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11. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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TERROR
Etabliert, aber immer noch real wie am ersten Tag
Thomas Roos
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Scott Vogel ist durch seine frheren Bands SLUGFEST, DESPAIR und BURIED ALIVE ja kein Unbekannter in der Szene. Als er sich nach BA eine Auszeit von circa zwei Jahren genommen hatte, nach Los Angeles gezogen ist und sich in 2002 dann entschloss, doch wieder eine Band zu starten, ahnte er wohl selbst noch nicht, was er da mit TERROR ins Rollen gebracht hat. Das Ziel war einfachen, straighten und ehrlichen Hardcore zu machen, der direkt in die Fresse trifft. Musikalisch unterschieden sie sich damit stark vom Trend dieser Zeit. Da sie qualitativ anderen Bands aber weit voraus waren und ihre Live-Shows nur so vor Energie strotzen, haben sie sich gleich nach Grndung eine Ausnahmestellung erarbeitet und bereits lange vor der ersten MCD "Lowest Of The Low" hatte sich ein Hype aufgebaut, der seinesgleichen suchte. Ich erinnere mich noch gut an die Anfangszeiten, zu denen es schien, als versuche jeder der erste zu sein, der sich mit einem TERROR-Shirt zeigen konnte. Schon frh bekamen sie die Mglichkeit fr eine High-Profile-Tour mit BIOHAZARD, auf der sie sich im April 2003 auch erstmals in Europa prsentieren und ihren Namen weiter verbreiten konnten. Nach dem Release ihrer Full Length "One With The Underdogs" auf Trustkill konnten sie sich endgltig etablieren. Obwohl diejenigen, welche anfangs noch dem Hype hinter her rennen aber dann oft das Interesse verlieren, so sind TERROR heute auerhalb als auch immer noch innerhalb der Szene respektiert. Gerade an Scotts Glaubwrdigkeit wird wohl auch keiner Zweifel hegen. Wir freuten uns beide ber unser Wiedersehen am 27.01.06 in der Matrix/Bochum und fhrten folgende Unterhaltung.

Als ihr die Band gestartet habt, entwickelte sich ein Hype um TERROR, wie ich es bei kaum einer anderen Band bisher beobachten konnte. Bei unserem letzten Interview warst Du selbst beeindruckt davon, was ihr innerhalb eines einzigen Jahres bereits erreicht hattet. Mittlerweile ist der Hype zu einem Ende gekommen und TERROR ist als eine gut bekannte Hardcore-Band etabliert. Wie fhlst Du Dich jetzt nach fast vier Jahren und wie siehst Du die Situation heute?

Terror

Ich fhle mich sehr glcklich da, wo wir jetzt sind. Ich denke mit einem Hype und dem Drumherum kommt auch Druck. Wir lassen von dem Druck aber nichts an uns heran kommen. Wir machen uns keinerlei Gedanken darum. Wir blieben einfach die gleiche Band, arbeiteten hart und spielten viel, spielten Musik, die aus unseren Herzen kommt und folgten nie irgendeinem Trend, der gerade angesagt war, um mehr zu verkaufen. Wir spielten einfach, was wir mochten. Wir sind alle sehr glcklich, denn wir knnen viel touren und von der Band leben. Wir machen kein Geld damit, aber wir knnen davon leben. Ich bin froh, es ist gut am leben zu sein und ich denke, die Band macht ihre Sache groartig.

Ich wei, dass Hardcore Dir sehr viel bedeutet. Bitte erzhl mir etwas darber und warum Du das berhaupt machst.

Hardcore bedeutet mir so viel, weil es mir viele Freunde gegeben hat. Die meisten meiner Freunde auf der ganzen Welt kommen aus der Hardcore-Szene. Meiner Familie stehe ich nicht wirklich nahe und so gibt es mir auch eine Art Familiengefhl. Genauso gibt es mir die Werte, an die ich glaube. Ich denke, Hardcore hat wirklich meinen Geist geffnet. Viele Leute, mit denen ich aufgewachsen bin, sind sicher ein wenig engstirniger. Durch den Hardcore betrachte ich die Menschen fr das, was sie sind und nicht beispielsweise nach ihrer Hautfarbe oder danach, ob sie an Gott glauben oder nicht. Durch Hardcore wurde fr mich auch das von der Gesellschaft vorgegebene Verstndnis fr Erfolg neu definiert. Geld zu machen, ein Haus zu besitzen und solche Dinge bedeuten fr mich nicht Erfolg. Erfolg bedeutet fr mich die Welt zu bereisen und das Leben zu erfahren. Deshalb bedeutet mir Hardcore so viel.

