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23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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MADBALL
True, but mature
Thomas Roos
www.madballnyhc.com


Mit ihrem neuen Album "Legacy" haben MADBALL wieder gehrig fr Aufsehen gesorgt. Die folgende Europa-Tour konnte also kommen und mit SWORN ENEMY als Untersttzung war da natrlich einiges drin. Ich habe mir ein paar der Shows angesehen, lie mir fr das Interview aber bis zum Ende Zeit und zog es erst am 12.11.2005 auf dem "Essen Bebt Festival" durch. Hatte ich beim letzten Interview noch fast mit der kompletten Band das Vergngen, wobei sich Neuzugang Mitts sehr zurck hielt, war er als nun stetiges Mitglied diesmal mein alleiniger Gegenber. Auf der einen Seite htte ich manche Fragen schon ganz gerne an Freddy persnlich gestellt, auf der anderen Seite konnte mir aber auch Mitts zufriedenstellende und fundierte Antworten geben, was zeigte, dass er in die Band wirklich hineingewachsen ist. Zudem freute ich mich ohnehin ihn wieder zu treffen, da ich ihn bereits seit mehreren Jahren kenne und hatte so auch noch die Mglichkeit, auf seine vorherige Band Bezug zu nehmen.

In der Vergangenheit hattet Ihr eine Menge Besetzungs-Probleme, was vor einigen Jahren sogar zu einem zweijhrigen Split gefhrt hat. Seit Eurer Reunion scheint es mit dem aktuellen Line-up ziemlich gut zu laufen. Ist jeder in der Band zufrieden mit der jetzigen Situation?

Madball

Ja, wir sind sehr froh darber, wie es sich mit dieser Besetzung entwickelt hat. Ich spiele seit 2001 mit der Band. Ich machte die letzte Tour bevor sie auseinander brach. Als Hoya sich entschloss die Band zurck zu bringen, haben sie mich gebeten mitzumachen. Rigg ist seit diesem Zeitpunkt dabei. Wir sind nun drei Jahre ohne jeglichen Besetzungswechsel unterwegs und das ist auch, was wir wollen. MADBALL will keine dieser Bands sein, die bei jeder Platte die Mitglieder wechseln. Wir sind wirklich froh. Wir spielen jetzt schon eine Weile zusammen und verstehen uns gegenseitig auf der Bhne und auch im Studio. Das funktioniert gut und wir wollen das auch so beibehalten.

Nur Hoya fehlt auf dieser Tour. Was ist mit ihm?

Er hat ein Problem mit seiner Hand und deshalb eine Auszeit. Er wird auf der nchsten Tour zurck sein. Unser Freund Paul von KILL YOUR IDOLS fllt seinen Platz jetzt aus.

Es ist ungefhr zweieinhalb Jahre her seitdem wir das letzte Interview zusammen fhrten. Damals wolltet Ihr ein neues Album auf Bridge 9 raus bringen. Was ist schief gelaufen?

Wer hat Bridge 9 gesagt?

Freddy.

Ah ja, Freddy. Wir haben zu dieser Zeit mit Bridge 9 gesprochen und ich denke, es sah auch so aus, dass es so kommen wrde, aber letztlich hat es nicht funktioniert. Das ist Business. Wir werden immer das beste Angebot annehmen, das wir bekommen. Wir haben die "NYHC EP" in den Staaten mit einem Label namens Thorp Records gemacht. Hier in Europa war sie auf Gangstyle. Das war nur ein One-Record-Deal. Fr das neue Album "Legacy" gingen wir in den Staaten dann zu Ferret Records und zu Roadrunner hier in Europa.

Warum hat es denn mehr als zwei Jahre lnger gedauert, um es auf einem anderen Label raus zu bringen?

Was meinst Du denn mit zwei Jahren?

Als wir das Interview damals machten, habt Ihr gesagt, dass Ihr es auf Bridge 9 raus bringen wollt. Das ist nun mal eben zweieinhalb Jahre her.

