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15. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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NEAERA
Metalcore ohne Core
Thomas Roos
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Im Zuge des leider immer noch andauernden Metalcore-Trends schmeien auch Metal Blade nun ein Release dieser Sorte nach dem anderen raus. Das meiste davon braucht man natrlich nicht unbedingt. Als aber das Label uns zu einem Interview mit einer dieser Bands aufforderte, hab ich mir Neaera aus Mnster/Westfalen ausgesucht. Dass ich das Interview in deutsche Sprache fhren konnte, war zwar sehr angenehm, ausschlaggebend fr diese Wahl waren aber zwei andere Grnde. Zum einen war die Musik ertrglicher als der Durchschnitt und zum anderen schienen sie, wie das Label auch betont, starke HC-Roots zu haben, die sie mit einflieen lassen. Aber leider zu frh gefreut, denn wie sich heraus stellte, wurde auch hier das Label "Core" eigentlich wieder zu unrecht vergeben. Glcklicherweise handelt es sich bei Neaera aber doch eher um eine Metal-Band als um Metalcore, was die Sache wieder relativiert und zeigt, dass dieses Label aufgrund des Trends gerne viel zu hufig vergeben und leider auch benutzt wird.

Nach Eurer Grndung im Sommer 2003 habt Ihr Euch zuerst The Ninth Gate genannt. Warum habt Ihr Euch nach dem Angebot von Metal Blade umbenannt?

Neaera

Der Name The Ninth Gate ist damals aus einer spontanen Idee heraus entstanden (Ihr kennt vielleicht Polanski's Film "Die neun Pforten") und war nach Grndung der Band eher ein Mittel zum Zweck, da wir einen Namen fr Auftritte brauchten. Als wir dann bei MB gesignt hatten, haben wir uns nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass der Name The Ninth Gate nie wirklich auf geschlossene Zustimmung innerhalb der Band gestoen ist, umbenannt.

Neaera ist der Name einer Frau aus der griechischen Mythologie, die ihr Leben lang sexuell unterdrckt und ausgebeutet worden ist. Laut Info Eures Labels ist der Name reprsentativ fr Eure Gesamtbotschaft. Was haltet Ihr von dieser Zuordnung? Das hrt sich so an, als wrdet Ihr nur ber Sexismus singen. Ist Euer Rahmen durch diese Aussage nicht etwas zu eng gesteckt? Ihr singt doch auch ber andere Sachen.

Ich denke auf keinen Fall, dass wir uns durch unseren Bandnamen selber einengen oder gezwungen sind von einem bestimmten Themengebiet nicht abzuweichen. Schlielich behandelt Mythologie ja eine Vielzahl sozialer und politischer Aspekte. Die Neaera in der Mythologie wurde misshandelt, ausgenutzt und verachtet. Ich denke, dass sich die Position dieser Frau durchaus auf gesellschaftliche Strukturen der heutigen Zeit bertragen lsst. Unsere Songs behandeln verschiedene Themen und Geschehnisse, die in unserer Gesellschaft und gerade in unserer Generation nicht bersehen werden sollten. Also nicht nur Sexismus.

Neaera

Das fhrt zur nchsten Frage: Was genau ist denn Eure vom Label angesprochene Gesamtbotschaft?

Nun, das ist schwierig in wenige Worte zu fassen.
Unsere Lyrics kritisieren und sollen in diesem Zuge zum Nachdenken anregen. Ich denke, dass wir heutzutage viel zu oft seitens der Politik und einer blinden Gesellschaft mit Lgen und Halbwahrheiten abgefertigt werden und gerade deshalb ist es wichtig solche Kritik zu ben. Unterm Strich kann und muss unsere Gesamtbotschaft aber vorrangig "METAL!" lauten ;-)

Gitarrist Tobias Buck hat die Band ursprnglich als ein Nebenprojekt gegrndet. Ist sie nach dem Deal bei Metal Blade jetzt zur Prioritt geworden?

Auf jeden Fall. Die Band Malzan, in der Tobi, Stefan und Benjamin zuvor gespielt haben, hat sich im Grunde so schnell aufgelst, wie Neaera als Band feste Formen annahm. Neaera ist fr jeden von uns mittlerweile das Zentrum der musikalischen Aktivitten geworden.

Eure Musik wird heutzutage sicher allgemein dem Begriff Metalcore zugeordnet werden. Was mittlerweile in diese Schublade eingeordnet wird, hat oftmals mit HC nichts mehr zu tun. Ihr habt aber auch noch gewisse HC-Roots, oder?

Neaera

Ein paar von uns uns sind sicherlich ber den HC zum Metal gekommen. Die Art, Aggression und Hrte in musikalische Formen zu bringen, hat diese beiden Musikrichtungen sicherlich schon immer verbunden und interessant gemacht. Diese "HC-Roots" beeinflussen uns jedoch heute kaum noch. Wir sind froh, dass wir uns alle in dem Sound gefunden haben, den wir machen.

Eure Musik ist auch nicht ganz so vertrackt und komplex wie es heutzutage im Metalcore oft der Fall ist. Habt Ihr Euch weniger an heutigen Metalcore- als an richtigen Metal-Acts orientiert?

Wir begeistern uns auf jeden Fall stark fr heutige "Metalcore-Acts" (Unearth, Killswitch Engage, etc.). Die Qualitten, die diese Musikrichtung angenommen hat, zumal sie frher oft belchelt wurde, sind auf jeden Fall beeindruckend und bereichern durch Kreativitt und Output die gesamte "Metal-Landschaft".
Den grten Einfluss auf unseren Sound hat neben solchen, modernen Elementen ganz klar aber der schwedische Death Metal genommen. Wir orientieren uns also nicht in erster Linie am Metalcore und halten die Songs gerne sehr straight und eingngig.

Was soll denn das Cover Eures Albums darstellen?

The Rising Tide Of Oblivion Cover

Tja. Gute Frage... verblichenes Blattwerk, ganz rechts die verschwindende Silhouette eines Typen und die erste Seite vom Booklet ;-) Um ehrlich zu sein hatten wir im vorhinein ein paar Probleme mit dem ganzen Artwork. Unser erster Artworker war einen Monat vor der Deadline mit seinem Material abgesprungen und so hatte Martin Gromann, ein Freund von uns und Kunststudent, der den Job nun annahm, einen wahnsinns Zeitdruck, neues Material auszuarbeiten. Dazu kam, dass der Albumtitel und das Artwork unabhngig voneinander entstanden sind. Ich wei, das ist nicht wirklich professionell von uns. Wir sind mit dem Ergebnis jedoch sehr zufrieden und sind Martin fr seine Hilfe sehr dankbar.

Letzte Worte?

Danke fr Euer Interesse an dem was wir machen. Besucht uns doch mal auf einer Show oder auf www.neaera.com. Stay tuned!

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