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20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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THE NEAL MORSE BAND
Neue Töne über ein altes Buch
Peter Hollecker
www.nealmorse.com/


Der Name Neal Morse hat in der Progressiven Rockmusik einen ausgezeichneten Klang und unter seiner Beteiligung in den verschiedensten Bands und Projekten entstanden noch nie schlechte Alben. Egal ob als Mitbegründer von Spock`s Beard, bei der ersten Prog Supergroup Transatlantic, der zweiten Supergroup Flying Colours oder solo bzw. mit seiner eigenen Band. Immer entstanden anspruchsvolle, emotionale und abwechslungsreiche Klänge, die zahlreiche Prog Fans in Verzückung geraten und mit der Zunge schnalzen ließen. In letzter Zeit schreibt er vermehrt Texte, die seinen christlichen Glauben und Weltanschauung in den Vordergrund stellen, zumindest bei seinen eigenen Platten. Das tut er jedoch höchst authentisch, was ihm bei seinen Side-Projects (wie den Flying Colours) auch einen gewissen Freiraum schenkt. Ich hatte kürzlich die Ehre, mit diesem überaus sympathischen Musiker kurz vor Veröffentlichung des neuen Albums "The Simitilude Of A Dream" der Neil Morse Band ein Interview zu führen, bei dem es zunächst aus gegebenem Anlass etwas politisch wurde, denn unser Gespräch fand ausgerechnet an dem Tag statt, an dem die USA ihren neuen Präsidenten wählte. Wenn der gute Neil am Vormittag des 8. Novembers das Ergebnis geahnt hätte, wer weiß ob er dann noch so locker und gut gelaunt auf meine Fragen geantwortet hätte.

Hi Neal, heute ist ein wichtiger Tag für die USA und es entscheidet sich wer der neue Präsident der USA wird. Oder ob es sogar erstmalig eine Frau wird, die ins Weiße Haus einzieht? Ehrlich gesagt haben wir uns in Deutschland während dieses geschichtsträchtigen und überaus schmutzigen Wahlkampfes oft gefragt, was mit deinen Landsleuten los ist.

Oh Gott, ja, das glaube ich gerne. Wenn ich ehrlich bin, schäme ich mich sogar für mein Land. Heute ist in unserem Haus ein schlechter Tag, denn es ist traurig dass es zu diesen beiden Kandidaten gekommen ist. Dabei hatten wir doch einige bessere Optionen. Ich habe keine Erklärung dafür, wie es dazu kam, aber das Volk wollte es so. Das liegt eben am Wahlsystem hier in den USA, in Kanada zum Beispiel wäre so etwas nicht möglich. Vielleicht sollte ich tatsächlich nach Kanada umziehen.

Lass uns doch über schönere Dinge reden, nämlich über die Musik. Euer neues Album ist ein Konzeptalbum geworden, verteilt auf zwei CDs. Ich habe gelesen, dass die Songs auf einem alten Buch beruhen. Wie kamst du auf diese Geschichte?

Es handelt sich tatsächlich um ein sehr altes christliches Buch. Ich bin gar nicht selbst darauf gekommen, sondern es wurde mir von Paul Whitehead empfohlen, einem Künstler, der schon einmal ein paar Cover für Genesis-Alben entworfen hat. Doch ganz gelesen habe ich es immer noch nicht, denn es ist ein wahres Monster von Buch. Ich informierte mich im Internet über die Geschichte, googelte tagelang und fand es sehr interessant. Da ist in uralter Zeit dieser Mann, der seine Stadt der Verdammnis verlässt, um seine Bestimmung und seinen Frieden zu finden. Dafür nimmt er viele Qualen auf sich, erfährt aber auch schöne Dinge auf seiner Reise. Ja, und das haben wir versucht musikalisch umzusetzen. Zunächst war es nur eine CD, aber Mike (Portnoy-der Verf.) sagte dann zu mir, dass es doch noch viel mehr zu erzählen gibt und dass die gut 50 Minuten nicht ausreichen würden, um diese Story so zu erzählen, dass es ihr gerecht wird. Also schrieben und komponierten wir noch einiges dazu, haha!

Und dabei hat die Mike geholfen?

Ja, und zwar bei den Arrangements der Songs, die Idee, das Konzept und die Texte sind von mir. Wir haben im Dezember letzten Jahres angefangen zu schreiben und es zog sich bis in März hinein, ehe wir mit den eigentlichen Aufnahmen beginnen konnten. Mike ist ein sehr viel beschäftigter Musiker, der quasi ständig unterwegs ist, da ist es manchmal schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Er ist Anfang des Jahres auch noch umgezogen, was auch nicht hilfreich war. Doch wir schaffen es immer wieder, zusammenzukommen um zu arbeiten. Die heutige Technik hilft ja auch enorm, obwohl mir ein persönlicher Kontakt grundsätzlich immer am liebsten ist, ganz klar.

