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17. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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SOILWORK
Weg vom Melodic Schwedentot
Thorsten Dietrich
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Die Entwicklng von Soilwork ist krass. Hatte ich sie frher wegen kleiner Labels nie im Blickfeld, dachte ich spter sie wren nur eine der In Flames Nachzgler! Doch schon mit dem Hammeralbum "Natural Born Chaos entdeckte ich, dass Soilwork nicht in diese Schublade passen und die Grenzen des Genres locker sprengen. Ich sprach mit dem gut aufgelegten Gitarristen Peter.


Hi Peter!
Ich finde, dass SOILWORK Alben beim Anhren stetig wachsen und dass es schon einige Unterschiede zwischen "Natural Born Chaos" und "Figure Number Five" gibt, wo siehst Du selbst den grten Unterschied?

Ich denke das neue ist ein wenig kompakter und spontaner, "Natural Born Chaos" war da irgendwie geplanter, auch was die Produktion und die Art unseres Spiels angeht. Der Sound von "Figure Number Five" ist roher und mit mehr Kanten versehen, was die Sache meiner Meinung nach kraftvoller macht.

Seid ihr denn mit der Arbeit von Devin Townsend beim letzten Album zufrieden? Ich finde, er hat seine Arbeit gut gemacht!

Ja, wir sind sehr zufrieden! Wir wollten eigentlich auch, dass er das neue Album produziert, aber er hatte zu viel um die Ohren und so war es schon eine Herausforderung fr uns, das Album selbst zu produzieren. Aber er hat uns viel beigebracht, das wir jetzt selbst im Studio anwenden knnen.

Wie habt ihr denn berhaupt die Zeit fr die Aufnahmen gefunden? Ihr wart das letzte Jahr doch ganz schn mit Touren beschftigt, oder?

Ja, die waren nicht gerade kurz. Aber wir haben uns gesagt, wir schreiben immer dann an neuen Stcken, wenn wir grade mal eine Pause haben. Also haben wir in dieser Zeit auch viel Musik zwischen den einzelnen Touren geschrieben. Das ist der Grund, warum wir alles auch so schnell machen konnten.

Natural Born Chaos

Ihr seid also Workaholics?

Haha, beinahe!

Ihr seid also keine der Bands, die auf Tour die ganze Zeit mit Saufen beschftigt sind? Eher so die Arbeiter?

Fast. Nur wrde ich nicht so weit gehen zu sagen, dass wir die ganze Zeit ber nchtern waren, da msste ich lgen. Wir trinken da schon ne ganze Menge, aber wenn wir wieder zuhause sind, wird das auch wieder zurckgeschraubt. Es hilft auf Tour aber auch die Zeit totzuschlagen, immerhin ist das 90% Warten und nur 10% Spielen.

Okay! Was ist denn die Bedeutung des Cover-Artworks, sieht ziemlich dunkel aus im Vergleich zum Vorgnger!

Wir wollten dieses Mal kein weies Cover haben, weil es so aussah, dass viele das ebenfalls gemacht haben, nachdem wir eins hatten. Wir wollten etwas anderes haben und haben auch darber gesprochen, ein graues oder schwarzes zu machen. Das hat sich halt einfach so ergeben, das wir jetzt ein schwarzes haben. Es ist aber nicht so, dass es irgendwie mit dem Titel verknpft wre, es ist mehr ein Artwork, das sofort ins Auge fllt, auch weil wir da dieses Symbol eingebaut haben. Es hat einen eher knstlerischen Anspruch und hat keine tiefere Bedeutung.

Figure Number Five

Und hat der Titel "Figure Number Five" einen tieferen Sinn, mal davon abgesehen, dass es das fnfte Album ist?

Ja, ich kann dir sagen, was Bjrn (Strid, voc. -Anm.v.NDK) sich dabei gedacht hat und was die "Figure Number Five" eigentlich ist: Das Hauptthema dieses Albums ist der Kampf des Unschuldigen mit der Gesellschaft. Die Opfer, die immer und immer wieder von den Regierungen zerstrt werden. Das Album ist im allgemeinen ein Tribut an die "Figure Number Five" oder an die Leute, die immer beiseite treten mssen, weil sie in der heutigen Gesellschaft nichts wert sind. Es ist ein Tribut an die Minderheiten in der Gesellschaft.

Also seid ihr eine Band mit einer politischen Aussage?

Eher sozial wrde ich sagen, nicht wirklich politisch. Ich finde, dass die gesamte Metal-Szene so eine Art von Minderheit stellt, im Vergleich zu anderen Musik-Stilen. Die CD ist auch eine Hommage an alle, die etwas anderes machen als der Mainstream und genau diesen Leuten gewidmet.

