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16. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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SUSPERIA
Manchmal ist man überrascht
Thorsten Dietrich
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Zuerst waren Susperia nur als Band des ex- Dimmu Borgir Drummers Tjodalv bekannt, aber mit ihrem zweiten Album haben sie sich ihre eigene Identität erschaffen, etwas, dass während ihres ganzen Bestehens nicht schaffen. Sie nennen es schlicht und einfach Metal. Ich sprach mit Sänger Athera, einem freundlichen Menschen der einiges zu erzählen hatte, und sicher keinen Schrott!

Hi Athera!
Warum habt ihr seit der letzten Platte euren Stil verändert?

Das Wort „verändert“ passt nicht richtig. Es ist nicht so, dass wir uns nach dem ersten Album hingesetzt hätten und gesagt hätten, „Hey, wir müssen uns verändern und etwas anderes machen“, nein nein. Es ist vielleicht ein geringfügiger Stilwechsel, aber es ist immer noch Susperia, und wir dem Punkt, den wir erreichen wollen, näher gekommen als je zuvor. Hierhin wollten wir mit unserem musikalischen Ausdruck. Und man muss in Betrachtung ziehen, dass als wir anfingen fünf Leute zum ersten mal auf diesem Niveau zusammenarbeiteten. Wir hatten einen Majordeal mit einer großen Plattenfirma, die Möglichkeit im Abyss - Studio aufzunehmen und einen frühen Veröffentlichungstermin, also ging alles sehr schnell und brutal. Wenn fünf Leute das erste mal zusammenarbeiten kann man nie wissen was dabei herauskommt, man muss es einfach ausprobieren und sehen was passiert, wie das Ergebnis sein wird. Das Ergebnis war „Predominance“. Und wir bereuen es nicht, wir schämen und nicht für das Ergebnis. Es war der Sound und das Gefühl zu dieser Zeit. Und nun, das Wort ist nicht „Veränderung“ sondern viel mehr „Fortschritt“...wir fühlen uns als hätten wir die Dinge zum Guten „verändert“. Aber wir haben das nicht bewusst getan, es war eine natürliche Entwicklung, die von ganz allein kam. Wir haben einfach geprobt und neue Musik geschrieben, wie üblich. Natürlich hab ich meinen Gesang etwas verändert, aber es ging darum mein wahres Selbst und die Stimme, die ich eigentlich habe, mit der ich mich gut fühle und experimentiere, verstehst du? Anstelle des Standart – Black – Metal - Gesangs, den jeder kann. Ich wollte mich selbst erkunden und meine eigene, persönliche Stimme finden, einzigartig für mich, so dass die Leute erkennen, dass es Athera ist, wenn sie es hören. Es geht um die Herausforderung für uns als Musiker und die Herausforderung für euch alle als Hörer. Es gibt keinen Grund zehn neue „Predominance - Songs“ aufzunehmen, oder?

Ja, ich denke niemand braucht “Predominance Pt. II“.
Wie ist es möglich die Musik in einem Studio aufzunehmen und den Gesang in einem anderen? Du musst sehr gut vorbereitet gewesen sein?