Nun, wir haben eine EP gemacht. Die "NYHC EP". Die haben wir vor zwei Jahren raus gebracht. Vielleicht meinst Du das. Ich bin mir nicht sicher. Aber wir haben die EP Ende 2003 raus gebracht, weil wir irgendwas raus bringen wollten, um den Leuten einen Vorgeschmack auf ein neues Album zu geben und die Lcke bis dahin zu fllen. Wir wollten die Leute auch wissen lassen, dass wir als eine Vollzeit-Band zurck sind und nicht nur ein paar Reunion-Shows gespielt haben. Auf der EP waren drei neue und ein alter Song. Ende 2004 haben wir dann angefangen, an "Legacy" zu arbeiten.

Ok, wenn Du die EP schon ansprichst... Wie Du sagst waren neben einem alten nur drei neue Songs drauf, wovon "For My Enemies" jetzt auch auf "Legacy" enthalten ist. Fr gewhnlich tun Bands so etwas mit Songs, die sie als besonders gelungen betrachten. Aber wo liegt dann der Sinn einer solchen EP? Nachdem die guten Songs auch auf einem Album verffentlicht sind, wird der EP nicht mehr viel Beachtung geschenkt. Besonders wenn auch keiner der anderen Songs jemals live gespielt wird. Hinterher sieht es so aus, als ob sie nur raus gebracht wurde, um etwas Aufmerksamkeit zu erwecken und ein bisschen Kohle zu machen. Warum habt Ihr die Zeit nicht genutzt, um gleich an dem nchsten Album zu arbeiten, wenn Ihr das ja ohnehin schon ins Auge gefasst hattet?

Was meinst Du mit Zeit nutzen? Ich sagte, wir haben die "NYHC EP" raus gebracht, um sofort etwas abzuliefern, damit die Leute wissen, dass die Band zurck ist und wir nicht einfach nur Shows spielen: "Hier sind vier Songs und jetzt nehmt bis zum nchsten Album damit Vorlieb". Der Grund, warum wir "For My Enemies" auf "Legacy" gepackt haben ist, dass wir ihn als einen starken Song ansahen. Ganz gleich wie gut eine EP luft, sind es trotzdem nicht allzu viele Leute, die sie kaufen. Vielen Leuten ist sie es nicht wert. Wir wollten aber nicht, dass dieser Song in Vergessenheit gert. Deshalb wollten wir ihn auch auf einer LP haben, von der wir wissen, dass sie auch gekauft wird. Also haben wir es noch mal gemacht. Wir hatten bereits ber dreiig Minuten Musik fertig, bevor wir "For My Enemies" noch einmal aufnahmen. Wir haben also nicht nach alten Songs gesucht, um damit die Laufzeit der Platte zu verlngern. Wir hatten gengend Songs.

Letztes mal hat Freddy gesagt, dass Ihr nach drei Alben nicht mehr mit Roadrunner zusammen arbeiten wolltet, weil sie sich nicht mehr genug um MADBALL gekmmert haben. Aus welchem Grund arbeitet Ihr nun doch wieder mit Ihnen zusammen?

In den Vereinigten Staaten ist Ferret unser Label. Sie haben das Album hier fr Roadrunner lizenziert. Grundstzlich fhlen wir aber, dass Ferret in den Staaten dafr Sorge tragen, dass auch hier drben mit Roadrunner alles in Ordnung ist. Es ist also eine andere Situation. Und wir lieben die Jungs von Ferret. Sie haben einen groartigen Job mit der Platte gemacht. Wir sind sehr froh mit dem, was sie getan haben.

Ich denke, dass neue Album hat die beste Produktion, die Ihr jemals hattet. Alles in allem machen MADBALL auf mich auch einen reiferen Eindruck als jemals zuvor. Was kannst Du mir im Bezug darauf ber die derzeitige Situation und Position der Band sagen? Ist es vielleicht auch ein positiver Effekt der bestndigen Besetzung seit Eurer Reunion?

