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20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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KNUCKLEDUST
Bringin London on the Map
Thomas Roos
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Was Hardcore anbelangt hrte man aus England nie sehr viel. STAMPIN GROUND waren weitlufig bekannt und das war es dann auch schon. Wer sich selbst in der Szene bewegt, kannte auf jeden Fall auch noch KNUCKLEDUST, aber damit hatte es sich. Seit gut zwei Jahren kam aber zunehmend Bewegung in den englischen Hardcore und das vor allen Dingen in London. Der Name KNUCKLEDUST ist mittlerweile wirklich ein Begriff und zudem gibt es noch viele andere Bands, die von sich reden machen. Auch daran sind die Jungs zum Teil mit beteiligt. Der steigende Bekanntheitsgrad wird unter anderem durch zwei gebuchte Europa-Tours deutlich. Dadurch kommt man in den seltenen Genuss, sie auch mal in Deutschland live sehen zu knnen. Beim ersten Date am 25.11.2005 im Essener Turock schnappte ich mir Drummer Ray. Da er mehr oder weniger so was wie der Chef ist, wollte ich natrlich mit ihm sprechen. Er trommelte aber gleich die komplette Band zusammen, was eigentlich ganz cool war. Bei einem Glas Bier unterhielten wir uns dann. Allerdings verlief alles sehr hektisch. Die Band kam aus diversen Grnden unverschuldet erst sehr spt an, konnte gleich auf die Bhne und direkt nach der Show nahm ich sie dann schon in Beschlag. Aufgrund eines pltzlichen Wintereinbruchs, der die Straen dicht machte, drngte der Tour-Manager dabei aber zum baldigen Aufbruch. Nichtsdestotrotz kam bei all dem Trubel aber ein ganz nettes Interview zustande.

Als Ihr Euch 1996 gegrndet habt, wolltet Ihr nicht einfach nur eine Band machen, sondern auch eine Szene in London aufbauen. Erzhlt mal was ber Eure Ziele zu dieser Zeit!

Knuckledust

Pierre: Es passierte damals berhaupt nichts, es gab keine Bands, die spielten. Wir wollten eine Band machen und die Musik spielen, die wir mgen. Es gab eine groe Trennung zwischen Old School und anderen Stilen. Die alten Kids haben sich dann mehr der Rave Musik zugewandt oder dem Hooliganismus und gingen nicht mehr auf Shows. Die neuen Kids kamen mehr in den neuen East-Coast-Style-Shit dieser Zeit rein. Keine andere Band in London spielte unseren Style, also fingen wir damit an. Das war unser Ziel. Das ist alles.
Ray: Zu dieser Zeit machte Pierre auch ein Fanzine namens "Time For Some Action". Dadurch das wir spielten und er diese Zeitung machte, zeigten ein paar mehr Leute Interesse. Langsam aber sicher gab es auch ein paar mehr Bands.

Ihr habt immer schon die DIY-Ideale untersttzt. Was bedeutet das fr Euch?

Ray: Es bedeutet, Du verlierst eine Menge Geld, Du verlierst eine Menge Schlaf, eine Menge Freundinnen, eine Menge Jobs und manchmal verlierst Du auch Dein Haus. Du musst oft vor Gericht und wirst verknackt. So ist das Leben fr uns. Es ist abgefuckt. Du hast niemals Geld und kannst Dir nichts leisten. Wir knnen es uns nicht mal leisten, heute Nacht irgendwo zu schlafen. Das ist DIY fr uns.
Wema: Persnliche Dinge zhlen mehr. Wir finden viele Freunde dadurch. Fr mich ist Hardcore DIY-Musik. All die Bands, die sich ausverkaufen, sind vielleicht gro fr sechs Monate oder so. Aber dann sind die Labels nicht mehr an ihnen interessiert, weil sie sich nicht mehr verkaufen. Dann sind sie pltzlich nirgendwo mehr.
Ray: Dann kommen sie zurck und wollen wieder Hardcore reprsentieren. Keiner will sie dann noch.
Wema: Hardcore ist DIY-Musik. Wenn Du reich und berhmt sein willst, dann mach kein Hardcore. Mach irgendeinen GunsnRoses-Schei oder so.
Ray: Das ist mein Ratschlag an die Jugend: Wenn Ihr reich und berhmt sein wollt, dann macht keinen Hardcore.

Eure Texte sind voll von Wut und Frustration. Woher kommen sie?