Was denkst Du dann ber die heutige Szene? Ich erinnere mich an ein Statement, das Du whrend eines Interviews auf dem Hellfest gegeben hast und Du sagtest, dass viele der Bands heute berhaupt nichts mehr von Hardcore wissen.

Ja, ich finde es irgendwie traurig und auch respektlos, dass so viele Bands und Labels den Begriff "Hardcore" benutzen. Zu beschuldigen sind aber in erster Linie diejenigen, die genau wissen was Hardcore ist und diesen Begriff als einen Verkaufspunkt fr eine Band verwenden, die mit Hardcore gar nichts zu tun hat. Ich wei nicht, wie das hier aussieht. Aber in den USA nimmt das berhand. Nehmen wir beispielsweise BLEEDING THROUGH. Nichts gegen sie selbst, denn ich halte sie fr eine Hardcore-Band ist. Es sind Hardcore-Kids und ich habe groen Respekt vor ihnen. Aber bei anderen Bands mit diesem Look und diesem Sound bezweifle ich das oft. Ich finde, man muss einen gewissen Sinn fr die Geschichte und die Wurzeln haben sowie einen gewissen Bewusstseinszustand, der ein HC-Kid ausmacht, und nicht einfach nur Musik spielen und einen Vertrag mit einem Hardcore-Label machen. Ich finde es ziemlich schade und es strt mich auch irgendwie, aber es wird mich auch niemals richtig runter ziehen. Egal, ob es zehn oder tausend sind, in jeder Stadt wird es immer Kids geben, die wirklich an der Wahrheit und all dem fest halten. Auf der anderen Seite gibt es da aber auch viele Leute, die zu sehr in der Vergangenheit leben und nur alte New York oder Boston Bands hren. Das kann fr die Szene genauso destruktiv sein. Man muss die Vergangenheit respektieren und zu schtzen wissen, aber man muss fr die Gegenwart leben und auch fr die Zukunft. Man darf nicht darin vertieft sein, in der Vergangenheit zu leben.

Wenn ich mir die Szene betrachte, dann kann ich auch sehen, dass sie gewachsen ist. Hardcore ist wirklich populr geworden. Als ich vor zwei Wochen mit MOST PRECIOUS BLOOD gesprochen habe sagte Colin, dass heute viele Bands die Mglichkeit haben, dauernd um die Welt zu reisen und fast so etwas wie das Leben eines Rockstars zu fhren, was fr viele Bands nur schwer auszubalancieren ist mit den Wurzeln, von denen sie kommen. Ich schtze, Du bist ziemlich glcklich mit dem Status von TERROR und all den Mglichkeiten, die Ihr fr Euch selbst habt. Aber ich denke, vieles von dem, was Hardcore ausgemacht hat, ist auf der Strecke geblieben, alles wurde auf eine gewisse Art kommerzieller und oberflchlicher. Trotz all der Gelegenheiten, die sich Euch jetzt bieten, muss es sicher auch viele Dinge geben, die Dich stren.

