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14. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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END OF DAYS
Extreme Musik ohne Klassifizierung
Thomas Roos
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Die schon seit Jahren im Untergrund aktive Band scheint nun endlich durchzustarten. Grund dafr ist der Deal mit Alveran Records, der sie einem breiteren Publikum zugngig gemacht hat. Der HC-Szene entsprungen und dem Label nach auch dieser zugehrig sind EOD aufgrund ihres extremen Metal-Einflusses heute aber nur noch schwer einer bestimmten Richtung zuzuordnen. Trotzdem sind sie meilenweit entfernt von irgendeinem No-Attitude-Metalcore-Ding und auch viel zu hart, um in dieses Subgenre eingeordnet zu werden. Darber habe ich mit Snger Kevin und Gitarrist Thorsten im Vorfeld ihrer Release-Show des Debt-Albums "Dedicated To The Extreme" am 29.04.05 im Essener Julius-Leber-Haus gesprochen.

Kurz bevor Ihr gestartet seid, lief End Of Days mit Schwarzenegger in den Kinos. Nicht gerade sein bester Streifen, aber ein cooler Name. Habt Ihr Euch nach dem Film benannt?

End Of Days

Kevin: Nicht wirklich. Aber ich glaube, das war die Zeit, zu der wir einen Band-Namen gesucht haben. Dann hat glaube ich irgendeiner von uns auf einem Plakat den Schriftzug gesehen. Oder wie war das?

Thorsten: Da bin ich mir gar nicht mehr so sicher.

K: Wir wollten also definitiv einen Namen, der zur Musik und den Texten passt. Aber das ist jetzt schon so lange her, dass ich gar nicht mehr sagen kann, ob das jetzt einen direkten Bezug zu dem Film hat. Der kam halt ungefhr zeitgleich, aber so richtig erinnern kann ich mich daran nicht mehr.

Eure Grndung erfolgte bereits vor fast sechs Jahren kurz nach dem Surface-Split. Seitdem wart Ihr in der Szene bekannt und habt auch immer wieder Shows gespielt. Es dauerte aber dann bis Ende 2003 bis Spill The Blood mit der "Hate Anthems"-MCD Euer erstes Release an den Start brachten. Das hat Euch die Tr zu greren Shows geffnet und Ihr fandet auch mehr Beachtung in der Szene. Letztendlich fhrte das zu dem Deal mit Alveran und nach fast sechsjhriger Bandgeschichte liegt dort nun endlich Euer erstes Album vor. Warum hat es fr Euch so lange gedauert aus dem Arsch zu kommen?

T: Zum einen waren wir eine ganze Zeit lang einfach faul, haben sehr unregelmig geprobt und die Sache nicht wirklich so ernst genommen. Zum Teil lag es aber auch an personellen Dingen. Wir haben uns ja von Boris, der frher auch bei Surface gespielt hatte, getrennt und das war eine Zeit, wo wir einfach nicht viel gemacht haben. Wir waren zu faul und eine Zeit lang hat es einfach auch intern nicht gepasst.

K: Da gab es zu viele Dinge, die gefrustet haben im Verhltnis zu den Dingen, die funktioniert haben. Da hatten wir ziemlich wenig Motivation gefunden, um selbst Musik zu machen. Wir hatten viel Pech gehabt, aber auch selbst viel verschuldet. Wir waren Ende 2002 kurz davor uns aufzulsen, aber nachdem wir noch einmal den Arsch hoch gekriegt haben, lief es eigentlich ganz gut. Seit 2003 luft es fr End Of Days wirklich gut, kann man sagen. Es geht kontinuierlich bergauf.

Mit Eurer Band bewegt Ihr Euch innerhalb der HC-Szene. Die Mitglieder hren aber vorwiegend Metal. Seht Ihr Euch eigentlich als HC-Band?

T: Mittlerweile wrde ich uns eher als Metal-Band mit HC-Roots bezeichnen. Wir haben mehr oder weniger alle Erfahrungen im HC gemacht und waren auch eine ganze Zeit lang Straight Edge. Das ist auch wirklich wichtig fr uns, aber rein musikalisch betrachtet sehe ich uns jetzt als Metal-Band.

K: Musikalisch definitiv. Auf der neuen Platte auf jeden Fall. Wir haben in groen Metal-Magazinen meistens auch bessere Reviews bekommen als in HC-Magazinen. Was die Einstellung angeht oder die Musik, die wir hren, ist es natrlich so, dass wir beides erleben. Ob es jetzt Hardcore ist oder eben Metal, da machen wir eigentlich keinen Unterschied. Uns ist es auch nicht wichtig, uns als HC oder Metal zu bezeichnen.

