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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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RECLUSION
Was lange wärt, wird endlich gut
Andre Kreuz
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Zwei Monate ist es mittlerweile her, dass ich mit meinem Kumpel Mac auf ein Wochenende nach Göteborg getingelt bin. Dort trafen wir uns mit RECLUSION-Fronter Rune Foss, bei dem wir die drei (oder waren’s vier?) Tage unterkamen und mit dem wir eine Menge Spaß hatten. Zwischen rekordverdächtigen Massen von Bitburger, Ratskrone, einem Rundgang durchs Städtchen (mit Bitburger und Ratskrone) und der Bewunderung der hiesigen Damenschaft kam dann doch tatsächlich dieses wirklich coole Interview zustande. Dass es mit der Online-Verfügbarkeit dieses journalistischen Highlights (auf das ich im übrigen ganz furchtbar stolz bin!) etwas länger dauerte, lag ausnahmsweise mal nicht an meiner Faulheit, sondern daran, dass ein Teil des Interviews durch widrige Umstände (meine Unfähigkeit, das Diktiergerät zu bedienen, wenn ihr’s unbedingt wissen müsst) per Email erledigt werden musste, wobei es dann zu Missverständnissen auf der RECLUSION-Seite gekommen ist. Wie dem auch sei, ich freue mich, dass das Teil endlich oben ist und wünsche euch viel Spaß beim Schmökern!! Die Interviewpartner waren übrigens Sänger/Gitarrist Rune und Drummer Marek.


Ok, das ist jetzt dieselbe Frage wie in dem „Eternity“-Magazin, das ich da hinten gesehen habe... Warum habt ihr euren Bandnamen von DAWN OF TIME zu RECLUSION geändert und gab es irgendwelche bemerkenswerten Veränderungen im musikalischen oder textlichen Konzept?

Rune: Als wir uns noch DAWN OF TIME nannten hatten wir einen anderen Sänger und wir schmissen ihn raus. Damals hatten wir auch ein anderes Label, das die ganze Aufnahme finanziert hat. Die gingen allerdings Bankrott und wir mussten uns nach einem neuen Label umschauen. Das war etwa dann, als wir den Sänger rausschmissen. Ich fing dann wieder an zu singen, wie ich es auch schon zuvor getan hatte. Wir fühlten, dass wir etwas Neues brauchten, denke ich. Ein neuer Anfang.
Marek: Ja, wir hatten Probleme, da alles fertig aufgenommen worden war, aber dann das Label (Loud and Proud Records aus Schweden) Bankrott ging. Dann haben wir ein halbes Jahr oder so nur versucht, uns zu promoten und so weiter. Das fühlte sich echt gut an, all die Probleme zu vergessen, die wir mit dem anderen Label hatten und die ganze Zeit, in der einfach nichts passierte. Es war eigentlich die Idee der Plattenfirma, dass wir einen anderen Namen annehmen sollten, der die Musik besser reflektierte.
Rune: DAWN OF TIME klang etwas zu sehr nach Power Metal.

Und in wie weit würdet ihr euch von einer Plattenfirma beeinflussen lassen?

Rune: Natürlich versuchen sie in Input zu geben, ob wir dies und jenes so und so machen könnten und so weiter. Und dann liegt es an uns, diese Ideen anzunehmen oder eben nicht, wenn die Idee gut ist, warum nicht? Wir würden uns aber zum Beispiel nicht erzählen lassen, dass wir weiße Klamotten oder so tragen sollten, haha!
Marek: Es ist tatsächlich eine Kooperation, wenn sie also einen guten Vorschlag haben, denken wir darüber nach. Ein Vorschlag für unseren Namen war „Rapid Fire“, haha!!
Rune: Wir bringen aber auch unsere eigenen Ideen zum Label und hören uns ihre Meinung an. Es ist wirklich eine Art von Beziehung.
Marek: Die sieht aber nicht so aus, dass die Plattenfirma sagt: „Mach dies und das!“ Wir halten einfach eine Diskussion am Laufen, weil wir alle wirklich hart für das Wohl der Band und des Labels arbeiten.

Also habt ihr volle kreative Freiheit?

