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23. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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RAGE
Ein Jahr später
Mario Loeb
www.rage-official.com/


Mit dem neuen Line-up geben Rage alias Peavy, Marcos und Lucky mächtig Gas, viele Konzerte und ein neues Album namens "Seasons Of The Black" sprechen gerade ein Jahr nach dem Knaller "The Devil Strikes Again" eine deutliche Sprache. Die Stimmung ist prächtig, was uns auch im Interview mit Bandkopf Peter "Peavy" Wagner, Gitarrist Marcos Rodriguez und Drummer Lucky im Rahmen der Listening Session aufällt.

Einstiegsfrage: Wie geht es Euch? Und wie war gestern Euer Konzert in Italien?

Peavy: Geil, aber wenig Schlaf! Am Freitag um halb 5 Morgens los, 2 Stunden Schlaf und dann sofort zur Listening Session

Lucky: Aber es ist ein schöner Tag heute, wir haben von allen bis jetzt ein tolles Feedback zu unserem neuen Album bekommen. Es ist zwar anstrengend, aber es hat sich gelohnt. Ich hoffe, Euch hat es auch gefallen?

Aus unserer Sicht hat es sich auf alle Fälle gelohnt! Wir finden das neue Album saustark. Euer Tempo ist ja Wahnsinn: Euer letztes Album liegt gerade mal ein Jahr zurück. Wie lange haben die Aufnahmen insgesamt gedauert und wer war für Musik und Texte zuständig?

Peavy: Alle Songs sind von Wagner und Rodriguez, das haben wir von Anfang an so festgelegt, als unsere Zusammenarbeit begann, so wie Lennon und Mc Cartney oder Richards und Jagger. Das ist auch mit Lucky so abgesprochen. Er übernimmt dafür die Management-Tätigkeiten und selbstverständlich das Arrangement der Schlagzeugparts. Das Texten habe, wie immer, ich übernommen.

Lucky: Das "Devil"-Album war noch nicht veröffentlicht, da hatten Peavy und Marcos schon Teile des neuen Materials und waren schon voll im Prozess. Natürlich tourten wir auch zu dieser Zeit und haben in 14-15 Monaten 80 Shows gespielt, aber immer wieder gab es Slots in denen die beiden sich getroffen haben, sodass das Material schon im Oktober vergangenen Jahres fertig war. Dann begann schon die Vorproduktion, in der alle Details ausgearbeitet wurden.

War diese Geschwindigkeit so geplant oder hat sich das einfach ergeben?

Peavy: Das Material war so schnell fertig, damit haben wir auch nicht gerechnet.

Lucky: Die zwei Jungs haben zurzeit einfach einen Lauf, seitdem wir begonnen haben. Es ist unglaublich, wie die zwei sich gegenseitig berieseln und mit einem Knaller nach dem anderen um die Ecke kommen. Der Moment ist da und den wollen wir alle nutzen. Wenn es eine Blockade geben würde, müsste man ja auch warten. Das ist Kunst, das sind Gefühle, die kann man nicht abrufen, wie man möchte.

Peavy: Speziell in unserer momentanen Position, mit dem neuen Line-Up und dass wir die Band neu aufbauen und neu positionieren, ist es auch eigentlich nicht doof, wenn man nicht zu lange wartet, mit dem neuen Album.

Ich habe eine Story von Campino gelesen, in der er erzählt, dass er einmal über Wochen nichts zu Papier gebracht hat. Kennt Ihr das, dass man einfach eine Blockade hat? Wie schwierig ist es sich immer neu zu erfinden?

