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13. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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UNDERTOW
Ohne Solos durch Japan
Thorsten Dietrich
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Wer in der heutigen Zeit des Melodic und Power Metal Overkills mal was ganz anderes hören will, ist bei Undertow goldrichtig. Ihr Gemisch aus Metal, Doom und HC, erinnert mich zwar an Crowbar, ist aber eigenständig genug um zu überzeugen.
Ich sprach mit Bassist Thomas Jentsch.

Hi!
Ich habe bis auf die Platte noch nix von Euch gehört. Erzähle doch mir und unseren Lesern Eure Bandgeschichte bis heute!

Also, uns gibt's seit ca. 1993. Anfangs kurz mit nem zweiten Gitarristen, die Besetzung
hat's aber nie auf ne Bühne geschafft. Die Trio-Form hat sich bewährt (passen mit
Equipment in ein Auto, bei demokratischen Entscheidungen nie patt, mehr Bier für die
einzelnen usw.) und so sind wir seither in der "klassischen" Dreierbesetzung am Start:
Joachim "Joschi" Baschin (Git./Voc.), Tom "UnderTOM" Jentsch (bass) und Oliver "Kuddel"
Rieger (Drums). Nach mehreren selbstproduzierten Demos kam dann vor ca. drei Jahren
die erste CD über Sub Zero / ZYX in die Läden. Das Label und der Vertrieb haben aber
nicht wirklich was für uns gearbeitet und so kommt die neue Platte am 10.6.2002 über
Silverdust / SPV raus. Nach dem letzten Album "Harm On E" haben wir den Drummer-
Posten neu besetzt, sonst aber konstant in der gleichen Besetzung.

Könnt Ihr mit der Bezeichnung "deutsche Crowbar mit variablerem Gesang" leben?

Können klar, wenn ich was an der Kategorisierung ändern könnte würd ich's
wahrscheinlich differenzierter sagen... Klar, wir mögen Crowbar, und zu sagen "Nöö,
kennen wir doch gar nicht, hört sich ja alles ganz anders an!" wäre ne Lüge, aber ich
denke, dass uns von Crowbar doch einiges unterscheidet. Manche Songs passen sicher
in dieselbe Schublade, andere wiederum hätte nie Platz auf nem Album der Jungs
gefunden. Wir gehen ein Stück melodischer zu Werke, das Hauptaugenmerk liegt auf
straighten und eingängigen Song- und Riff-Strukturen.

Wie kam es zu dem Beitrag von Crowbars Kirk Windstein auf der Platte?

Wir hatten das schon lange besprochen und geplant, ich kenn die Jungs seit 1994 (da
waren sie Support von Paradise Lost), auf der gemeinsamen Tour hat es dann geklappt und
wir haben in nem Keller von nem Club in Nürnberg mit nem digitalen Achtspurgerät
aufgenommen und das dann später im Studio integriert.

Euer Cover ist mal was anderes! Was ist da zu sehen?

Mal was anderes... das ist genau das, was wir beabsichtigt haben, cool, dass Du das
sagst... Es ist die zentrale Einheit (unit, unit E...) einer nuklearen Fusionsanlage. Das Bild
vermittelt sehr gut was einen auf der CD erwartet, es ist wuchtig, dunkel, fein gearbeitet
und besteht aus ner Menge Metall!!

Metall ist immer gut!
Habt Ihr die Triobesetzung bewusst gewählt, oder ist es Zufall? Seid Ihr da live nicht
eingeschränkt?

Einen Teil der Frage hab ich ja schon oben beantwortet. Wir haben anfangs nicht
gewusst, ob das live genug Druck machen würde und ob wir in der Besetzung weiter
machen werden. Die Bedenken haben sich aber schnell zerstreut, laut Zeugenaussagen
ist der Druck zur genüge vorhanden... Wir versuchen auch bei den Studioaufnahmen nicht
zu viel Gitarren vorzugaukeln, die dann live nicht in Erscheinung treten. Klar nimmt man im
Studio gern mal ein paar Spuren mehr auf, ich glaub aber, dass die CD einen gut auf nen
Live-Gig vorbereitet und dass den Leuten live auch nichts fehlen wird... Klappt natürlich
alles nur, wenn man nen Sänger hat der gleichzeitig noch Gitarre spielen kann und
umgekehrt...

Finde ich in Ordnung!
Mögt Ihr keine Solos?

Kann man so nicht sagen... Es gibt Bands, bei denen hört man, dass die Songs sich
homogen in den Song einpassen, dazugehören, von Innen kommen und somit sein müssen
(gutes Beispiel sind meiner Meinung nach da Alice in Chains), bei anderen Bands werden
nur Solis gespielt um zu zeigen, wie toll man frickeln kann oder weil zu nem Song eben ein
Solo gehört, das finde ich persönlich nun unnötig, denn gute Technik macht noch lange
keinen guten Song! Die schlimmsten Solis spielen meiner Meinung nach Slayer, die
Großteile der Band richtiggehend lieben, aber wenn die zu den Solis kommen, dann rollen
sich mir die Zehnägel auf...

Die dudeln schön!
Was hat Dich bewegt diese Band zu gründen?

