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18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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BLAZE
Ein Mann kämpft
Thorsten Dietrich
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Nach einem schweißtreibenden Konzert mit Doro gab mir Blaze Bailey ein Interview. Viele dürften ihn noch aus der Zeit von Iron Maiden oder Wolfsbane kennen, bei ersten versuchte Bailey vergeblich den ausgeschiedenen Bruce Dickinson zu ersetzen, brachte trotzdem eine passable Leistung. Danach steckte Blaze nicht den Kopf in den Sand, sondern überzeugte mit seinen Studioalben "Silicon Messiah", "Tenth Dimension" sowie der Liveplatte "As Live As It Gets". Er hatte eine richtige Band um sich geschart und Songs, die zu seiner Stimme passten. Was viele jedoch nicht wussten ist, dass Blaze eine Menge Probleme hatte, was er mir frei von der Leber weg erzählte und mich damit recht schockte und verblüffte.

Hi Blaze!
Wie sieht es denn aus mit der Tour mit Doro, seid ihr da die ganze Zeit dabei?

Wir sind bis zum 01. Januar auf der Tour dabei. Wir sind ja mitten in den Aufnahmen zum dritten Album. Wir gehen dann zurück, mixen die Platte, kümmern uns um das Artwork und dann gehe ich auf eine Promotiontour. Überall werden wir in Rockclubs die Platte den Fans vorspielen vor dem Release. Besonders in England und Deutschland. Ich hatte einigen Ärger mit der Presse, ich meine die britische. Die verdammten die letzte Platte, bevor sie sie gehört haben! Ich weiß es! Jedes Review in einem europäischen Magazin sprach darüber, wie die Songs sind, über den Aufbau und so weiter. In den englischen Magazinen wurde der Titel erwähnt und das war es. Der hat einfach durchgeskipt. Wir riefen dann ein Magazin an und sprachen mit einem Redakteur, der unsere Musik versteht und mag. Dieser erzählte uns dann, dass er es nicht reviewen durfte. Es bekam jemand, der Blaze hasst.

Ist die britische Szene denn so von großen Blättern wie dem Kerrang dominiert?

Ja so ist es. Wenn Du selbst raus gehst aus England, wirst Du feststellen, dass die Leute Metal lieben und es immer getan haben! Der Metal war nie weg! Manche Leute meinen nur der Nu Metal oder anderer Trendkram wäre das Ding. Das stimmt nicht, wir machen Musik, die wir wollen und lieben. Wir spielen was wir fühlen und es interessiert uns nicht, wie wir ausschauen. Wir gehen raus und spielen! Die Musik ist wichtiger als das Image! Es ändert sich auch wieder. Nu Metal ist am Sterben. Ich denke die Art von Metalmusik, die wir mögen, d.h. songorientiert, starker Gesang, emotional und interessant, kommt wieder an bei den jungen Leuten.

Thor & Blaze

Ist da überhaupt noch eine Metalszene in England? Paradise Lost erzählten früher gerne, dass fast nichts mehr läuft an Touren.

Dann haben sie nicht hart genug gekämpft! Wenn wir die Chance bekommen, touren wir in England, da würden wir auch bei kleinerer Zuschauerzahl mehr verdienen (Ausländersteuer! -Anm. d. Au-THOR). Die Leute unterstützen uns schon in England. Da gibt es eine Menge Bands in England mit diesen Tribute-Coverbands von AC/DC, Queen, Black Sabbath oder so. Das will aber keiner mehr hören! In meinem Heimatclub gibt es jetzt nur Bands mit eigener Musik und das ist doch viel interessanter. Wenn Du Metal spielst, musst Du wissen, dass es keine Mode ist, es geht mal hoch und mal runter. Die Leute wollen es sehen oder hören daheim. Unsere Videoclips wurden nie gespielt. Die sind für unsere Fans.

Ihr habt ja eine neue Rhythmussektion, was ist da passiert?