Ray: Von Pierre.
Pierre: Nicht alle. Ich schreibe den Groteil davon, auch fr das neue Album. Aber im Allgemeinen teilen wir uns diese Pflicht. Manchmal schreibt Nicki auch den Song und die Lyrics in einem.
Ray: Fr mich handeln seine Texte zwar von negativen Situationen, aber mit einer positiven Aussicht. So lese ich sie zumindest. Ich wei nicht, wie andere Leute sie verstehen, aber ich sehe sie positiv, nicht negativ.
Pierre: Viele Leute sagen, wir klingen wtend und frustriert, aber der Hardcore, den ich mag, kommt immer von dem wtenden und frustrierten Klang in Dir drin. Es ist seltsam, wie manche Leute das heutzutage sehen, aber fr mich handelt Hardcore von Wut und Frustration.
Ray: Du schreibst nicht von glcklichen Dingen im Leben.
Nick: Hardcore handelt von der dunklen Seite.
Ray: Es gibt vielleicht Bands, die darber singen angepisst zu sein, ohne das es wirklich einen Grund dafr gibt. Aber wenn eine Band angepisst ist und die Schnauze voll hat, dann kann man das auch aus dem Album raus hren. So sind auch Pierres Texte, aber wenn man dahinter schaut, dann haben sie einen positiven Ausblick.
Wema: Wir sind keine Posi-Core-Band.
Nick: Frustration und Wut kommt von Deinen inneren Dmonen.

Viele Jahre habt Ihr im Schatten von STAMPIN GROUND gestanden, aber in den letzten Jahren waren es KNUCKLEDUST, die von sich Reden machten. Es scheint, Ihr seid nach all den Jahren zur populrsten UKHC Band geworden. Was knnt Ihr uns ber diese Entwicklung sagen?

Ray: STAMPIN GROUND ist jetzt eine Metal Band. Sie sind Metal geworden, also mussten wir bernehmen.
Wema: Ich denke, es liegt auch daran, dass sie nicht viel gemacht haben in letzter Zeit und schon ein paar Jahre kein Album mehr heraus gebracht haben. Sie kamen auch nur ursprnglich aus der gleichen Richtung wie wir.
Pierre: Viele Mitglieder des ursprnglichen Line-Ups kamen aus der Hardcore-Szene und dem Old School. Heute sind die meisten Mitglieder aber Metal und sie machen andere Musik. Sie haben mehr Einfluss und fr sie ist es mehr geschftlich. Wir sind aber nie zur Schule gegangen, um Hardcore zu lernen. Vielleicht machen sie ihr Ding einfach auf ihre Art und wir mehr auf unsere Art.
Ray: Wir starteten vom gleichen Punkt aus. Sie gingen aber in Richtung Metal und wir machten weiter Hardcore. Deshalb kennen uns heute wohl mehr Leute in der Szene. Aber wer nicht Hardcore ist, der bevorzugt vielleicht STAMPIN GROUND. Wir sind immer noch befreundet, aber wir machen nicht mehr das gleiche Ding.
Pierre: Sie haben sich selbst mehr dafr geffnet, verschiedene Leute aus unterschiedlichen Szenen zu erreichen, whrend wir das nicht getan haben. Manchmal bringen Hardcore-Bands mehr Metal in ihre Musik und umgekehrt, um eine grere Anhngerschaft zu bekommen. Wir machen den Schei aber nicht.

Ist der Hauptgrund fr Eure heutige Popularitt der Deal mit Gangstyle Records?

Ray: Zu einem Groteil.
Pierre: Niemand hat jemals mehr fr die Band getan als Gangstyle. Wir hatten vorher in Europa keinerlei Prsenz in Magazinen, abgesehen von Underground-HC-zines. Das hat uns erst Gangstyle ermglicht und so erreichen wir viel mehr Leute. Das ist eine positive Sache. Wie sie es annehmen, liegt an ihnen.
Ray: Wir hatten auch viel Glck. Wir haben nie eine richtige Tour bekommen und konnten auch nicht regelmig touren. Wir sind nicht Hatebreed oder so. Es war wirklich auch Glck und wir sind sehr froh, dass die Leute unsere Alben mgen. Aber das ist Glck, reines Glck. Es gibt keine fundierte Erklrung oder so dafr. Nur Glck. Wir bringen das Album raus, die Leute mgen es, fertig.
Pierre: Wir machen die Alben ja nicht fr die Leute, sondern fr uns selbst. Wenn die Leute sie auch mgen, ist das cool. Wenn nicht, egal.
Wema: Ich glaube, dass die Leute ehrliche Musik zu schtzen wissen. Wir sind keine Profis, sondern handeln nach unserem Herzen.

Mal abgesehen von der Resistance-Tour vor zwei Jahren seid Ihr in Deutschland und im restlichen Europa nicht oft am Start. Jetzt macht Ihr diese Tour und Ihr werdet Anfang 2006 auerdem SHATTERED REALM hier supporten. Versucht Ihr jetzt auch auerhalb Englands bekannter zu werden?

