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25. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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I.M.Nail
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Thorsten Dietrich
imnail.de/


Die Koblenzer Metalband I.M.Nail hat mit "Darkness For Rent" seit ihrer Grndung 2012 ihre zweite EP am Start. Da ich selber gar nichts ber die Truppe wusste und die neue EP nach zwei, drei Runden erschreckend gut fand, schnappte ich mir Snger und Gitarrist Mike Klockner fr ein Interview was dieser informativ und ausfhrlich beantwortete.

Ihr seid ja keine 20 mehr, wie kam es 2012 zur Grndung eurer recht frischen Combo?

Im Grunde liegen die Grndung, bzw. die ersten Jamsessions, von dem was heute I.M.NAIL ist, viel weiter zurck. Danny und ich arbeiteten bereits lange vor Grndung der eigentlichen Band an gemeinsamen Songs. Damals waren Ralf, unserer frherer Bassist Lukas und ich allerdings noch in einer anderen Band mit weiteren Musikern unterwegs. Parallel klampften Danny und ich zusammen noch in einem anderen Projekt. 2005, nach meinem Ausstieg bei meiner damaligen Hauptband, lste diese sich auf und Ralf, Danny und ich starteten wenig spter mit den ersten gemeinsamen Proben. Kurz darauf schloss sich auch Lukas der neuen Combo an und das Songwriting lief auf Anhieb reibungslos. Nach etwa einem Jahr kam es dann allerdings zu einer Zwangspause von fast 4 Jahren, in denen die vielversprechende Vereinigung einfach schlichtweg auf Eis lag. Etwa Ende 2009 erfolgte die nur uns bekannte Reunion und nach einem weiteren Jahr erfolgloser Sngersuche, nahmen letztlich Danny und ich uns dieser Aufgabe an. Nach einer gewissen Einarbeitungsphase in die neue Gesangsaufgabe erfolgten dann, nach einem umfassenden Update des schon vorhandenen Materials, Ende 2012 die Aufnahmen zu unserem Debut "Hyena Sunrise", das wir komplett in Eigenregie mit selbstgegrndetem Label 2013 verffentlichten und mit dem wir I.M.NAIL auch zum ersten Mal der ffentlichkeit prsentierten.

I.M. Nail wird sicherlich I Am Nail gesprochen und ist Englisch fr diesen Marknagel. Wie kamt ihr dazu und kommt der Name allgemein gut an, oder wundern sich die Leute sehr? (Ich war anfangs eher skeptisch)

Ja, der Name ist schon besonders. Aber sehr geil, oder? Zumindest finden wir das selbst, aber auch bis heute alle, die uns diesbezglich Feedback gegeben haben. Klar denken viele zuerst an das aussprachebedingte Wortspiel "I am nail". Nicht jedem ist ein Marknagel oder gar die englischsprachige Kurzform "I.M.NAIL" ein Begriff. Aber das passt schon und macht die ganze Sache doch nur interessanter. Ging Dir im Grunde doch irgendwie genauso, oder? Wir wollten einen Namen, der fett klingt, einprgsam ist und zudem im Zusammenhang zu unserer Musik steht. Ein (Mark)Nagel - Eine Sache, die Dinge verbindet, zeitgleich aber auch durchbohrt und spaltet. Trifft im Hinblick auf unsere Mucke sprichwrtlich den Nagel auf den Kopf!

Erst dachte ich, dass ihr ne klassische Eigenproduktion seid, doch das Ganze ist ja recht professionell aufgemacht, was CD, Booklet und auch die Infoschreiben angehen. Das luft unter Bladebeat Records. Habt ihr aus der Not ein eigenes, kleines Label gegrndet und wollt keine Klinken putzen bei diversen Labels und meist noch drauf zahlen?