Ja, definitiv. Viele Leute fragen mich nach einem Autogramm, was fr mich ziemlich sonderbar ist. Meistens gebe ich das dann schon, aber es ist sehr seltsam fr mich. Genauso wie vor Absperrungen zu spielen und so was. Ich stimme mit dem berein, was Colin sagte. Das Anwachsen des Hardcores hat positive und negative Seiten. Man kann viel reisen und man wird viel besser behandelt, als das bei lteren Bands der Fall war und ich das selbst gewohnt bin. Wir knnen auch vor mehr Leuten spielen als frher. Ich spiele vor jeder Art von Leuten, seien es Metalheads, Punk-Kids oder was auch immer. Aber auf der anderen Seite strt mich das Reisen in einem Bus, das Spielen vor Absperrungen und all dieser Schei schon. Allerdings bin ich auch zweiunddreiig Jahre alt. Ich habe keine Zukunft, habe mein ganzes Leben dem Hardcore gegeben, mein Krper und vor allem mein Nacken sind am Arsch, ich habe keine Bildung. Und um zu berleben muss man manchmal ein klein wenig seiner Integritt opfern. So strend wie das auch sein mag, es ist die Wahrheit. Man kann aber jede Situation nehmen wie beispielsweise die mit den Absperrungen oder was auch immer und versuchen, aus dem Tag die beste und ehrlichste Hardcore-Erfahrung zu machen, wie man nur kann. Auf dieser Tour hatten wir unter anderem eine Show mit einer riesigen Bhne und so, auf der ich das komplette Set davor gespielt habe. Wir haben uns so doof gefhlt, dort oben auf der groen Bhne zu stehen. Der Raum war noch nicht mal voll gewesen. So was ist einfach nur bescheuert.

Als ich Euch vor zwei Wochen das letzte mal gesehen habe, hast Du Gre an viele europische Bands raus geschickt wie BORN FROM PAIN, KICKBACK, NO TURNING BACK, SOLID GROUND und noch einige mehr. Wenn ich mich mit amerikanischen Bands unterhalte, dann kmmern sich die meisten nicht um die europische Szene oder ihre Bands und sie kennen kaum welche davon. Warum ist das fr Dich wichtiger?

Erst einmal denke ich, dass es eine Menge groartiger Bands in Europa gibt. Auch in Japan oder Australien. Es gibt erstaunliche Hardcore-Bands auf der ganzen Welt. In vielen Interviews, die ich gebe, versuche ich, sie hervor zu heben. Die amerikanischen Kids schenken ihnen nmlich kaum Beachtung und das ist einfach schade. Wenn ich nicht die Mglichkeit htte, so oft hier rber zu kommen, dann wrden sie wohl auch mir eher verborgen bleiben. Deshalb freue ich mich darber.
Ein anderer Grund ist, dass wir mit TERROR sehr begnstigt sind, berall hin reisen zu knnen. Dafr bin ich allen dankbar und will ihnen auch etwas zurck geben. Vor zwei Jahren machten wir zum Beispiel eine Tour mit SHATTERED REALM und THE PROMISE an der Westkste. Ich habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, um BORN FROM PAIN rber zu holen und hab auch ihren Merch gemacht. Ich musste wirklich eine Menge Arbeit da rein stecken, um eine europische Band in die Staaten zu bekommen, damit sie mit uns touren kann. Das war verdammt schwierig und hat mich viel Kraft gekostet. Aber am Ende eines jeden Tages, wenn sie vor den US-Kids spielen konnten, dann war es das wirklich jedes mal wert. Ich halte das aber auch fr wichtig, weil ich die Szenen am Leben erhalten will.

Und was denkst Du ist der Grund dafr, dass US-Bands hier drben so populr sind, whrend in den Staaten niemand wirklich an europischen Bands interessiert ist?

Ich wei nicht...Ich vermute, es gibt so viele Bands in den Staaten, dass es schwierig ist fr europische Bands, dort auch noch Beachtung zu bekommen. Wenn eine Band einen Deal auf einem entsprechenden Label bekommt, dann wird sie auch in den Staaten beworben. Es hngt sicher auch damit und mit dem Touren zusammen. Keine Ahnung.
Aber eine andere Sache, die ich irgendwie schade finde ist, dass viele Bands, die noch nicht einmal die USA getourt haben, nach Europa rber kommen. Sie haben niemals in den USA getourt, bekommen aber die Chance, hier rber zu kommen. Das ist verrckt.

Euer Debt wurde Ende 2003 auf Bridge Nine verffentlicht. Fr Eure erste Full Length habt Ihr bei Trustkill unterschrieben. Ihr seid aber keine typische Trustkill-Band. Ich wei, dass sie jetzt auch FIRST BLOOD Blood gesignt haben, aber die Bands, die sie auf ihrem Plan haben, sind fr gewhnlich mehr Metalcore orientiert. Ich denke, fr Euren Style wart Ihr so etwas wie die Vorreiter auf diesem Label. Wie seid Ihr an diesen Deal gekommen?

