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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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TWYSTER
In eigenen Worten
Thorsten Dietrich
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Gitarrist Oliver Emde beschreibt ausfhrlich die einzelnen Songs des neuen Albums "Xplode":

THE FURY

Diese Furie ist unsere Version der Apokalypse. Das Ende der Welt, der Untergang der Menschheit. Der dunkle Engel, der mit einem Fingerzeig alles zu vernichten in der Lage ist. Mit glhenden Augen und flammendem Schwert trgt sie unaufhaltsam Sturm, Feuer, Flut und Seuchen ber die Erde.
Der Text entstand in Anlehnung an Gemlde von Hieronymus Bosch 'Die Hlle' und Pieter Breughel d. . 'Sturz der Engel' und 'Triumph des Todes'. Dstere Szenarien, die direkt einer Hlle auf Erden entspringen. Der Mensch, machtlos gegen eine himmlische bermacht derer er sich nicht erwehren kann. Die Furie die unantastbar im Zentrum des Songs wtet und mit Armen aus Giftefeu alles Leben umschlingen und zerdrcken wird.
Musikalisch ist THE FURY eine der schnelleren Nummern in der wir einfach nur nach vorne gehen wollten. Straight und ohne Schnrkel mit viel Wucht. 1-2-3 voll auf die Zwlf. Eine klare Doublebassgeschichte, die sich als Opener geradezu aufgedrngt hat.

PUSH ME DOWN

Der Tenor hier lautet: Benutz mich wenn dir danach ist und stoe mich zurck unters Eis wenn du meiner berdrssig geworden bist.
Hier geht es um die verratene Liebe. Um Betrug, falsche Versprechungen und Verzweiflung. Ein kraftvoller Song der die Wut der verletzten Geliebten darstellt, die zwischen benutzen und benutzt werden hin- und hertaumelt. Sie will ihn eigentlich nicht mehr, aber kann auch nicht ohne ihn leben.
Die Idee hierzu entstammt, zumindest was das zu vermittelnde Gefhl angeht, einer Filmsequenz aus 'Cliffhanger', in der, der Protagonist unter einer gefrorenen Eisdecke treibt. Ein taubes Gefhl der Ohnmacht in absoluter Stille.
Ein geradliniger Metalstampfer, der vom Bass wie ein wtendes Herz geschoben wird. Ralf wollte in den Strophen eine besonders abgefahrene Psycho-Stimmung erzeugen, indem er hier immer wieder zwischen den Pick-ups hin- und herschaltet.

DYING EYES

Zu "DYING EYES" gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Hier wollten wir einfach nur rocken. Und das tut die Nummer auch. Vollgas mit dem Fu im Bodenblech.
Inhaltlich geht es um den sterbenden King Arthur, der vom Todesengel geholt wird. Man sagt ja dass man den Blick eines Toten nie vergessen wird. Der Knig ist tot, es lebe der Knig.

Twyster

UNDER THE ELMS

Diese Nummer ist schon etwas Besonderes. Allein Planung und Entstehung sind eine Geschichte fr sich. Die Idee war ber namenlose Leichen zu schreiben, die in den USA als Jane Doe oder John Doe, nchtern katalogisiert und dann entsorgt werden. Eine meist aus Obdachlosen bestehende Gruppe ohne Lobby, die am Rand der Gesellschaft vegetiert. Ohne Chancen. Unsere Jane Doe landet nach ihrem Dahinscheiden auf dem spiegelglatten Edelstahltisch eines Pathologen und fleht diesen an sie wenigstens einmal bei ihrem richtigen Namen zu nennen. Sie wenigstens einmal in ihrem Leben als Mensch zu behandeln. Bevor sie in einem sterilen schwarzen Plastiksack verschwindet. Ich wollte es aber vermeiden, in diesem Text Begriffe wie Mord, Tod, tten, u.s.w. benutzen. So habe ich mich der Splatter-Klassiker "Nightmare on elms street" aus den 80ern bedient. In Anlehnung an diese Kultstreifen fungiert "ELMS" hier als Synonym fr den Tod.
Musikalisch haben wir hier gerne in bewhrtem Gewsser gefischt. Zweistimmige Gitarreneinlagen, eine gnadenlose Hookline im Refrain und die sich immer wiederholende dstere Halftime passen wie die Faust aufs Auge zum etwas morbiden und trashigen Thema: "1,2,3, Freddy kommt vorbei..."