Glaubst du, dass eure Fans sich fr eure Texte interessieren? Bekommt ihr da Feedback, zum Beispiel ber eure Website?

Ja, die ganze Zeit! Besonders von den Amerikanern, in Europa scheint das nicht so eine groe Bedeutung zu haben, weil es hier eher um die Musik geht. Aber in Amerika scheint das wichtiger zu sein, weil sie sowohl die Musik als auch die Texte fr sehr wichtig halten. Es ist schwer, da von Land zu Land zu unterscheiden, aber wir bekommen definitiv viel Feedback aus Amerika.

Amerika ist ein gutes Stichwort. Ihr scheint eine der Bands zu sein, die da ihre Chance bekommen, warum glaubst du, werdet ihr da so gut aufgenommen?

Keine Ahnung, ich denke IN FLAMES waren die ersten, die da so richtig Erfolg hatten und damit den Weg fr viele andere europische und damit auch schwedische Bands geebnet haben. Tatschlich scheinen auch immer mehr der Hardcore-Fans von dort mit dieser Musik was anfangen zu knnen, das ist schon ziemlich cool. Das ist schon eine groe Sache, du gehst zu den Shows und die meisten Leute sind es nur gewohnt, sich MADBALL und BIOHAZARD und so was reinzuziehen. Diese Fans sind eher im Hardcore verwurzelt, tendieren aber anscheinend dazu, auch mal was anderes zu hren. Das ist cool, auch wenn es mehr der Melodic Metal Stil ist, den es ja auch in Deutschland und Schweden gibt.

Dann habt ihr in den Staaten ein ganz anderes Publikum, als hier in Europa, oder?

Ja, das Hardcore-Publikum ist nicht gerade dafr bekannt, ein ruhiges und leises Publikum zu sein. Die sind komplett verrckt. Das ist manchmal fast erschreckend, wenn die da vor der Bhne anfangen zu kmpfen. Aber das ist deren Art zu zeigen, dass sie die Musik mgen, mit diesen Moshpits und so. So wie man das in den SICK OF IT ALL Videos sehen kann, wenn wir spielen, passiert genau das gleiche!

Also ich muss sagen, wenn ich auf ein Hardcore-Konzert gehe, gehe ich nicht in die erste Reihe!

Nein, ich auch nicht, haha!

Okay, ich habe gelesen, dass ihr ein Video zum Opener "Rejection Role" gemacht habt! Ist das schon fertig und was kann man da sehen?

Soilwork

Das ist fertig, ja. Es ist ein Video zusammen mit IN FLAMES. Weil wir immer mit ihnen verglichen werden und wir wollten das ein fr alle Mal beenden. Sie haben ein Video zu ihrem Song "Trigger" gemacht und wir eben zu "Rejection Role". Wenn wir da spielen kommen sie ins Publikum und zeigen mit dem Finger auf uns. In ihrem Video ist es dasselbe, wenn sie spielen kommen wir ins Publikum und machen dasselbe! Das ist halt ein bisschen Spa und ich denke, dass die Fans das auch als solchen hinnehmen werden. Ich finde nmlich, dass nicht jedes Video so extrem ernst gemacht und genommen werden sollte, das hier ist lustig, weil wir auch sonst lustige Typen sind.

Coole Idee! Und das passt dann auch sehr gut zu meiner nchsten Frage: In der Vergangenheit gab es ja einige Verleiche mit IN FLAMES, aber sptestens seit dem letzten Album habt ihr euch euren eigenen Sound geschaffen. Denkst du, dass ihr mittlerweile den Respekt der Fans habt oder gibt es diese langweiligen Vergleiche nach wie vor?

Nein, nicht mehr. Ich bin da sehr berrascht, denn viele Leute haben mir gesagt, dass das neue Album sich einfach nach SOILWORK anhrt. Und dass es keine Zweifel gebe, dass das unsere Band sei. Fr meinen Teil ist das das beste Kompliment, das wir bekommen knnen.

Ich finde auch, dass die Stimme von Speed (a.k.a. Bjrn Strid -Anm.v.NDK) jetzt anders ist. Er gibt den unterschiedlichen Songs ihre eigenen Identitt. Meiner Meinung nach war das immer so ein Problem des Melodic Death Metals, auch wenn ich den sehr mag: Die Songs haben sich oft sehr hnlich angehrt, wegen der Stimme.