Ja, wir haben uns wie die Hölle auf dieses Album vorbereitet. Nummer zwei ist sehr wichtig, weisst du, und es muss passen, wenn nicht sogar die Erwartungen des ersten Albums übertreffen. Wir haben folgendes getan; Uns wurde ein Monat Zeit im Studio gegeben. Das kann genug sein, aber auch ein wenig kurz, wenn du wirklich hart arbeiten willst um die perfekte Formel zu finden. Und da wir sowieso überlegt hatten einen Gesangsproduzenten anzustellen, der uns beim Prozess der Gesangsaufnahme helfen sollte, dachten wir; Warum nehmen wir nicht in zwei Studios gleichzeitig auf, um Zeit zu sparen?! Der Gesangsproduzent hatte sein eigenes Studio in Oslo/Norwegen, nur zehn Minuten von meinem Haus entfernt, es war perfekt. So gingen wir Anfang November alle ins Abyss / Schweden um mit den Schlagzeugaufnahmen anzufangen. Nach einer Woche waren von vier Songs die Schlagzeugspuren aufgenommen. Cyrus nahm eine vorläufige Gitarrenspur für diese vier Songs auf, außerdem haben wir einen „click track“ dazugepackt. Ich nahm eine Kopie dieses ADAT-Bandes mit nach Norwegen, wo wir in den BBM Studios mit den Gesangsaufnahmen begannen. Während ich an diesen vier Songs arbeitete, nahm Tjodalv in Schweden die weiteren Schlagzeugspuren auf und Cyrus spielte vorläufige Gitarrenspuren auf das Band. Es wurde wieder ein „click track“ darüber gespielt, um sicher zu sein, dass für das Endergebnis alles synchron ist. Elvorn fuhr mit dem Band von Schweden nach Norwegen und kam gegen Ende November in die BBM Studios, so dass ich genau rechtzeitig weiter einsingen konnte, da ich in der Zwischenzeit die anderen vier Songs fertig hatte. Als alle zehn Songs gesangstechnisch fertig waren nahm ich das Band und ging zum Abyss zum ersten Abmischen. Nachdem die Schlagzeugspuren zugrundegelegt werden, hast du den Bass, vier bis sechs Gitarrenspuren und das aufeinander Abstimmen: Kurz gesagt, ich nahm alle Gesangspuren gleichzeitig in einem anderen Studio auf. So konnten wir den Instrumentalaufnahmen mehr Zeit widmen. Und ich konnte mich volle drei Wochen auf die Gesangsaufnahmen konzentrieren, anstatt, wie normal, eine stressige Woche am Ende der gegebenen Studiozeit. Das wurde zu einer Methode, von der viele andere Bands begeistert waren und sie nun auch selbst ausprobieren möchten. Also muss es irgendwie gut gewesen sein...

Für mich klingt es etwas seltsam an verschiedenen Orten aufzunehmen, aber es scheint auf eurer Platte und auch bei anderen Bands zu passen, die Technik entwickelt sich eben!
Warum benutzt ihr diese Pseudonyme?

Ich habe vorher nie ein Pseudonym benutzt. Nicht bevor ich bei Susperia eingestiegen bin. Tjodalv verliess Dimmu Borgir, behielt sein Pseudonym und wollte es auch weiterhin benutzen, also dachten wir entweder jeder von uns benutzt eins oder niemand. Und da wir sowieso sehr un-internationale, typisch norwegische Namen haben, die für Ausländer schwer auszusprechen sind, haben wir entschieden einfache Künstlernamen zu benutzen, die man sich leichter merken kann. Einfachheit ist manchmal die Lösung eines Problems...

Ha, das stimmt, manche Pseudonyme und Namen sind wirklich schwer auszusprechen.
Das Cover sieht etwas nach Hypocrisy oder dem letzten Warrior Album aus. Was bedeutet dieser Teufel / Alien Embryo?

Jetzt wo du es sagst, es ähnelt wirklich dem letzten Warrior Album! Darüber habe ich noch nie nachgedacht.

Aber das Susperia Cover hat eine bessere Qualität.

Und ich schätze die Hypocrisy - Ähnlichkeit kommt von diesem ganzen Alien – Look - Ding, Ich weiss was du meinst. Aber wir haben den selben Designer engagiert wie auf dem „Predominance“-Album und wir haben ihm die Freiheit zu geben zu tun was er will. Er führte uns sein Material vor, wir haben noch zusammen ein bisschen daran gearbeitet, und das Ergebnis war das, was man heute sieht. Was uns dieses Cover wählen lies war die Tatsache, dass der ungeborene Fötus uns alle als Ungeborene repräsentiert. Und mit der Benutzung einiger typischen Metal - Symbole, in diesem Fall der Teufelshörner, konnte diese Kreatur uns als Band repräsentieren. Ein ungeborenes Metalkind, fertig um rauszukommen und euch in den Arsch zu treten. Außerdem besteht auch eine Verbindung zu dem Titel „Vindication“, der soviel wie „rechtfertigen“ bedeutet.

Besser als dieser satanische Kindergarten einiger anderer Bands!
Seit ihr gut mit Produzent Peter Tägtgren befreundet? Wird er auch das nächste Album produzieren?

Wir und Peter sind sehr enge Freunde geworden. Nach den Predominance - Aufnahmen im Jahr 2000 haben wir eine enge Verbindung zu ihm aufgebaut, die auch Bestand hatte, und es war ein Genuss zurückzugehen und zum zweiten Mal mit ihm und Lars zusammenzuarbeiten, man fühlte sich irgendwie „zuhause“. Peter ist nicht nur ein sehr professioneller Produzent, sondern auch ein guter Freund, der alles versteht, was mit Metal zu tun hat. Da er allerdings sein Studio jetzt auf unbestimmte Zeit geschlossen hat, wissen wir nicht ob wir das nächste Mal mit ihm zusammenarbeiten werden. Es wäre sehr schön, allerdings ist das wohl abhängig von unserem Budget und der Tatsache, ob er verfügbar ist oder nicht.

