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22. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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10 FOLD B-LOW
Ein Gig, ein neuer Fan!
Roland Wohde
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Hrt sich wenig an? Ist aber, wenn man die Umstnde kennt, eigentlich gar nicht so. Und dass man einen Gig, bei dem sich auch nur ein Zuhrer zum Fan entwickelt als gut ansieht und sich gleich vier Bandmitglieder an einem Interview beteiligen, spricht fr die richtige Einstellung einer Band. Die sympathischen "Auenseiter" des diesjhrigen Andernacher Open Airs stellen sich vor.

Hallo Dirk, hallo 10 Fold B-Low!
Stellt euch doch zunchst mal fr die Leute, die noch nie etwas von euch gehrt haben, kurz vor. Seit wann gibt es euch, woher kommt ihr?

Steffie: Also, unser Line-up besteht aus Snger Thomas, Gitarrist Dirk, Bassist Nico, Drummer Panicz und mir, Steffie, Gitarristin. Woher wir kommen kann man gar nicht so genau lokalisieren: zwei von uns aus Kln, der Rest aus Aachen, Dsseldorf und Neuss. Die Band selber existiert seit Juni 2001.

Ihr werdet ja mit Bands wie Soulfly, Meshuggah, etc. verglichen. Wie beschreibt ihr selber euren Sound und wo liegen eure Wurzeln?

10 Fold B-Low

Steffie: Ich fand die Bezeichnung eines Journalisten recht schn, der unseren Stil als "Death & Roll" beschrieb. Ansonsten halte ich nicht wirklich viel von diesen vorgefertigten Kategorien, weil sie unserer Musik nicht gerecht werden und zu stark limitieren. In der Regel bezeichnen wir unseren Sound selber gerne als "Low tuned Metal" (daher auch der Albumtitel).
Thomas: Natrlich haben wir Einflsse und das ist auch vollkommen normal, wenn man nicht Kaspar Hauser heit. rgerlich wird es erst, wenn nicht mehr zwischen "erinnert an" und "macht dasselbe wie" differenziert wird. Fakt ist, wir schreiben unsere Songs nicht mit der Intention, wie Soulfly, Slipknot oder wie auch immer zu klingen. Sie entstehen in kreativer Zusammenarbeit von fnf Individuen. Aber wie auch immer, ich denke, dass wir im Groen und Ganzen unser eigenes Sppchen kochen, uns dies aber nicht zugestanden wird.
Ein kleines Beispiel: Wer liegt denn nher an seinen Einflssen, Ektomorf oder wir? Ektomorf ist quasi Soulfly und Sepultura in einem! Und bei wem wird ein grerer Aufriss drum gemacht? Bei uns! Warum? Im Prinzip ist es aber auch egal, ich mag Ektomorf ja und gehe eh davon aus, dass der Hrer sich seine eigene Meinung bildet, auch wenn es ihm unntig schwer gemacht wird.

Wie seid ihr an den Deal mit Locomotive gekommen? Und vor allem, wie seid ihr zu einem Sponsor wie Eastpack gekommen? Ich kenne kaum Bands die Sponsoren in diesem Sinne haben?

Dirk: Ich habe eine Weile Bands aus unserem engeren Umfeld betreut bzw. gemanagt. Dadurch kam auch letztendlich der Kontakt zu LOCOMOTIVE MUSIC zustande, die an einigen dieser Bands interessiert waren, zum Beispiel eben auch an uns und LEAF. Beide Combos haben dann dort auch ihren Deal unterschrieben.
Zu der EASTPAK Geschichte: Eastpak waren vor allen Dingen im Hardcorebereich immer sehr rege bemht, Bands zu untersttzen, siehe beispielsweise die "Eastpak Resistance Tour". Auch Such a Surge und die Beatsteaks werden hier in Deutschland von ihnen supportet. Was uns betrifft: Wahrscheinlich haben wir ihnen gefallen...?!?!?!

Wenn man bedenkt, dass es die Band erst seit gut drei Jahren gibt, luft die Entwicklung ja bestens. (Demo, Gigs, Deal...). Wie sieht das Ganze aus eurer Sicht aus? Luft alles wie erhofft/ertrumt? Habt ihr berhaupt damit gerechnet, innerhalb von so kurzer Zeit so viel zu erreichen?