Peavy: Ich habe für mich festgestellt, meine Kreativität steht und fällt mit der Gesamtsituation. Ich fühle mich im Moment sehr wohl, wir sind alle Kumpels und waren es auch schon vorher. Das beflügelt die Kreativität. Dabei kommt, dass Marcos mit der Musik von Rage aufgewachsen ist und die Art des Komponierens bei uns beiden dadurch sehr ähnlich ist. Insoweit sind seine Ideen, die er mitbringt, immer sehr passend zu meinen, weil er denselben Style verfolgt wie ich. Es ergänzt sich einfach wunderbar, deshalb haben wir zurzeit einen so super Lauf. Es gab in den Jahren zuvor einen Punkt, an dem ich mich so extrem unwohl gefühlt habe, in meiner eigenen Band, dass ich ernsthaft darüber nachgedacht habe alles hinzuschmeißen und komplett mit der Musik aufzuhören. In dieser Phase ist mir dann auch nichts mehr eingefallen.

Es war toll zu beobachten, auch während der Listening Session, wie sehr Ihr selbst Spaß untereinander und am neuen Material habt. Man konnte das "Wir"-Gefühl greifen. Ich hatte aber den Eindruck, dass es auf dem neuen Album trotzdem sehr nachdenklich und düster für Eure Verhältnisse zugeht. Woran liegt das?

Peavy: Das liegt an mir. Ich bin einfach so ein Typ. Wenn ich allein bin, beschäftige ich mich mit der Zone zwischen Leben und Tod. Ich fühle mich zu diesen Themen sehr hingezogen, was sich auch in meinem eigentlichen Beruf des Präparators widerspiegelt. Ich habe zur Welt zwischen Leben und Tod sicher einen anderen Zugang, als andere. Das hat sich in meinen Texten, seitdem ich schreibe, auch schon immer ausgedrückt. Das ist meine natürliche Ausdrucksweise, würde ich sagen. Da wir versuchen uns auf die ursprüngliche DNA von Rage zu konzentrieren, kommt das sicher beim neuen Album noch mal mehr zum Tragen, nicht nur in den Texten, sondern auch in der Musik. Wir sind damit Rage noch ein Stück näher gekommen und damit dem, was uns von anderen Bands unterscheidet und dem was uns unverwechselbar macht.

Das drückt auch Euer Cover sehr gut aus auf der neuen Scheibe!

Lucky: Total. Wir haben ein gemeinsames Verständnis für die Kernwerte der Marke Rage, wenn man so möchte. Diese unterstützen wir, egal ob das thematisch, musikalisch oder eben grafisch ist. Es drückt aus, wie wir Rage heute verstehen, und das ist nun mal die Richtung Anfang der 90er. Da war die Thematik von Rage noch ganz klar. Jeder wusste, was er von Rage zu erwarten hatte. Rage verlor zwischenzeitlich, dadurch, dass man sich breiter musikalisch aufstellte, obwohl auch immer noch gute Sachen dabei waren, seinen persönlichen Fingerabdruck. Wir sind auch immer noch sehr komplex, man hört es aber nicht mehr so. Es ist kein Wettbewerb in: Wer ist der schnellste?, oder so, sondern alles ist sehr songdienlich.

Gut, dass du das grade ansprichst auf euren letzten Album "The Devil Strikes Again" war die Kritik meist positiv, es gab aber auch Stimmen, die monierten den Schritt zurück in die 90er. Liest man solche Kritiken und beeinflusst das einen, auch wenn nur unterbewusst, beim Schreiben von neuem Material?