Es gilt abzuwarten, ob Pain weltweit erfolgreich sind...
Wie denkst du über die heutige europäische Szene? Gibt es nicht zu viele Veröffentlichungen?

Eigentlich schon. Es gibt zu viele Veröffentlichungen. Es scheint fast so, als könne jede Band irgendwo einen Plattenvertrag kriegen und irgendwie auf den Markt geworfen werden. Und es schadet nur dem Geschäft.

Das stimmt, so denke ich auch.

Ich muss ehrlich sein und sagen, dass heutzutage in der Musikszene viel Scheisse umhergeht, und das schadet nur den ehrlichen und hart arbeiten Bands. Wenn es zu viel gibt, bekommen die guten Bands nicht die verdiente Aufmerksamkeit, weil zu viele Bands und Plattenfirmen gibt, die danach schreien gehört und besprochen zu werden, so kann man viele gute Bands in diesem Meer von Metal leicht übersehen. Es sollte mehr sein wie in den Achtzigern, als nur die guten Bands es wirklich geschafft haben und es nur eine große Metal Gemeinde gab, anstatt den dummen „Kriegen“ heutzutage, mit der „under“ oder „overground“ Szene, dem wahren Black Metal hier und den falschen Black Metal da Mist. Metal ist Metal, mögen die überleben, denen es wirklich etwas bedeutet. Ich will damit nicht sagen, dass wir unter den Besten sind, aber wir arbeiten uns wirklich den Arsch ab!

Wenn ich die Platte höre und dieses Interview lese glaube ich euch, euch bedeutet die Musik viel. Dieser Genrekrieg in der Metalszene muss aufhören. Unity!
Was sind eure Einflüsse? Filme, oder andere Bands, die euch inspirieren?

Meine persönlichen Einflüsse sind Testament und Manowar. Ich begann diese Bands zu hören als ich Elf oder Zwölf war und sie begleiteten mich durch meine Jugend. Emotional und manchmal leicht textlich bin ich von Horrorfilmen beeinflusst. Ich habe eine riesige Sammlung von 600-700 Horrorfilmen, die mich in meinen jungen Jahren geschockt haben und es noch immer tun. Horrorgeschichten und Metal, darum geht es mir!

Dann haben wir einiges gemeinsam, dieses Bands waren auch einige meiner ersten Einflüsse, und ich liebe diese Filme.
Ich habe gelesen, dass es sein kann, dass euer Song „Bounty hunter“ als Titeltrack des gleichnamigen PS2-Spiels veröffentlicht wird. Ist das hundertprozentig sicher?

Es ist hundertprozentig sicher, dass wir einen Vertrag für dieses Spiel haben, aber wie weit das geht und worum es genau geht kann man so früh noch nicht sagen. Was sie uns bereits gesagt haben ist, dass sie den unseren Song „The bounty hunter“ als Soundtrack für das gleichnamige Spiel benutzen werden und außerdem unsere Musik in verschiedenen Teilen des Spieles einbauen werden. Ziemlich nett! Eine interessante Kooperation an der wir in naher Zukunft viel arbeiten werden.

Ich glaube ich habe die Xbox-Version gesehen, aber ich bin nicht sicher. Das Spiel sah aber gut aus. Bist du ein Fan von Spielkonsolen oder bevorzugst du einen PC?

Ich bin ein großer Plasystation - Fan. Ich mag unter anderem Spiele wie Resident Evil, Tomb Raider und Silent Hill, aber ich weiss, dass. Memnock und Cyrus sich mehr für PC-Spielen interessieren. Es ist eine Frage des Geschmacks, weil man im ganzen Konsolendschungel viele ähnliche Spiele findet. Aber in meinen Augen geht nichts über die diese ganzen „Shoot ´em up“-Multiplayerspiele auf der Playstation, wo man seine Freunde für eine ordentliche Runde Gemetzel herausfordern kann!! Spass.

Das sind auch meine Lieblingsspiele! Besonders Resident Evil, aber ich mag auch Alone in the dark IV! Ich denke der PC ist besser für Strategiespiele, wie Warcraft III.
Ist Metal für dich eine Lebenseinstellung oder nur Musik?

