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23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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ISENBURG
Eine Ode an die Heimat
Andre Kreuz
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Aus dem tiefen Osten unseres Landes erhebt sich seit kurzem eine neue Stimme, die in majesttischer Schwrze von lngst vergangenen Tagen Kunde tut. Angelockt von der Mischung aus urwchsiger Kraft und epischer Wucht, machte ich mich furchtlos aus dem Treiser Siebengebirge auf, um dem Herald des Erzgebirges entgegen zu treten und seiner Botschaft zu lauschen. Den Anfang machte dabei natrlich die Frage nach der Entstehung der ISENBURG und deren Sinn und Zweck:

Die Entstehung von Isenburg habe ich in letzter Instanz ein paar guten Freunden zu verdanken. Ursprnglich hatte ich den Winter ber im Studio ein paar Lieder eingespielt, wo ich hauptschlich ein paar neue Gitarrensounds und so'n Kram probieren wollte und dabei automatisch die Musik raus kam, die man jetzt auf "Erzgebirge" hrt. Als das Ganze dann sieben Lieder waren, wollte ich alles ein paar Mal kopieren und ein paar Freunden geben. Diese berredeten mich dann noch ein besseres Booklet zu machen und es ein paar Labels vorzustellen. Und so kam es, dass Black Attakk die Sache aufgriff und rausbrachte. Als Absicht steckt das dahinter, was wohl jeder beim Titel vermutet: Musik, Texte und Aufmachung drehen sich ausschlielich ums Erzgebirge, meiner Heimat und das wird sich auch in Zukunft nicht ndern.

Was ist denn die ISENBURG und was verbindet Dich mit ihr, sodass Du sie als Namensgeber fr dieses Projekt verwandt hast?

Es gibt bei uns in der Nhe eine alte Burgruine mitten in einem Wald. Die wenigsten kennen sie und auf den meisten Karten fehlt sie auch. Auer den Grundmauern steht auch nichts mehr. Das ist die Isenburgruine. Viel ist ber sie nicht bekannt - selbst ber den Zweck ist man sich nicht einig. Wahrscheinlich war es eine Raubritterburg aus dem 13. oder 14. Jhd. Mit den meisten Steinen wurde dann zu allem berfluss im nchsten Dorf noch eine Kirche gebaut. Ihren Namen fand ich fr mein Projekt passend, da er die mystischen, geheimnisvollen und dunklen Seiten dieser Gegend perfekt wiederspiegelt.

Okay. Worum drehen sich die Texte im speziellen, dass es ums Erzgebirge geht, liegt beim Titel ja auf der Hand und Du hast es auch schon angesprochen.

Genau, es dreht sich ums Erzgebirge und speziell um den Gedanken einen traditionsbewussten Stolz auf unsere Lndchen zu entwickeln. Es geht um unsere Wlder, Berge, Tler und unsre Wurzeln hier. Genauso wie viele skandinavische BM-Bands heroisch ber ihre Wlder singen tue ich das auch, weil ich gar nicht wsste weshalb ich ber Fantasie-Dinge singen sollte, wo wir doch solch eine Natur vor uns haben.

Warum ist der Groteil der Songs in Englisch gehalten? Wre ein konsequenter Einsatz der deutschen Sprache nicht passender gewesen?

Isenburg

Auf den ersten Blick hast du Recht. Die englische Sprache hat in der Tat mit dem Erzgebirge nichts zu tun und so eine Art von deutsch sprechen wir hier auch... Dass die Lieder grtenteils dennoch in Englisch sind, hat mehrere Grnde. Zum einen benutze ich den Gesang mehr als Instrument denn als Informationstrger und da lsst sich die englische Sprache einfach viel besser einsetzen. Wichtiger war mir aber der Punkt, dass ich bei vielen Bands, die deutsch singen immer irgendwie den Eindruck habe, dass man sich viel zu sehr auf den Gesang bzw. Text konzentriert und die Musik in den Hintergrund rckt. Am konsequentesten wre ja auf erzgebirgisch zu singen - aber ich wollte auf jeden Fall verhindern dass es lcherlich klingt und das ist meiner Meinung nach bei deutschem Gesang allgemein die Gefahr. Dennoch denke ich darber nach in Zukunft zumindest teilweise auf die deutsche Sprache zurckzugreifen.

Sobald man sich in Deutschland traditionsbewusst zeigt und stolz auf die Vergangenheit und sein Land ist, kriegt man als Metaller schnell den Stempel "NSBM" aufgedrckt. Wie stehst Du dazu?

