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18. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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IVANHOE
100% menschlich!
Marek Schoppa
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Nach langer Zeit der Abstinenz melden sich die Deutschen Prog Metaller mit einem grandiosen neuen Album und Snger zurck und beweisen eindrucksvoll, dass sie in songschreiberischer Hinsicht definitiv nichts verlernt haben. Vielmehr setzten sie noch gehrig einen drauf! Grund genug also mich mit Gitarrist und Produzent Achim in Verbindung zu setzten um einige Fragen zur aktuellen Situation zu stellen.

Hallo Achim, vorweg erst mal: Hut ab! "Walk in Mindfields" ist ein wirklich gutes Album geworden. Wie ist denn die bisherige Resonanz auf die Platte?


Danke fr eure Untersttzung! Die Reviews haben mich zum Teil echt vom Schemel gehauen, ein groes Lob an alle Schreiberlinge, fr die zum Teil superwitzigen Passagen. Man sieht: Ein kreatives Album regt auch andere an, kreativ zu sein. Natrlich gibts auch Leute, die mit uns nix anfangen knnen, aber die waren diesmal in der absoluten Minderheit. Eine Auswahl der schnsten Reviews findet ihr auf www.ivanhoe-band.com.

Wie gingen denn die Arbeiten zu der Platte voran? Wahrscheinlich ward ihr sehr relaxt, oder gab es irgendwelche greren Probleme?

Das grte Problem fr mich ist mein Anspruch, der mich unzufrieden macht, sobald etwas nicht stimmt. Und am Anfang hat natrlich einiges nicht gestimmt. Das heit aber, dass, wenn man sich da durchbeit, man natrlich nachher um so zufriedener ist. Musik ist meine Religion, so abgedroschen das klingen mag. Fr mich wre es Gotteslsterung, Musik zu verffentlichen, die ich nicht gewissenhaft produziert habe. Manche Songs habe ich zigtausendmal gehrt, weil das eben mein Job war. Mit sowas kommen die wenigsten klar, aber ich sage nur, wenn einem ein Song mal auf die Nerven geht, hr ihn dir einfach noch hundert mal mehr an, dann gehts vielleicht wieder! Ein groes Problem sind immer auch die Finanzen. Wenn jemand die CD hrt und auch bezahlt, untersttzt er damit gewissenhafte Arbeit. Wenn jemand Musik hrt und nix dafr zahlen will, muss er sich halt mit dem begngen, was einige Hobbymusiker irgendwann mal so produzieren. Aber viel bleibt auch (leider!?) im Business hngen, das gebe ich zu.

Die Entwicklung des Albums hat sich ja ber mehrere Jahre hingezogen. "Polarized" liegt stolze acht Jahre zurck. Leidet da nicht die Spontanitt etwas darunter, wenn man Songideen so lange mit sich rumschleppt?

Niemals! Solange man nicht den Fehler macht und am Schluss nochmal alles neu einspielt...


Es gibt sehr viele Firsttakes auf der Scheibe, viele Sachen sind auch von den ersten Demos bernommen, weils einfach gut war. Wir haben alles so gemacht, wie es fr uns optimal war, und das bedeutet fr mich, dass mir das auf Dauer auch nicht auf die Nerven geht, weil ichs einfach gut finde. Eigentlich ist das auch eine gute Methode, die Qualitt zu prfen, weil genau die paar Teile, die bis zum Schlu nervig waren dann auch rausgeflogen sind. Ich persnlich wollte auch den Beweis antreten, dass Musik umso besser wird, je mehr und vor allem lnger man seinem Gefhl freien Lauf lsst. Meistens sind es Kleinigkeiten, die einen Teil unstimmig klingen lassen, das ist manchmal eine Detektivarbeit den Wurm zu finden. Aber auch ein Triumph, wenns dann flutscht. Das setzt natrlich den ntigen Respekt vor der Musik voraus, denn sonst wrde man sich niemals die volle Kanne davon geben.

Wo liegen deiner Meinung nach die wesentlichen Unterschiede zu euren alten Aufnahmen?