Aus der Not heraus wrde ich jetzt nicht sagen. Uns war wichtig, dass das Ganze auf einem zeitgemen und professionellen Level stattfindet und nicht das meiner Meinung nach veraltete Demo-Muster durchluft. Ich war Ende der Neunziger schon einmal sehr erfolgreich mit der Selbstvermarktung meiner damaligen Band. Dieses Mal hab ich dem Kind einfach nur mit "Bladebeat Records" einen Namen gegeben und die Sache offiziell gemacht. Der brokratische Part ist ja kein Hexenwerk und die Arbeit bleibt die Gleiche. Diese ist allerdings nicht zu unterschtzen. Demnach stehen wir einem Deal mit einem externen Label/Management generell nicht abgeneigt gegenber. Allerdings muss es dann passen und wenn nicht, ist das auch keine Tragdie und wir machen einfach weiter unser eigenes Ding. Aktuell haben wir deshalb zwar alle Kosten und nen Batzen Arbeit an der Backe, aber zeitgleich gehen auch 100% der Ertrge an uns und wir sind unser eigener Herr. Labels mssen heutzutage ja auch mehr und mehr umstrukturieren und umdenken. Der klassische Bandbernahmevertrag und das traditionelle Labelmodell weichen vermehrt moderneren Marketingformen wie Modul- oder Paketmodellen, fr die man, wie fr jede andere Dienstleistung, zahlen muss. Will ja schlielich jeder was vom Kuchen abhaben, wenngleich es sich im Underground wohl eher um Cupcakes handelt. Ist aber nichts Neues, nur eben anders strukturiert. Lustig, bzw. eher schade, finde ich nur, dass wir trotz offiziellem Label und wie Du ja auch festgestellt hast, einem professionellen Endprodukt, nach wie vor mit dem leider leicht und oft "billig" anmutenden Etikett "Eigenproduktion" abgestempelt werden. Klar ist es eine Eigenproduktion, aber eben auf professioneller Ebene. Wo bitte liegt der Unterschied, ob wir nun jemanden fr die Produktionsschritte bezahlen oder es selbst machen? Lediglich der Stempel eines etablierten Namens macht hier den Unterschied zum Underground. Aber sollte man Musik wirklich ihrem Statusnamen nach beurteilen? Ich denke nicht! Sicherlich ist nicht jeder gleich ein Tontechniker oder Designer, nur weil er eine Crackversion von ner DAW oder Photoshop auf seinem Rechner hat. Wahrscheinlich wird hier unter den DIY Akrobaten auch jede Menge Mll produziert, aber zu dieser Sorte gehren wir definitiv nicht, dass kann ich durch entsprechende Ausbildungen und Know-how aller Mitglieder von I.M.NAIL versichern. Und demnach kann ich jedem Underground-Skeptiker nur raten, der Sache 'ne Chance zu geben und es sich einfach mal anzuhren. Auch etliche namhafte Bands produzieren ihre Scheiben im eigenen "kleinen" Tonstudio und sind somit im Grunde auch "nur" Eigenproduzenten. Also weg mit den Vorurteilen!

Mir gefllt eure zweite EP echt gut, aber selbst fr eine EP ist die mit 18 Minuten recht kurz, wie kam es und wann macht ihr mal ein Album?

Es gab mal die berlegung, direkt auf Albumformat zu gehen. Material und Ideen dafr waren gengend vorhanden, auch weil die Zeitspanne zu "Hyena" schon enorm war. Allerdings liegt "Darkness for Rent" eine konzeptionelle Thematik zu Grunde, die genauso mit der Anzahl und Reihenfolge der 5 Songs am besten funktioniert. Da brauchte es einfach nicht mehr. Und wem es nach dem ersten Durchlauf gefallen hat, drckt einfach auf Repeat. Wird mit jedem Durchlauf besser! Aber Du hast Recht, nach einer Mini und EP ist es nun an der Zeit fr ein volles Album und das Songwriting hierfr ist auch im vollen Gange. Nachdem wir uns mit den krzeren Formaten einen kleinen Bekanntheitsgrad aufgebaut haben, ist nun auch der richtige Zeitpunkt fr eine Full-length. Ich denke, bei einer frischen Combo sind die Formate Mini oder EP fr den Anfang der bessere Weg, um in der Branche Beachtung zu finden. Der geschtzte Hrer, egal ob Endkonsument, Kritiker oder Labelchef, greift oft doch lieber zu der neuen Platte einer etablierten Combo, als sich mit 50-70 Minuten unbekanntem Underground zu befassen. Aber 15-20 Minuten unbekanntes Terrain kann man sich durchaus mal eben schnell geben und die sollten ausreichen, um nen Eindruck zu hinterlassen. Allerdings ist es bei krzerer Spielzeit umso schwerer, seine Bandbreite und Qualitten zu prsentieren. Demnach gilt hier mehr denn je: "No Filler! Just Killer!"