Dirk: Einerseits kann ich dir nur Recht geben. Unsere Entwicklung lsst sich durchaus als positiv bewerten, aber glaube mir, dass die Band auch viel leiden musste, um berhaupt heute an dieser Stelle stehen zu drfen. Das erste Demo wurde z.B. unter miesesten Voraussetzungen (-2 Grad Celsius/Proberaum) und mit zwei anderen Bandmitgliedern (Bass und Drums) eingespielt. Folglich haben wir eine Umbesetzung hinter uns, was uns sehr viel Kraft gekostet hat, trotzdem weiter zu machen. Dank dem Ehrgeiz den hier alle besitzen und unseren hervorragenden (und gar nicht mehr neuen!) Kollegen Panicz und Nico leben wir noch!!!
Natrlich haben wir nicht damit gerechnet, solch einen kleinen "Erfolg" zu haben, dennoch aber immer gehofft. Sollte es weiter so laufen, knnen wir uns bestimmt in der Szene durchsetzen.
Thomas: Aus meiner Sicht kann ich nur sagen, dass ich nie mit einem Deal gerechnet habe und dementsprechend berrascht war, als er dann ins Haus stand. Ich hoffe auch, dass es fr uns auch weiterhin bergauf geht. Das neue Material lsst jedenfalls hoffen.

Wie ist aus eurer Sicht der Gig in Andernach gelaufen? Konntet ihr den anderen Bands des Abends persnlich etwas abgewinnen oder sind so klassische Sachen wie Saxon und Rose Tattoo nicht euer Ding?

Steffie: Der Gig in Andernach war eine relativ "kuriose" Geschichte. Natrlich haben wir nicht wirklich in das Line-up gepasst, dennoch sind wir relativ gut vom Publikum aufgenommen worden. Mit Saxon zu spielen, war fr mich persnlich schon irgendwie "verrckt", denn es war immerhin eine der ersten Bands, die ich in meinen jungen Metaljahren live gesehen habe, ich glaube, das war 1989 (seufz)...
Thomas: Also, wer nicht stolz darauf wre, mit so altgedienten Ikonen die Bhne geteilt zu haben, hat das Musikerdasein noch nicht verstanden! Ich fand's einfach dufte und das Publikum hat uns ja zumindest geduldet. Der Clou bei der Sache ist natrlich, dass wir bei dem Gig mindestens einen neuen Fan gewonnen haben und damit hatte alles einen Sinn!
Nico: Ich bin absolut kein True Metal-Fan und entsprechend sind u.a. o.g. Bands berhaupt nix fr meine hrchen und wir vermutlich auch nix fr deren selbige, aber Thomas' letzten Satz fand ich so hbsch und berzeugend, dass ich mich da nur wortlos anschlieen kann.

Was fr Leute kommen sonst zu euren Gigs? Gibt es da eine Tendenz?

Dirk: Prinzipiell ist immer ein bunt gemischtes Publikum vor Ort, je nachdem, mit welcher anderen Band wir zusammenspielen. Begeistern knnen wir am ehesten die Anhnger der "hrteren" Musikfraktion.
Nico: Da hsse wohl rsch.

Schubladen im Musikbereich finde ich zur groben Orientierung nicht schlecht. Die mittlerweile aber weit verbreitete Intoleranz zwischen den einzelnen Lagern finde ich aber zum kotzen. Wie seht ihr diese Problematik?