Eine scheinbar unvermeidbare Frage, die ich nicht mit einem Satz beantworten kann. Generell bin ich der Meinung, dass jeder alles sagen (oder singen...) kann was er will. Ich selbst wrde mir dieses Recht nie nehmen lassen. Deshalb strt es mich nicht wenn Leute der Meinung sind ihre angestaubten Ideen vertonen zu mssen. Problematisch wird es allerdings, wenn dieses Bild einer ganzen Musikrichtung (BM) zugeordnet wird. Aber so ist's nun mal - und irgendwie gab's das auch schon immer. Anfang der 90er dachten manche, dass Cannibal Corpse Fans Kinder fressen - und das hat grtenteils auch nicht gestimmt.
Ich unterscheide hier klar zwischen einem gesunden Nationalstolz und Bewusstsein fr meine Heimat, was ich mir nicht nehmen lasse, und einem sinnlosen und stumpfsinnigen Dahersagen von Parolen aus einer Zeit, die Deutschland in seine grte nationale Krise gestrzt hat, die ja bis jetzt anhlt. Ich beziehe mich mehr auf eine Zeit, die Jahrhunderte zurckliegt als auf die Zeit, die gerade 60 Jahre zurckliegt.
Ums auf den Punkt zubringen: Ich lass mir von keiner geschniegelten Grinsefresse im Nagelstreifenanzug erzhlen, dass ich nicht stolz auf meine Heimat sein darf weil ich Deutscher bin. Genauso lehne ich eine so genannte Volksschuld meiner Generation ab. Am liebsten wre es mir auch wenn man so manches Gesocks von der Strae entfernen knnte und dahin schaffen knnte wo es her gekommen ist. Trotzdem bin ich keiner der auf A.H. oder seine Kompanen steht, geschweige denn alles gut heie was damals passiert ist.
Auch wenn man die Epoche vor 60 Jahren auer Acht lsst kann man stolz auf unsere Wurzeln sein und Wert auf eine regionale Identitt legen, wie dies ja alle anderen Nationen und Regionen auch tun. Ich hoffe mich klar positioniert zu haben, auch wenn es mit einem einfachen Ja oder Nein nicht geht.

Ich danke dir fr diese ehrliche und differenzierte Antwort, auch wenn ich der Meinung bin, dass man sich von braunem Gedankengut ruhig deutlicher distanzieren sollte.
Aber Themawechsel: Warum hast Du alles im Alleingang eingespielt und produziert? Wird das auch in Zukunft so bleiben?

Isenburg Cover

Isenburg war von Anfang an als Ein-Mann-Projekt geplant und so wird's auch bleiben. Da ich noch in zwei weiteren Bands mitspiele (Persecution und Andras) kann ich mich dort dem Bandtreiben zur Genge widmen. Bei Isenburg dagegen geniee ich es alles so zu machen wie ich es will. Da ich noch dazu in der Lage bin alles selbst zu produzieren, bin ich sozusagen nur durch meine endlichen Fhigkeiten an den verschiedenen Instrumenten begrenzt. Selbst in solchen Interviews wie gerade ist es unbefangener, da ich sagen kann was ich will, ohne zu berlegen ob das dem Bandgedanken und damit der Meinung meiner Mitmusiker entspricht (ohne dass ich damit sagen will, dass meine Bandkollegen gnzlich anderer Meinung sind!). Also auch in Zukunft wird sich daran nichts ndern, auer dass ich berlege das nchste Album von einem guten Drummer einspielen zu lassen.

Das halte ich fr eine sehr gute Idee, der Drumcomputer wirkt schon etwas strend.
Wie ist der Hidden Track auf "Erzgebirge" zu verstehen? Ich denke da besonders an die Volksmusik-Einlagen, die meiner Meinung nach nherer Erluterung bedrfen!

Das letzte Lied des Albums ist sozusagen die Zusammenfassung des Konzepts. Um einen konkreten Zusammenhang zum Titel herzustellen, konnte ich es nicht lassen ein paar Ausschnitte aus alten Erzgebirgsschallplatten von mir mit einzubringen. Die Melodien darin gefallen mir wirklich und ich finde sie tragen zum passenden Ausklang des Albums bei.

Na ja, ich knnte auch gut ohne sie leben, hehe!
Sind eigentlich Live-Aktivitten geplant?

Nein.

Und wie sieht's mit einem Auftritt im www aus? Ist da was in der Mache oder lehnst Du das kategorisch ab?

Wenn ich mal zu viel Zeit habe kmmere ich mich darum. Zurzeit wird es auch erst mal ohne gehen. Ich hab sowieso nur ein Modem, damit kann man nicht viel reien. Auerdem ist meine Zeit neben meiner regulren Arbeit auch ziemlich verplant. Bis zum Herbst soll ein neues Andras-Album fertig sein und ab dann wird an einem neuen Persecution-Album gearbeitet.

Was mich zu meiner letzten Frage fhrt: Was haben wir von den im Infoschreiben angekndigten Nachfolgealben zu erwarten?

Soviel ich jetzt schon sagen kann, wird es thematisch natrlich wieder ums Erzgebirge gehen (wer htt's gedacht), selbst beim Titel und bei der optischen Aufmachung wird es beim eingeschlagenen Konzept bleiben. Musikalisch versuche ich natrlich wieder einiges besser zu machen und manche Seiten strker auszuarbeiten. Soundtechnisch werde ich versuchen wieder mehr Richtung Analogsound zu gehen, das heit lieber etwas rauer als zu sauber. Der Gedanke mit dem Drummer, der die Lieder wenn sie fertig sind einspielt, hatte ich ja schon gesagt. Alles in allem soll es aber sofort als Isenburg zu erkennen sein - also keine groen Stilnderungen.

Gut, man darf also gespannt sein! Danke fr Deine Zeit! Letzte Worte?

Danke fr das Interview und ein Hail aus dem Erzgebirge!

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