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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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THE HAUNTED
Der neue Sänger ist der alte
Thorsten Dietrich
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Der schwedische Thrash-Brocken von The Haunted hat gleich drei Neuerungen: Neues Label, neuer (alter) Sänger und neue Platte. Das sind also viele Gründe um Anders Björler (Gitarre) zu interviewen. Dieser rief an einem Sonntag Morgen, an und hatte noch 15 Interviews nach mir. So war er zwar verständlicherweise nicht "Mr. Enthusiastic", aber immer noch auskunftsfreudig genug für ein ordentliches Interview.

Hi Anders!
Was für ein Uhrzeit! Ich dachte erst das wäre ein Scherz. Seit wann bist Du in Dortmund?

Ja, 11 Uhr ist früh für Sonntag, ich bin hier schon seit Donnerstag Interviews am geben!

Ihr habt ja eine neue Company, warum seid ihr gewechselt?

Wir hatten vier Optionen bei Earache und jetzt sind diese vorbei, es gab eine Menge Probleme mit Earache. Deshalb entschieden wir uns, eine neue Firma zu suchen. Wir hatten zehn seriöse Angebote von Plattenfirmen und haben dann bei Century Media unterschrieben.

Revolver

O.k. Was denkst Du ? wenn ich euer Album "rEVOLVEr" sehe, gibt es da diese Doppelbedeutung "Revolver" und "evolve".

Es ist eine Art Statement. Revolvering ist eine Art mechanische Bewegung und Evolve (Entwicklung) bezieht sich auf die Band, welche sich entwickelt.

Wenn ich aber an das Cover denke, sehe ich die Bestie im Anzug, so denke ich die Menschheit hat sich entwickelt, ist aber immer noch das Tier.

Ja, da kann man viel herein interpretieren, die Platte handelt viel von sozialen Problemen und Beziehungen.

Ihr seid nicht politisch, sondern sozial bezogen bei den Texten?

Ja, wir geben keine politischen Lösungen, wir sprechen über die herrschen Zustände.

Revolver

Aha. Wieso habt ihr denn ein andere Version mit anderem Cover und zwei Bonustracks?

Wir hatten zwei Optionen für das Cover. Wir konnten uns nicht entscheiden, also haben wir beide genommen. Auf der limitierten Auflage sind neben des anderen Covers auch noch die zwei Bonustracks.

Ihr habt nicht nur ein neues Label und Album. Ihr habt auch einen neuen ? alten Sänger! Wieso ging Marco?

Er hatte zu dieser Zeit einige persönliche Probleme und er war das Touren leid. Besonders das exzessive Touren wie zum "Made Me Do It"-Album. Er wollte mehr Zeit mit Frau, Tochter und Sohn verbringen, als dauernd auf der Straße zu sein.

Das Jahr hat 365 Tage. Wie viele seid ihr davon auf Tour?

Das schwankt. Bei dem "Made Me Do It"-Album waren es bestimmt 200! Manchmal ist es aber auch weniger und wir wollen uns auf die großen Touren konzentrieren.

Ganz schön viel. Aber in diesem Fall könnt ihr keinen normalen Job haben!

Einige von uns haben anderen Projekte! Oder belegen Kurse an der Universität! Aber hauptsächlich geht es um The Haunted.

Ist es nicht schwierig in den heutigen Zeiten von extremer Musik zu leben?

Ich denke es ist immer schwierig von extremen Metal zu leben. Es hängt aber auch davon ab, was Du erwartest. Du kannst halt nicht in einem Palast leben und Schweden ist nicht so billig. Aber auch nicht so schlimm wie viele Leute es behaupten, die haben meist die Touristenplätze besucht...

The Haunted

Ich weiß ja nicht weshalb Peter Dolving ging, aber warum habt ihr ihn den wieder angerufen für eine Rückkehr?

Er hatte ein paar persönliche Probleme und die Tatsache, dass wir von Earache so gut wie nicht promotet wurden und keine Touren für das erste Album bekamen war auch ein wichtiger Punkt, weshalb er nach dieser Platte ausstieg. Wir mussten unseren Managementdeal kündigen und das hat sich alles zusammen getan. Jetzt ist aber alles wieder anders und stabil. Also Marco ging, war er einer von zehn möglichen Kandidaten und wir waren selber sehr überrascht, dass er den Job wollte.

Seine Stimme ist ja sehr facettenreich, wodurch manche Parts doch recht melodisch wirken und mehr Abwechslung als früher im Spiel ist! Oder liegt es an der Musik?

