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23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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SOLEMNITY
Dicke Liveshow mit US Metal Axt
Thorsten Dietrich
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Die Newcomer Solemnity waren nicht nur mein schnellstes Interview noch vor Mat Sinner & Co. Nein sie haben auch noch richtig ausführliche Antworten gegeben, was mancher Newcomer nicht kann. Wow! Hut ab! Das wichtige: Der US Metal mit tollen Riffs und ohne Keyboard, dafür mit Eigenständigkeit weiß zu gefallen. Sänger Sven The Axe gab nett Auskunft!

Hi Sven!
Tolle Platte, wie kamt ihr an das Ken Kelly Cover?

Ich kenne Ken Kelly schon recht lange, also als Künstler, und habe ihn schon vor seinen bahnbrechenden Arbeiten für KISS oder Manowar verehrt. Es war nicht ganz leicht den Kontakt zu ihm herzustellen und auch nicht billig für eine Band ohne Deal ein Bild von ihm zu erwerben, aber ich habe mir damit einen Wunschtraum erfüllt und das rechtfertigt schon einiges. Außerdem liebe ich dieses Motiv!

Erzähl doch mal was zur Bandgeschichte!

Solemnity war ursprünglich das Projekt von Adrian, Christian und Andy, die aber keinen Sänger fanden. Ich kannte Adrian noch aus der Schulzeit, wo er aber noch keinen Metal hörte und wir uns deshalb wohl zwar verstanden aber keine innigen Freunde waren. Wie durch einen Zufall traf ich ihn anno´98 bei einem Red To Grey Konzert und wir kamen darauf, dass er jetzt eine Metal Band am Start hatte und verzweifelt einen Sänger suchte. Das Schicksal nahm seinen Lauf und bewies mal wieder, dass man sich immer zweimal im Leben trifft. Wir Vier rauften uns zusammen und spielten nach ein paar Monaten unsere ersten zwei Gigs, davon einer sogar als Opener mit Metal Church, welcher aber durch ein ziemliches Mobbing des Tourmanagers zu unserem größten Desaster avancierte. Egal, ein paar Monate später, wohl aus dem Experimentieren heraus sehnten wir uns innig nach einem zweiten Gitarristen und fanden in Marcel einen trinkfesten Mitstreiter der einfach fabelhaft zu uns passte. Mehrere Gigs mit Sacred Steel, Wizard, Ligeia und vielen anderen folgten bis wir uns letztendlich daran machten unser Debut selbst aufzunehmen, da die hiesigen Plattenfirmen uns mit ihrer Ignoranz gestraft haben. Dieses Unterfangen verschlang sogleich auch 2001 um der Platte all das mit auf den Weg zu geben, was sie jetzt ausmacht. Solemnity hat ein Livekonzept zu Grunde, das auf altmodisches Entertainment baut, was ja viel zu lange gerade im Metal-Bereich vernachlässigt wurde. Es war immer mein Wunsch eine eigene Band zu haben, die erstens geile Musik macht und zweitens sich live deutlich von allem abhebt was man sonst vielleicht kennt und ich denke, dass uns das gelungen ist.

Du machst vieles selbst; Produktion (ist echt o.k.) und Layout, war das eine Notlösung (sprich Geld), oder denkst Du mit Profis hätte man mehr aus der Platte herauskitzeln können?

Ich habe mal eine Ausbildung zum Toningenieur gemacht und deshalb wusste ich genau was ich für eine Produktion wollte. Eine druckvolle 80er Jahre Produktion sollte es sein und kein dünnes Hammerfall oder Stratovarius Scheiblettchen, das durch Radiotauglichkeit brilliert, sondern die Boxen auf dem heimischen Kamin zum Beben bringt. Ich denke auch, dass das Layout super geworden ist - was hilft mir ein überbezahlter Profi, dem das Endergebnis quasi egal ist, wenn ich nächtelang mein Herzblut versuche einzubringen. Natürlich verfüge ich nicht über das gleiche Equipmentpotential, aber ich denke ich habe ein gutes Gespür für etwas, das mich anspricht oder abstößt und so wollte ich nicht nur aus Kostengründen die Fäden bis zuletzt in den Händen behalten. Dass mir dieser Part wirklich wichtig ist wird durch die Tatsache untermauert, dass wir in unserem Plattenvertrag eine Klausel haben einschreiben lassen, die besagt, dass wir zu 100% alle Layouts selbst machen oder absegnen müssen. Perfektion ist in meinen Augen Ehrensache!

Bitte erzähle was zu den Texten! Ich finde es gut, dass nicht nur Steel, "metal" und "die!" darin vorkommen!

Mich inspiriert das Leben, Erfahrungen, Filme, Emotionen, alles. Starke Gefühle (Liebe, Hass, Sehnsucht, Schmerz,...) liefern die besten Vorlagen für Geschichten und diese lasse ich in meine Texte einfließen. Es gibt viel zwischen den Zeilen in meinen Songs auch wenn die wenigsten je den Schlüssel hierzu finden werden. Es ist meine Art Songs zu schreiben und ich denke, dass Klischees eine feine Sache sind, nur sollte unter der Oberfläche auch etwas Substanz zu finden sein - zumindest wenn man danach suchen will, sollte man auch fündig werden.