THE STORM IS BACK

"THE STORM IS BACK" htte auch der Opener werden knnen. Hiermit wollen wir uns ganz einfach zurckmelden. Wir sind wieder da. Mit einem leicht punkigen, energiegeladenen Intro, dem straighten Drumgeballer, mit Peitsche und Pyro entern wir im Stile von Freibeutern wieder die Bhne. That's it.
Oft werden wir gefragt ob es wesentliche Unterschiede zwischen der aktuellen CD "XPLODE" und unserem Debutalbum "LUNATIC SIREN" gibt. Hierzu gibt es im Text die Zeile "Under the elms a siren will bleed", womit ich die logische Weiterentwicklung zum Vorgnger ausdrcken will.
Als nette Randbemerkung sei gesagt, dass das Gitarrensolo beim Abmischen pltzlich von allen Spuren verschwunden war. So musste Ralf dieses aus der hohlen Hand in einer Nacht- und Nebelaktion zum zweiten Mal einspielen. Dadurch entstand glcklicherweise ein vllig abgedrehter Solopart in dem er lediglich mit verdrehten Harmonien experimentiert hat und der sich vom typischen Metalsolo abhebt.

SINISTER GRIN

Die Glieder werden schwer und wohlige Wrme macht sich breit. Schliee die Augen und trum' was Schnes. Der Sandmann wartet bereits und wird dich niemals zurckkehren lassen. Mit einem Unheil verkndenden Grinsen nimmt er dich in Empfang und du lernst kennen was bse Jungs in der Nacht tun...
Eigentlich als 136 bpm Nummer geplant haben wir diesen Song zu einem Rocker mit klassischem Touch umgebaut, da zum Thema ein Midtempo wesentlich besser passt. Im Zentrum des Songs steht der eigentliche Traum. Dabei kam uns Cocos klassische Ausbildung zugute. Mit Engelsgesang unterstreicht sie hier das Dahingleiten und gibt dem Song auch musikalisch eine unerwartete Wende.

FOLLOW THE STORM

Womit wir wohl beim gefhlvollsten Song auf "XPLODE" angekommen wren. Der absolute Supergau, das Horrorszenario schlechthin. Der Mensch, den man am meisten liebt, liegt sterbend in den eigenen Armen. Er verabschiedet sich mit dem letzten Atemzug, dem letzten Blick und dem letzten Wort. Auch wenn man nie glubig war, denke ich, dass es in solch einem Moment die meisten sein werden. Man bettelt um ein paar Sekunden mehr Zeit whrend der geliebte Mensch bereits den Kampf aufgegeben hat. Aber wenn auch du mal an der Reihe bist und den Weg alles Vergnglichen gehst, folge einfach dem Sturm und du wirst mich finden.
Eine sehr traurige Ballade, die eigentlich schon seit knapp fnf Jahren in der Schublade liegt. Erst die Entscheidung vom herkmmlichen Metalballaden-Stil abzuweichen, die traditionellen Instrumente durch ein echtes Klavier und ein paar Geigen zu ersetzen, hat diesem, vom Sterben handelnden Wiegenlied, Leben eingehaucht. Gesanglich eine der grten Herausforderungen fr Coco, da hier ihre Stimme allein den Schmerz transportieren muss. Ich hoffe, dass man diese Nummer auf meiner eigenen Beerdigung spielen wird.

XPLODE

Alles auf 10 und Rumms! Dieser Song des Albums lsst allein durch seinen Titel kaum Platz fr Spekulationen. Schnell und klar direkt auf den Punkt. Eine Double-Bass Nummer, die vom Gefhlsleben einer menschlichen Zeitbombe erzhlt. Die Strophen sind eher etwas zurckhaltender gestaltet, dafr kracht's dann im Refrain richtig.
Ein besonderes Highlight fr Andrs, der im Mittelteil aus vollem Lauf unbedingt eine Bremse einbauen wollte. Und das gibt XPLODE den richtigen Kick. Die Soloarbeit an der Gitarre ist recht wild geworden und stellt die amoklaufenden Synapsen kurz vor dem Durchdrehen dar.