Ist es eigentlich wichtig für dich persönlich, dass die Fans deiner Musik die Texte verstehen. Ich kenne einige Freunde die deine Musik lieben, aber aufgrund fehlender Englisch-Kenntnisse überhaupt nicht verstehen, worum es in deinen Texten geht. Die Musik reicht ihnen eben, um gut unterhalten zu werden.

Schwierige Frage…darüber habe ich noch nicht so direkt nachgedacht. Ich kann darüber nur etwas aus meiner eigenen Sicht, also aus der Sicht des Schaffenden erzählen. Ich denke, dass die Musik und die Texte miteinander verheiratet sind, verstehst du? Für mich sind die Worte wichtig, logisch, doch verstehe ich auch wenn sie andere nicht so sehr mögen. Die Texte sind Teil des Ganzen, die meiner Meinung nach viel über die Gefühle in den Songs ausdrücken, durch meinen Gesang noch mehr. Echt üble Texte können es dem Hörer allerdings auch sehr schwer machen, die Musik zu ertragen, oder (und lacht lauthals)?

Da hast du absolut Recht, wenn man sie denn versteht…da könnte ich dir hier aus Deutschland auch einige Beispiele für deine These nennen, aber lassen wir das lieber. Apropos Deutschland: Ist es richtig, dass du eine enge Beziehung zu Deutschland hast und sogar mal hier gelebt hast?

Ja, da bist du richtig informiert. Das war Anfang der Neunziger Jahre, da hatte ein guter Freund von mir einige Irish Pub Filialen, unter anderem in Berlin. Die Live Musik Szene in diesen Pubs lief damals sehr gut und er fragte mich, ob ich nicht ab und zu spielen wollte. So kam es, dass ich immer so für 2 oder 3 Wochen in Deutschland war und Musik machte, um dann wieder für einige Wochen in die USA zurückzukehren. Ein paar Monate habe ich das durchgezogen, es war gutes und leicht verdientes Geld und außerdem eine schöne Zeit, an die ich gerne zurückdenke.

Mir ist aufgefallen, dass ihr mit Transatlantic 2 Konzert DVDs aus Europa (Deutschland + Holland) und mit den Flying Colours aus dem Z 7 im schweizerischen Pratteln ebenfalls ein Konzert in Europa veröffentlicht habt. Ist der Prophet im eigenen Lande nichts wert?

Oh doch, das kann ich so nicht sagen. Ich weiß gar nicht genau, warum das so war, aber es gibt auch zwei Konzert-DVDs von der Neil Morse Band aus den USA, z.B. vom Morse-Fest 2014. In Europa gibt es jedoch sehr schöne Locations, die nicht so groß wie bei uns in den USA sind, vielleicht war das der Grund. Speziell Transatlantic lief bei euch aber auch sehr erfolgreich.

Habt ihr vor mit dem neuen Album im Gepäck auch in Europa aufzutreten?

Auf jeden Fall! Nächstes Jahr im März ist es soweit, dann sind wir in Europa auf Tour, selbstverständlich auch in Deutschland. Wann und wo genau wir in Deutschland auftreten, kann ich dir allerdings jetzt aus dem Kopf nicht sagen. Aber auf unserer Homepage ist das alles nachzulesen, um jetzt mal auch mal ein bisschen Werbung machen zu dürfen, haha!

Okay, das hast du aber garantiert nicht nötig, die Hallen werden sicher voll werden. Ich komme auch schon zu meiner letzten Frage: Wie sieht der Rest des Jahres für dich aus?

Die nächsten Tage stehen natürlich noch reichlich Interviews an. Danach geht es auch schon mit den Vorbereitungen zum diesjährigen Morsefest los, das zu Weihnachten stattfindet. Da freue ich mich natürlich schon sehr darauf, aber es ist auch immer eine arbeitsintensive Zeit für mich, weil ich mich um viele Dinge noch selbst kümmern muss. Proben stehen natürlich zwischendurch auch noch an, die sich sicherlich bis ins Neue Jahr wegen der Tour hinziehen. Also du siehst, nicht nur Mike ist ein vielbeschäftiger Mensch, ich bin es auch, haha!

Dann wünsche ich dir und deiner Familie von hier schon mal ein friedliches Weihnachtsfest, alles Gute im Neuen Jahr und danke für das Interview!

Danke sehr, gleichfalls und viele Grüße nach Deutschland! Wir sehen uns hoffentlich nächstes Jahr im Konzert!

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