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23. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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AXEL RUDI PELL
Balladenkönig!
Peter Hollecker
www.axel-rudi-pell.de


Balladen gehörten von Anfang an ins Repertoire des Axel Rudi Pell. Und das nicht nur beim Wattenscheider Gitarristen und Songwriter, sondern insgesamt im Genre Heavy Metal, wer erinnert sich nicht an eine der erfolgreichsten Compilations der Achtziger Jahre, den berühmten "Metal Ballads"? Sie sorgten dafür, dass harte Bands einem Millionen-Publikum bekannt wurden und verhalfen einigen davon sogar zu Charterfolgen, Preisen oder den Weg auf die Couch von "Wetten Dass?". Ich denke da vor allem an die Scorpions mit ihrem Überhit "Wind Of Change", Metallica und "Nothing Else Matters" oder aktuell die Chartstürmer von Disturbed, die sich mit dem alten Simon & Garfunkel Gassenhauer "Sound Of Silence" in die Herzen unzähliger Hausfrauen schleimten. Balladen waren also mitverantwortlich, den Heavy Metal salonfähig zu machen. Das führte bei Axel Rudi Pell und seinen Mannen zum mittlerweile fünften (!) Sammelalbum seiner Kuschelsongs. Aber Axel wäre nicht Rudi und auch nicht der Pell, wenn er sich vor Neuerungen verschließen würde. Beim neusten Werk kam es nämlich erstmalig zu einem Duett zwischen Goldkehlchen Johnny Gioeli und der britischen Rock-Ikone Bonnie Tyler ("It`s A Heartache") Diese arbeitete schon früher mit Jim Steinman zusammen und trällerte auch mit dessen bestem Pferd im Stall, nämlich Meat Loaf! Eine Zusammenarbeit, die für alle Beteiligten Vorteile in Form von Plattenverkäufen brachte.

Deshalb fragte ich Axel Rudi auch gleich zu Beginn unseres Gesprächs, wie es zu diesem Treffen der beiden Reibeisen kam?

Es ist das allererste Duett was wir überhaupt gemacht haben und die Zusammenarbeit mit Bonnie ist ganz easy zu erklären. Ich habe mir im Vorfeld schon Gedanken gemacht, dass es mal Zeit für ein Duett wird. Dabei war mir relativ schnell klar, dass es kein männlicher Gesangspartner sein sollte, sondern eben eine Frau. Dabei kamen für mich gar nicht so viele in Betracht, die mit Johnny`s Stimme harmonieren würden, eigentlich nur eine, und das war Bonnie Tyler. Also habe ich bei ihrem Manager angefragt, der mir antwortete, dass Bonnie nur Lieder singt, die sie auch mag. Und bevor sie den Song nicht gehört hat, könne sie weder zu- noch absagen. Ich antwortete, dass das absolut okay für mich ist und dass ich jetzt mal anfange, ein Stück zu schreiben, haha! Der Typ muss gedacht haben, ich hätte einen an der Ratsche, einfach Bonnie anzufragen ohne einen Song in der Tasche. Aber "Love`s Holding On" war schon halb fertig und ich hatte sie natürlich schon im Hinterkopf. Danach haben wir ein Demo aufgenommen, bei dem Johnny jedoch alle Gesangs-Parts übernommen hat und haben ihn auf einen Stick gezogen. Mit dem Teil sind wir dann zu einer Show von Bonnie in Dortmund gegangen, das war letztes Jahr im November und da haben wir uns auch zum ersten mal persönlich getroffen. Ich habe ihr den Stick und eine CD gegeben, doch sie wollte sich das Lied erst später anhören. Bonnie ist nämlich sehr höflich und will einem anderen Künstler nicht ins Gesicht sagen, ob ihr das Material gefällt oder nicht. Ich rechnete also mit einer Reaktion in zwei oder drei Wochen, aber am nächsten Tag erhielt ich schon eine e-mail vom Manager mit folgendem Inhalt: "Bonnie loves the track, when is the recording?" Wir hatten dann ein Zeitfenster von etwa zwei Monaten, wir vereinbarten einen Termin, sie kam rüber geflogen und alles hat hervorragend funktioniert.

Ist es so, dass du bzw. ihr euch vorstellen könnt, weitere Duette in euren Plan aufzunehmen?

Boah, dazu kann ich jetzt wirklich noch nichts sagen. Eigentlich war es jetzt eine einmalige Sache, was zukünftig sein wird, weiß ich noch nicht. Gerade mit Bonnie Tyler war es eine super Geschichte für uns, weil ich finde, dass die beiden Stimmen einfach perfekt zusammen passen. Über andere Pendants habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.

Sind denn gemeinsame Shows mit einem Gastauftritt geplant?

Nee, leider nicht, denn wir machen ja dieses Jahr sowieso nur vier Shows und Bonnie ist bei diesen Terminen selbst auf Tournee. An einem Tag ist sie sogar in Chile, also richtig weit weg und die Möglichkeit besteht nicht. Schade, denn das hätte mit Sicherheit Spaß gemacht.