Erstmal zum Sound der Platte: Wir gingen zu Zeuss. Er ist ein neuer Produzent, mit dem wir noch nie zuvor gearbeitet haben. Die ersten drei Alben wurden von Matt Henderson produziert. Er hat diesmal aber nicht sehr viel mit an der Platte gearbeitet. Wir gingen also zu Zeuss und ich denke, er hat unseren Sound ein klein wenig mehr der Zeit angepasst. Wir wollten nicht, dass wir uns anders anhren, sondern dass er den Sound einfach ein bisschen weiter bringt. Ich glaube, er hat einen perfekten Job gemacht.
Was die Reife anbelangt: Freddy schreibt die Texte und ich habe ihm gesagt, dass ich sie fr mit die besten Texte halte, die er je geschrieben hat. Sie sind sehr persnlich und betrachten Dinge aus einer anderen Perspektive. Alles ist weniger aggressiv, sondern mehr bedacht. Auf eine gewisse Art zeigen wir also schon definitiv unser Alter und sind sicher etwas reifer geworden bezglich der Sachen, ber die wir singen. Genauso ist es mit der Musik. Wir nhern uns dem Schreiben der Songs auf eine sehr organisierte Weise. Wir arbeiten gut zusammen und so muss es auch laufen. Als wir diese Platte geschrieben haben, lief es genau so wie ich mir das vorstelle. Vier Jungs kommen jeden Tag zusammen und machen Songs. Sehr kooperativ und sehr organisiert. Wir starteten in Gruppen, wobei beispielsweise Riff-Ideen ausgearbeitet wurden. Schlielich gehen wir mit der kompletten Band in den Proberaum, spielen die Songs und proben, proben, proben. Viele HC-Bands machen das nicht so. Viele haben ihre Platte nicht mal fertig, wenn sie ins Studio gehen und beenden sie erst dort. Diese Platte war komplett geschrieben mit Ausnahme einiger Lyrics, was dann im Studio erfolgte. Sie war so gut wie fertig, um aufgenommen zu werden. Ich fhle auch, dass das rber kommt. So wie sich die Platte anhrt, hrt sich auch die Band derzeit an. Ich halte es fr einen sehr natrlichen Sound.

Bevor Du bei MADBALL eingestiegen bist hast Du bei SKARHEAD gespielt. Vor ein paar Jahren hast Du schon mit mir ein Interview fr diese Band gefhrt und gesagt, dass Ihr versucht, einen Major-Deal zu bekommen, um eine Karriere zu machen wie BIOHAZARD es geschafft haben. Es hat nicht funktioniert mit dem Major-Deal und nur kurz nach dem Interview haben SKARHEAD das Zeitliche gesegnet. Seitdem bist Du ein festes Mitglied von MADBALL geworden. Wie nah bist Du Deinen Zielen jetzt gekommen?

Das Ziel mit MADBALL unterscheidet sich von dem mit SKARHEAD. Mit SKARHEAD haben wir uns entschieden, einen Major-Deal zu bekommen und Kohle zu machen. MADBALL waren bereits mehr etabliert als SKARHEAD und weltweit lief es fr sie besser als fr SKARHEAD jemals. Bei MADBALL geht es mehr um die Chemie in der Band und um die Bestndigkeit auf dem gleichen Level ber Jahre hinweg durch gute Platten und gute Tours. Es ist einfach anders. SKARHEAD war irgendwie verrckt in der Beziehung. Eines Tages entschlossen wir uns es durchzuziehen, aber es kam nicht dazu und wir brachen auseinander. Es sind zwei verschiedene Bands. Aber ich bin sehr glcklich jetzt. Das ist jetzt die beste Situation, in der ich mich jemals befunden habe. Es ist eine groartige Gruppe von Jungs, wir sind wie eine Familie und wir arbeiten alle fr die gleichen Ziele. Wir sind alle auf einem Level und wissen alle, was wir wollen. Ich bin sehr froh in MADBALL zu sein. Das ist ein Traum, der wahr geworden ist.

Madball

Abgesehen von der Produktion hat sich Euer Style ber die Jahre hinweg nie verndert. Viele andere Bands versuchen sich als Band zu verbessern und zu entwickeln, indem sie auch ihren Style verbessern, entwickeln oder sogar ndern wollen. Aber nicht MADBALL. Wie schafft Ihr es nach all den Jahren nicht langweilig zu klingen und jedes mal wieder ein Killer-Album raus zu hauen?

Ich denke, eine kleine Vernderung muss auf jeder Platte vorhanden sein, aber nicht zu viel. Jede MADBALL-Platte war ein Schritt nach vorne. Jedes mal war die Produktion und die Verkaufszahlen etwas besser...

Mit Ausnahme der "Look My Way".

