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17. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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BLOODFLOWERZ
Schwelgen nicht im Trübsal
Thorsten Dietrich
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Bloodflowerz machen keine fröhliche Musik, aber ihr - sagen wir mal Gothic - Metal - ist eine Klasse für sich, ich sprach mit SÄNGERIN Kirsten und Gitarrist Tim, die mir bewiesen, das man trotz manchmals trauriger Musik gut drauf sein kann und nicht popelige Ein-Satz- Anworten ohne Humor abgeben muss. Bis auf die Schreibweise gibt es bei der Band bis jetzt auch nix zu meckern...


Ihr seid Newcomer, erzähl doch mal wie alles begann!

Tim: Das ist eine ziemlich lange Geschichte. Um's etwas kürzer zu
machen vielleicht so viel: Nille, Kirsten und ich machen schon seit
1995 zusammen Musik. Mit der damaligen Band waren wir auch schon
ziemlich gut live unterwegs. Es war auch schon eine CD aufgenommen, die
aber aufgrund von finanziellen Problemen auf Seiten der damaligen
Plattenfirma nie veröffentlicht wurde. Irgendwann im Jahre 1999 kam
Markus als zweiter Gitarrist (mit dem ich wiederum schon 1990 in einer
Thrashmetal-Band gespielt habe) hinzu. Als zuletzt Jojo 2000 zu uns
stieß, waren wir an einem Punkt angelangt, an dem für uns klar wurde,
daß wir einen anderen Weg einschlagen wollten und auch schon
eingeschlagen hatten. Es hatte mit dem, was wir bisher machten einfach
nicht mehr viel zu tun. Mit diesem Schritt sind wir auch sehr
glücklich, weil wir mit und in dieser Band und dieser Platte genau das
verwirklichen konnten, was wir sind und fühlen.

Wie habt Ihr es geschafft mit etablierten Bands wie Moonspell oder
Anathema zu spielen?

Tim: Klingt zwar abgedroschen, ist aber so passiert. Zur richtigen Zeit
am richtigen Ort gewesen und mit den richtigen Leuten telefoniert.
Durch unsere unzähligen Gigs haben sich wohl auch unsere Live
Qualitäten herumgesprochen, die gewisse Leute im Business auf uns
aufmerksam gemacht haben. Bei Moonspell muß aber dazu sagen, dass es
sich dabei um ein Festival gehandelt hat. Anathema dagegen waren vier
von sechs Shows auf ihrer letzten Deutschlandtour. Das war auch richtig
der Hammer. Wir sind wirklich in allerletzer Sekunde auf die Tour
aufgesprungen, weshalb auch kein Mensch von uns wußte und hatten eine
super Zeit. Die Jungs von Anathema waren sehr umgänglich und haben uns
auch absolut fair behandelt.

Kirsten: Wer Freunde hat hat Küsschen, wer Küsschen hat hat Freunde...
es gehört neben musikalischen "Fähigkeiten" auch immer eine gehörige
Portion Glück und harte Arbeit dazu.

Fühlt Ihr Euch als Gothic - Metal Band?

Tim: Nein!

Kirsten: Jein... Wir vereinen in unserer Musik verschiedene Stile,
Elemente und drücken somit unsere Vorlieben, Gefühle und Stimmungen
aus. Wir ordnen uns nicht einem vorgeschriebenen Stil oder Klischee zu,
da wir uns mit einem musikalischen "Gefängnis" die Möglichkeiten von
hart bis soft alles auszudrücken versagen würden. Es ist uns sehr
wichtig neues auszuprobieren und scheinbare Gegensätze zu vereinen.
Sowohl in den Texten wie ihrer musikalischen Entsprechung konfrontieren
wir uns und die Menschen mit allen Perspektiven und Seiten des Seins,
die uns stetig wiederbegegnen und durch die wir uns kennenlernen und
definieren. There´s no light without darkness...


Was sind Eure Einflüsse?

Tim: Die liegen bei jedem total anders, wie vielleicht auch schon die
Mischung der unterschiedlichen Stilrichtungen vermuten lassen. Markus
und ich kommen, wie schon eingangs erwähnt aus der Metalecke, sei es
nun Slayer, Metallica oder Bands wie Godsmack oder Sevendust. Nille hat
eine Vergangenheit als Deutschpunker und Infectiousfunker. Jojo hat
seine Roots im Bombastrock alà Rush oder frühe Queen. Kirsten kommt aus
dem Wave und Hardcorelager und ist aufgewachsen mit Bands wie The Cure
oder 7 Seconds. Man könnte auch grundlegend sagen, dass wir Kinder der
80er sind und zwar mit all ihren Facetten.

Kirsten: Kein Veto und kein Joker... ich tausche die Frage.

Die Texte sind oft persönlicher Natur, ich höre zwischenmenschliche
Beziehungen heraus, klär mich dich darüber auf!