Wir sind Freunde. Ich bin sicher, dass das auf Dauer die effektivste und natrlich angenehmste Form der menschlichen Zusammenarbeit ist. Da die Menschen von Natur aus trge sind, halten sie auch sehr an eingefahrenen Strukturen fest, und raus kommt nur Generve. Wenn sich alle einig sind werden Krfte frei, die sich kreativ nutzen lassen. Abgesehen davon ist das die beste Band, in der ich je spielen durfte, so wie man sich das auch vorstellt, mit Zusammenhalt und, wie ich finde, geilen Musikern. Mischa ist ein Superkerl, Andy dagegen war ein Eigenbrdler im Bezug auf die Band, er hat persnlich nicht reingepasst. Seine Stimme fand ich frher wie heute gut, kein Zweifel, aber auf Dauer funkt das nicht. Wenn ich das mit heute vergleiche hre ich eine gewisse Sorgfalt die echt groovy ist. Da haben wir frher entweder geschludert und hatten dabei Glck, oder es war alles so technisiert dass es fast zu wenig menschlich war. "Walk in Mindfields" ist 100% menschlich, keine Drumsamples oder Sequenzer, auch keine Chorsamples, alles von Hand. Das alles brauchte Zeit, ist aber viel lebendiger als zuvor. War auch sehr anstrengend, abgesehen davon. Ich finde trotzdem alle Ivanhoe CDs in sich perfekt, weil die menschliche Note auf der "Polarized" CD auch stark rberkommt, und "Symbols..." ein Meilenstein ist.

Ich finde, dass die Songs der Platte wesentlich ausgereifter und stimmiger klingen als noch auf "Polarized". Hab ihr diesmal verstrkt Wert auf gute Refrains usw. gelegt, oder hat sich alles mehr oder weniger von selbst entwickelt?

Fr mich persnlich macht ein Song erst dann Sinn, wenn man beim Hren unterscheiden kann, wo der Hhepunkt ist, und was fr einen Verlauf ein Song nimmt. Es geht darum, tiefe Gefhle zu suchen und auch zu finden, sich richtig intensiv drauf einzulassen. Manche Songs die ich so hier und da hre regen mich auf, weil sie so dahinpltschern, obwohl sie eigentlich dafr gedacht sind, dich mitzureien. Mann, wenn mir nix einfllt macht es auch keinen Sinn, was aufzunehmen.

Deswegen sind auf keiner Ivanhoe CD mehr als neun ganze Songs. (Von ein paar Intros und Experimenten mal abgesehen...) Wer hrt sich denn 14 Songs einer CD an? Ich jedenfalls nicht. Die Hrer sollten am Ende der Scheibe vielmehr das Gefhl haben, dass kein einziger Song belanglos war, und sie vielleicht gerne noch einen gehrt htten. Abgesehen davon ist Andy B. Franck fr die Gesangslines der vorigen drei CDs verantwortlich, wohingegen Mischa und ich bei "Walk in Mindfields" alles zusammen gemacht haben, und das hat offensichtlich gut gefruchtet.


Gab es ganz bestimmte musikalische Einflsse, die sich im Songwriting niederschlugen? Ich denke da zum Beispiel an die orientalischen Skalen im Titelsong oder in "History". Was inspiriert euch beim Schreiben?

Ich stehe auf orientalische Skalen seit ich zum ersten mal "Gates of Babylon" von Rainbow hrte. Das hat Richie Blackmore eingefhrt in der Rockmusik, und ich bin ihm sehr dankbar dafr. Leider kann man das nicht immer steuern, dass einem ein geiles Riff in der Art einfllt, sonst wrde ich auch noch mehr von der Sorte machen. Wir haben viele Einflsse, aber es geht auch darum, herauszufiltern, was zu sehr beeinflusst klingt von dem, was schon da war, und was dir neu erscheint. Da hat jeder seine Meinung. Wir wurden z.B. schon mit Bands verglichen, die ich noch nie gehrt habe, und vielleicht auch nie hren werde, also kann ich nix von denen bernommen haben. Zum Glck sind sich die Schreiber da so uneins, dass man spekulieren knnte, dass sie eher aus einer gewissen Not heraus Vergleiche ziehen, die eben nicht ganz zutreffen. Zumindest sind die Meinungen was Vergleiche angeht so divergent, dass wir nach zehn Bands gleichzeitig klingen mssten, was ich fr ziemlich unmglich halte. Ich denke, wir klingen halt nach Ivanhoe.

Was steckt denn hinter dem Titel "Walk in Mindfields"? Knntest du das Konzept kurz erlutern?

