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18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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U.D.O.
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Thorsten Dietrich
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Nachdem Udo Dirkschneider mit Accept sämtliche Metal-Fans auf den Open Air-Festivals in ganz Europa in Entzücken versetzt hat, gibt Solingens Reibeisenstimme direkt weiter Gas und haut mit seiner Band U.D.O. das zehnte Album raus, das logischerweise mit “Mission No. X” betitelt wurde. Grund genug um der freundlichen Metal-Legende auf den Zahn zu fühlen, die allürenfrei und locker Auskunft gibt. Eine Einstellung, von der sich manche Jungmucker mal zwei, drei Scheiben abschneiden könnten!

Zehn Platten sind eine Menge, vor allem wenn man bedenkt auf wie vielen Hochzeiten Udo tanzt. Hat der Frontmann denn je damit gerechnet, daß er diese Marke mit der U.D.O.-Formation schafft?


“Nein, eigentlich nicht”, gibt er unumwunden zu. “Nach der ‘Time Bomb’-Veröffentlichung kam es ja zu der Accept-Reunion und ich dachte nicht, daß es mit U.D.O. weitergeht, was sich jedoch glücklicherweise als falsch herausgestellt hat. Jetzt sind wir gerade wieder mit den Sommershows mit Accept fertig geworden, die letzte Show war in Bulgarien. Die Sache mit Accept stand im Grunde schon seit einigen Jahren im Raum, ich hatte jedoch nie Zeit dafür, da ich mit U.D.O. so eingespannt war. Eigentlich wollten wir auch in Ruhe das neue U.D.O.-Album machen und dann ein paar Festivals spielen. Dann bekam ich aber im Oktober 2004, nach einem Skandinavientrip, den Anruf, ob wir das mit Accept nicht in Angriff nehmen wollten. Ich mußte dann natürlich noch mit dem Label und meinen Jungs einiges klären, schließlich hätte man auch denken können, daß ich wieder eine Reunion mache! Nachdem das erledigt war, machten wir uns an die neue U.D.O.-Platte, worauf wir eigentlich gar nicht richtig eingestellt waren. Im Nachhinein bin ich darüber ganz froh. Die Tatsache, daß wir wenig Zeit hatten und nicht so viel über die Songs nachdenken konnten, ließ ‘Mission No. X’ zu einem recht spontanen Silberling, einem echt rock’n’rolligen Werk, werden.”

Hoods Eine Aussage, der man nur zustimmen kann. Die Scheibe klingt aus dem Bauch heraus - und das ist positiv gemeint. Allgemein wird U.D.O. gerne eine Accept-Schlagseite unterstellt, was nur legitim ist. Diesmal sieht das aber etwas anders aus.

“Unbewußt sind da auch einige Accept-Stilmittel drin, die wir aber auch gerne benutzen. Ich bin ziemlich zufrieden mit dem Resultat, da es nach ‘Thunderball’ für uns doch recht schwierig war eine Nachfolgerscheibe zu machen.”

Allerdings wartet man vergeblich auf experimentelle Stücke wie “Trainride In Russia” oder das ältere “Cut Me Out”, was man bei U.D.O. doch fast schon erwartet. Da muß Udo erst mal kurz lachen und entgegnet:

“Wir haben doch bei ‘Cry Soldier Cry’ einen Dudelsack am Ende eingebaut. Bei dem Track ‘Mean Streets’ scheiden sich auch die Geister. Da stoße ich auf die unterschiedlichsten Reaktionen bei den Interviews. Ich persönlich finde die Nummer richtig gut, er hat Ohrwurmqualität. Witzig in diesem Zusammenhang ist, daß wir das Stück am Anfang gar nicht machen wollten, und es uns jetzt doch gut gefällt.”

Früher hat man dir keine Balladen zugetraut. Doch seit dem Duett mit Doro bei “Dancing With An Angel” sieht das anders aus. Auf der neuen Scheiblette sind sogar gleich zwei Halbballaden drauf.

“Ja, aber das hatte ich auch vorher schon mal gemacht”, revidiert Udo meine These, “es wurde aber nie so zur Kenntnis genommen. Ich glaube im Laufe der Zeit hat man da auch dazu gelernt und man traut sich dann auch weiter vor. Es ist ja nicht so, daß ich anders singe - das will auch keiner”, lacht Udo. “Für mich trägt dies zur Abwechslung eines Albums bei. Wir erzwingen keine Balladen, sie sind aber meistens dabei und du kannst auch auf keiner Platte durchgehend voll auf die Glocke hauen.”

