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23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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CRY OF DAWN
AOR vom Reißbrett?
Martin Stark
www.goranedman.com/en


CRY OF DAWN ist ein neues Projekt aus dem Stall von Frontiers Records. Die Italiener scheinen aus einem schier unerschöpflichen Reservoir schöpfen zu können und beweisen immer wieder gutes Gespür für erfolgversprechende Konstellationen. Mit Göran Edman (u.a. ex YNGWIE MALMSTEEN, KARMAKANIC, STREET TALK) bringen sie Erfahrung und Kompetenz gleichermaßen an den Start. Jener Edman stand uns, obwohl kein Mann der vielen Worte, Rede und Antwort.

Es handelt sich offensichtlich weniger um eine feste Band als um ein Projekt. Wie in ähnlichen Konstellationen dürfte das Label die treibende Kraft gewesen sein, oder?

Ja, das stimmt. Dazu kann ich ehrlich gesagt aber nur wenig sagen und ich glaube auch nicht, dass von vorne herein klar war, dass ich die Scheibe einsinge. Das Label suchte die Songs aus, entschied über die beteiligten Musiker und das Artwork und so weiter. Klar, werden einige wieder sagen, dass diese Arbeitsweise fern von einer klassischen Band ist, aber für mich als Sänger ist es auch mal sehr komfortabel und angenehm die fertigen Stücke zu bekommen und einfach einzusingen. Wobei ich aber schon sagen muss, dass hier und da natürlich kleinere Anpassungen meinerseits möglich und auch erwünscht waren.

Gitarre und Bass bedient der junge Michael Palace, der gerade selbst mit Palace ein feines AOR-Scheibchen veröffentlicht hat.

Abgesehen von Drummer Daniel Flores, den ich schon länger kenne und mit dem ich bereits häufiger zusammengearbeitet habe, habe ich die anderen nicht getroffen. So entstehen nun mal heute viele Platten, egal ob man das mag oder nicht, aber was ich über ihn gehört habe und auch wenn du dir die fertige Scheibe anhörst, da muss man absolut den Hut ziehen.

Wie stehen denn die Chancen auf Live-Gigs? Das entsprechende Angebot vorausgesetzt, bestünde bei allen Beteiligten die Bereitschaft?

Undenkbar ist nichts, zumal Frontiers ja ihr eigenes Festival aufziehen und es macht sicherlich für ein Projekt wie Cry Of Dawn nur Sinn in einem solchen Rahmen über Live-Auftritte nachzudenken. Bisher ist noch nichts geplant, aber wer weiß, was noch so passiert.

Welche Erklärung hast du für die Tatsache, dass unglaublich viele gute Rock- und Metal-Bands aus dem vergleichsweise kleinen Schweden kommen?

Die staatlichen Förderprogramme sind eine Seite, aber ich denke mal wir Schweden sind einfach musikalisch sehr gut sozialisiert. Die großen Vorbilder aus England, wie z.B. die Beatles, haben einfach ihre Spuren hinterlassen. Und über sämtliche Genres hinweg entwickeln wir seit je her unsere eigene Interpretation.

Du bist recht vielseitig, hast sowohl Metal- als auch Progressive Rock-Platten eingesungen. Und natürlich zahllose Hard- und Melodic Rock-Geschichten. Wo siehst du dich am meisten?

Ich finde die Mischung wichtig und am wichtigsten ist, dass es gute Kompositionen sind. Ursprünglich bin ich mit progressiven Klängen wie Genesis oder Yes aufgewachsen, weniger mit Iron Maiden, AC/DC und Judas Priest. Im Laufe der Zeit bin ich natürlich schon auch von härteren Sounds beeinflusst worden. Aber AOR habe ich ja auch schon mit Covered Call gemacht. Und Street Talk würde ich sogar als noch softer als Cry Of Dawn einstufen.

Hast du denn überhaupt noch den Überblick und vor allem alle Scheiben aus den letzten dreißig Jahren im Schrank an denen du, in welcher Form auch immer, beteiligt warst?

Ja, die meisten besitze ich. Aber ehrlich gesagt höre ich meine Musik später nicht mehr an. Ich blicke nach vorne und manchmal fühlt es sich an alte Scheiben zu hören als ob da jemand anderes singt. Ein seltsames Gefühl wenn ich da so drüber nachdenke.

Du hast in deiner langen Karriere sowohl mit sagen wir mal schwierigen Charakteren wie Yngwie Malmsteen getourt als auch beispielsweise eine einzige Show mit Touch, der Pomp-AOR-Band um Mark Mangold, gespielt. Letztere beim finalen Firefest 2014 vor äußerst erwartungsfrohen Fans. Was ist denn aus deiner Sicht schwieriger? Lange Touren mit den üblichen Verdächtigen oder Einzelgigs ohne viel Vorlauf, bei denen die Fans aber eben sehr hohe Erwartungen haben?

Das ist schwer zu sagen, beides besitzt seinen Reiz und seine Herausforderungen. Bei Yngwie war es ja so, dass schon zahlreiche Sänger vor mir in der Band waren und jeder Fan bewusst oder unbewusst Vergleiche anstellt. Die Sache mit Touch hat großen Spaß gemacht, Mark Mangold ist eine Legende. Die Meinungen gingen zwar auseinander, aber ich bin nun mal nicht der Original-Sänger. Ich habe mein Bestes gegeben. Bei Karmakanic zum Beispiel ist das eine andere Sache, weil nur ich dort die Songs eingesungen habe und niemand ersetzen muss.

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