Navigation
                
17. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Band
Titel
Autor
Homepage
>> Als E-Mail versenden
EDENBRIDGE
Kreuzfahrt ins Glück
Peter Hollecker
www.edenbridge.com


1998 zunächst als Studio-Projekt von Multi-Instrumentalist Arne Stockhammer, der sich jedoch lieber Lanvall nennt und Sabine Edelsbacher gegründet, entwickelten sich Edenbridge bis heute als feste Größe im Bereich female fronted Symphonic Metal. Vorläufiger Höhepunkt war vor drei Jahren ihr achtes Studioalbum "The Bonding", mit dem die Band aus Österreich international den größten Erfolg ihrer Karriere landete. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass es sich Edenbridge angewöhnt haben, bei vielen Songs mit einem echten Symphonie-Orchester zu arbeiten. Beim neusten Album mit dem vielsagenden Titel "The Great Momentum" wiederholten Lanvall und Sabine diese lieb gewonnene Tradition zwar, verordneten den Gitarren jedoch eine etwas härtere Gangart als auf den bisherigen Werken. Diese Mischung in Verbindung mit der tollen Stimme der Frontdame passt dermaßen perfekt, dass die Latte für vergleichbare Bands wie Nightwish oder Xandria in Zukunft sehr hoch liegen sollte. Ein paar Tage vor der Abreise zur "70 000 Tons Of Metal" Kreuzfahrt bin ich telefonisch mit den beiden Hauptverantwortlichen verbunden, die sich logischerweise wie Bolle freuen, bald dem kalten europäischen Winter für eine Weile zu entfliehen.

Zunächst komme ich jedoch zum neusten Baby mit dem vielversprechenden Namen "The Great Momentum". Woher kam die Inspiration, den Gitarren einen größeren und somit auch härteren Spielraum zu verpassen? Hat da ein Sinneswandel stattgefunden?

Lanvall: Als Sinneswandel würde ich es eher nicht bezeichnen, vielmehr als natürlichen Prozess beziehungsweise eine natürliche Entwicklung. Es war einfach so, dass Sabine und ich nach dem letzten Album und verschiedenen Projekten wieder genug Material zusammen hatten. Für einen etwas härteren Stil der Gitarren haben wir dann letztlich erst ziemlich zum Schluss beim Mix entschieden. Ein weiterer Grund war der Einsatz der symphonischen Elemente des Orchesters, den man im Gesamtergebnis nicht unterschätzen sollte, denn auch das knallt gewaltig. Und genau das war auch unsere Intension. Es ist ja nicht so, dass das Orchester permanent spielen soll, aber wenn es einsetzt muss es auch krachen! Wenn du ständig diesen Bombast in der Musik hättest, würde es seinen Reiz und letztendlich auch an Dynamik verlieren, aber an den richtigen Stellen eingesetzt ist es äußerst vorteilhaft. Das Wichtigste ist eben die richtige Balance zu finden.

Das klingt für mich sehr sinnvoll und bringt mich gleichzeitig zu meiner nächsten Frage. Bald geht es für euch wieder auf Tour, unter anderem bis nach Vietnam. Nehmt ihr diesmal das Orchester oder Teile davon mit?

Lanvall: Nein, es ist natürlich nicht möglich, ein ganzes Orchester mit auf Tour zu nehmen, viel zu aufwendig und zu teuer wäre das für uns. So kommen die orchestralen Sounds eben vom Laptop, obwohl es schon ein Traum für uns wäre, mal mit dem großen Besteck ein Konzert zu spielen und am besten noch auf DVD aufzuzeichnen. Das wäre wirklich wunderbar. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, oder?

Absolut, man muss immer versuchen seine Träume zu verwirklichen. Wie erklärt ihr euch, dass sich eure Musik gerade im asiatischen Raum einer besonders großen Beliebtheit erfreut?

Sabine: Darüber können wir natürlich nur mutmaßen. Eine Erklärung ist vielleicht unser erstes Album, bei dem wir einige asiatische Instrumente und Rhythmen ausprobiert haben, was sich dann noch ein Weilchen so fortsetzte. Auch haben wir gleich von Anfang an den asiatischen Raum bereist und Konzerte gespielt, vielleicht hat das den Leuten dort gefallen und Edenbridge hat sich bei ihnen festgesetzt. Aber das ist ja kein Fehler gewesen.