Zuerst hatten wir die Idee, das Leben eines Ritters der vielleicht "Ivanhoe" heit, und in unsere Zeit versetzt wird, darzustellen. Die Bedeutung war sehr einfach, wir alle habe denselben Lebenskampf wie vielleicht "Ivanhoe", aber er hat sich nur in unseren Verstand verlagert, er ist nur anders geworden. Was frher ein Schlachtfeld war, ist jetzt dein eigenes Minenfeld im Kopf. Ich denke, dieses Konzept haben wir nicht so konsequent verfolgt wie wir es vorhatten, aber wenn man durch die Songs geht, bekommt man ein Gefhl dafr, dass es mehr zu entdecken gibt, nicht nur in der Musik, sondern gerade auch in deinem eigenen Geist. Viele Gedanken verbergen sich hinter einer Mafia der Unklarheit und Irrationalitt, und ich nenne das eine Gehirnwsche deines eigenen selbst. Ein Song wie "Take me to the Spirit" handelt davon, in dich zu gehen, um Erlsung von Geistern zu finden, die du fr deine eigenen hltst, aber es sind nur Lgen. In fast jedem Satz der heute z.B. im Fernsehen fllt, steckt eine Lge. Ich denke, das ist eine meiner hauptschlichen Lebensaufgaben, weil ich sehr viele Probleme mit mir selbst hatte, herauszufinden was eine Lge und was die Wahrheit ist. Wir brauchen mehr Gedanken ber diese Themen, weil Lgner wie Bush Lgen benutzen, um ihre Macht auszubauen, und die einzige Mglichkeit solche Menschen zu besiegen ist der Wahrheit zu helfen unser Denken zu gewinnen. Wir sollten nicht glauben was irgendjemand uns erzhlt, nur weil wir zu faul sind fr uns selbst zu denken.

In diesem Zusammenhang wrde es mich interessieren, was es mit dem Coverartwork und dessen Symbolik auf sich hat. Was habt ihr euch bei der Auswahl des Bildes gedacht?

Ehrlich gesagt, es war Zufall, dass das thematisch so gut hingehauen hat, denn Thomas Ewerhard, der Zeichner, hatte sich auf diese Symbolik festgelegt. Was im Video zu sehen ist, war schon vorher da, unabhngig davon. Das ist vielleicht einer dieser merkwrdigen Zuflle, die dir im Leben ber den Weg laufen knnen. Ich finde das Cover deswegen interessant, weil es viel und wenig zugleich zeigt, es sieht aus, als gbe es mehr zu sehen und zu entdecken, wenn du die CD einlegst.

Mit Mischa Mang habt ihr einen starken neuen Snger in euren Reihen. Ich knnte mir jedoch trotzdem gut vorstellen, dass er mit diesem Posten ein hartes Los gezogen hat. Schlielich fllt er die Lcke, die kein geringerer als Andy B. Franck (u.a. Symphorce) hinterlassen hat. Wie seht ihr das?

Andy ist ein sehr guter Snger, er hatte seine eigene Stimme, und das wuten wir natrlich. Aber es geht jetzt nicht in erster Linie darum, pfel mit Birnen zu vergleichen, denn Mischa hat, und das ist auch gut so, eine vllig andere Stimme. Es ist kein Plagiat von dem, was schon da war, und bisher hat das auch jeder so gesehen. Er ist Profi, und das hrt man auch. Anders wollten wir nie Musik machen. Deswegen sehen wir das so locker, dass wir planen, eine Live-CD voller alter Songs zu produzieren, die natrlich Mischa singt. Andy hat beim Re-release der drei alten CDs sein Veto eingelegt. Aber wer zuletzt lacht...

Seht ihr IVANHOE eigentlich als Prog-Metal oder Power-Metal Band? Ich finde, dass ihr beide Stile wirklich hervorragend kombiniert habt, doch wo liegen eure persnlichen Prioritten und wo fhlt ihr euch zu Hause?

Ich glaube, wenn wir ein Ziel hatten, dann das Komplexe in der Musik so zu verpacken, dass es keiner merkt, wenn er/sies nicht merken will. Der Gedanke hat mich schon immer fasziniert. Dass dabei sowohl die einen wie die anderen zufrieden sein knnten ist eine angenehme berlegung. Aber egal was es ist, ich liebe eben beides. Ich finde, dass es z.B. im Progmetal genug Eunuchensnger und Frickelpeter gibt, und dass viele das eher quantitativ als qualitativ sehen, also Hauptsache hoch oder Hauptsache schnell. Ich liebe die hohen Gesangspassagen auf der neuen Scheibe, aber es sind halt nicht allzu viele, weil uns das eben gengte. Es musste nicht mehr und nicht weniger sein.

Und noch eine letzte Frage zum Abschluss: Wie wird es jetzt mit IVANHOE in Zukunft weitergehen? Habt ihr euch bestimmte Ziele gesetzt? Wahrscheinlich werdet ihr nicht noch einmal einige Jahre verstreichen lassen ohne jegliche Lebenszeichen, oder? Mit dieser Platte geht es doch hoffentlich erst wieder richtig los...

Und hoffentlich bald! Wir haben das erste Konzert in neuer Besetzung am 25. Mai in der Rhre in Stuttgart. Auerdem haben wir das Angebot auf Europa-Tour zu gehen, das wird dann so im September / Oktober sein. Also in der zweiten Jahreshlfte knnt ihr verstrkt mit uns rechnen!!
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