Gegründet hab ich die Band nicht. Die Initiative ging da wohl vom Joschi aus. Der hatte mit
unserem ehemaligen zweiten Gitarristen ab und an ein bisschen gejammt und dann haben
sie eben Leute gesucht, die die Band komplett machen. Wir kannten uns aus ner Disco und
so standen wir bald in ner Waschküche und haben einfach mal angefangen...

Was sind Deine größten Faves?

Oh Mann, das ist nun ne schwierige Frage. Ich hör total verschiedene Musik (neben ner
Menge Metal auch HipHop, Pop, Instrumentales, Elektronisches und anderes wirres Zeug),
hab über 800 CDs daheim und tu mich echt schwer da was besonders hervorzuheben.
Meine Lieblings-CD im Moment ist die neue Sevendust, heisst Animosity und wurde aus mir
unerfindlichen Gründen in Europa immer noch nicht veröffentlicht. Von den Metal-Bands
die seit Jahren immer wieder im Player rotieren will ich nur mal ein paar nennen: Life of
Agony, Prong, Suicidal Tendencies, alte Metallica, Katatonia, Paradise Lost, Carcass,
Machine Head, Fields of the Nephilim, Neurosis, Danzig, Faith no more, Harmful, Fear
Factory, Nine Inch Nails, Forbidden, Death Angel, Deftones, Korn... und da fehlen jetzt
noch zig Bands! Bin also definitiv lost in music!

Ja! Sammler wie ich! (bis auf Hip Hop und so :)
Gerade in der heutigen Zeit werden Metzelcover kritisch beobachtet. Sollen Bands
diese nicht weglassen?

Schwieriges Thema. Ich hab nie verstanden, wie man von Gewaltbereitschaft bei
Jugendlichen auf ihren Medienkonsum schielen kann und da direkte kausale
Zusammenhänge herstellen kann. Wenn man mal die geschichtliche Komponente mit
einbezieht wird da nämlich keinesfalls ein Schuh draus! Neue Medien wurden seit
frühesten Zeiten verdammt, die alten Griechen haben z.B. vor der Schrift gewarnt, da man
dadurch angeblich schwach im Kopf wird, weil man weniger auswendig lernt usw. Mit
dem Buchdruck, Zeitschriften, Platten, Radio, Fernsehen, Video usw. war's nicht anders.
Im Mittelalter waren Hinrichtungen beliebte Volksfeste für Jung und Alt, d.h. da gab's dann
den Sonntagsausflug zur Vierteilung und mir sind mal keine Berichte bekannt, dass die
Kids damals dann munter Unschuldige gevierteilt haben oder sonst wie gestört waren...
Metzelcover waren seit jeher Hingucker und sollten Aufmerksamkeit erregen, Cannibal
Corpse und Carcass waren wohl die Meister des Genres. Ich persönlich finde, dass sich
das überholt hat. Mittlerweile werden Skandale provoziert und inszeniert, im Endeffekt
geht's nur darum Aufmerksamkeit zu erregen und somit Profit zu machen... Mir persönlich
ist so was zu platt, ich finde aber, dass die Leute doch machen sollen, was sie wollen,
solange sie niemanden damit schädigen. Bin mir sicher, dass bald Cover von
Schulmassakern oder brennenden Hochhäusern auftauchen... geschmacklos ist ein Wort,
das in diesem Zusammenhang natürlich nicht fehlen sollte.

Ja, es ist oft nur Publicity!
Wie wichtig sind Dir die einzelnen Texte?

Joschi und ich teilen uns die Texte. Ich finde Texte sehr wichtig, hab seit jeher wenn
möglich auch immer die Texte einer Band gelesen und manches mal hat mir ein schlechter,
platter oder dummer Text ne ganze Platte vermiest (z.B. bei Slayer oder Body Count).

Was ist ein Ziel mit der Band, das Du als realistisch einstufst?

Wir haben immer ne Politik der kleinen Schritte praktiziert, wir haben uns also immer
naheliegende Ziele gewählt. Zunächst also mal den ersten Auftritt, das erste Demo usw.
Realistisch ist jetzt schon ne ordentliche Tour, die werden wir zusammen mit End of Green
im Herbst machen. Cool wäre, wenn wir mit der Platte den Namen Undertow publik machen
könnten, ne breitere Basis schaffen für Auftritte, Festivals und die nächste Platte 2003.
Ach ja, ne Japan-Tour sollte doch auch drin sein... ;O)=

Mindestens!
Ist es Zeit für manche alten Helden abzutreten, bevor sie sich noch blamieren?

Da muss mit viel Fingerspitzengefühl agiert werden... Es gibt Leute, die sind einfach Kult,
die können noch in Jahren Platten machen und auftreten, Ozzy zum Beispiel. Bei anderen
Bands ist es bitter schade, dass sie sich aufgelöst haben, da man sie vielleicht persönlich
sehr geschätzt hat und sie auf der Höhe ihrer Kunst waren (für mich z.B. Psychotic Waltz,
Faith No More, Kyuss, Death Angel und Prong - obwohl's die ja wieder gibt, mal schauen
wie die jetzt klingen), andere Bands wiederum haben definitiv ein Album zu viel gemacht
und damit Kredit verspielt, Fear Factory z.B. hätten meiner Meinung nach lieber nach
Obsolete aufhören sollen und die letzte Machine Head war auch nicht so toll...

Da könntest Du Recht haben! Viel Glück mit der Band!

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