Peavy: Nein. Man liest so was und nimmt es zur Kenntnis, aber von den Menschen, die das schreiben, weiß man dann auch, dass sie unseren Schritt, den wir gemacht haben, nicht verstanden haben. Wir haben uns, wie Lucky ja gerade so schön erklärt hat, ganz bewusst zu diesem Schritt entschieden. Das, was andere als Rückschritt betrachten, ist für uns eine wichtige Entwicklung nach vorne gewesen. Rage wurde in den Jahren zuvor zu einer immer beliebigeren Band, die immer mehr zu dem wurde, was 1000 andere Bands auch sind. Das soll jetzt nichts gegen Marcos Vorgänger sein, ein toller Gitarrist, er ist aber einer der typischen Gitarristen, die auf Musikmessen Amps und ihre Techniken vorführen, so hat er auch versucht die Musik zu gestalten. Ein Song ist für ihn eine Spielwiese, auf der er eine bestimmte Gitarrentechnik oder einen Sound vorführt. So sieht er das und dafür ist er auch perfekt. Er ist aber kein Bandmusiker für eine Band, die bereits einen etablierten und klaren Style hat, da er ihn nicht fortführen kann. Von daher war es eigentlich mein Fehler: ich habe das lange Zeit nicht verstanden, dass er zwar ein toller Gitarrist ist, aber der falsche für diese Band. Es war die falsche Entscheidung mit ihm zu arbeiten, und nicht deshalb, weil er irgendwie doof ist oder irgendwie schlecht, sondern weil er nicht zu Rage passte. Als ich das dann endlich begriffen habe, habe ich mir mit Lucky und Marcos zwei ins Boot geholt, die beide mit Rage aufgewachsen sind und den Stil von Rage vom Kern aus verstanden haben. Rage ist jetzt wieder viel fokussierter.

Ihr tourt ja in Moment auch sehr viel. Wenn Ihr auf der Bühne steht, habt Ihr das Gefühl, dass Eure Message ankommt und dass der Funke wieder besser überspringt?

Lucky: Ja, und das ist nicht nur ein Gefühl, sondern auch messbar. Wir haben jetzt 80 Shows gespielt. Ich war selber auf der 14 Tour dabei, zum 30-jährigen Jubiläum von Rage. Ich war als Support mit Tri Star Corner dabei und kann sagen: wenn wir von einer Zahl von A ausgehen, um keine absolute Zahl zu nennen, standen wir bei der ersten Tour 2015 bei A +80 und nach der Helloween-Tour, die wir supporteten und einigen Festivals, um uns einer größeren Masse zeigen zu können, hatten wir bei unserer zweiten Tour bereits A +80 +80. Die ganze Sache blüht und gedeiht. Erst wurde das neue Line-Up kritisch beobachtet, und jeder fragte sich: "Warum hat man No Names genommen?", aber dann haben sie uns gesehen und gemerkt, dass seitdem eine ganz andere Stimmung bei Rage herrscht, dass es wieder Energie und Spielfreude gibt und dass wir Freude untereinander haben. Dass ein Herr Wagner plötzlich wieder über das komplette Gesicht strahlt. Das sehen die Leute und akzeptieren es.

Peavy: Wir müssen natürlich auch etwas Geduld haben, bis alle uns gesehen haben und es sich flächendeckend herum gesprochen hat.

Welche Location oder welches Konzert/Festivals ist von den letzten zwei Touren bei Euch in Erinnerung geblieben?

Marcos: Eine absolute Killer Show was das Out&Loud in Geiselwind einer der absoluten Highlights des letzten Sommers für mich.

Peavy: Besonders positiv in Erinnerung sind mir die Ukraine Shows geblieben. Es war unglaublich. Die letzte Show spielten wir etwa 70 Kilometer nahe an der russischen Grenze. Überall säumten Panzer die Straße. Wir spielten dort in einem alten, großen Theater, was brechend voll war. Die Stimmung war unfassbar!

Marcos: Zu dem Thema Shows möchte ich gerne drei herausheben, die für mich was Besonderes waren. Zuerst einmal meine erste Show mit Rage auf dem Metal Hammer Paradise Festival 2015, die werde ich nie vergessen. Ich war so nervös, ihr könnt es nicht glauben. Dann die erste Club Show, die wir gespielt haben, in meinen Heimatland in Athen. Das war etwas ganz Besonderes für mich. Als drittes kommt dann noch das Loud Park Festival in Japan dazu. 37.000 Zuschauer in Saitama Super Arena in Saitama City.

