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21. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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THE BRANDOS
Wahrheit und Gerechtigkeit!
Peter Hollecker
www.nowherezone.de


Zehn Jahre sind eine lange Zeit in der Musik-Branche. In einem Zeitraum, in dem andere Bands 3 Alben rausbringen und die dazugehrigen Tourneen absolvieren, beehren uns die New Yorker Folk Rocker The Brandos nach einer ganzen Dekade mal wieder mit einer neuen Platte und eben auch mit einigen Konzerten. Deren Denker und Lenker Dave Kincaid hat hierzu eine runderneuerte Truppe zusammengestellt und verabredete sich kurz vor dem Gig in der Isernhagener Blues Garage, einem feinen Szene-Schuppen in dem ich quasi Stammgast bin, zum Interview mit unserem Online-Mag. Als ich dort pnktlich zum vereinbarten Zeitpunkt aufschlug, kam mir der stimmgewaltige Frontmann schon mit seiner Gitarre auf dem Rcken entgegen und lud mich kurzerhand zum Soundcheck ein, der dann auch lnger als gewhnlich dauerte. Fast eine Stunde brauchte das Quartett bis der Chef zufrieden war, um dann vllig relaxt das versprochene Interview mit mir zu fhren, bei dem er viel zu erzhlen hatte!

Dave, herzlich willkommen in Deutschland, schn dich wiederzusehen! Es sah fr mich so aus, als wre der Soundcheck heute harte Arbeit gewesen.

Ja richtig, jede Halle ist ja anders und da braucht es manchmal ein wenig lnger um das optimale Ergebnis zu erzielen. Wir haben uns fr einen sehr jungen Sound-Mann aus Holland entschieden, der mit seinem Handy zu uns auf die Bhne kommt und mittels einer App mit dem Mischpult verbunden ist und so quasi von unserem Standpunkt aus die Halle ausmisst. Er ist erst 21 Jahre alt. Unglaublich was heute mit der modernen Technik mglich ist, aber du wirst heute Abend selbst hren, wie cool das klingt. Wir sind ja schon einige Tage unterwegs und haben letzte Woche sogar auf dem Sweden Rock Festival gespielt. Wir wurden berall sehr gut aufgenommen und ich freue mich auf die positive Resonanz. Denn unser neues Album war ja offiziell noch gar nicht drauen und die Fans kennen die neuen Stcke noch gar nicht, hren sie whrend des Konzerts zum ersten Mal, was fr uns auch eine neue Situation ist. Aber es lief bisher wirklich sehr gut.

In Deutschland seid ihr ja beraus beliebt und leistet euch sogar eine deutsche Website!

Genau, die "Nowhere Zone", eine Seite die von unserem Fan-Club betrieben wird, die kmmern sich schon lange um unsere Belange und machen das richtig gut. Doch wir nutzen natrlich auch die moderneren sozialen Netzwerke, da kommt man heutzutage als Musiker nicht mehr dran vorbei. Deutschland ist unsere zweite Heimat, hier hatten wir damals schlielich unseren ersten groen Vertrag mit einer Plattenfirma, SPV aus Hannover.

Und jetzt sind tatschlich schon fast zehn Jahre ins Land gegangen seit "Over The Border". Bevor wir zur neuen Platte kommen erzhl doch einfach mal, wieso es so lange gedauert hat bis man euch wieder hier erleben kann.

Tja, das ist eigentlich schnell erzhlt, es lag an meinem Privatleben. Ich bin nach der letzten Tour nmlich Vater geworden! Aber leider lief es alles andere als glatt und unser Kind kam mit groen gesundheitlichen Problemen auf die Welt. Es dauerte schlielich ber zwei Jahre, bis wieder einigermaen alles in Ordnung war und diese Geschichte bestimmte natrlich unser ganzes Leben.

Das ist glaube ich relativ normal und eben nicht vorauszusehen. Es ist einfach so, dass die Gesundheit eines Kindes wichtiger ist als die Musik. Wir mussten zudem zweimal umziehen und ich war einfach ber Jahre mit familiren Dingen beschftigt, die es mir unmglich machten, an dem neuen Album weiter zu arbeiten. In der Zeit musste meine Frau natrlich das Geld fr unseren Lebensunterhalt verdienen. Jetzt bin ich wieder an der Reihe.