Rune: Ja, letztendlich haben wir das.
Marek: Ich meine, wir spielen Metal, wir werden kaum ein Pop-Album rausbringen, aber dennoch kommen sie mit Vorschlägen, wie wir uns entwickeln sollten oder wie in etwas die nächste Aufnahme sein sollte, was den Sound oder die Aggression angeht. Aber es liegt immer noch an uns, wenn wir das nicht mögen, dann lassen wir es!
Dann hattest du ja noch die Frage nach den Veränderungen bei unserer Namensänderung. Die größte Veränderung ist vielleicht, dass Rune’s Vocals wieder zurück sind. Die andere Aufnahme war keine wirkliche Veröffentlichung, also ist dies RECLUSION von Null an, mit Rune am Mikro.
Rune: Es gibt überhaupt keine Veröffentlichungen mit dem andren Sänger. Demnach gibt es eigentlich überhaupt keine „offiziellen“ Veränderungen.
Marek: Inoffiziell haben wir die Teile der Texte verändert, die er gemacht hat. Wir haben das Album remixt und die Vocals neu aufgenommen.
Rune: Und halt einige neue Lyrics.


                                       (v.l.n.r.: Marek, NDK, Rune)

Alles klar! Bitte erzählt mal was von der Metalszene hier in Göteborg! Es wissen ja viele, dass es eine Menge Bands und Studios hier gibt, aber welche genau?

Rune: Die Metalszene hier in Göteborg ist eindrucksvoll und sehr gut. Göteborg ist dadurch weltweit bekannt geworden, zumindest was den Heavy Metal angeht. Immerhin gibt es den „Göteborg“-Sound und wir sind da sehr stolz drauf, weil wir hier leben! Es gibt viele Bands und bestimmt doppelt so viele, von denen Du möglicherweise noch nie gehört hast, die aber vielleicht genauso gut sind wie die, die du kennst. Aber es gibt hier nur sehr wenige Plätze, wo man live spielen kann, Göteborg ist sehr schlecht dran, was die Auftrittsmöglichkeiten angeht. Keine Clubs, nur ein paar wenige, die alles in die bekannten Bands stecken, weil da ökonomische Interessen im Spiel sind möglichst viele Leute zu den Konzerten zu bekommen und das ist schlecht. Also ist die Underground-Szene dadurch ziemlich tot.
Die Band hier wären IN FLAMES, DARK TRANQUILLITY, WITCHERY, THE HAUNTED, HAMMERFALL, RUNEMAGICK, LORD BELIAL, EVERGREY, (früher) AT THE GATES, GARDENIAN, ARCH ENEMY, ...

Und die Studios? Welche anderen gibt es da noch, vom „Los Angered“ abgesehen, wo ihr aufgenommen habt?

Rune: Studio Fredman, das ist wo all die großen Band hingehen. DIMMU BORGIR kamen beispielsweise nach Göteborg, um dort aufzunehmen. Eigentlich sind das Studio Fredman und das Los Angered die beiden großen und bekannten Metal-Studios hier.
Marek: Dazu gibt es noch ein paar kleinere Studios, die manchmal ein Album aufnehmen, das groß rauskommt. Und die sind auch wirklich gut. Heutzutage ist es auch nicht mehr so schwer, eine gute CD aufzunehmen, weil es auch nicht mehr so teuer ist.


                                       (v.l.n.r.: Marek, NDK, Rune)

Und warum ist Göteborg eurer Meinung nach so ein enormer Fokus für den Metal?

