihr Eure neuen Mitglieder jetzt bei Six Reasons To Kill?

Wir schlachten die aus...haha. Das sind Zufälle, die haben sich so ergeben. Patrick war ja damals nur Aushilfe bei uns auf der USA-Tour, aber dann hat es ihm wohl gut gefallen bei uns. Das mit Marco hat sich dann auch so ergeben. Die beiden sind ja Freunde und das war naheliegend. Er hatte sowieso Bock drauf und hat zu Patrick immer schon gesagt, dass er auf jeden Fall dabei wäre, wenn wir mal jemanden suchen würden. Ist aber schon lustig irgendwie. Bald haben wir alle...haha.

Wie fühlt man sich auf der ersten Europa-Tour als Headliner?

Es ist mal was anderes als sonst, was anderes als Support zu sein. Das Feeling auf Tour ist schon immer das gleiche. Aber man ist ein bisschen sicherer, weil man weiß, dass die meisten Leute ja doch wegen uns kommen. Wenn man Support ist von Machine Head oder In Flames, weiß man nie so genau wie das jetzt wird, weil Fans ja schon mal asozial sein können und dich die ganze Zeit dissen und ausbuhen. Wenn man eine Headliner-Tour macht, dann weiß man, dass es nicht so kommt und man kann eine echt geile Show erwarten. So ist das jetzt ganz entspannt. Die Leute sind cool, die Bands sind geil, aber wir hatten bisher ja auch erst zwei Shows. Trotzdem war es schon echt lustig und wir haben gut gefeiert. Ich denke mal, der Rest der Tour wird auch noch geil.

Eure Split mit Heaven Shall Burn auf Lifeforce kann man mittlerweile schon fast legendär nennen. Nach dem erfolgreichen Aufstieg beider Bands und dem Wechsel zu größeren und kommerzieller arbeitenden Labels sind HSB nun auf Century Media gelandet und Ihr auf Roadrunner. Wie kam es zu der kürzlich erschienenen zweiten Split, die erneut auf Lifeforce raus gekommen ist?

Als wir gewechselt sind, hatten wir beide bei Lifeforce vertraglich noch eine Platte offen. Wir hätten beide gerne eine Mini mit fünf oder sechs Songs raus gebracht, aber Stefan wollte gerne einen Longplayer haben. So kam halt die Idee, eine zweite Split mit je sechs Songs zu machen und dann hatten wir einen Longplayer zusammen. Damit hatten wir dann auch ein schönes Abschieds-Ding für Lifeforce. Fand ich auch geil. Die Split war ja der Anfang für beide Bands und eine supergeile Sache. Jetzt zum Abschluß eine zweite Split als Abschiedsgeschenk und Dankeschön fand ich echt super.

Letzte Worte?

Danke für Eure Zeit. Ich hoffe, ich habe Euch nicht gelangweilt. Bleibt uns treu!
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