Jeff hat die Musik aufgegeben und Rob ist Pilot geworden, weshalb er natürlich keine Zeit mehr für Blaze hatte. Die Hauptsongwriter sind Steve, Ray John Slater und ich. Wir haben uns ohne eine Rhythmussektion zusammen gesetzt und Songs geschrieben. Im Studio kam Bryan Banks als Bassspieler. Es war richtig gut. Im Januar wollen wir dann eine Audition halten für einen neuen Drummer. (Auf Tour ist ein Sessiondrummer - Anm. d. Au-THORS).
Wir lieben Metal und wir mögen es auf Tour zu gehen. Die Tour war toll, das Konzert von heute war einfach nur wunder-wunderbar. Aber wenn du nur vor 20 Leuten spielst, dann verdienen diese die selbe Show wie die Menge heute Abend, wo ca. 600 sind! Das ist wichtig.
Du musst die beste Performance geben, die Du kannst. Manche Leute können es nicht akzeptieren vor wenigen Leuten zu spielen, aber das macht Dich stärker und da muss man durch. Man muss an sich glauben und das mache ich. Ich war mit Wolfsbane in der besten "unsigned Band" Englands und später bei Maiden der größten Metalband der Welt. Es ist egal ob Du vor 60.000 oder 6 spielst. Natürlich ist es härter wenn von den 6 einer geht! Ich will nicht das ändern, was ich mache. Ich will nicht New Metal oder ein Modefuzzi werden. Die Musik soll heavy bleiben mit interessanten Gitarren und Melodien. Der Gesang soll stark und laut sein mit interessanten Texten. Als Fan will ich keine Band sehen, die sich total ändert. Es ist schön wenn sie sich entwickeln, aber sie sollten nicht ihre Werte ändern und später mal vor einem ganz anderen Publikum auftreten.

Ich las von vielen Leuten, dass sie dich als Sänger von Maiden nicht mochten, aber jetzt stehen sie auf Deine Musik. Was denkst Du darüber?

Ich denke wenn Du eine Band hast, die einen bestimmten Sound hat durch den Sänger, ist es sehr schwer Dich da zu behaupten. Ich kann nicht so auf Sammy Hagar, er ist o.k., aber ich liebe David Lee Roth und Eddie Van Halen, so hatte Sammy keine Chance. Es ist verdammt schwer gewesen und mir wurde nicht so viel geholfen. Ich durfte bestimmte Sachen nicht machen, hatte nur Bewegungsfreiheit in einem bestimmten Raster, es gab so viele Einschränkungen, die Band hat halt ein bestimmtes Schema der Arbeitsweise.
Blaze
Ich liebe Metal und es ist toll in einer Band mit einem Führer zu sein, aber das brachte auch eine Menge Einschränkungen für meinen Gesang. Wenn Du ein Maiden Fan zu Di'Anno Zeiten warst, war er wohl immer der beste Sänger für Dich, bei Dickinson war es dann Dickinson immer der Beste! Ich traf heute Fans, die sagten dass ihr erstes Maiden Konzert mit mir war. Für die war das natürlich das Beste! Hahahaha.

Olaf: Als Maiden die ersten Male mit Bruce auftraten, war es dasselbe für die Fans.

Ja genau. Wir planten ja ein drittes Album und ich dachte ich hätte ein paar gute Ideen für das Songwriting mit Steve und Dave. Aber dann kam ja alles anders.

Die Maiden-Songs (mit Blaze) passen besser zu "Silicon Messiah" und "Tenth Dimension" passen eher zu Deiner Band als zu Maiden für mich.
Wie siehst Du diese von vielen geteilte Meinung?

Ich war bei Maiden mit verschiedenen Dingen im Studio nicht zufrieden. Bei meiner Band haben wir das dann so live gespielt, wie wir es gerne hätten. Die Musik und der Gesang sollten gleichberechtigt sein. Die Lieder müssen live klappen. Manche Dinge, die mir bei Maiden passiert sind, sollten bei dieser Band nicht so laufen. Wir proben mehr und wir sprechen mehr über die Songs. Außerdem wollten das Management von Maiden Sanctuary Records mich fertig machen. Die brachten meine Alben immer zur gleichen Zeit und einmal am gleichen Tag wie ein Album von Iron Maiden heraus. Die wollten mich fertig machen! Nicht Maiden, das Management! Ich musste auf den Release von "Tenth Dimension" sechs Monate warten. Ich nahm Drogen, soff und musste zum Psychiater, am Schluss wurde ich geschieden. Ohne meine Fans, die Band und meinen Manager, die immer zu mir hielten und mich zum kämpfen motivierten, würde ich nicht mehr hier sitzen!
Die Reaktionen, die ich bis jetzt auf dieser Tour hatte sind fantastisch. Wir haben keine CDs mehr, sie sind alle ausverkauft. Wir mussten beim Label schon neue ordern.

