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20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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CREMATORY
Back From The Dead
Thorsten Dietrich
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Die einen werden es bedauert haben, die anderen bejubelten den Rckzug der Gothic-Metaller von Crematory. Doch zwei Jahre nach dem Farewell-Album "Remind" sind die Pflzer wieder da und haben sogar ein neues Album mitgebracht. Grund fr mich Bassist Harald zu befragen, der sich als netter und auskunftsfreudiger Kerl entpuppte.

Hi Harald!
Ihr seid wieder zurck von den Toten! Wenn ich gehssig wre, knnte ich sage, damit hat doch jeder gerechnet!

Ja, das haben wir schon fters gehrt! Oder so Sprche wie: Das war ja eh geplant! Aber es war definitiv nicht so!

Was war denn der ausschlaggebende Grund vor drei Jahren zu sagen: wir hren auf?

Crematory

Vor drei Jahren kam das letzte Album heraus und dann waren wir noch mal auf Tour. Nichts gemacht haben wir nach den letzten Konzerten gut zwei Jahre. Eigentlich sollte auch nichts mehr laufen.

Wie kam das dann? Ich las, dass Markus Staiger von Nuclear Blast euch noch mal ermutigte zurck zu kommen und es scheint auch noch viele Fans zu geben. Ist das der Grund?

Ja, wie Du sagtest hat der Markus Staiger gedrngt und immer gefragt wenn wir ihn gesehen habe. Durch die "One"-Coverversion fr die Tribute CD haben wir dann auch wieder Spa gehabt. Ebenso auch durch die Crematory-Fans. Da gab es Emails, GB-Eintrge und Briefe. Das alles ber die ganze Zeit! So haben wir alle, da wir uns auch oft sehen (wir wohnen alle in der Nhe), noch mal zusammen gesetzt und haben ber einen realistischen Neuanfang nachgedacht.

Ich schtze ihr habt jetzt alle Jobs!

Wir haben fr die Musik gelebt und von der Musik gelebt. Danach hat jeder sein Ding gemacht. Ich bin selbstndiger Schreiner, Markus ist Versicherungskaufmann und Felix hat auch einen Job. In der heutigen Zeit kannst Du nicht Deinem Chef sagen: "Ich bin vier Wochen auf Tour!" Deshalb wollten wir nur ohne Druck des Labels zurckkommen! Jedes Jahr eine Platte machen und viel Touren ist nicht drin. Auerdem sind Markus und Kathrin Eltern geworden.

Es gibt doch viele Bands, die nur Wochenendgigs machen!

Ja, wir stehen auch nicht halbherzig hinter der Sache. Wir versuchen so viele Konzerte und Festivals zu spielen wie mglich. Wie Du sagst, es gibt Wochenenden und einen Tag Urlaub bekommt jeder mal. Es gibt auch Bands, die machen nur ihre Platte und der Rest geht denen am Arsch vorbei. Aber wenn machen wir das richtig.

Die meisten Bands kommen doch zurck um noch mal Kohle zu sehen! Ihr aber seid auf eurem Zenit abgetreten.

Knnte man so sagen. Wir waren mit dem "Believe"-Album auf Platz 33 in den Charts. Aber es war auch immer schwerer mit fnf Leuten von der Band zu leben und so viel Zeit aufzubringen. Es wurden auch immer weniger Platten verkauft und die Konzertbesucher werden auch immer weniger. Das liegt an der Zeit.

Ich denke im Popbereich ist es noch schlimmer.

Wenn im Jahr 100 Bands auf Tour sind; wenn bei uns in Frankfurt im Monat vier Bands sind, dann habe ich auch nicht das Geld mir alle anzuschauen. Dann wird selektiert. Ich kann den Leuten auch nicht verbeln, dass sie nicht zum dritten Mal auf einem Crematory-Konzert herum springen wollen. Es gibt ja auch andere Bands, dieses berangebot ist das Problem!

Dann kommen noch diese EPs, Compilations und unzhligen Liveplatten.

Wir sagten damals auch: Ganz oder gar nicht. Die Band hat ja auch viel Zeit verschlugen und wir wollten uns auch mal intensiver um unser Privatleben kmmern. Wir sagten wir knnen keine 100% mehr geben, deshalb hren wir auf! So war es. Jeder hat mal etwas gejammt und das war es. Es ist keinem leicht gefallen, aber Crematory war erledigt. Nach etwas Zeit realisierst Du erst, dass Schluss ist.

Crematory

Wie kam es dann konkret zu der neuen Platte?