Steffie: "Zum kotzen" trifft es auf den Punkt! Wie du schon sagtest, ist es fr den Musikkufer an sich eine nette Orientierungshilfe, wenn man Bands einem Musikstil/Genre zuordnet, das hilft mir selber auch oftmals, wenn ich Reviews durchforste. Aber dieses ausgeprgte Schubladendenken ist furchtbar. Die Szene wirkt mittlerweile alles andere als offen, man trifft berall nur noch auf in sich geschlossene Genre-Gruppierungen.Der Kampf des Traditionalisten (True-Metal) gegen den Blackmetaller, der wiederum gegen den Crossoverhrer, dieser wiederum gegen den guten alten Hardrocker, welcher wiederum nichts fr Metalcore brig hat. Mein Gott, es ist doch alles nur Musik und eine Frage des PERSNLICHEN Geschmacks. Wenn ich etwas nicht mag, hre ich es mir nicht an, basta! Ausserdem geht mir dieses "ausschlachten" immer wieder neu aufkommender Trends durch die Medien langsam auf den Zeiger...
Thomas: Dieses ganze elitre Spartengefasel macht mich echt krank. Klar, zum Kategorisieren ist das gut, aber die Bewegungen, die sich dahinter organisieren machen einfach keinen Sinn. Das macht doch nur alles kaputt. Wenn man heute als carnivorer Raucher auf einem Hardcorekonzert auftaucht, kann man sich die fiesen Blicke reinfahren, so ein Schei! Ich sehe bei der Sache ein Problem - es geht nicht mehr um Musik!
Nico: Solange die Abneigung lediglich auf bestimmte Musikgenre abzielt, kann ich damit leben, solange es nicht persnlich wird. So beschimpfe ich niemanden, der in Lederkluft und Nietenschrpe zu Halloween "luftgitarriert" und denk mir nur meinen Teil, wenn jemand ein Review ber unsere CD/Musik mit einer charakterlichen Steinigung verknpft.

Welche Bedeutung messt ihr den mittlerweile sehr vielen Online-Magazinen zu? Ein Tummelplatz von Mchtegernjournalisten? Ein Spielplatz fr Musikfans? Eine sinnvolle Ergnzung zu anderen Medien?

Dirk: Onlinemagazine sind eine hervorragende Ergnzung zu den ganzen Printmedien, wobei es auch hier Unterschiede gibt! Es gibt mittlerweile enorm viele E-zines, wobei nicht jedes davon qualitativ hochwertig und informativ ist. Das Positive ist auf jeden Fall, dass nicht nur das Hauptaugenmerk auf die "Top-Seller" gelegt wird, sondern auch der Underground seine Chance erhlt, sich einer breiteren Masse prsentieren zu knnen.
Aber auch mit dem "Tummelplatz fr Mchtegernjournalisten" liegst du nicht ganz falsch. Wie oben schon erwhnt, finden sich im Web auch viele Schreiberlinge wieder, die sich mal gerne im Ton vergreifen oder aber auch der Rechtschreibung und ordentlichen Ausdrucksformen nicht viel abgewinnen knnen. Da haben wir auch schon so unsere Erfahrungen mit machen drfen...
Thomas: Unangenehm wird es, wenn einem Hobbyschreiber seine "Machtposition" zu Kopfe steigt und er ausfallend wird. Da frage ich mich in der Regel, was fr arme Menschen hinter diesen Reviews stecken, die im richtigen Leben nie austeilen drfen. Ich meine, wir haben doch niemandem etwas getan. Gut, mal abgesehen von den paar armen Wrstchen, die wir mit vorgehaltener Waffe in den Musikmarkt unserer Wahl getrieben haben, um sie dann gleich drei CDs kaufen zu lassen. Jeder kann seine Meinung vertreten und mit Musik wie der unseren polarisiert man natrlich, aber ein gewisses Minimum an Respekt sollte man als Journalist schon haben. Nicht vor der Leistung, sondern vor dem Menschen. Ich beschimpfe doch auch niemanden wenn er unsere CD nicht kauft.
Nico: Da kann ich nur anschlieen: Intolerante Wesen, die charakterliche Entgleisungen ihrerseits mit "subjektivitt" rechtfertigen, haben ein menschliches Problem. Wem die Musik nicht gefllt und sich mitteilen mchte, mge dieses tun und es laut hinaus schreien, aber wenn derjenige meint den Charakter der Musiker dadurch erkennen zu knnen und ber diesen zu urteilen, der hat quasi - ein Problem. Ich helfe gern.

10 Fold B-Low

Habt ihr auer Musik noch andere Sachen im Kopf? Und wie seid ihr berhaupt zur Musik gekommen?