Auf keinen Fall, so habe ich das auch nicht gemeint. Da du gerade am Phone bist, ist die nächste Frage speziell an dich gerichtet. Vielen eurer Fans, übrigens auch mir, gefällt deine Stimme besonders gut, weil sie nicht so zwanghaft in die höchsten Höhen abdriftet, sondern irgendwie solide und natürlich klingt. Entschuldige dass ich es nicht besser ausdrücken kann, ich denke da mal ganz einfach an eine Tarja, die ja oftmals eher klassisch und operettenhaft singt, was sie ja auch kann. Hattest du eigentlich mal eine richtige Ausbildung genossen?

Sabine: Ich habe immer wieder mal Gesangsstunden genommen, aber nie eine klassische Gesangsausbildung genommen. Das liegt einfach daran, dass ich auch nie in die klassische Richtung wollte. Im Laufe der Zeit habe ich mir das meiste autodidaktisch erarbeitet, wobei ich versucht habe, aus den vielen Stilen mir das Beste herauszupicken. Was ich jedoch gemacht habe war eine Ausbildung in der integrativen Stimmtherapie, bei der es genau in die Richtung geht, sich das Beste heraus zu sammeln, worunter durchaus auch mal eine Opernsängerin gehören kann, allein wenn ich an solche Themen wie Atemtechniken denke. Dort fand auch ein reger Austausch mit anderen Sängerinnen statt, wobei es mir sehr wichtig war, meinen eigenen Stil zu finden und nicht wie eine Kopie von dieser oder jenen zu klingen

Was dir auch gelungen ist. Kommen wir zur neuen Platte zurück. Ist der Titel "The Great Momentum" dort Programm für euch? Ich kannte den Begriff "Momentum" bisher nur aus dem Sport.

Sabine: Aus dem Sport kenne ich den Begriff nicht. Es war bei uns ganz einfach so, dass wir nach den Arbeiten am letzten Album uns schon Gedanken über den Titel der nächsten Platte gesucht haben. Wir waren noch dermaßen geflasht von "The Bonding", dass es scheinbar ein besonders guter Zeitpunkt für eine Namensfindung war, so dass wir uns damals schon quasi für diesen Titel entschieden haben. Es ist zwar kein Konzeptalbum, doch hat es schon einen gewissen roten Faden, weil die verschiedenen Songs aus einem kreativen Fluss heraus entstanden sind und somit eine positive Energie innehaben. Ich nenne sowas gerne den "Flow-Zustand", wenn es läuft dann läuft es halt.

Nichts anderes ist es beim Sport, wenn Kleinigkeiten über Erfolg und Misserfolg entscheiden, was sich meistens im Kopf abspielt. Ihr habt auf "The Great Momentum" die schöne Ballade "Untill The End Of Time" aufgenommen, ein Duett zwischen Sabine und Erik Martensson von W.E.T. Wie kam es dazu?

Lanvall: Erik war auch schon auf unserem letzten Album "The Bonding" vertreten. Diesen Song hier hatten wir für ein Akustik-Projekt mit Erik schon mal aufgenommen. Ein Freund von uns hatte nun die Idee, aus dieser Akustik-Nummer eine schöne fette Rockballade zu machen, weshalb es nahe lag Erik auch hierfür ins Boot zu holen. Wir wollten ehrlich gesagt auch keinen anderen Sänger dafür haben, weil erstens die Stimmen von Sabine und Erik so gut miteinander harmonieren und zweitens er quasi der Sänger der Original-Version ist. Erik ist ein total sympathischer und netter Mensch, wir sind wirklich froh ihn wieder dabei gehabt zu haben.

Anderes Thema: Ist euch eigentlich bewusst, dass ihr nächstes Jahr schon euer 20-jähriges Bandbestehen feiert?? Und wie wollt ihr das zelebrieren?

Lanvall: Ja, grundsätzlich ist uns das schon bewusst, doch es kommt immer darauf an wie man es rechnet. Ich zähle es eigentlich erst so richtig ab dem Jahr 2000, weil da unser erstes Album rausgekommen ist. Doch klar, wenn man es so sieht das unsere Band 1998 entstanden ist, wäre nächstes Jahr unser 20. Geburtstag. Von daher warten wir mal ab, ob wir tatsächlich 2018 oder erst 2020 dieses Ereignis zelebrieren werden, haha! Eigentlich müssten wir es 2020 feiern, weil wir 2015 ja unsere große DVD-Box mit 15 Jahren Edenbridge-Geschichte veröffentlicht haben.