Nach "One" war die Sache ja erst mal erledigt. Dann hat der Staiger wieder etwas gedrngt und wir haben uns dann zusammen gesetzt und wollte es wieder probieren. Die Bedingung war: Kein Druck. Diesmal lief das Songwriting anders. Frher war der Markus der Hauptsongwriter, der Rest hat noch was dazu gesteuert. Danach waren wir fr 6-8 Wochen im Studio. Heute haben wir fr so was keine Zeit. Deshalb gingen wir einen anderen Weg. Wir waren einzeln im Studio und jeder hat seine Ideen im Studio verewigt. Das ganze ber ein Jahr und das wurde dann aufgenommen. Nachher haben wir die Sachen dann zusammengefgt. Z.B. Keyboard und Schlagzeug wurden zusammen aufgenommen. Dann kam der Gitarrist Matze und hat dazu ein Riff gefunden, usw. Irgendwann haben wir uns getroffen und den Feinschliff gegeben. Die Texte wurden von Felix auch vorher geschrieben, nachdem er die Rohfassungen daheim hatte.

Klingt etwas seltsam und gestckelt, aber man hat das nicht gehrt.

Es gibt auch Songs, da wurde nichts gestckelt, da hat es direkt gepasst.

Wieso heit die neue Platte eigentlich "Revolution" und nicht "Reunion"?

Eine Reunion wre es ja nur, wenn unser alter Gitarrist Lotte dabei wre. "Revolution" ist ein Thema was von den Texten kommt. Eine Art Revolution ist ja auch, dass wir wieder da sind und unseren Sound etwas aufpoliert haben.

Ihr wart ja oft in der Presse ungeliebt, aber bei den Fans hoch im Kurs. Das ist euch doch lieber, oder?

Klar! Die Fans kommen auf die Konzerte, haben Spa und kaufen die Platten. Wir machen ja Musik fr die Fans und nicht fr die Presse.

Hat euch das ja nie getroffen? Attribute wie Schlager-Death Metal oder Gothic-Pop hat man euch ja vor die Fe geknallt.

Crematory

Was heit getroffen? Klar, bei miesen Kritiken wird man schon getroffen. Es gab auch Fans, die diesen Leuten wegen einer schlechten Kritik dann Schlge angedroht haben und gesagt haben, wir sollen uns davon nicht beeinflussen lassen. Das ist viel mehr Wert als eine gute Kritik. Mittlerweile hat sich es etwas gendert. Zu "Believe"-Zeiten war das ja schon.

Den einen Kritikpunkt der Presse, der miese Sound, konnte ich nachvollziehen, aber seit einiger Zeit ist der Sound schon o.k. Wie siehst Du das neue Album? Fr mich ist es typisch Crematory mit neuen elektronischen, leicht EBM/technoiden Elementen, die aber gut in den Bandsound passen.

Wie Du! Man kann nicht zehn Jahre Musik machen und dann klingt man auf einmal total anders. Wir haben versucht alle Geschmcker unter einen Hut zubekommen. Z.B. Markus hrt viel Techno und Trance, whrend ich EBM sehr mag. Deswegen haben wir versucht den eigenen Geschmack in Crematory einflieen lassen.

Einen Patzer habt ihr euch wieder geleistet, whrend "Angel Of Fate" typisch Crematory ist, nervt dieses deutsche "Tick Tack" Lied ohne Ende. Da kann man doch eine Uhr ticken lassen und nicht Felix singen lassen. Das geht mir echt auf den Zeiger!

OK, das ist Deine Meinung. Viele Fans und Leute von der Presse denken es wre der beste Song des Albums.
Aber es gibt da eine lustige Geschichte zu: "Tick Tack" War einer der ersten fertigen Songs. Wir machten eine Vorab-CD mit vier Songs frs Label. Die geschlossene Meinung war: Wir wren doch bescheuert und verrckt mit so einem Song, den wir "Tick Tack" nennen wrden. Kurz darauf kam das berchtigte Metallica-Album heraus, wo der Song "Frantic" drauf war, da wird dauernd "TickTickTick.." gesungen. Nachdem das Album zwei Wochen heraus war, fanden zwei Wochen spter die ganzen Leute alles toll. So schnell knnen die Leute die Meinung ndern. So ist es halt.

Fr mich ist es ein eingngiges Hasslied.
Trotzdem kann ich den Fans diese Platte empfehlen und die Band ist diesem Sommer auf einigen Festivals prsent, sodass ihr Crematory auch mal live erleben knnt. War ein echt sympathisches Interview. Vielen Dank!

www.crematory.de

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