Äh - es ist schon ein großer Unterschied zu Marcos Gesang und ich denke, die Musik ist gleich geblieben. Der Hauptunterschied ist Peters Teilnahme.

Für mich war die letzte Platte wie ein permanenter Schlag vor den Kopf, aber nun ist es mit Sprechgesang und Melodien etwas lockerer. Ihr seid nicht wie Bolt Thrower, wenn Du verstehst, was ich meine!

Ja. "Made Me Do It" und "One Kill Wonder" sind schon etwas linear, wir versuchten es damals schon, aber mit Peters vielen Ideen und ner Menge Rehearsals in unserer Stadt hat es noch geklappt.

Wer macht denn die Songs bei euch?

Das bin ich, Jensen und Jonas und Peter schreibt die Texte. Wir haben daheim ein paar Riffideen, diese bringen wir in den Proberaum und erarbeiten da die Songs raus. Manchmal habe ich auch einen fertigen Song mit dem ich dann ankomme und er wird von der ganzen Band bearbeitet. Das ist auch oft der Fall, es kann aber auch passieren, dass ich etwas aus einer Gesangsidee von Peter mache.

Was denkst Du über die Retro-80er-Welle und das unmäßige Covern von Klassikern?

Ich denke Coverversionen sind meist langweilig, da das Original nicht erreicht wird, oft jedenfalls. Sicher haben wir Maiden-, Accept- und Priest-Einflüsse, aber die sieht man nicht so ganz. Ich finde es gut, dass die sogenannte New Wave Of American Metal Bands wie Shadows Fall oder Killswitch Engage so zu Metal stehen.

Was hältst Du von dem Begriff Metalcore?

Das ist ein Begriff, der seltsamerweise nur in Deutschland verwendet wird. Wir haben ihn sonst noch nirgends gehört! Das ist von den deutsche Medien geprägt worden, der in Amerika N.W.O.A.H. heißt. Das ging schon 1996 in Amerika los, als HC-Bands Metalbands wie At The Gates als Einfluss verwendeten. Da waren wir auch mit At The Gates auf Tour und haben das selber gesehen. Es bekommt im Moment recht viel Aufmerksamkeit von den Medien.

Gefällt es Dir denn?

Ja, einiges schon!

Durch den sogenannten Metalcore fallen auch die nervigen Endlos-Touren weg, wo 5-8 Black- oder Death-Bands zusammen touren, was einfach zu viel und gleichförmig ist! Jetzt spielen verschiedene Stile zusammen - auch Thrash-Bands.

Das ist doch verdammt langweilig und nur öde. Total gleichförmig und undynamisch! Nach paar Bands hat man doch genug. Diese Neuerung ist jedenfalls besser.

Was macht ihr denn demnächst? Videoclips/Touren?

The Haunted

Ein Clip ist fertig und wird bald im TV zu sehen sein. In den USA werden wir über zwei Monate mit Shadows Fall und Damageplan touren. Wir haben da recht viele Fans und danach geht es auf eine Europatournee.

Welche Märkte sind denn für euch wichtig?

Natürlich die Staaten und Europa, aber wir versuchen auch in anderen Ländern Fuß zu fassen und im kleinen Schweden mit 8 Millionen Einwohnern stehen wir auch gar nicht so schlecht dar. Man muss den Leute was bieten, dazu gehören auch die Bonustracks oder Bonus DVDs in der heutigen Zeit.

Haben euch denn die Internet-Downloads geschadet, wie viele Bands klagen?

Ich denke es hat uns geholfen bekannt zu werden! Wir haben immer mehr Platten verkauft mit jeder Platte. Es ist doch eine tolle Sache für Undergroundbands, aber nicht wenn es sechs Monate vor dem Release passiert. Ein Monat vorher ist o.k. Man kann uns dann auf der ganzen Welt bekommen!

Dann kaufen die Leute, die euch runterladen vielleicht auch ne Konzertkarte und ein Shirt auf Tour!

Ja, in der heutigen Zeit ist es wichtig live präsent zu sein. Zurück zu den Wurzeln eines Konzertes wie im Mittelalter!

Klar, keiner kann ein Konzert brennen. Warum habt ihr nicht auf einem der diesjährigen Festivals gespielt, ist es wegen dem neuen Album?

Ja, deshalb konnten wir außer dem Sweden Rock Festival leider kein europäisches Open Air spielen und wollen das natürlich nächstes Jahr nachholen!

Das ist mal ein Wort! Ich bedanke mich für das Interview und erwarte euch dann spätestens nächstes Jahr auf irgendeinem Open Air!

www.the-haunted.com

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