End Of Days

Wie gerade schon erwhnt wart Ihr mal Straight Edge. Ihr seid als Straight Edge Band gestartet und ich kann mich noch erinnern, wie manche von Euch damals mit Jacken rumliefen, die den Aufdruck "End Of Days - Straight Edge" trugen. Gerade Du als Snger hast Euch auf Shows auch gerne als Straight Edge Band heraus gestellt. Das Image wurde also schon sehr plakativ nach auen getragen. Heute ist aber nicht einer aus der Band noch Straight Edge. Wie steht Ihr dazu?

K: Wir stehen immer noch gut zu Straight Edge. Wir werden die Zeit, in der wir das gemacht haben, niemals verteufeln, weil das eine super Zeit in unserem Leben war. Ich halte das auch immer noch fr eine sehr gute Einstellung. Eine Zeit lang habe ich das auch sehr engstirnig gesehen. Ich wrde auch jetzt, wo ich selbst nicht mehr Straight Edge bin, niemanden verurteilen, weil er es ist. Ich respektiere das also nach wie vor noch. Nur ist es fr mich nicht mehr das, was es mal war. Das heit nicht, dass ich mir jeden Abend die Birne weg schiee. Alleine schon wegen der Band und auch dem Sport. Ich trinke nur uerst selten und ich rauche nicht. Das knnte ich zwar auch ganz einschrnken, aber Straight Edge an sich ist heute fr mich und fr mein Leben nicht mehr so von Bedeutung.

Ob HC oder nicht ist natrlich auch immer eine Frage der Attitude. Ihr habt zwar Straight Edge gequittet, bei Euch stt man aber auch immer wieder auf Begriffe wie "Brotherhood". Was bedeutet Euch das?

K: Ist das so?

T: Ich denke mal wegen dem ersten Song.

In "Unbreakable" befindet sich beispielsweise folgende Textzeile: "Me and my brothers will stay." Wenn man sich die Thanks-Liste Eurer MCD durchsieht, ist, unter anderem auch bei Dir Kevin, des fteren von "brothers in EOD" oder "EOD brothers" die Rede.

K: Ach so, ja, ok... das sind natrlich Sachen, die auch im HC oft vorkommen. Natrlich habe ich eine enge Bindung gerade zu Thorsten und zu Frank, auch zu Olli. Das ist eben so betitelt in der CD, aber...

T: ...es ist einfach ein Synonym fr richtig gute Freunde, ob jetzt im HC oder auch auerhalb der Szene.

K: Ich habe auch Freunde, die mit Mucke gar nix zu tun haben. Es ist einfach eine persnliche Einstellung.

Als es nach der MCD bergauf zu gehen schien sind vor knapp einem Jahr mit Sven und Kai berraschend gleich zwei Bandmitglieder ausgestiegen. Das hat Euren Plnen sicher erst mal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie ging es danach weiter? Habt Ihr schnell Ersatz gefunden oder stand es sogar noch einmal zur Debatte, die Band aufzulsen?

K: Um ehrlich zu sein war es eine logische Konsequenz, uns von den beiden zu trennen. Das ist nicht bse gemeint und soll auch nicht persnlich werden, aber wenn das in der Konstellation so weiter gegangen wre, dann wren End Of Days nicht an dem Punkt, wo wir jetzt sind. Es passte menschlich und musikalisch nicht mehr. Es war fr uns aber definitiv klar, auch nach der Trennung weiter zu machen.

T: Gerade deswegen ist die Trennung ja auch vollzogen worden.

Die MCD war ja ein offizielles Release mit insgesamt sechs Songs. Warum sind gleich die Hlfte aller Songs auch auf dem Album drauf?

T: Bei Spill The Blood war einfach das Problem, dass der Vertrieb nicht wirklich gut war. Es war supernett, dass der Bud von Settle The Score das gemacht hat, aber die CD ist nicht wirklich weit rum gekommen. Ehrlich gesagt fanden wir, dass gerade die drei Songs einfach zu gut sind, als das wir sie auf einer Mini-CD, die nur ein paar Leute haben, verschimmeln lassen. Wir dachten eigentlich, es ist eine gute Sache, wenn wir die mit auf die neue CD drauf packen. Noch mal mit einem neuen Sound und ein klein bisschen anders beziehungsweise schneller gespielt. Wir fanden einfach, dass die zu gut sind, um sie auf der Mini-CD versauern zu lassen.

K: Richtig. Die hatten in unseren Augen zu viel Potential, um sie vergammeln zu lassen, weil der Vertrieb wirklich schlecht war. Auerdem war es im Studio ziemlich stressig. So kam es uns gerade gelegen, dass wir noch drei Songs hatten, die wir mit auf die Platte nehmen konnten.