Von der Sache mit dem Management wusste ich bis jetzt gar nichts... klingt ziemlich nach der Hölle, was Du durchgemacht hast!

Blaze

Ich habe mich auch nicht getraut es bis jetzt zu erzählen, so geschämt habe ich mich. Ich bin eigentlich ein scheuer Mensch. Ich bin fast gestrauchelt und musste mich durchkämpfen. Ich liebe Metal und blieb dabei. Das Management (nicht die Band) wollten mich meiner Meinung nach fertig machen, da es wohl peinlich für Maiden wäre, wenn ich mit meiner Band Erfolg hätte. Steve sagte mir: "Komm zurück Mann! Nutze den Namen, den Du Dir mit Maiden gemacht hast und hab Erfolg." Maiden sind die einzige Band, die Sanctuary groß gemacht hat. Maiden waren auch schon groß bevor Sanctuary da war... Egal, ich bin wieder da. Ich habe nichts mehr und ich arbeite hart am Album. Jeder der daran arbeitete und es hörte, sagte es wäre das Beste was ich jemals gemacht hätte. Bald gehe ich raus in England und Europa, dort werde ich dann den Fans alles vorspielen. Dieses mal handeln die Texte nicht über Science Fiction und Filme. Es ist diesmal alles über meine Erfahrungen mit Maiden, meinen Nervenzusammenbruch, die Sache mit dem Psychiater. Alles mit heavy Musik im Stil von "Silicon Messiah". Es kommt alles von hier und da! (greift sich an Herz und Kopf).

Wo denkst Du ist der größte Markt für Euch?

Ich denke Deutschland ist der wichtigste Markt für uns. In England diktiert die Presse den Hörern, was sie hören sollen. Im Rest von Europa ist das anders. Die Leute sagen selbst was gut ist und sind deshalb interessiert. England ist sehr trendbewusst und Rest-Europa nicht so. Als ich das erste Mal mit Maiden in Deutschland war, standen die Fans dort mit verschränkten Armen nach dem Motto. "Lass uns sehen, was er zu Stande bringt." Wenn Du die Leute überzeugen kannst, bekommst Du fantastische Fans, die auch bei Dir bleiben und treu sind. Deshalb liebe ich Deutschland! Es ändert sich auch in England. Die Leute kommen zu mir nicht, weil ich cool bin, sondern weil sie richtigen Metal hören wollen. Da gibt es ein richtiges Metal Festival in England, "Bloodstock", wo auch Blind Guardian spielten, so was hat Erfolg. Sachen wie Donington werden nur fürs Geld gemacht. Die anderen Festivals in Europa und Bloodstock nicht.

Olaf: Wie das Bang Your Head! Wo Du ja auch spielen wirst!

Ja ich spielte dort mal eine Club Warm Up Show vor dem Festival. Ich sagte zu dem Promoter, ich komme wieder, bucht mich wie ihr wollt, ich werde da spielen. Jetzt kommen wir 2004.

Was sagst Du als Brite eigentlich dazu, dass Rob Halford wieder bei Judas Priest ist?

Ich mochte Tim Owen sehr und ich denke er ist ein fantastischer Sänger. Nach Halfords desolater Vorstellung auf dem Bang Your Head war ich sehr enttäuscht. Mans sagte er wäre sehr erschöpft von der Reise. Hey, ich meine der kam mit einem Flugzeug und wurde hofiert ohne Ende. Bei so vielen Fans müsste bei ihm doch das Adrenalin freigesetzt werden und er müsste alles geben. So was kann ich nicht verstehen. Wir wollen unsere Musik den Fans präsentieren dafür sind wir da!

Ein tolles Schlusswort vielen Dank, Blaze!

Weit nach 12.00 Uhr machten wir uns auf den Heimweg.
Blazer Bailey hat mich ziemlich beeindruckt, da er sehr ehrlich und emotional war. Er antwortete sehr ausführlich und wir sprachen auch über unsere Lieblingsbands und Konzerte. Blaze ist auf dem Teppich geblieben, ein sympathischer Kerl, der hoffentlich mit der dritten Platte DAS KILLERALBUM herausbringt.
Besucht Blaze auf der gut gemachten Seite: www.planetblaze.com

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