Wie schafft man es eigentlich nicht dauernd bei sich selbst abzukupfern und sich nicht ständig zu wiederholen? Das machen ja einige Combos. U.D.O. dagegen gehen auf dem schmalen Pfad zwischen Tradition und kleineren Neuerungen.

“Das Grundrezept ist immer gleich”, antwortet Udo. “Was dann aber rauskommt, ist schon immer etwas anderes. Wir wissen selbst nicht, warum das so ist. Es gibt schon gewisse Ähnlichkeiten, das kann man nicht ausschließen. Wir machen Songs in der Schnittmenge von U.D.O. und Accept, und das hat bis jetzt auch immer geklappt.”

U.D.O Ihr seid im Osten sehr angesagt. Erschließt ihr mit den Jahren auch neue Territorien?

“Territorien eigentlich nicht so. Es gibt aber Ecken, da findet U.D.O. nicht so richtig statt, wie zum Beispiel in England, Frankreich oder Italien. In Frankreich werden wir aber wieder was machen. Wir versuchen immer unbefleckte Gebiete dazu zu gewinnen und lassen diese Länder nicht links liegen. Es gibt halt stärkere und weniger starke Märkte. Deutschland, Spanien, Skandinavien und Griechenland sind gute Plätze für uns - und der Osten. Dazu kommt noch, daß wir da schon sehr früh viel unterwegs waren, im Gegensatz zu anderen Gruppen. Und das hat uns natürlich einige Türen geöffnet. 2006 spielen wir in China und der Mongolei. Es wird immer mehr und ehrlich gesagt interessiert mich Amerika auch gar nicht. Wir können da spielen, müssen aber nicht. Da treten wir lieber in Südamerika auf. Mit China ist das bei uns wie mit Rußland vor acht Jahren, da hat außer uns ja auch kaum einer gespielt. Rußland und China sind riesig und du kannst dir vorstellen, wie lange man da touren würde. Da muß man schon ein Jahr einplanen.” Es ist auch ein Weltmarkt, der früher sehr unterschätzt wurde. “Japan wurde dafür die letzten Jahre totgeredet, ist jetzt aber wieder im Kommen. Solche groß angelegten Touren müssen aber gut geplant sein. Immerhin sind wir alle keine 20 mehr. Da muß zwischendurch auch eine Pause drin sein. Ein Jahr am Stück durchmachen ist schon übel.”

Die Zeit bis man euch live erleben kann, wird mit eurem neuen Videoclip überbrückt, den es in drei Versionen gibt. Einmal ab 12 Jahren, ab 16 und noch als Erwachsenenfassung ab 18, mit SM-Effekten und Mr. Dirkschneider als Mönch.

“Uns ging es darum nicht das typische Metal-Klischee zu zeigen: Band hinstellen, spielen lassen und eine Story nebenher laufen lassen. Es ist auch kein Geheimnis, daß du heute etwas Besonderes machen mußt, um jemanden zu erreichen. ‘Mean Streets’ kann man am besten vom Text her umsetzen. Es geht um Perversitäten, die es überall gibt, und über die man nicht gerne redet. Ich bin ein Mönch, der sich selber bestraft, geißelt und um Vergebung der Sünden bittet. Die Sünden werden vom Rest der Band symbolisch dargestellt: Es gibt Prügelszenen, Vergewaltigung und andere schlechte Handlungen. Davon gibt es dann drei Versionen, auch eine familienfreundliche. Das hätte so keiner von uns erwartet, und deshalb haben wir das auch gemacht. Außerdem konnten wir etwas schauspielern, und das ist schon schwer, da muß ich richtigen Schauspielern Respekt zollen. Das mit dem Auspeitschen beispielsweise war auch nicht geplant und am Set sagte mir dann: ‘Mach mal.’ Das war nicht einfach. Wir sind aber sehr froh, daß wir das so gemacht haben.”

Zum Schluß muß Udo noch gratuliert werden. Immerhin ist die EP “24/7” gut platziert in die deutschen Single-Charts eingestiegen!

“Das ist das erste Mal in meiner Karriere, auch in Bezug auf Accept. Das hat einige Leute sehr überrascht, aber da kommt noch einiges”, gibt sich Udo sehr erfreut, aber auch geheimnisvoll. “Vielleicht haben wir auch den Nerv der Zeit getroffen, das weiß man vorher nicht.”

Wie sehr U.D.O. unser aller Nerven getroffen haben, werden wir sicherlich auf der im Januar startenden Deutschlandtournee sehen, die man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen darf.

Aktuelles Album:
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