Marek: Ich denke ein wenig wegen dem, wovon wir gesprochen haben. Dass die Leute nicht in die Clubs kommen, es sei denn, ein großer Act spielt und dass die Club-Szene so schwach ist. Deswegen versuchen die Bands hier so hart über Göteborg hinaus bekannt zu werden.
Rune: Man braucht ein gewisses Level, um hier in Göteborg akzeptiert zu werden. Wenn du den großen Bands nicht nahe bist, wirst du hier in Göteborg nicht einmal beachtet werden.
Marek: Es ist sehr schwer, bevor man dann tatsächlich eine „Band“ ist.
Rune: Die Situation hier mit den verschiedenen Bands lässt sich wegen dem harten Konkurrenzkampf in Göteborg selber ganz gut mit einem Markt vergleichen. Das ist einer der Gründe, warum es hier so viele Bands gibt. Du wirst kein Album rausbringen, dass nicht so gut wie das einer anderen Band klingt.
Marek: Und dadurch sind die Qualität und die musikalischen Fähigkeiten in einer Band hier sehr hoch, weil jeder sein bestes gibt und viel übt, um sich weiterzubringen.
Rune: Alle Mitglieder von Bands hier aus der Stadt sind ziemlich vom gleichen Alter und... das hab ich dir gestern Nacht erzählt, aber du erinnerst dich wahrscheinlich nicht mehr, haha!!! Aber wir trafen uns alle an den Wochenenden um die Bands in den Clubs anzuschauen, das war damals eine andere Szene. Als der Death Metal sehr groß war. Wir sind fast alle Freunde, wir haben alle exakt den gleichen Background, was die Musik angeht.
Marek: Wir kamen von derselben (musikalischen) Schule.
Rune: Also ich denke, dass es viele kleine Gründe gibt, warum jetzt alles so ist, wie es ist.

Wie sieht es denn damit aus, hier „Metal“ zu sein? Wird das in der Öffentlichkeit respektiert? Ich frage, weil du mir vorhin erzählt hast, dass DARK TRANQUILLITY in zwei Wochen oder so bei diesem Festival mitten in der Stadt auf dieser Riesen-Bühne spielen werden!

Marek: Der Metal wird von den Leuten akzeptiert, die sich auch dafür interessieren. Die Stadt selber, oder auch das kulturelle Leben hier, kümmern sich eigentlich gar nicht darum. Sie haben ihre Kneipen, ihre Rocksachen und ihre schwedischen Künstler...

Aber sind sich die Leute überhaupt bewusst, dass Göteborg in Sachen Metal weltberühmt ist?

Rune: Viele Leute wissen das nicht, aber wenn ich zum Beispiel auf der Arbeit jemandem erzähle, dass Göteborg vielleicht die Hauptstadt des extremen Metals in der Welt ist, haben die keine Ahnung davon!
Marek: Das liegt auch wieder daran, dass wir keine gute Club-Szene hier haben, dadurch wissen die „normalen“ Leute nicht, was hier passiert.
Rune: Die Leute außerhalb von Schweden wissen davon viel mehr, aber hier in Schweden eher weniger.

Würdet ihr mit dem Statement klarkommen, dass Thrash Metal aus Schweden im Moment sehr populär ist?

Rune: Ja, das ist so eine Sache. Ich meine, was ist denn überhaupt Thrash Metal? Für mich sind das die alten Bay-Area Bands und die alten deutschen Truppen wie Kreator und Sodom, das ist für mich Thrash Metal. Und die Bands die momentan hier in Schweden überall hochkommen, wie zum Beispiel CARNAL FORGE, machen meiner Meinung nach keinen Thrash Metal. Aber die Leute sagen, dass es Thrash Metal sei und dass er momentan sehr groß ist. Für mich hört sich das eher wie eine Weiterentwicklung vom Death Metal an. Man spielt seine Riffs einfach in einer nachvollziehbareren Art und Weise, so dass man mitbekommt, was da eigentlich abgeht. Der Sound ist etwas anders, weil es wichtiger ist, dass man der Musik gut zuhören kann und man erkennen kann, was jeder einzelne Musiker in der Band denn da gerade macht. Ich finde es eben falsche, diese Musik als Thrash Metal zu bezeichnen, da er ein eigenes Genre verdient. Wir spielen auch keinen Thrash Metal, die Musikrichtung hat sich auch weiterentwickelt. Er ist immer noch schnell aber ich denke, dass es für mich mehr Death Metal ist, aber es ist auch einfacher herauszufinden, was da gerade passiert.
Marek: Die Death Metal Szene hatte damals ihren Höhepunkt erreicht. Es gab so viele gute Bands, die ein Album nach dem anderen rausgebracht haben, aber die Fans wurden dessen müde. Sogar außerhalb Schwedens, also musste ein Wechsel her und das führte zu einer weniger technischen, oder wie Rune sagte, klareren Musikrichtung mit einem klareren Klangbild. Unglücklicherweise nennt das jeder Thrash Metal, weil das der einfachste und nächste Bezugspunkt ist.