Beides. Aber definitiv ein Lebensweg. Ich habe entschlossen diesen Weg zu gehen, als ich mein Herz in den frühen Jahren meines Lebens an den Metal verlor, und ich bin glücklich mit dieser Entscheidung. Denn wenn ich mich umblicke sehen ich nur Verderben, und unzufriedene, unglückliche Leute, die ihrem hohlen, langweiligen und frustrierenden Leben ohne irgendeinen Sinn oder irgendein Ziel nachgehen. Ich bin glücklich, dass ich den Weg des Metals gewählt habe, wo die Metalgemeinde zusammen steht und man seine Aggression in einer positiven Art und Weise teilen kann, indem man einfach nur zusammen headbangt.

So war es auch für mich, Mann, wir haben so viel gemeinsam, ich kann´s kaum glauben.
Welches Ziel willst du mit Susperia erreichen?

Das ultimative Ziel...der Punkt, an dem wir das Fundament erreicht haben um auf ewig weiter zu machen. Wenn wir von der Musik leben können. Wenn wir unabhängig von normalen Scheissjobs überleben können. 100 Prozent Susperia Tag ein, Tag aus, das ist unser ultimativer Traum. Einfach nur Musik machen, um die ganze Welt touren, Leute treffen mit denen man etwas gemeinsam hat, und für sie jeden Abend auf der Bühne spielen, das ist, was wir wollen. Alben aufnehmen, solange wir können, den Metal leben und ihn mit den vier besten Freunden in meinem Leben, mit Susperia, teilen, das ist mein Ziel.

Ich hoffe ihr erreicht das.
Sind deine Eltern und deine Freunde stolz auf dich?

Verdammt ja! Von damals an, als sie ihren Essenstellern über den Tisch nachjagen mussten, weil im Keller so massiv geprobt wurde, bis heute, wo sie sehen das ich etwas erreicht habe und sich die Mühe gelohnt hat, haben sie mich unterstützt und ich danke ihnen dafür! „Folge deinen Träumen und sie werden zu dir kommen“ hat mir mein Vater einst gesagt. Hier bin ich heute...natürlich haben viele meiner Freunde bezweifelt, dass das Ganze irgendwohin führen würde, aber wer lacht jetzt, hä??? Es ist so cool die Leute heute wieder zu treffen, die in der Vergangenheit gezweifelt und Scheisse über meinen Lebensweg geredet haben, und ihnen auf die Frage wie es geht zu antworten: guuuuuuuuut...Haha, ihre Kinnladen klappen runter, VINDICATION!!! Die meisten meiner wirklichen Freunde haben mich immer unterstützt und sind froh, dass wir endlich Fortschritt und Erfolg mit dem haben, was wir so viele Jahre getan haben. Ich habe viel dafür geopfert...

Es freut mich das zu hören.
Glaubst du dass extremer Metal von der Gesellschaft in der Zukunft so geehrt wird, wie Dinos wie Ozzy heute?

Ich hoffe es. Die heutige Metalszene wird auch Ikonen wie Ozzy hervorbringen. Ich denke die Gesellschaft wird immer ein Auge auf die Musikszene haben, weil sie sie irgendwie fasziniert. Es sagt viel aus, wenn die Osbournes Show auf MTV ihre Show mit den höchsten Einschaltquoten in der Geschichte des Senders ist. Metal beeindruckt Leute, Jugendrebellion oder nicht, wir werden immer überleben.

Vielleicht gibt es in 20 Jahren ja eine Soap, die „The Tägtgrens“ oder „The Hetfield“ heisst, wer weiss!
Möchtest du irgendwelche letzten Worte sagen?

Ich möchte mich für dein Interesse an Susperia bedanken und alle Leser dieses Interviews ermutigen die Alben von Susperia einmal anzuhören, falls sie das noch nicht getan haben. Ich denke wir haben dem Metalpublikum etwas zu bieten, nicht nur in eine Ecke einer Szene wie Black, Thrash, Death, Power, Goth, Doom etc. deutend, sondern einfach nur Metal, in dem jeder irgendetwas finden kann, was er mag. Versucht es!! Wir sehen euch irgendwann, irgendwo da draußen... Suspserian hailz and greetings.

Ich bin kein Freund großartiger Werbung, aber der Typ hat Recht, das Album tritt Arsch. Hört es euch an! Danke für dieses riesige Interview und alles Gute für die Zukunft.

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