Okay, warten wir es einfach ab. Fakt ist, dass ihr euch schon viele Jahre kennt und Sabine einige Texte schreibt, du jedoch hauptsächlich für die Musik und nebenbei auch für einige Texte verantwortlich bist. Hat sich das eingespielt oder gibt es auch zwischendurch mal Raufereien?

Lanvall: Also Raufereien gibt es keine…(Sabine fängt herzlich an lauthals zu lachen!!( Anm. des Verf.)…okay…erwischt. Logisch gibt es hier und da mal Meinungsverschiedenheiten, weil ja auch jeder so seine Vorlieben hat. Also die Musik wächst sozusagen auf meinem Mist, um es mal etwas scherzhaft zu sagen. Bei den Texten hat es sich mittlerweile so entwickelt, dass wir das meiste zusammen schreiben und uns somit die Sätze gegenseitig zuwerfen, was sehr gut funktioniert. Da hätten wir eigentlich schon früher drauf kommen können. Aber immer steht der Versuch im Mittelpunkt, das bestmögliche Resultat herauskommen zu lassen.

Erklärst du bitte mir und denjenigen die dich nicht kennen einmal kurz deinen Künstlernamen Lanvall?

Lanvall: Ja gerne, Lanval ist ein Held aus der irisch-keltischen Mythologie und eine Person aus der Feder von Marie de France. Allerdings habe ich den Namen etwas abgeändert, denn ich habe ihm noch ein zweites L verpasst, normalerweise schreibt er sich hinten nur mit einem L. Zu meiner Solozeit, als ich meinen ersten Plattenvertrag unterschrieb war mir klar, dass ich meine Musik nicht unter meinem richtigen Namen, sondern unter einem Künstlernamen rausbringen wollte. Es hat für mich einfach runder geklungen und ich habe diesen Namen beibehalten, er gefällt mir auch ehrlich gesagt.

Ich weiß dass du eine ganze Reihe von Instrumenten beherrschst. Gibt es beim Schreiben der Lieder Favoriten bei der Instrumentenauswahl?

Lanvall: Grundsätzlich komponiere ich nur auf Gitarre und Klavier, je nach dem. Wenn ein Riff im Vordergrund steht ist natürlich die Gitarre die erste Wahl, bei den ruhigeren, harmonischen oder symphonischen Songs eben das Klavier. Trotzdem versuche ich, immer wieder auch mal andere Instrumente bei den Aufnahmen ein zusetzten, diesmal war es zum Beispiel das Hackbrett, mit dem ich mich letztes Jahr intensiver beschäftigt habe. Oder die Bouzouki kam auch wieder mal zum Einsatz. Ich bin der Meinung, dass sich echte Instrumente immer besser anhören als Samples vom Keyboard, weil der Ton weicher und natürlicher ist, was man dementsprechend auf der CD hören kann.

Prima, kommen wir zum abschließenden Thema. In Kürze geht es für euch auf große Fahrt, nämlich mit dem Schiff in die Karibik, und zwar auf die höchst beliebte "70 000 Tons Of Metal" Kreuzfahrt! Das muss doch unglaublich spannend sein, oder?

Lanvall: Ja, das ist richtig. Wir sind schon seit gut einem Monat nur in der Vorbereitungsphase, weil das Angebot relativ plötzlich gekommen ist und dementsprechend viel zu organisieren war. Jetzt sind wir fleißig am Proben und es kann nächste Woche losgehen (02. - 06. Februar 2017-Anm. des Verf.). Für uns wird damit schon ein kleiner Traum wahr, denn es ist die größte Metal-Kreuzfahrt der Welt, die jede Band gerne in ihrer Vita hätte. Es wird garantiert eine tolle Sache, weil wir auch eine Menge Bands wiedersehen, mit denen wir früher schon mal auf Tour waren wie Axxis oder Saltatio Mortis. Wir freuen uns unbeschreiblich!

<< vorheriges Interview
LIONVILLE - Die Löwen brüllen zum dritten Mal!
nächstes Interview >>
RA'S DAWN - Freundschaft trotz schlimmer Gerüche!




 Weitere Artikel mit/über EDENBRIDGE: