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11. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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MOONSPELL
Zurück mit alter Stärke
Thorsten Dietrich
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Portugals Metalband Nummer 1, die Gothic-Metaller von Moonspell haben harte Jahre hinter sich. Besetzungswechsel und zwei schlecht aufgenommene Alben, ließ sie schnell in der Gunst der Fans fallen. Das Business ist hart und das aktuelle Album "The Antidote" sowie der Vorgänger "Darkness And Hope" klingen ohne sich zu kopieren, wie die Fans es haben wollen. Der typische Moonspell-Sound ist wieder da und ein gut gelaunter, redefreudiger Mike Gasper (der Drummer) saß mir in Köln gegenüber.

Hi Mike!
Auf eurem neuen Album habt ihr mehr Tribal-Anteile, die teilweise stark die Songs dominieren. Da du der Drummer bist, kannst Du mir bestimmt was dazu erzählen!

Es sind ganz einfache basische Elemente, die wir für das neue Album ausprobiert haben! Manchmal vergessen die Leute wie gut die einfachen Dingen sein können und wie gut sie funktionieren. Wir wollten bei "The Antidote" so klingen wie wir uns auf der Bühne oder im Proberaum anhören. Man hat durch die verschiedenen Elemente wie Gesang oder die Drums einen gewissen Sound, der einen charakterisiert. Bei den Aufnahmen ist es sehr schwer das natürlich wieder zu geben. Man braucht als Band schon mehrere Jahre, Alben und viele Proben um das zu Erreichen. Wir brauchten einen starken Bassisten. Dadurch konnte ich auf dem Album mehr Tribal-Rhythmen und Emotionen mit den Drums erzeugen. Das ist fast wie eine Art Trance. Durch die Gothic-Szene hat Moonspell sehr viele weibliche Fans, die das auch positiv angenommen haben. Für uns ist es auch positiv ein gut gemischtes Publikum in Bezug auf das Geschlecht zu haben. Außerdem kann man auch gut headbangen zu den Songs hahaha!

Mike & Thor

Hast Du durch diese Präsenz bei machen Liedern nicht einen größeren Einfluss als Drummer andere Bands?

Wenn wir bei Moonspell Songs komponieren sind wir alle sehr offen für Einflüsse und Ideen. Ich experimentierte sehr viel herum die letzten Jahre, war auch in Schulen. Ich hatte in meinem Kopf halt Strukturen, die gut zu den Songs passten. Wenn ich Drums spiele, kann ich schon mal einen Song kreieren, die restlichen Instrumente denke ich mir halt dazu und spiele einfach. Wir haben viel von unseren Reisen durch die Welt in das Album einfließen lassen und kommen auch sehr gut miteinander klar. Wir waren in Südamerika, wo wir viele Fans haben - Mexiko, Kolumbien oder auch Russland!

Was?

Ja, wir haben für unser letztes Album "Darkness And Hope" zweimal in Moskau gespielt. Wir haben dort viele Fans. Das ist einfach ein tolles Gefühl.

Viele Länder in Südamerika sprechen ja spanisch und Brasilien ist ja portugiesisch. Gab es da für euch Portugiesen nicht schon mal Missverständnisse?

Als wir mit Type O und Cradle Of Filth auf Tour waren in den Staaten. Fünf Wochen oder so. Viele Leute sprachen dann halt spanisch mit uns und verstanden oft nicht, dass Portugal ein eigenes Land mit eigener Sprache ist. Das Spanisch der Mexikaner ist übrigens auch etwas anders als das in Spanien, aber auch das verstehen wir.
Amerika ist riesig und Portugal so klein. Von Deutschland aus findet man es eher auf der Landkarte. Aber wir verstehen natürlich auch spanisch und können es auch sprechen, es ist unserer Sprache sehr ähnlich. Ich denke Portugal hat so eine kleine Metalszene mit wenigen Bands im Gegensatz zu Ländern wie Schweden, Norwegen oder Deutschland und ich bin sehr dankbar, dass wir die Chance haben Platten zu veröffentlichen und weltweit zu touren.

Was ist mit den Jungs von Heavenwood, kommen die wieder?

Die werden wohl bald zurück kehren und brauchen glaube ich einen guten Deal. Sie wollen aber bald wieder ein Album veröffentlichen. Ich wünsche ihnen dafür alles Gute! Sie leben drei Stunden von Lissabon entfernt. Die haben dort eine gute Szene und ihr letztes Album "Diva" war echt gut.

Das denke ich auch.

Wir sind sehr mit Portugal verbunden, das sieht man auch an der Coverversion auf "Darkness And Hope" zum Beispiel. Auf dem neuen Album "The Antidote" ist ja die Verbindung zu dem Buch. Das ist die erste Verbindung eines anerkannten Schriftstellers mit Musik, zu dem noch eine Metalband. Das ist schon toll.