Josh von Trustkill hat schon meine alte Band DESPAIR raus gebracht. Er ist einfach ein HC-Kid, das ich schon immer kenne. Bridge Nine haben super Arbeit geleistet, aber sie hatten so viele Probleme mit ihrem Label, dass es uns nicht mglich war, die LP mit ihnen zu machen. Wir schauten uns also nach den Labels um, die es so gab. Aus Grnden, die hier in einem Interview nicht wirklich eine Rolle spielen. Wir dachten blo, es wre das beste fr unsere Band und hielten Trustkill fr die beste Wahl.
Ich finde es nicht wirklich wichtig, auf was fr einem Label man ist, so lange es Dich untersttzt und on the road hlt, die CDs raus bringt, damit die Leute sie kaufen knnen, und die Werbung dafr bernimmt. Das ist alles was zhlt. Im Bezug auf ihre Bands sind Trustkill nicht anders als Equal Vision, Victory oder Ferret. Sie versuchen alle, Metalcore zu signen und zumindest eine Hardcore-Band zu haben, die ihnen Street Credit gibt. Sie versuchen auch alle, eine Rock-Band zu signen oder was auch immer. Es ist alles das gleiche. Jemand muss dafr sorgen, dass wir unsere Musik weiter spielen knnen und Josh ist jemand, den ich respektiere. Deswegen sind wir auf diesem Label.

Mich wrde dann mal interessieren, was aus Bridge 9 geworden ist. Nachdem "Lowest Of The Low" dort erschienen war, wurde Bridge 9 zu einem bekannten Namen. Aber ich habe jetzt schon seit langer Zeit berhaupt nichts mehr davon gehrt.

Terror

Hin und wieder rede ich noch mit Chris. Ich hoffe, er wird eine DVD mit altem TERROR-Live-Kram fr uns raus bringen.
So wie ich die Sache sehe, ist ihm alles ber den Kopf gewachsen, weil er zu viel zu schnell gemacht hat. Sein Label wurde zu gro und er konnte damit wohl nicht Schritt halten. Er ist einfach nur ein HC-Kid, weit Du. Er hat keine Business-Erfahrung. Er fing einfach an Bands raus zu bringen, die er liebte. Dann musste er fest stellen, dass ihm die Hnde gebunden waren, weil das Business ihn einholte.

Aber das Label existiert demnach noch?

Ja, er hat ja DEATH BEFORE DISHONOR raus gebracht. Auch NO TURNING BACK hat er in den Staaten verffentlicht.

Ok, kommen wir aber zurck zu Euch. Die Verffentlichung des Albums liegt nun eineinhalb Jahre zurck. Ist in naher Zukunft ein neues Release geplant?

Ja, am 10. Februar, also in ungefhr zwei Wochen, werden wir ein neues Album mit vierzehn neuen Songs aufnehmen.

Werdet Ihr dafr wieder mit Trustkill zusammen arbeiten?

Ja.

Was ist eigentlich mit Frankie? Ich vermisse ihn auf dieser Tour.

Haha... ich auch. Er hat keinen Pass bekommen. Ich schtze, alles ist in Ordnung mittlerweile. Er wird beim nchsten mal zurck sein.

Alles klar. Hast Du noch ein paar letzte Worte?

Wir waren ungefhr drei Wochen hier und es stehen nur noch zwei Shows aus. Die Tour war wirklich, wirklich erstaunlich. Wir konnten mit zwei Bands, die wir lieben, hier rber kommen und die Shows waren zum grten Teil groartig. Jeder, der das hier liest und TERROR auch weiterhin untersttzt, soll wissen, wie sehr wir das zu schtzen wissen. Wir nehmen keine Tour oder Show als selbstverstndlich. Nur drauen zu sein und unsere Musik fr Leute spielen zu knnen, die das gleiche fhlen wie wir, bedeutet uns sehr viel. Danke an alle. Danke an jeden, der die Szene am Leben hlt. Egal ob man Shows macht oder ein Zine, in einer Band spielt oder sie einfach nur untersttzt, aber jeder, der das macht, macht mich glcklich. Es hlt mich am Leben. Also macht weiter so.

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