Oh, ich halte sie fr eine hart klingende Platte. Ich wei, dass sie von vielen Leuten kritisiert wird, aber ich denke, es ist ein groartiges Album. Das sagte ich schon, bevor ich in der Band war. Es ist mein zweitliebstes MADBALL-Album. Mehr mag ich nur die "Hold It Down". Das waren schon meine Liblingsalben, bevor ich zu der Band stie.
Mal abgesehen davon ndern wir unseren Style nicht drastisch, aber immer ein kleines bisschen. Fr fgen jedes mal ein paar neue Dinge mit ein. Wir schreiten voran. Wir knnen nicht immer und immer wieder die gleiche Platte machen, aber wir drehen uns auch nicht um 180 und fangen an, Metalcore oder Rap-Core zu machen. Solch ein radikaler Wechsel wrde einfach dumm klingen. Wir mssen wie MADBALL klingen, aber jedes mal ein klein wenig voran schreiten.

Die Sets auf dieser Tour sind lnger als wir es von Euren frheren Tours gewohnt sind. Anstatt vierzig Minuten spielt Ihr jetzt ungefhr eine Stunde. Das ist cool, weil Ihr viele gute Songs von all Euren Alben und auch viele alte Songs spielt. Aber was ist der Grund dafr? Stimmt es, dass sich die Leute ber zu kurze Sets beschwert haben?

Seitdem wir in dieser Besetzung sind, haben wir noch nie weniger gespielt als fnfzig Minuten. Vielleicht gab es einige Shows auf denen wir krzer gespielt haben, aber seitdem wir zurck sind spielen wir als Headliner fr gewhnlich fnfzig bis fnfundfnfzig Minuten. Auf dieser Tour machen wir ber eine Stunde. Man muss auch dran denken, dass es eine HC-Show ist. Man kann nicht eineinhalb Stunden Hardcore spielen. Niemand will das hren. Wenn ich mir eine Band ansehe, die ich mag, dann will ich nicht mehr als eine Stunde sehen. Es wird langweilig oder einfach zu viel. Wir versuchen die Balance zu finden, die richtige Menge zu spielen ohne die Leute dabei zu verlieren. Wir mchten die Leute immer so verlassen, dass sie immer noch ein wenig mehr wollen. Das muss man so machen, das ist das Business.

Als Ihr vor ein paar Tagen in Mnster aufgetreten seid, ist Freddy von der Bhne gesprungen und hat auf einen Typen im Pit eingeschlagen. Was war da los?

Ich werde nicht auf den Vorfall an sich eingehen. Es ist nun mal so, dass 99% der Leute, die zu unseren Konzerten kommen, sehr respektvoll und groartige Fans sind. Aber manchmal hast Du da eine Person, die ein besoffenes Arschloch und respektlos ist. Das tolerieren wir nicht. Wir kommen 5000 Meilen weit hier rber um unsere Shows zu spielen und dieser Typ brllt rum und wei nicht was er sagt, weil er besoffen ist. Das ist respektlos. Verstehst Du was ich meine? Ich wrde das auch nicht bei der Band von jemand anders machen. Es ist unhflich. Wir mgen so was nicht. Wir schtzen die 99% und wir lieben gute Shows mit ehrlichen Bands. Aber manchmal hast Du einfach so ein Arschloch da.

Ok, ich mag die Typen auch nicht. Die machen die Shows kaputt.
Wann knnen wir Hoya in Europa zurck erwarten?

Wir werden im Sommer fr die Festival-Saison zurck kommen. Es besteht aber auch immer die Mglichkeit, dass wir mal fr eine kurze Tour rber kommen. Im Sommer sind wir aber definitiv hier und dann wird auch Hoya wieder mit dabei sein. Zuhause wird er wahrscheinlich schon nchsten Monat wieder mit uns touren.

Letzte Worte?

Wenn Ihr die Platte noch nicht ausgecheckt habt, dann tut das. "Legacy" ist hier auf Roadrunner drauen und wir sind sehr stolz darauf. Ich fhle, es ist unsere beste Platte. Da ist auch eine DVD dabei. Wenn Ihr die Songs downgeloadet habt und sie Euch gefallen, dann holt Euch die Scheibe. Wir denken, sie ist es wert.
Wir freuen uns darauf, alle auf der nchsten Tour wieder zu sehen. Diese Tour hier war groartig und wir wollen alle bald wieder sehen.

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