Du dankst Dee Snider und Alice Cooper für Inspiration, ich lese was von Bühnenshow, was gibt es da zu erwarten, geköpfte Leute, Fleisch?

Ich finde es schon super, dass die Frage nicht anfängt mit: "Fühlst du dich von XY besonders beeinflusst...?" Nein, im Ernst, in den 90ern ist doch der Showfaktor bei Konzerten gen Null entschwunden und kaum eine Band bietet dem Fan noch etwas fürs Auge, oder? Dee Snider stand immer für Agilität bis zum Umfallen und Alice Cooper war seit jeher der Garant für eine spannende Live-Show. Ob Kiss, Twisted Sister, Lizzy Borden, Death SS, oder wer auch immer - jede Band die Showelemente verwendet hat früher oder später bei Cooper abgekupfert, da er alles gemacht hat was man auf einer Bühne darbringen kann. Solemnity will livetechnisch genau diese längs vergessenen Elemente wieder zum Leben erwecken. Bei uns gibt es Henker, Vampire, Knochen, Tonnen von Kunstblut, Äxte, brennende Schwerter und Unmengen an Pyros. Wir bieten dem metallischen Auge alles was es begehrt und in unseren Möglichkeiten steht. Solemnity ist Entertainment und verbindet Heavy Horror Metal mit einer energiegeladenen Live-Performance die in der Tradition eben solcher Acts wie oben erwähnt steht.

Bist Du damit einverstanden, wenn man euch als deutsche US Metalband bezeichnet? Was sind denn Deine Einflüsse?

Damit kann ich sehr gut leben, da ich es nie darauf angelegt habe, als eine Millionen und erste Teutonenkapelle bezeichnet zu werden. Meine Einflüsse liegen recht breit gefächert. Prinzipiell alles, was man so als Hard n´ Heavy bezeichnet, allerdings im traditionellen Sinne. Natürlich haben mich auch deutsche Bands wie Running Wild, Stormwitch, die frühen Blind Guardian und andere geprägt, aber Acts wie Manilla Road, Cirith Ungol oder Death SS, die mehr dem Untergrund entspringen, waren seit jeher meine Faves.

Was plant ihr für Konzerte, Festivals außer Wacken?

Wir würden gerne in Wacken spielen, aber auf diese Art von Festivals musst du dich einkaufen und da fehlen uns die Mittel. Überhaupt ist Deutschland zu einem "Pay To Play" Land verkommen. Selbst wenn wir irgendwo im Vorprogramm spielen könnten dürften wir wahrscheinlich nicht unsere Show anbringen, da der Mainact Angst vor einer Bloßstellung hätte. Deshalb spielen wir lieber handverlesene Einzelgigs, aber auch da gibt es kaum noch Veranstalter, die einen Newcomer buchen wollen. Ein Teufelskreis!?

Schade!
Warum nennst Du Dich Sven The Axe, rennst Du gerne mit ner Axt herum? Oder wegen der Liveshow?

Nach unserem ersten Konzert sind die Leute zu mir gekommen und haben gesagt "Du warst doch der mit der Axt" und Wochen später bei Gigs anderer Bands grüssten mich Wildfremde mit "Ah, die Axt ist wieder da!". Es wurde zu meinen zweiten Rufnamen und einem herrlichen Synonym wie ich meine...

Wie kamt ihr immer an die Konzerte mit Bands wie Metal Church oder Angel Dust u.a.?

Zufall, wie es eben in diesem Business so ist, wobei ich auf den Gig mit Metal Church nicht besonders stolz bin, da er zu unserem größten Fiasko avancierte und ich heute noch Überzeugungsarbeit leisten muss, dass wir gar nicht so schlecht sind wie man einst bei diesem Gig vermuten durfte. Der Tourmanager und so ne Nase von Thunderhead hatten wohl Angst vor uns und deshalb mobbten sie uns wo es ging. Die haben sogar Seifenlauge auf der Bühne ausgebracht nur um uns alt aussehen zu lassen. Kein Monitorsound, das Schlagzeug wurde nicht mal abgenommen, absichtliche Feedbacks aus den Sidefills, keine Show oder Pyros und fünf Minuten vor Auftritt überhaupt erst zum Equipmentaufbau auf die Bühne. Kein Soundcheck und nicht mal ein Linecheck. Danke!!! Das ist brüderliches Verhalten...

Was ist das mit diesem Hiddentrack, einfach Nonsens? Oder habe ich den net kapiert? Den Gag mit 666 habe ich schon geschnallt.

Wir hatten noch 45 Minuten Restzeit im Studio und es stellte sich die Frage ob es möglich wäre einen kompletten Song "first take" ein zuspielen, zu mischen und fertig zustellen. Als wir die Ratschen und Tröten in einer Ecke fanden war diese Schnapsidee perfektioniert und gaben wir unser Schlechtestes um uns selbst zu covern... Ich finde es trotzdem genial und deshalb wollten wir es unbedingt mit auf die Scheibe nehmen.


Na ja, wenn man mit Humor sieht, den Metaller haben sollten und Nerven! Danke und viel Glück mit Auftritten!

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