Steffie: Ich hab nur Musik im Kopf (grins). Musik ist mein ein und alles und bestimmt mein Leben rund um die Uhr. Angefangen hat das alles bei mir, als ich mit 14 den Metal fr mich entdeckt habe. Unttig rumsitzen und nur zuhren reichte mir aber nicht, ich wollte auch so Gitarre spielen knnen, wie all diese faszinierenden Bands, die auf meinem heimischen Plattenteller rotierten! Ich habe spter krampfhaft versucht, Metallica's "Seek and Destroy" auf einer Akustikklampfe nachzuspielen, was natrlich grottenschlecht klang. Ich wusste: "Hier kann nur mit einer E-Gitarre und einem ordentlichen Amp Abhilfe geschaffen werden". Was aus den ersten krampfhaften Versuchen geworden ist hrt man ja heute... nicht wirklich viel mehr, hahahaha...
Thomas: Seit meinem 12ten Lebensjahr mache ich Musik und das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ndern. Natrlich habe ich auch andere Interessen und Verpflichtungen, man muss ja schlielich auch mal Geld verdienen. Dennoch ist Musik direkt neben der Liebe die Nummer 1 in meinem Leben.
Nico: Beruf - Sport - Musik

Meines Wissens nach habt ihr euch erst ber die Band kennen gelernt. Seid ihr innerhalb des Bandgefges richtige Freunde geworden oder hlt euch eher die Musik zusammen?

Nico: Pui ui ui. Thomas - erklr das mal.
Thomas: Nun, das ist so eine Sache innerhalb einer Band. Irgendwie ganz anders als eine Freundschaft, es ist viel intensiver! Klar haben wir uns alle lieb, zwischendurch hassen wir uns aber auch mal. Es ist eher mit einer Beziehung zu vergleichen als mit einer Freundschaft. Zwar ist die Freundschaft inklusive, dafr wird sie aber viel fter auf die Probe gestellt als in einer normalen Freundschaft. Wenn es in einer Freundschaft mal kracht, geht man sich ne Weile aus dem Weg, kracht es bei uns, muss es trotzdem weitergehen. Im Groen und Ganzen luft es aber meist sehr harmonisch.

Es ist ja nach wie vor recht selten eine Frau mitten in einer Band zu finden, grade im Metalbereich sind es meist Fronterinnen oder sie sind gleich in der berzahl. Wie ist es bei euch dazu gekommen und gab es deswegen schon mal Probleme?

Thomas: Da muss ich Dir aber jetzt widersprechen. Mir fallen mit five pointe 0, White Zombie und Coal Chamber schon mal auf Anhieb drei Bands ein, wo sich Frauen in das Bandgefge eingliedern.
Wie es dazu gekommen ist, ist sehr einfach. Fnf Leute wollten ne Band aufmachen, haben sich gefunden und dabei war eine Frau. Probleme hatten wir damit auch noch nie! Es ist fr uns einfach ganz normal.
Nico: Und fr ne Frau spielt uns Stefferl doch janz jut ;-)

Habt ihr konkrete Plne fr die Zukunft? Erstmal werden nun ja wohl vermehrt Gigs anstehen, oder? Wie sieht die Untersttzung durch euer Label in dieser Hinsicht aus? Wird es vielleicht eine kleine Tour geben?

Dirk: Also zur Zeit arbeiten zwei Booker fr uns, von daher werden zwangslufig mehrere Konzerte stattfinden. In Planung ist eine kleine Tour im November.
Thomas: Wir freuen uns schon sehr darauf, endlich wieder die Bhnen unsicher zu machen. Die Untersttzung des Labels strebt diesbezglich gegen null. Lediglich eine Hilfe zur Selbstfinanzierung wird angeboten.

Warum sollten die Leute drauen grade eure Scheibe kaufen?

Nico: Los, lasst es uns gemeinsam sagen:
Steffie: Na, weil sie gut ist!!!
Thomas: Hm, weil sie ihnen gefllt nachdem sie reingehrt haben. Und wenn nicht, lassen sie es. So war das doch mit der Marktwirtschaft, oder? Was haben wir denn auch von verkauften CDs, die im Schrank verstauben? Ums Geld gings bei uns nie!

Noch etwas das ihr unbedingt loswerden wollt?

Ja, wir danken Dir fr das Interview, vielleicht sieht man sich ja mal auf einem Konzert.

Ebenfalls besten Dank fr eure Ausknfte. Weitere Infos findet der Interessierte auf der Bandhomepage www.10FoldB-Low.de!

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