Das dstere Cover erinnert mich an Truppen wie End Of Green, Type O und vom Cover hat das einen "3 ??? und der Phantomsee Touch". Wie siehst du das?

Hehe, ja da hast Du wohl nicht ganz unrecht. Hab das "Die 3 ???" Cover gerade mal gegoogelt. Hat in der Tat gewisse Parallelen, kannte ich bisher aber nicht. Type O Negative haben bei Ihren Covern oft Grntne verwendet, welche auch die Basistne bei unserem EP-Cover sind. End of Green sind mir leider gnzlich unbekannt, sorry. Parallelen von den Covern der genannten Bands zu unserem, sehe ich in der Verwendung von nur wenigen Objekten auf dem Cover, um den Fokus auf nur eine Sache zu lenken. Ich mag diese Art von Cover-Minimalismus. Spricht mich persnlich mehr an, als ein tolles Fantasy-Gemlde, wie es oft und gern im Metal verwendet wird. Meist sehr schn anzusehen und die Detailverliebtheit von Knstlern wie zum Beispiel Andreas Marschall ist einfach nur fabelhaft. Aber das ist nichts fr I.M.NAIL. Wir sind da bzgl. Covermotiven eher straight und auf Intensitt und Ausdruck bedacht. Catchy soll es sein und der Wiedererkennungswert ist auch nicht zu vernachlssigen. Hast Du die hssliche Hynenfratze von "Hyena Sunrise" einmal gesehen, brennt sie sich auf Deiner Netzhaut ein und Du vergisst sie nicht mehr. Ebenso die finstere Schattenfigur von "Darkness". Weckt Erinnerungen an den Boogeyman aus unserer Kindheit. Bei Dir zum Beispiel an "Die drei ??? und der Phantomsee".

Was wollt ihr denn mit dem Titel "Darkness For Rent" ausdrcken, "mietbare" Gruftidisco?

Mit "Darkness for Rent" schicken wir den Hrer auf eine Reise in die Dunkelheit des Ichs von Hinterbliebenen nach dem Tod einer geliebten Person. Der Unvermeidbarkeit des Todes folgt der Zwang, sich emotional neu zu finden. Aufkeimende Hoffnungen, den Schmerz und Verlust verarbeitet zu haben, ersticken am Ende dennoch an der bitteren Erkenntnis, dass die Hlle stets unter unseren Fen brodelt und jederzeit die Tore fr uns ffnen kann. Fr das Thema wurde ich zum einen aus einem aktuellen Anlass meines privaten Umfelds heraus inspiriert und zum anderen ist es ganz einfach die Geschichte des Lebens selbst, in der der Tod immer wieder eine unumgngliche Rolle fr jedermann spielt. Somit mietet auch jeder fr sich frher oder spter sein ganz persnliches Stckchen Dunkelheit. Wann und in welcher finsteren Form auch immer? Doch am Ende zhlt letztlich nur eins, was auch die Quintessenz der Scheibe ist: Stand your ground! Der Titeltrack selbst, ist die Einleitung in das Thema mit einer Selbstdarstellung von Gevatter Tod, in der er seine Unumgnglichkeit unmissverstndlich klarstellt. "Here is no light in the end, theres only darkness for rent.

Musikalisch habt ihr ja enorme Bandbreiten in die fnf Lieder untergebracht, was auch Zeit und Konzentration beim Hren bedeutet. Was sind denn eure Einflsse, ich tippe ja auf Finnland, England und so Truppen wie End Of Green, Type O und diverse Stoner Rock Geschichten?