Das ist natrlich nachvollziehbar. Aber nun seid ihr ja wieder mit Tour und neuer Platte "Los Brandos" zurck. Auf dem Vorgnger "Over The Border" waren schon vermehrt Folk Einflsse aus Mexiko vertreten, was jetzt tatschlich noch viel strker der Fall ist. Wie kam es so weit, das du sogar einige Songs in Spanisch singst!?

Nun, ich lebte als junger Mann mal ein Jahr lang in Mexiko City als Austauschstudent. Dort lernte ich sehr viele liebe Menschen kennen, Land und Leute haben mich total fasziniert. Aus diesen Erinnerungen heraus ist schon "Over The Border" 2007 entstanden. "Los Brandos" ist genaugenommen die Fortsetzung von "Over The Border". Ich habe damals so viele Geschichten erlebt und gehrt, dass ich sie aufschreiben und erzhlen musste. Es ist dabei nichts Erfundenes dabei, alles ist tatschlich passiert und im Grunde genommen unfassbar. An vielen der neuen Stcke arbeite ich schon seit 2008, aber mein Leben hat eine frhere Verffentlichung aus den eben schon genannten Grnden verhindert. In Mexiko habe ich auch Spanisch gelernt und ich finde, dass diese Sprache sehr melodisch klingt, gut zu unserer Musik passt und die betreffenden Songs authentischer macht. Da ist z.B. der Song "Senor Coyoty". Ein Kojote ist ja bekanntlich ein bses, hinterlistiges Tier und der Mann von dem ich in dem Song erzhle ist ein Menschenhndler, der Menschen fr Geld aus Mexiko in die USA schmuggelt und bei seinem schmutzigen Geschft ber Leichen geht. Ich habe immer noch viele Freunde in Mexiko die ich sehr liebe und leider zeigt die aktuelle Politik, dass viele schlimme Dinge von der Realitt eingeholt wurden. Die meisten Probleme sind ja nicht neu, verschlimmerten sich leider nur noch ber die Jahre.

Dann wirst du mit der Wahl eures neuen Prsidenten garantiert auch nicht einverstanden gewesen sein, richtig?

Natrlich nicht, ich finde wirklich nicht die richtigen Worte dafr, diesen Menschen treffend zu beschreiben! Ich bin immer noch einfach nur wtend und kann nicht glauben, dass die Brger Trump zum Prsidenten der USA gemacht haben. Ich kenne allerdings niemanden, der ihn gewhlt hat und kann mir auch gut vorstellen, dass es nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Das ist wirklich nur meine persnliche Sicht der Dinge, ich spreche nicht fr alle Amerikaner.

Ich merke deutlich, wie sehr dich das Thema Trump anfrisst, er will ja auch eine Mauer an der Grenze zu Mexiko errichten lassen. Du erzhlst ja auch Geschichten von der Eroberung Mexikos und verbindest so die Vergangenheit mit der Gegenwart. Auch beim lteren Material der Brandos floss die Geschichte der USA immer mal wieder in Songs ein.

Ja, ich interessiere mich sehr fr die Geschichte! Und wenn sie mit meiner eigenen Familie zu tun hat, bin ich regelrecht fasziniert davon. So wie bei meinem Ur-Grovater, in dessen Nachlass wir eine Bibel gefunden haben, in der sich seine Einberufungs-Urkunde fr den Unabhngigkeits-Krieg befand! Er ist in diesem verdammten Krieg gefallen und so ist der Song "Gettysburg" seinerzeit entstanden. Ich erzhle gerne Geschichten die tatschlich passiert sind, das war schon immer so.

Vielen Dank fr dieses interessante und offene Gesprch, es ist nicht bei jedem Knstler blich, auch private und schwierige Dinge anvertraut zu bekommen. Viel Spa noch auf dem Rest der Tour und viel Erfolg!

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