Ihr seid mit der neuen CD aber auch nicht ganz zufrieden. Was stimmt Eurer Meinung nach nicht?

End Of Days

K: Den Sound finde ich im groen und ganzen super. Vielleicht htte ich den gerne ein bisschen klarer gehabt. Mit der Stimme bin ich nicht zufrieden, weil ich krank war. Aber das sind Sachen, mit denen man eigentlich leben kann, die wir beim nchsten mal aber definitiv besser machen mssen. Trotzdem sind wir mit dem Endergebnis unterm Strich doch zufrieden.

T: Ich denke, dass ich im groen und ganzen auch zufrieden bin und es im nachhinein immer mal wieder Teile gibt, wo man htte etwas besseres finden knnen. In einigen Reviews wurde uns auch vorgeworfen, dass die Platte durchgngig etwas zu langweilig und vom Songwriting her insgesamt zu hnlich ist. In manchen Fllen haben die Leute wahrscheinlich auch recht. Im Nachhinein merkt man das halt so ein bisschen.

K: Das ist das Problem wenn Du eine Platte machen musst und Stress hast, weil Du den Studiotermin sehr kurzfristig bekommen hast. Dann verlierst Du darber auch den berblick fr Deine eigene Musik. Man nimmt halt oft Elemente, die man in anderen Songs schon hatte, weil es funktioniert hat.

T: Wenn man die Sachen dann monatelang hrt, dann bemerkt man einfach Schwachstellen, die man vorher nicht so wahrgenommen hat und man merkt, dass die Songs ein bisschen langweilig werden.

Mit dem Release des Albums auf Alveran werdet Ihr mit der Band sicher beschftigter sein als es bisher der Fall war. Ich wei, dass Ihr in der Vergangenheit aufgrund ungnstiger Arbeitszeiten schon das ein oder andere mal Probleme hattet, Termine wahrzunehmen oder einzuhalten. Werdet Ihr alle Job und Band unter einen Hut bringen knnen?

K: Ich habe meine Ausbildung an den Nagel gehangen. Ich wollte eigentlich Physiotherapeut werden. Das kann ich aufgrund der Band jetzt knicken. Die letzte Platte kommt eigentlich besser an als wir uns das erwartet htten und es besteht die realistische Chance, dass wir mit der Band auch eine gute Zeit haben werden. Natrlich werden wir nicht nchste Woche Montag alles kndigen und die Fe hoch legen knnen, aber wir versuchen halt, Job und Band so weit es geht unter einen Hut zu bringen, wobei wir natrlich die Prioritt bei der Musik setzen. Zumindest so weit wir den Khlschrank auch voll kriegen und die Miete zahlen knnen.

Ob das gelingt hngt ja auch davon ab, was fr Ziele Ihr Euch mit der Band berhaupt steckt. Die Messlatte und die Erwartungshaltung wurden nun sicher, natrlich auch durch das Label, ein gutes Stck hher gesetzt. Was habt Ihr also mit der Band noch vor? Wie weit wollt und vor allem wie weit knnt Ihr gehen?

T: Wir gehen so weit wie die Leute uns auch haben wollen. Was machbar ist, machen wir. Wir werden sehen, dass wir jetzt demnchst touren, abwarten wie die CD ankommt, wie wir live ankommen und natrlich auch was dann fr Angebote kommen. Wir nehmen alles mit was kommt. Die Band hat fr uns jetzt auf jeden Fall erst mal Prioritt.

K: Natrlich knnen wir nicht nix machen. Wir mssen nebenbei jobben. Gar keine Frage. Ich werde mich ab Oktober auch wieder an einer Uni einschreiben und Sport auf Lehramt studieren. Das ist wesentlich entspannter als Physiotherapie. Es geht nicht einfach nix zu machen. Das auf gar keinen Fall. Aber die erste Prioritt liegt definitiv bei der Musik.

Letzte Worte?

K: Wir freuen uns ber jeden, der die Platte kauft und zu unseren Konzerten kommt. Egal ob Metal oder Hardcore. Auerdem freuen wir uns ber alle, die auf Schubladen-Denken kacken und auch eine metallischere Art untersttzen.

T: Ich hoffe auch, dass viele Leute unsere Musik gut finden und annehmen. Es ist uns wirklich egal, ob die aus dem HC- oder dem Metal-Lager kommen. So lange die Leute auf den Shows Spa haben und es ihnen gefllt, ist alles andere zweitrangig.

K: Herz und Geist offen halten fr gewaltttige Musik.

www.end-of-days.info

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