Ja, unsere Mucke ist bei weitem kein Schnellschuss oder Easy-Listening. Obwohl wir stets wiederkehrende Refrains und Strophen als catchy Elemente verwenden, entfalten die Songs erst bei aufmerksamem Hren ihr volles Potential, ihre Detailverliebtheit und ihren Tiefgang. Ausschlaggebend fr I.M.NAIL ist, dass wir uns keinen Genregrenzen oder Regeln unterwerfen. Es ist alles mglich und erlaubt und daraus machen wir unseren ganz eigenen Stil. Unsere Einflsse sind, wie Du schon richtig schreibst, sehr breit gefchert und jedes Bandmitglied hat da auch nochmal seine eigenen Vorlieben. Danny hat seine Vorlieben im Stoner und Alternative Bereich mit Bands wie QOTSA, Dredge oder The Hellacopters. Ich hingegen fhle mich auch in hrteren Gefilden wie Thrash, Death und Black sehr wohl. Wobei ich hier meist auf Scheiben der 90er zurckgreife, da ich die Art von Mucke in dieser Zeit am meisten hrte. Zudem liebe ich noch heute meine Wurzeln und 80er Klassiker von Helloween, Maiden, Priest, Megadeth, Metallica, etc. finden sich immer wieder auf meiner iPod Playlist. Aber auch Geschichten wie Symphony X, Alice in Chains oder die Urvter Black Sabbath pfeif ich mir regelmig rein. Eric driftet eher durch modernere Gefilde und packt sich neben Prog-Geschichten wie Tool auch gern Core-Geballer auf die Lauscher, whrend Ralf hingegen durch 90er Formationen wie Pantera, Entombed, At the Gates oder Slayer stark beeinflusst wurde. Allesamt haben wir aber immer unsere Schnittpunkte, welche meist im Metal liegen. Welche Genres oder Bands auch immer.

Habt ihr euch eigentlich gesagt wir haben ein Ziel und das wollen wir erreichen, wenn ja welches?

Ich bin kein Mensch, der gro Plne schmiedet. Die Vergangenheit hat mir gezeigt, dass es oft anders kommt als geplant. Demnach plane ich niemals allzu weit voraus. Unser bergeordnetes Ziel ist es, Mucke zu machen, die in erster Linie uns selbst gefllt und das, ohne uns einem Trend zu beugen. Fr mich ist dies essenziell, auch wenn wir damit gegen den Strom schwimmen. Nur so bleibt das Ganze authentisch und intensiv. Das merkst Du vor allem, wenn Du uns mal live siehst. Und dann wollen wir, wie jede andere Band natrlich auch, mit unserer Musik so viele Musikbegeisterte wie mglich erreichen, denn sie ist es definitiv wert gehrt zu werden und um die Musik geht es doch auch letztlich. Wie Du zu Anfang bereits richtig erkannt hast, sind wir alle keine 20 mehr, demnach haben wir unsere jugendlichen Rockstarerwartungen auch schon etwas lnger zurckgeschraubt. Wir stehen alle fest im Leben, sind finanziell nicht auf die Sache angewiesen und haben auch keinen Releasedruck seitens Externer. Demnach gehen wir auch vllig frei und ohne Stress, auer dem, den wir uns selbst machen, an die Sache ran. Eine Reihe Clubgigs im Sptjahr und der Release des ersten vollen Albums 2018 stehen als nchstes auf dem Programm.

Zwei Leute heien ja Klockner in der Band, seid ihr Brder und wenn ja ist das einfacher oder schwieriger als mit "Fremden"?

Genau, Danny und ich sind Brder. Musiker haben ja immer ihre eigene Sprache wenn es um das Erklren und Vorstellen von musikalischen Ideen gegenber anderen Musikern geht. Sich dann gegenseitig richtig zu verstehen, ist nicht selten ein schwieriges Unterfangen. Des Weiteren bedarf es beim Songwriting auch einer enormen Sozialkompetenz. Denn welcher Gitarrist kennt nicht das niederschmetternde Gefhl der Enttuschung, wenn man einen Riff, an dem man stundenlang gefeilt hat, von seinen Bandkollegen in der Luft zerrissen bekommt. Zum Kotzen. Solche Momente sind oft sehr emotional und hier bedarf es einem professionellen und vernnftigen Umgangston der Bandmitglieder untereinander, sonst kann ein solcher Moment ganz schnell in Gezanke und Zoff ausarten. Das passiert mit Fremden eher als mit befreundeten Mitstreitern. Man kennt sich, wei wie man den anderen zu nehmen hat und Konflikte werden einfach viel schneller gelst. So zumindest meine Erfahrung. Ich kann mir also keine bessere Konstellation vorstellen, als zusammen mit meinem Bruder Danny und Ralf als langjhrigen Freund Musik zu machen. Eric kam nach der Trennung von Lukas neu in das eingeschweite Gespann. Fand sich aber schnell gut ein. Luft also!

Ich hoffe die Truppe bekommt in Zukunft einige Gigs um sich den Leuten zu prsentieren und auch eine richtige vollstndige Scheibe!

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