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13. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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DARK AGE
Weder engstirnig noch dumpf
Thorsten Dietrich
www.dark-age.de/

Es gibt auch Interviews, wo die Leute nicht nur eine Platte zu promoten haben, sondern auch was zu sagen haben. Die norddeutschen Dark Age gehören definitiv dazu. Schön, wenn man mal über ernste Themen sprechen kann und auch die Schattenseiten des Metals angesprochen werden. Gerade im härteren Metalsektor nerven mich in letzter Zeit die „No Brain, No Pain“ Gestalten! Daumen hoch für Dark Age, die nicht dumpfe Scheiße labern und auch die Leute mal zu nachdenken anregen wollen.

Hallo!
Leben wir in einer so dunklen Zeit?

Das muss jeder für sich beantworten. Die Welt in der ich lebe provoziert meinen enormen Gerechtigkeitssinn. Viele Geschehnisse in dieser Welt bieten uns ausreichende Motivation, um bei 100 db, 3-mal die Woche den ganzen Frust von der Seele zu spielen.

Da gebe ich Dir 100 % recht.
Ihr nennt eure Musik selber Dark Metal, wie definierst Du das?

Dark Metal ist das fehlende Glied zwischen Black und Death Metal. Dieser Ausdruck bietet uns die Möglichkeit, sich ohne festgefahrene Ansichten und „Traditionsmauern“ zu etablieren.

Interessant. Die Metalfans sollten auch nicht so engstirnig sein, sonst sind sie wie die sog. Spießer über die sich viele aufregen. Ihr hattet mal ne Werbung des Labels die ging ungefähr so: „Let Children Of Bodom Stand In Flames“ wart ihr damit einverstanden?

Eigentlich war es sogar unsere Idee. Remedy Records hatten uns gesagt, dass wir uns etwas Provozierendes als Promo Slogan ausdenken sollten. Das haben wir dann getan - und es hat ja auch irgendwie funktioniert. Die Werbung sollte aber auf keinen Fall bedeuten, dass wir uns anmaßen würden zu behaupten wir seien in irgendeiner Weise besser als die oben aufgeführten Bands. Ganz im Gegenteil, wir respektieren diese Combos
und können sie mitunter zu unseren Einflüssen zählen.

Also nur Aufmerksamkeit erregen und bissel die Musikrichtung herüberbringen.
Wie sind die Resonanzen auf euer Album bis jetzt?

Wirklich gut. Ich gebe zurzeit viele Interviews und die Live Reaktionen waren bisher fast schon überwältigend. Wir haben durch die Bank weg bis auf wenige Ausnahmen sehr gute Kritiken bekommen. Und selbst diese „Ausnahmen“ haben uns trotzdem „Hit Potenzial“ zugesprochen. Alles in einem sind wir sehr zufrieden. :-)

Im Infoschreiben steht, dass ihr eure Musik als emotionale Antwort auf die Missstände unserer Zeit seht. Es ist die Rede von Abgründen durch unendlichen Fortschritt und den Verlust von Werten. Was prangert ihr da an?

Unsere Musik ist ein Lebensgefühl. Sie bietet die Möglichkeit, uns auch musikalisch auszudrücken und
angesammelten Frust und Emotionen zu verarbeiten. Mit Hilfe der Lyrics können wir das alles auch noch thematisieren. Der Mensch ist unserer Ansicht nach eine „Fehlproduktion“ der Natur, was auch Evolutionstheorien bestätigen. Das äußert sich in der krankhaften Entwicklungen von Massen-Vernichtungswaffen und endet in einer kompromisslosen Ausbeutung der Natur.



Ich glaube der Mensch macht die Erde in so kurzer Zeit kaputt, Dinge die Milliarden Jahre brauchten um sich zu entwickeln.
Was ist die “Silent Republic“?

Der Albumtitel steht für unsere perspektivlose Generation. Er soll auf die indirekten Opfer unserer Zeit aufmerksam machen. Mit „silent“ meine ich diese unbehagliche Stille der Resignation. Über das ganze Album hinweg thematisiere ich die negative, aus eben dieser Resignation resultierende Grundhaltung und die verlorene Ideologie unserer Jugend.

Klar, auch manche Metaller denken nur an Spaß, Bangen und Saufen, leider. Dann halten viele noch das Maul, wenn sie mal Flagge zeigen sollten. Aber in Rudeln auftretend haben sie ein großes Maul und benehmen sich scheiße. Ich finde das arm, das ist nicht M E T A L. Dann muss ich mich echt schämen zu solchen Kreaturen dazu gezählt zu werden.
Was hat es in dem Logo zu erkennenden Pentagramm auf sich, war das früher schick??