DON'T SAY A WORD

Die Story des heimlichen "Seitensprungs", der keine Ausreden und keine Ausflchte mehr hren will. Sie ist der Lgen und falschen Versprechungen mde geworden und will alles, nur nicht mehr vollgequatscht werden.
"Move me on your sword, but don't say a word".
Die Songstruktur ist recht "tricky and groovy". Im Thema Gitarre und Bass in Unisonoriffs, im Solopart wird's dann eher ruhig und bluesig. Die aufgebaute Spannung entldt sich dann in einem rotzig-rockigen Refrain der wie ein Gterzug durch die Nummer rollt.

Twyster

NEVER DIE

"Higher, higher - fight against the fire."
Der Vampir, der sein ewiges Leben mit einem aschfahlen Gesicht und einem fehlenden Spiegelbild bezahlen muss. "Bloodshot eyes and white ashen skin..."
Die schnellste Nummer auf dem Album. Im Gegensatz zu "SINISTER GRIN", war sie als Midtemposong geplant und erst im Studio zum Uptempokracher frisiert worden. Um hier noch einen Akzent zu setzten haben wir im Soloteil die Double-Bass rausgenommen und durch einen straighten sologitarrenenfreundlichen Rhythmus ersetzt. Und am Ende der Nummer geht dann mit einem fulminanten Gesangsfinish die Sonne auf.

SIDE BY SIDE

Dies ist wohl die einzige Nummer des Albums mit einem realen Hintergrund. Es dreht sich hier um die tragische Liebe zu zwei Frauen. Ein Freund hat sich nach 15 Jahren von seiner Lebensgefhrtin getrennt, um mit der Liebe seines Lebens zusammen sein zu knnen. Gelitten hat wie ein Schwein. Fr ihn ist "SIDE BY SIDE" geschrieben worden, das sich rhythmisch von allen anderen Stcken abhebt. Im "Bonanzastil" schiebt sich der Groove wie ein Zug durch diesen Rocker und erzhlt von der Liebe bis in den Tod Wenn es im Leben halt nicht mglich ist. This is the time.

ICON OF STEEL

Eine Nummer, wie Coco auf den Leib geschrieben. Mglicherweise sogar die abwechslungsreichste auf "XPLODE".
Tausend Jahre lang vergraben im Sand der ewigen Wste wird die Ikone aus Stahl wieder ans Tageslicht gebracht und unterwirft mit ihrem silbernen Glanz die Welt. Sie ebnet Berge ein und gefriert die Ozeane, lsst Knige auf die Knie sinken und Prinzen fr eine Nacht mit ihr sterben.
Gemchlich aber kraftvoll stampft sie durch den Song und wei, dass man sie nie htte ausgraben drfen. Nach einem unorthodoxen Break im Mittelteil wird das Tempo stark angezogen und es gibt das meiner Meinung nach beste Gitarrensolo des Albums zu hren. Da wir mit etwaigen Soloanteilen ber die gesamte CD sehr "wirtschaftlich" gearbeitet haben, konnte sich Ralf hier mal austoben und richtig in die Saiten hauen. Ich liebe diese Nummer.

SWEET NAIL

Wer "XPLODE" aufmerksam durchhrt, dem muss auffallen, dass dieser Song scheinbar einer anderen Feder entspringt. Und dem ist auch so. Gitarrist Ralf wollte sich am Ende des Albums mit einer Rotzrocknummer am Songwriting beteiligen und fr den standesgemen Rausschmeier sorgen. "SWEET NAIL" ist ein Gedanke, den man nicht mehr loswird. Der sich ins Hirn einbrennt. Mal tut er gut und mal kann er dich zerstren. Pick your poison.
Im Stile eines Westcoast Punkrockers setzt diese Nummer jetzt den gelungenen Schlusspunkt hinter eineinhalb Jahre harter Arbeit.

www.twyster.de

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