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18. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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UNLIGHT
Wo bleibt der Dukatenesel?
Marc Fischer
www.facebook.com/unlight.org/


Vor zwei Monaten haben UNLIGHT aus dem baden-wrttembergischen Klettgau mit "Antihelion" ihr siebtes Langeisen unter das schwarzmetallische Volk gebracht, in diesem Jahr feiert die Band ihr 20-jhriges Bestehen. Nachdem das neue Album durch die Bank weg berzeugen konnte, fhlten wir uns quasi gentigt, dem Vierer ein paar Fragen zur neuen Scheibe, zur langen Bandhistorie und zu den Tcken des Alltags zu stellen. Gitarrist und Snger Blaspherion stand stellvertretend fr die Band Rede und Antwort.

Sieben Alben, knapp 20 Jahre Bandgeschichte, aber immer noch Underground? Ist das gewollt?

Ja und Nein. Vielleicht hatten wir einfach nur Pech nie, den Aufstieg komplett geschafft zu haben. Vielleicht haben wir nicht den "Geschmack der Zeit" mit unserem Stil getroffen. Oft haben wir aber auch das Gefhl, dass wir irgendwie zwischen den Sthlen sitzen. Der Underground will uns nicht wirklich, da wir zu kommerziell oder professionell sind. Dem Mainstream verschlieen wir uns aber auch, da das mit dem kompletten Kommerzgedanken eben auch nicht unser Ding ist. Schlussendlich ist es aber sehr oft einfach eine finanzielle Frage, ob man dem Underground entsteigen kann. Unter dem Strich und am Ende des Tages ist es uns aber ehrlich gesagt egal, denn wir fhlen uns dem Underground seit jeher zugehrig.

Wie wrdet ihr euren Werdegang innerhalb dieser knapp 20 Jahre beschreiben? Seid ihr zufrieden damit, was ihr geleistet habt, leisten konntet und wo ihr inzwischen mit dem Status der Band angekommen seid?

Wir sind schon recht zufrieden mit dem, was wir als Band geleistet haben. Natrlich ist es nie genug, wenn man als Band und auch als Einzelperson ein gewisses Ma an Ehrgeiz hat.

Haben die Besatzungswechsel in der Band dazu gefhrt, dass sich der Stil verndert oder gewandelt hat, oder ist Blaspherion der kreative Kopf ber allem?

Der Stil der Band hat sich in den Jahren ausgebaut und schon etwas verndert. Einerseits durch die Besetzungswechsel, andererseits aber auch, weil man mit den Jahren natrlich viel an Erfahrung und kreativem Wandel gesammelt hat. Im Kern jedoch hat sich der Stil nicht komplett gewandelt, da in der Tat die Grundgerste der einzelnen Songs von Blaspherion erstellt werden.

Nach sieben Alben, wie liegen da die Erwartungen, wie zufrieden seid ihr mit "Antihelion"?

Grundstzlich erwartet man erstmal nicht viel. Geschmcker sind bekanntermaen sehr verschieden. Aber die Reaktionen auf unseren neusten Output "Antihelion" sind bis jetzt zufriedenstellend. Um ehrlich zu sein ist das aber eher sekundr. Wir wrden unsere Musik auch machen, wenn wir am Ende nur 4 CDs fr uns selbst pressen lassen wrden. Natrlich ehrt es uns sehr, dass auch andere gefallen an unserer Tonkunst finden. Das spornt natrlich zustzlich an und gibt weitere Energie fr die Zukunft.

Gibt es bei den Aufnahmen inzwischen noch Dinge, die euch berraschen, oder seid ihr mittlerweile so routiniert und "abgebrht", dass ihr auf alles vorbereitet seid?

Natrlich haben wir mit all den Jahren schon viel im Studio erlebt und sind da relativ routiniert bei der Sache. Aber dennoch passieren immer wieder unvorhergesehen Dinge, welche uns dann doch noch berraschen. Meistens sind es technische Probleme. Aber manchmal auch andere. So hat Blaspherion auch schon ein Album mit einer durchtrennten Fingerkuppe an der Greifhand einspielen mssen. Augen auf beim allmorgendlichen Brtchenschneiden! Widrigkeiten lauern an jeder Ecke!