Und wie würdet ihr dann eure Musik bezeichnen?

Rune: Brutal Thrash! Ich denke, das passt ganz gut. Ich schreibe viel von unserer Musik und bin mir dadurch natürlich ziemlich im Klaren, was ich mache: Ich versuche meine musikalischen Wurzeln beizubehalten und diese in die Musik einfließen zu lassen, weil ich mir das ja auch selber gerne anhöre, und das finde ich großartig. Aber wir mischen auch viel mehr Death Metal hinzu, also würde Death Thrash oder Brutal Thrash ganz gut passen.


Tja, und das war’s mit dem Diktiergerät! Das Interview ging noch eine ganze Zeit munter weiter, wir haben uns die Lippen blutig geredet, bis dann irgendwann gegen Ende Mac mit zitterndem Finger auf dieses Mistgerät zeigte und ich voller Entsetzen feststellen musste, dass das Band schon seit geraumer Zeit stillstand...
Dumm gelaufen, aber ich hatte damit gerechnet, dass sich der Rekorder irgendwie bemerkbar machen würde, wenn das Tape zu Ende ist. Hat er aber nicht, und somit kommen wir nun zum Email-Teil des Interviews, den Marek bearbeitet hat:


Wie ist bisher das Feedback auf „Shell of Pain“?

Insgesamt war es sehr gut. Wir waren uns nicht wirklich sicher, was wir zu erwarten hatten, da es unser erstes Album war. Nicht nur die Reviews sind gut, es ist auch erstaunlich, wie viel Fan-Post wir aus der ganzen Welt bekommen. Also nehme ich mal an, dass das Feedback gut ist.

Wovon denkst du, ist eure Musik beeinflusst und welche Musik zieht ihr euch privat rein?

Nun, das Rückgrat von RECLUSION ist der Bay Area Thrash. Der gemeinsame Nenner unserer Mitglieder sind Bands wie TESTAMENT, SLAYER, frühe METALLICA etc. Wie auch immer, in der Musik sind auch viele Death Metal Einflüsse, hauptsächlich wegen Rune’s pervertiertem Geschmack, was rohes Fleisch und Bluttrinken angeht, haha! Aber wir alle hören verschiedene Arten von Musik, also ist es schwer, bestimmte Bands auszusortieren.

Ich hab gehört, dass ihr gegen Ende des Jahres ein neues Album aufnehmen werdet, wird es da irgendwelche signifikanten Änderungen geben? Was können wir erwarten?

Yeah, das stimmt. Das Album wird kraftvoller und klarer sein. “Shell of Pain” wurde über einen langen Zeitraum hin geschrieben. Die Songs des neuen Albums sind dagegen größtenteils in einer zusammenhängenden Periode geschrieben, wodurch sie rauer und direkter ankommen werden.

Wo war euer bester Gig bis dato und gibt es schon Pläne für eine größere Tour in der Zukunft? Von dem Gig demnächst im Andernacher JuZ mal abgesehen! ;-)

Nichts wird sich jemals damit vergleichen lassen, im JuZ Andernach zu spielen, haha, aber wenn wir einen einzelnen Gig nennen müssten, würden wir uns für das “Sweden Rock Festival” dieses Jahr entscheiden. Das war der bisher größte RECLUSION-Auftritt. Ein gutes Publikum, perfektes Wetter und eine tolle Bühne. Der Plan für die Zukunft sieht erstmal so aus, dass wir das neue Album aufnehmen werden und ein paar Shows in Schweden und Dänemark diesen Herbst spielen werden. Es könnte eine vierwöchige Europa-Tour im November geben, aber das ist noch im Planungsstadium. Vielleicht verlegen wir das auch bis nach der Veröffentlichung des neuen Albums. Mal schaun.


Jau, das wars dann! Vielen Dank für das Interview, sowohl für den mündlichen, als auch für den schriftlichen Teil!
Und ihr, werte Leserschaft, seid hiermit dazu aufgefordert, mal in “Shell of Pain” reinzuhören, das Teil tritt wirklich mächtig Arsch!! Melodischer, kraftvoller Death Thrash, der immer wieder mit coolen Überraschungen aufwarten kann und ganz sicher nicht der nächste Klon aus Göteborg ist. Hörproben gibts auf mp3.com!

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