Ihr spielt ja auch in diesen Sommer diverse Festivals. Spielt Ihr dort schon Eure neuen Songs?

Lucky: Klar, die neue Single auf alle Fälle und wenn dann kurz vor Wacken das neue Album erscheint, werden wir sicher auch noch einen zweiten Song dazu holen. Aber es ist ja auch schon eine neue Club Tour geplant von Januar bis April 2018, die eine Worldtour sein wird. Man wird uns in Japan, Süd-Korea, Russland, Hong Konk, Jakarta, Indien, Südamerika, wie z.B Chile sehen.

Peavy, noch eine Frage direkt an Dich: Rage hat ja in letzter Zeit immer wieder mal mit Refuge, wo Du ja auch spielst, eine Doppel-Show gemacht. Ist so was auch in Zukunft noch geplant?

Peavy: Sporadisch wird es sicher die ein oder andere Doppelshow geben, aber in Moment arbeite ich mit Manni und Christos an neuen Songs. Wir haben letztes Jahr einen Deal mit Frontiers Records unterschrieben. Das Album wird im Juni 2018 kommen, dann werden wir sicher auch auf einigen Festivals spielen. Das soll aber weiter eine Spaßformation bleiben. Wir haben lange überlegt, ob wir noch ein Album machen sollen, weil es immer wieder von außen an uns herangetragen wurde und haben dann festgestellt, dass wir noch ein paar Fäden haben, die wir nie zu Ende gesponnen haben, die wir jetzt auf ein letztes Album zusammen führen. 8 Songs sind zu diesem Zeitpunkt fertig und klingen irgendwie nach einer Vintage-Version von Rage und machen total viel Spaß.

Viele Fans wünschen sich noch einmal die deutschen Kultbands auf einer Bühne zu sehen. Wie es z.B Destruction, Tankard, Kreator und Sodom in ihrem Genre-Bereich machen. Können wir unseren Lesern Hoffnung machen, dass wir Rage z.B. mal zusammen mit U.D.O. oder Grave Digger auf einer Bühne sehen?

Lucky: Ich kann so viel sagen, dass es Gespräche gibt und es diese Dinge geben wird, auch wenn es im Moment noch nichts konkretes gibt. Es gibt aber Märkte, auf denen es sinnvoll ist, mit einer anderen Band zusammen zu arbeiten oder in einen Paket. Man kann jetzt noch nicht sagen, es wird die Band oder der Künstler, aber wir kennen uns ja auch alle untereinander und reden selbstverständlich auch über solche Dinge. Der Zeit- und Strategieplan aller muss solche Dinge aber auch erst einmal zulassen. Euren Lesern kann ich aber Hoffnung machen, dass es mit Sicherheit die ein oder andere interessante Konstellation geben wird, in der Zukunft.

Eine letzte Frage: Eure letzte Scheibe ist ja fulminant in die Charts eingestiegen. Wie wichtig sind euch solche Platzierungen?

Peavy:Charts sind auch immer ziemliche Glückssache. Wenn du in einer Woche herauskommst, in der die großen Major Labels ihre großen Künstler herausbringen und das gesamt Verkaufsvolumen in die Höhe treiben, landest du auch ganz schnell auf den hinteren Plätzen, im Gegensatz dazu, wenn du Glück hast und in der Woche kommt irgendwie gar nichts großes raus, bist du auch schnell auf Platz eins und das ohne riesige Verkaufszahlen. Das hat es alles schon gegeben. Kein Plattenlabel kann die Veröffentlichungen der anderen aber genau vorhersagen.

Lucky: Es ist natürlich für die Kommunikation sehr gut, wenn es eine hohe Platzierung gibt und wir freuen uns dann auch darüber, aber viel wichtiger ist es, uns in Zeiten, wo viel weniger Platten verkauft werden und Streamings hochgehen, dass wir unsere eigenen Verkaufszahlen halten oder steigern.

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