Bezglich der durchweg guten Kritiken zu "Antihelion" - Merkt man bereits whrend der Entstehung des Albums, dass man dort etwas qualitativ Hochwertigeres oder Langlebigeres erstellt? Oder ein wenig anders gefragt: Wei man nach den ganzen Aufnahmen, dass man dort gute Musik geschrieben hat, oder hlt man sich mit solchen Einschtzungen auch zurck?

Das Gefhl, dass man etwas geschaffen hat, was einem als Musiker zufrieden stellt, stellt sich erst einige Wochen nach Beendigung der Aufnahmen ein. Bis zuletzt ist man dem Gesamtwerk immer kritisch gegenber. Man feilt bis zur letzten Minute an Details. Nachdem dann aber alles komplett abgeschlossen ist, muss man das Ganze erstmal eine Zeit sacken lassen. Danach hrt man ein Werk dann mit etwas anderen Ohren und beurteilt die Arbeit und das Ergebnis auch etwas anders.

Technisch verglichen mit der Produktion der frhen Neunziger Jahre und der heutigen Zeit hat sich ja viel verndert. Welche Position vertritt UNLIGHT in so einem Fall, wie viel Retro darf sein?

Natrlich so viel Retro wie mglich aber nur so viel wie ntig. Da wir auch ein gewisses Ma an Wert auf spieltechnische Detailarbeit, druckvolle Produktion und Atmosphre legen, ist unsere Produktion immer auch diesem Niveau angepasst. Wir wollen dann schon auch noch hren, was da jedes Instrument im Einzelnen leistet, aber dennoch dem Gesamtziel dienlich abmischen und mastern.

Hat man mit so langer Bandhistorie noch Vorbilder oder Bands, an denen man sich orientiert, oder ist man im besten Falle inzwischen selbst ein solches?

Diese Frage ist relativ rasch beantwortet. Viele Vorbilder haben wir nicht. Der Mensch, der uns aber doch sehr nachhaltig mit seiner Musik geprgt hat, ist und bleibt Quorthon.

Wrdet ihr rckblickend noch mal etwas anders machen, wenn ihr knntet? Eine Chance, die ihr euch vielleicht habt entgehen lassen, die man htte nutzen sollen, oder seid ihr vollauf zufrieden damit, wie es gekommen ist und sich entwickelt hat?

Da gibt es sicher so die ein oder andere Chance oder Mglichkeit, die uns entgangen ist. Meistens haben diese entgangenen Chancen aber mit Geld zu tun. Mit sehr viel Geld. So zum Beispiel Tourangebote, auf welche wir uns htten einkaufen knnen. Aber wer zum Donnerwetter hat fr eine 2-wchige Europatour mal so eben runde 10.000 Euronen rumliegen? Wir nicht. Leider kam das immer wieder vor. Und wenn man solche Angebote einmal, zweimal oder gar mehrfach ausschlgt, dann wird man halt irgendwann einfach nicht mehr gefragt. Nun ja so sei es. Wchse uns das Geld aus dem Arsch, wren wir vielleicht heutzutage woanders. Wer wei. Es geht dabei aber nicht nur darum, dass wir uns das nicht leisten knnen. Selbst wenn wir knnten, wissen wir nicht, ob solche Aktionen mit unserer Einstellung und der Philosophie von Black Metal, wie wir ihn seit jeher verstehen, in Einklang bringen lassen wrden.

Wie sehen die weiteren Aktivitten nach der Fertigstellung von "Antihelion" aus?

Im Groen und Ganzen wird sich wohl nicht viel ndern. Wir werden weiterhin um Shows kmpfen und uns mit aller Energie unserer Sache widmen.

Danke euch fr die Zeit und die Antworten!

Wir danken DIR fr dieses Interview!



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