Du arbeitest ja gerne im gleichen Rhythmus was Album, Tour, Live-DVD/CD, Ballads u.s.w. angeht. Ich könnte auch sagen, du bist zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk.

Ja, das liegt auch daran, dass ich quasi ständig am Komponieren bin. Deshalb spielen wir auch in diesem Sommer nur vier Shows, zwei als Headliner und zwei Festivals. Ich bin nämlich quasi schon mitten in der Kompositions-Phase für das nächste Album und im Herbst geht es schon wieder ins Studio, da können wir nicht vorher noch auf eine größere Tour gehen. Ich habe tatsächlich so viele Ideen, ich könnte schon wieder drei Alben auf einmal machen. Das machen wir natürlich nicht, denn wir machen diesmal zur Abwechslung mal ein richtig gutes, hehe!

Ja was denn sonst? Wäre es denn denkbar für dich, mal eine Unplugged-Show zu spielen? Ich denke da so an einen Abend mit vielen Kerzen auf der Bühne, nur Akustik-Gitarren, Gästen und all der Zinnober, den man so von MTV kennt.

Nein, und zwar deshalb, weil ich so was für eine komplette Show langweilig finde. Ich selbst kann es mir von anderen Bands, die ich cool finde nicht länger als eine Dreiviertelstunde anhören, dann geht es mir auf den Senkel. Und wenn ich mir vorstelle, das selber jeden Abend zwei Stunden zu spielen, dann lehne ich ab. Irgendwann will ich meine Akustik-Gitarre in die Ecke schmeißen und die Elektrische rausholen, das ist eher mein Ding. Akustisch zwischendurch ist okay, aber nicht zu lange.

Eine ebenfalls liebgewonnene Tradition von euch ist die Aufnahme von Songs anderer Künstler. Mit "Diamonds Unlocked" habt ihr sogar schon mal ein komplettes Album mit Coversongs herausgebracht. Seitdem ist immer wieder zwischendurch so ein Stück auf euren Studioplatten, aber auch auf den Balladen-Scheiben. Jetzt ist es mit "I See Fire" ein recht aktuelles Lied von Ed Sheeran drauf gelandet. Welche Voraussetzungen muss ein Song mitbringen, um von dir gecovert zu werden?

Das Wichtigste bei mir ist dabei, dass mich ein Song berühren muss, wenn er mich nicht toucht lassen wir gleich die Finger davon. Dabei habe ich immer meinen ARP-Stil im Hinterkopf, das heißt ich stelle mir vor, wie das bestimmte Lied bei uns, mit Johnnys Stimme und meinem Gitarrenspiel klingen könnte. Bei der Original-Version von "I See Fire" sind ja am Anfang eine Menge Akustik-Gitarren drin neben dem Gesang. Da hab ich mir gesagt, dass wir von diesem großartigen Song was ganz anderes machen wollen, denn die Akustik-Gitarren-Version gibt es ja schon, logo! Also haben wir eine Piano-Version aufgenommen und später die Brat-Gitarren reingehauen, dazu noch ein typisches Pell-Gitarrensolo und schon war unsere Vorstellung fertig, ich finde sie immer noch sehr gelungen!

Ich möchte dir zum Schluss noch eine wie ich finde interessante Frage stellen. Als wir uns das letzte Mal unterhielten, hast du mir erzählt wie sehr du dich auf die Show von Richie Blackmore und Rainbow auf der Loreley freust. Hand aufs Herz, wie empfindest du dein großes Vorbild?

Jau, also, hm…Gut, wir waren mit etwa 12 Kollegen da und alle haben es genauso empfunden wie ich, nämlich kurz vor der Katastrophe! Dabei kann Ronnie Romero am wenigsten dazu, ein super Sänger der seinen Job noch am besten von allen erledigt hat, dem kann man überhaupt keine Vorwürfe machen, ganz im Gegenteil. Richie selbst kam mir teilweise eher unvorbereitet vor, ich weiß nicht was ihn da geritten hat mit einigen Soli bei denen ich mich fragte, was er da mit seiner Gitarre so macht. Was ich auch ganz schlimm fand, waren Drummer und Bassmann, die haben alles gespielt, nur nichts Passendes zur Musik. Ich will nicht sagen, dass das schlechte Musiker sind, aber die Bassläufe zum Beispiel hatten mit den Original-Versionen nichts zu tun. Sehr schade, aber für mich ist dieser Schuss eindeutig nach hinten losgegangen. Ich fragte mich des Öfteren, was die Gründe für die maue Show waren, nur wegen der Kohle hat er es bestimmt nicht gemacht. Vielleicht war es seine Finger-OP, die er zwei oder drei Monate vorher hatte und er war fingertechnisch noch nicht wieder auf der Höhe. Denn es passte einiges nicht, auch die Soli waren nicht schön und irgendwie lahm gespielt.

Wahre Worte über diese Sache vom Gitarristen aus Bochum!

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