Ray: Ja, das versuchen wir schon seit Jahren.
Wema: Das einzige Land, wo wir wirklich noch nicht oft gespielt haben, ist Deutschland. Wir wollen uns deshalb jetzt auch so viel wir knnen auf Deutschland konzentrieren.
Ray: Die Resistance-Tour hat nicht gezhlt, weil wir um 17:00 Uhr spielen mussten, als noch keiner da war. Wir haben vor leerem Haus gespielt. Hier auf der GSR-Tour und auf der Tour mit SHATTERED REALM spielen wir vor viel mehr Leuten. Selbst wenn sie uns nicht kennen, knnen wir trotzdem vor ihnen spielen und hoffen, dass sie uns auch mgen. Das Ding mit SHATTERED REALM ist toll, das ist eine gute Sache fr KNUCKLEDUST. Das ist das Beste, was uns seit neun Jahren passiert ist. Die Tour wird weit gehen und uns nach Dnemark, Slowenien, einfach berall hin bringen.

Es ist fast normal, dass Bands Besetzungswechsel haben, besonders wenn sie populrer werden. Aber KNUCKLEDUST besteht von Anfang an schon aus den selben vier Mitgliedern. Hat das eine besondere Bedeutung fr Euch?

Knuckledust

Nick: RLPS!!!
Pierre: Wir sind nicht schwul.
Wema: Bevor wir Musik machten, waren wir schon Freunde. Wir kannten uns schon, bevor Hardcore in England gro wurde. Was in der Band zhlt ist als erstes unsere Freundschaft.
Ray: Wir strengen uns auch nicht zu viel an. Wir setzen uns selbst keine Ziele, um zehn- oder zwanzigtausend Platten zu verkaufen. Wir spielen einfach und es gibt keinen Druck. Ich denke, eine Band, die sich selbst zu hohe Ziele setzt, macht sich selbst Druck und auf Dauer funktioniert das nicht.
Wema: Wir haben das Glck, dass wir uns alle in der gleichen Situation befinden. Wir alle arbeiten und finden ansonsten wenig Zeit zum Reden. Wir haben alle den gleichen Hintergrund.
Ray: Jeder in der Band stinkt.
Wema: Wir knnen uns auch streiten, ich kann einen wirklich blen Streit mit jemand haben, aber am nchsten Tag vertragen wir uns wieder.

Die Intention Eurer Grndung zeigt, dass Ihr nicht einfach nur Musik macht, sondern das Ihr an HC glaubt und ihn auch lebt. So weit ich wei, untersttzt Ihr die Szene aber auch auf andere Weise. Welche Aktivitten habt Ihr noch neben KNUCKLEDUST? Ich habe da was von einem Label gehrt.

Wema: Pierre ist der Grnder von Rucktion Records.
Pierre: Wir machen dieses Label in London auf einem DIY-Level, um die lokalen Bands zu untersttzen. Es gibt jetzt eine Menge junge Bands, die von KNUCKLEDUST beeinflusst wurden. Wir bringen den Schei raus, der sonst keinen interessiert. Hauptschlich, weil wir es selbst lieben, aber das zieht auch Aufmerksamkeit auf London. Es kommen eine Menge gute Bands und wir wurden whrend der letzten drei Jahre immer beschftigter damit, die Bands zu promoten. Auf www.rucktion.com findet man alle Infos darber. SIX FT DITCH, MALEDITO, NINEBAR, TRC, BDF, all diese Bands aus unsrer Szene sind wie eine Familie in London.

Habt Ihr nach einem Bestehen von fast einer Dekade Eure Ziele was den Aufbau einer gesunden Szene in London anbelangt somit erreicht? Wie sieht das heute aus?

Ray: Es ist gut, Mann.
Pierre: Coole Bands, coole Leute.
Wema: Wir haben uns das aber nicht wirklich als Ziel gesetzt.
Nick: Wir haben es vor allem aus Spa gemacht und nicht so sehr ber Ziele nachgedacht.
Wema: Dreh es lieber so rum: Als wir anfingen, gab es keine HC-Bands, jetzt gibt es...
Pierre: ...Millionen davon. Jede Woche ist eine Show.
Wema: So gesehen: Ziel erreicht. Schei drauf. Ziel erreicht.

Letzte Worte?

Wema: Danke fr das Interview.
Ray: Checkt www.knuckledust.com
Pierre: Und www.rucktion.com. Bald kommt ein neues NINEBAR-Album. Das sind die Roots von London Hardcore.
Nick: Danke! Cheers!

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