Ja, finde ich auch. Man muss schon auf die Vocals achten, um sich nicht wie alles andere anzuhren. Ich bin sehr froh darber, dass wir eine der ersten Bands in diesem Genre waren, die mit den melodischen Vocals gearbeitet haben und damit ihren eigenen Sound geschaffen haben.

Wie sieht es denn mit dem Song "Departure Plan" aus, das ist ja fast schon eine Ballade mit Gothic-Einflssen. Glaubst du, dass das Stck ein paar Leute berrascht hat?

Definitiv! Ich glaube allerdings nicht, dass es von den Leute als Halb-Ballade oder so abgetan wird, weil der Chorus sehr kraftvoll ist, wenn du weit was ich meine. Es ist so eine Art Break in der Mitte des Albums. Wenn man ihn ans Ende setzen wrde, wre das etwas anderes, aber so in der Mitte ist das eher wie eine Verschnaufpause nach den ersten fnf Liedern. Das ist so mit der Grund, warum wir den Song in der Mitte plaziert haben. Da wird es kurz etwas softer, um danach wieder hrter zu werden, so kann man die CD hoffentlich auch gut in einem Durchlauf hren. Aber ich sollte dazu sagen, dass dieses Album absichtlich so gemacht ist, dass es wchst. Beim ersten Durchlauf haben viele noch etwas skeptisch reagiert, aber nach mehreren Durchlufen haben sie dann verstanden, was wir eigentlich bezwecken. Denn ich finde, dass Alben, die einem schon beim ersten Mal super reingehen schnell langweilig werden und man sie schon nach kurzer Zeit nicht mehr hren kann. Das ist bei unserem Album eben anders, jedes Mal, wenn du es hrst, kannst du neue Sachen entdecken,was die Sache interessanter macht!

Das hat mir gestern auch ein Kollege gestanden, der letztes Jahr ein Review zu "Natural Born Chaos" geschrieben hatte. Er meinte auch, dass er dem Album im Nachhinein, nachdem er es fter gehrt hatte, eine bessere Note gegeben htte, eben weil es wchst.

Das ist sehr gut, ich sehe das nicht als schlecht an.

Hchstens schlecht fr Nuclear Blast, die wollen ihre CDs ja schlielich verkaufen, haha!
Aber ich stimme dir zu, "wachsende" Alben bevorzuge ich auf jeden Fall denen, die nur aus vermeintlichen Ohrwrmern bestehen.

Eben! Bei mir ist das zum Beispiel bei OPETH so: Am Anfang war ich da auch leicht verwirrt, aber etwas spter war das echt cool. Man findet die ganze Zeit ber neue Sachen, tolle Band!

Soilwork

Auf jeden Fall!
Wie wrdest du euren Stil jemandem beschreiben, der SOILWORK nicht kennt?

Hm, ich denke als extreme Musik mit einem weichen Kern. Es ist ein Mix, manchmal vielleicht etwas schizophren. Denn obwohl ein Lied sehr hart sein kann, so kann es sich doch in etwas vllig anderes verwandeln. Etwas sehr schnes. Zum Beispiel durch einen griffigen Chorus, eine Melodie oder so etwas. Und genauso wollen wir das auch beibehalten. Wir knnten natrlich auch Musik machen, die die ganze Zeit ber soft ist, aber das wre dann zu sehr Easy Listening.

Denkst du, dass ihr eine Band seid, deren Fanbasis sich ber viele verschieden Genres erstreckt und nicht nur auf eines beschrnkt ist?

Das hoffe ich doch! Das war immer unser Ziel, wir wollten immer Musik machen, die unterschiedlichste Metalheads anspricht. Und ich finde, dass das neue Album diesen Anspruch wirklich untermauert. Viele Leute knnten sich damit anfreunden, auch wenn man ein Power-Metal-Freak ist oder eher auf alternative Musik oder Death Metal abfhrt. Vielleicht hilft das, einige Leute mehr open minded werden zu lassen, damit sie sich mehr als eine Musikrichtung anhren.

Glaubst du, dass eurer persnlicher Musikgeschmack sich gendert hat, oder hrt ich euch nach wie vor das an, was ihr vor sagen wir fnf Jahren gehrt habt?

Nicht wirklich, der Geschmack ndert sich schon, auch wenn ich mir immer noch die Alben anhre, die ich vor fnf Jahren im CD-Spieler hatte. Aber alles ndert sich mit der Zeit.

Und findest du, dass die Helden deiner Jugend immer noch Vorbilder fr dich sind oder dich inspirieren?

Nicht wirklich. Man muss schon selber wissen, was man bei der neuen Platte so machen will. Es ist ziemlich schwer zu sagen, dass man dabei jetzt explizit von jemandem beeinflusst wird, um dies oder das zu machen. Auch wenn es eine langweilige Antwort ist: Ich glaube wir inspirieren uns selbst!