Aber ihr seid etwas weltoffener als die vielen Metalbands aus Spanien, die oft nur in Spanisch singen.

Moonspell

In Spanien ist ein riesiger Markt für diese Musik! Spanier kaufen viel spanische Musik. 89% der verkauften CDs sind spanische Musik. In Portugal ist es anders herum. Die Portugiesen glauben nicht viel an die eigene Musik, die Spanier sehr viel. Den Vorteil den spanische Metalbands haben, ist dass sie einen großen Markt im eigenen Land haben und in den Ländern, wo spanisch gesprochen wird! Diese Bands können auf ein lange Tour gehen, haben tausende und abertausende Fans, ohne dass Du es hier merken wirst! Allein in Mexiko gibt es Bands, die spielen vor vielen Fans. Sogar in den USA touren spanische Bands, treten in Arenen auf, wo sie nur für das spanische Publikum da sind! Ohne dass der Großteil der "normalen" Bevölkerung davon etwas mitbekommt. Brasilien ist ein guter Markt für uns, da wird ja portugiesisch gesprochen, aber das Land ist pleite und dort gibt es fast nur Bootlegs. Deshalb ist es sehr schwer dort ohne Verluste zu spielen.

Das wußte ich wirklich noch nicht! Ist schon krass, wie das mit den Informationen manchmal ist. Aber ein interessanter Aspekt.
Kommen wir doch mal zu den Texten. Das ist doch mal etwas total anderes, dass ein Buch zu den Texten von einem Metal-Album veröffentlicht wird.

Die Situation ist perfekt gewesen. José Luis ist sehr populär in Portugal. Er hat sehr viel Erfolg mit seinen Geschichten und Gedichten, auch international. Die Sachen passen sehr gut zu Moonspell. Dort geht es auch viel um Tod und Liebe, auch die portugiesischen Traditionen. Als wir José dann kennen lernten, erfuhren wir von ihm, dass er ein großer Moonspell-Fan ist, alle Alben kennt und durch unsere Songs zu seinen Arbeiten inspiriert wurde! Danach war es sehr einfach zusammen zu arbeiten. Er kam auf die Idee zu den Songs Kurzgeschichten zu verfassen. Das sollte als Multimedia-Buch ins Englische werden übersetzt auf dem Album enthalten sein.
In Portugal wird es aber auch als separates Buch in Buchläden verkauft, so dass wir mehr Respekt für unsere Metalmusik bekommen. Das Buch wurde auch in einer berühmten Kultursendung im TV besprochen, wo man generell über Bücher redet. Der Moderator ist schon etwas älter und am Ende der Sendung durften wir einen Song von der neuen Platte spielen. Dem Mann hat es gefallen, es war unfassbar.

(Ich glaube nicht, dass Marcel Reich Ranickci auf Rebellions "Macbeth" oder so stehen würde...)

Fernando gab ihm dann auch eine CD von uns. Durch die Sache weiß jetzt absolut jeder in Portugal wer wir sind. Man erreicht dadurch mal ganz andere Leute und nicht nur Leute, die Moonspell schon kennen.

Ihr habt ne Menge Alben, für viele Fans sind aber die ersten Drei die besten. "The Butterfly Effect" und "Sin / Pecado" waren nicht so erfolgreich. Viele Fans vermissten den Sound der ersten Alben. Mit "The Antidote" und "Darkness And Hope" seid ihr, wie viele denken, wieder auf dem rechten Weg, ohne euch stur zu kopieren. Verstehst Du das?

Klar merkt man die geringeren Absatzzahlen und es hat uns auch geschadet. Uns geht es auch nicht um Verkaufszahlen. Die ersten drei Alben waren toll und wir hatten eine großartige Zeit. Danach verließ uns aber unser Bassist und wir hatten noch einige Probleme die nächste Zeit. Danach hatten wir unsere experimentelle Phase. Wir waren auch etwas ausgebrannt, da wir so viel Zeit in Deutschland verbrachten, wo wir viel in Studios arbeiteten oder tourten. Da hatten wir fast Klaustrophobie. Deshalb gingen wir für "Sin / Pecado" nach England und machten wohl unser alternativtes Album der Bandgeschichte. Es dauerte länger bis wir wieder auf unseren rechten Weg fanden.

Moonspell

Auf dem Album spielt der Bassist von Amorphis und auf der Tour, oder?

Niklas ist ein Freund von uns, nun haben wir einen Sessionbassisten aus Portugal. Wir sind im Moment sehr happy mit "The Antidote" und sehen positiv in die Zukunft.

Dann vielen Dank für das Interview!
Es wurde noch starkes Konzert, Moonspell sind auf jeden Fall wieder an der Spitze des Genres angelangt. Und da gehören sie auch hin.

www.moonspell.com

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