Kirsten: Zwischenmenschliche Beziehungen ist sehr allgemein gehalten,
aber dadurch kratzt du mit deiner Einschätzung auch ganz recht die
Oberfläche dessen, was die Texte beinhalten...
Die Texte beschäftigen sich mit allen Gefühlen, mit Hass und Liebe,
Sehnsucht, Verzweiflung und Hoffnung, mit dem Sturm und den Wellen, auf
denen wir tagtäglich segeln. Sie sind positiv und verzweifelt, wie wir
uns in jeder Situation immer wiederfinden. Doch vermitteln sie
keineswegs eine Unterwerfung unter die scheinbaren Zustände und
Resignation, sondern in die nährende Hoffnung und den Glauben in die
Erfüllung der Sehnsüchte durch Bewusstwerdung und Integration der
Träume und wahren Bedürfnisse zu vertrauen. In ihnen reflektiert sich
der Prozess der Gedanken und Gefühle, das stete Steben nach der
Anerkennung und Integration aller dunklen und hellen Seiten in uns...
Das Schreiben von Texten, die Interpretation in Melodien und ihre
Vertonung, ist die materielle Geburt der Gefühle... die Verarbeitung
und Bewusstwerdung.


Wie wollt Ihr Euren Status in der Szene festigen, was ist geplant für
die nächste Zeit?

Tim: Am 30.04. beginnt unsere Tour im Vorprogramm von Subway to Sally.
Das sind insgesamt 14 Shows in ganz Deutschland. Danach sind wir so gut
wie jedes Wochenende in Clubs unterwegs und im Sommer stehen einige
Festivals an (u.a. Mera Luna, Summerbreeze, Taubertal). Überhaupt ist
Live spielen das allergeilste für uns - der wahre Grund des
Musikmachens. Nach der Tour beginnen wir auch schon wieder an neuem
Material zu arbeiten, weil es Unmengen von neuen Ideen gibt, die auf
Computer und Tape festgehalten sind und bearbeitet werden wollen.
Siehe www.bloodflowerz.de
Kirsten: Wie Tim schon vorher erwähnte, gibt uns das live spielen, auf
der Bühne zu stehen und auch die damit verbundene Kommunikation mit dem
Publikum und die Reflektion unserer Aussagen und Gefühle, all die
nötige Energie und das pushende Adrenalin weiterzumachen. Wir leben
dafür und in diesen Momenten sind wir nur Kraft und Emotion, wir
sterben jedes Konzert einen neuen Tod und werden jedes mal neu geboren,
durchwandern alle Höhen und Tiefen, die wir in unserer Musik ausdrücken
- die Musik, die ein Spiegelbild unserer Seele ist...

Bands mit Frontfrauen waren früher selten, jetzt stehen auch Frauen
öfter im Vordergrund in allen Genres sogar im Death-Metal, wie siehst
Du die Entwicklung ? Steckt da oft Kalkül dahinter Stichwort: Sex
sells?

Tim: Klaro und deswegen lasse ich mir den Schniedel abmachen und zwei
Gazongas rannähen - eine lustige Frage!

Na dann mal ran an die Operation!

Kirsten: Ich bin sehr glücklich, dass sich in der Musiklandschaft in
dieser Hinsicht einiges getan hat, dass es auch für Frauen mittlerweile
selbstverständlicher geworden ist sich musikalisch zu verwirklichen,
der Mut und die Akzeptanz gewachsen sind... Das Patriachat ist dem
Untergang geweiht... Es ist sehr wichtig, dass die typischen
Begrifflichkeiten und herkömmlichen traditionellen "Normen" überdacht
werden und jede-r, ob Mann oder Frau, seine inneren Träume und
Fähigkeiten ausleben kann, ohne an die Grenzen zu stoßen, die uns die
Gesellschaft und Tradition vorgibt. Ich freue mich auf den Tag an dem
es solche Fragen nicht mehr gestellt werden müssen. Definitiv gibt es
verschiedene "Fähigkeiten" und Sensibilitäten, die Männer und Frauen in
unterschiedlicher Art und Weise und Ausprägung in sich tragen, und das
ist auch elementar, wichtig und fruchtbar - niemand sollte sich
verleugnen und wenn wir die Teile, Wesenheiten und auch Unterschiede um
uns, in anderen, im anderen Geschlecht, und auch in uns selbst
akzeptieren, tolerieren und anerkennen, werden wir aktiver und
lebendiger Teil der "natürlichen" Symbiose und Ergänzung, die das Leben
spannend, vielfältig und "wahr" machen.
Zum Thema Kalkül... natürlich gibt es immer Abartigkeiten und Frauen
werden benutzt, benutzen sich selbst auf die eine oder andere Weise.
Ich denke vor allem in anderen Musikgenres wird die "Schönheit" und der
Reiz von Sexualität benutzt, so dass oft die Musik verblasst, doch so
sind die Menschen... es gibt immer nur einen Markt, wenn es Leute gibt
die ihn fordern und dafür Geld liegen lassen... Aber Respekt, allen,
die den Mut und die Visionen auch für Abartigkeiten besitzen...
Britney rules...

Ja, es gibt schon abartige Sachen in der Musikwelt.... wünsche Euch glück mit Subway, die ja ne geile Band sind und immer viele Leute ziehen.

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