Die Keyboards sind auf "Figure"... etwas anders als in der Vergangenheit, ihr benutzt da unterschiedliche Sounds und ihr kombiniert diese mit den Melodien und den Gitarren, spielen die Keys ein grere Rolle in eurer Musik?

Momentan ist das sozusagen das i-Tpfelchen. Man macht die Musik, und die ist gut. Dann setzt man noch einen oben drauf, um sie noch besser zu machen und um die noch etwas zu wrzen. So arbeiten wir mit der Musik, damit sie noch interessanter wird, da ist so viel Zustzliches noch im Background, das man auf den ersten Anhieb vielleicht gar nicht bemerken wrde. Das machen wir halt mit Keyboards und Samples.

Wo liegt deiner Meinung nach die Zukunft der Musik, mehr in den Gitarren oder in den Effekten?

Wir werden immer das Grundgerst beibehalten, wir wrden nie ein mechanisches Album machen. Man kann also mit Sicherheit sagen, dass SOILWORK immer eine Band im klassischen Sinne bleiben wird. Wir verwenden die Keys analog, so wie RAINBOW und andere Bands aus dem 70ern, wir versuchem allerdings, das in einer frischeren Art zu machen. Wir werden uns also eher in diese Richtung, als in eine elektronische entwickeln. Also praktisch das beste von beidem kombinieren.

Das stimmt, der Sound ist nicht so modern, wie der bei manch anderer Band.

Exakt, wir wollten das Album lieber etwas roher haben. Die Produktion ist natrlich sehr gut, aber es geht mehr so ein wenig in die Rock'n'Roll Ecke.

Also seid ihr von RAINBOW inspiriert!

Eine meiner Lieblingsbands!

Wie sieht es mit der Zukunft von SOILWORK aus, was plant ihr fr dieses Jahr?

Wir gehen ab dem 18.04. auf Tour, das geht in Stockholm los. Fnf Wochen geht das insgesamt und dann werden wir auch auf vielen Festivals im Sommer spielen. Zum Beispiel das BLIND GUARDIAN Open-Air, Wacken, Rock-On-Festival, Gods-of-Metal-Festival und so weiter. Im Herbst geht es dann mit CHILDREN OF BODOM nach Japan, vielleicht im Sommer noch nach Amerika mit IN FLAMES. Wir werden sehen, alles ist noch nicht geplant, aber ich werde schon dafr sorgen, dass wir so beschftigt wie mglich sein werden, hehe!

Ihr habt also keine "normalen" Berufe mehr nebenbei, oder?

Also ich arbeite noch im Studio, das kann ich also auch mit meiner Musik verbinden, aber es ist schon recht schwer, noch einer anderen Ganztagsbeschftigung nachzugehen. Man muss aber noch seine Rechnungen bezahlen und von daher mssen sich unseren Gigs schon auszahlen, damit wir ber die Runden kommen.

Wie glaubst du wird sich die Metal-Szene zuknftig in Skandinavien entwickeln?

Mehr und mehr Leute fangen an zu experimentieren, das geht manchmal gut und manchmal eben nicht. Aber viel mehr trauen sich berhaupt, das zu machen und haben keine Angst mehr davor. Sie wollen sich in den Bands, in denen sie seit vielen Jahren spielen, nicht wiederholen. Denn wenn man Musiker ist braucht man die ganze Zeit neue Herausforderungen.

Warum glaubst du dass gerade aus Skandinavien so viele Metal-Bands im Vergleich zu anderen Lndern kommen?

Na ja, im Winter gibt es hier nicht wirklich viel zu tun als drin zu sitzen und Fernsehn zu gucken oder eben Musik zu spielen. Das knnte einer der Grnde sein. Wir haben zustzlich ein gutes Bildungswesen, was die Musik angeht, das geht mit Unterricht los, wenn man so acht oder neun Jahre alt ist. Das ist dann natrlich auch eine gute Voraussetzung. Und wir haben hier in Schweden, hnlich wie in Norwegen und Finland eine Art von Wettbewerb, wer der beste ist, das hat wohl auch was damit zu tun.

Okay, damit wren wir durch! Ich danke dir vielmals fr die Zeit und werde mir das neue Album sicher noch fters anhren! Viel Spa noch in Deutschland!


Soilwork werden ihren Weg auf jeden Fall gehen. Das Potenzial und den Willen hat die Band, auch scheint sich der Erfolg ja eingestellt zu haben.

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