Na ja, das nicht aber es ist doch ein „Heavy Metal“ mäßiges Symbol der Antihaltung. Ich denke dass die wenigsten Metalheads Pentagramme tragen weil sie den Deibel anbeten. Vielmehr verdeutlicht man somit seinen ablehnenden Stand gegenüber manchen christlichen Moralvorstellungen. Klar bedienen wir damit auch ein Klischee, aber das gehört wie wir finden zum Heavy Metal dazu.

Sicher, ich glaube auch dass diese Antihaltung auch Protest ausdrückt.
Seid ihr mit der Zusammenarbeit mit Andy Classen zufrieden?


Oh ja, sehr! Der Sound ist eine sehr überraschende Interpretation unserer Musik. Er hat wirklich großartige Arbeit vollbracht.

Stimmt.
Welche Intention verbirgt sich hinter dem Cover?

Das Cover zeigt ein frustriertes aber wütendes Gesicht Der Ausdruck wird durch die Explosion und das Feuer verdeutlicht. Es soll eine Person eben dieser stillen Republik symbolisieren.

Aha, ich merke bei euch passt alles zusammen, eine homogene Platte!
Glaubt ihr dass auf dem überfüllten Markt Platz für euch ist?


Ja. Wir stehen noch ziemlich am Anfang und konnten bis jetzt mit einer eigenständigen Interpretation von extremer Musik mithalten. Wir sind noch immer hungrig und stets darauf bedacht uns in allen Bereichen zu steigern.

Ich denke es wird schwierig, der Markt ist groß.
Wie könnt ihr es wagen „Hells Bells“ zu covern, keine Angst vor erbosten Fans?


Ach watt! AC/DC sind nun mal Gott. Das eine Steigerung zum Original nichts wird ist doch klar. Wir haben auf der „Insurrection“ ja auch “For whom the bell tolls“ gecovert. Das machte dann „Glocken mäßig“ gesehen Sinn, sich auch an diesen zu wagen ;-) Und viele finden beide Versionen echt kultig.

Tolle Argumentation! ;-)
Wie sieht es an der Livefront aus?

Wir sind gerade dabei, um uns um eine Tour zu kümmern. Das ist im Moment gar nicht so einfach, da es vielen Veranstaltern schlecht geht. Aber wir werden uns was einfallen lassen, weil wir verdammt heiß darauf sind live zu spielen – einfach Augen offen halten (und Ohren...)

Klar, in Zeit des Teuros, wo große Acts unverschämt teuer sind, fahren die vielen kleinen Touren oft miese.
Wo sind eure Einflüsse, „Melodic Schweden Tod“?

Nee, eigentlich gar nicht mal. Wir sind sehr offen und limitieren uns nicht in unserem Musikgeschmack. Bei uns im CD Regal findet man Ozzy genauso wie Darkthrone. Wir schrecken auch nicht vor Bands wie Korn oder Deftones ab. Alles was gefällt halt!

Aber auch Schwedentod!
Was mögt ihr nicht in der Metalszene?

Ganz klar die Metal Polizei. Damit meinen wir Leute die krampfhaft versuchen die 80’ er zu imitieren
und Leute anpöbeln die sich nicht an die „Metal-laws“ halten (Kutte, Metal - shirts etc.) Dieses Verhalten zwingt Mauern einer Szene auf, die sich doch ursprünglich gebildet hat um sich von anderen (Mauern) zu lösen. Wir scheißen auf so was und gehen unseren eigenen Weg. Darüber hinaus ist Faschismus im Heavy Metal eine wirklich schlimme Sache. Gerade in der neuen Black Metal Bewegung scheint das stark verbreitet zu sein. Wirklich Besorgnis erregend was da manche Bands für Bullshit verzapfen. Einfach nur lächerlich...

Du sprichst mir mit beiden Sachen total aus der Seele! Die Spießermetaller, die alles nach 1989 scheiße finden, aber selber erst Anfang 20 sind, wollen doch oft nur in einen elitären Kreis und imitiere ältere als Vorbilder! Faschos sind das letzte!
Letzte Worte?


Hmm, lasst euch bitte nicht auf den oben angedeuteten Schwachsinn ein. Wir alle haben eine gewisse Verantwortung gegenüber unserer Musik. Uns würde dann nämlich etwas genommen, was diese Szene ausmacht: Unsere Verbundenheit.

Lasst euch mal diese Worte durch den Kopf gehen! Der Mann hat meiner Meinung nach recht und diese Anfeindungen in der Szene schaden dieser nur.

Danke für das interessante Interview.

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