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18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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DÉCEMBRE NOIR
Mit Demut zum Erfolg
Axel Fichtmüller & Marc Fischer
www.decembre-noir.de/


Die Erfurter DÉCEMBRE NOIR haben mit "Forsaken Earth" mitten im Hochsommer den traurigen Herbst zu uns gebracht. Ein Album, was im Bereich Death & Doom die Latte für viele folgende Bands und Veröffentlichungen sehr hochgelegt hat und gleichzeitig ein Meilenstein in der Karriere der Thüringer bedeuten dürfte. Grund genug für uns, wo wir doch zu Fünfzig Prozent die mitteldeutsche Melancholie in den Genen tragen, dem Quintett mal näher auf den Zahn zu fühlen. Wir sprachen mit Gitarrist Sebastian Görlach.

Euer neues Album "Forsaken Earth" hat überall gute Punktzahlen erreicht und die Kritiken waren überaus positiv. Wie geht man mit soviel Lob um?

Also wir rennen jetzt nicht mit Stolz geschwellter Brust durch die Straßen und halten uns für die Größten. Ehrlich gesagt ist es uns auch ein wenig peinlich, in sozialen Netzwerken die ganzen Sachen zu posten, aber die Presse drängt natürlich auch darauf, dass auch wir die Links veröffentlichen. Wir sind natürlich froh, zum ersten Album noch eine Schippe drauf gelegt zu haben, trotz dass, wie geschrieben stand, die Messlatte schon sehr hoch lag. Das macht natürlich ein unangenehmes Bauchgefühl in der Vorbereitung zum nächsten Album. Aber davon versuchen wir uns nicht beeinflussen zu lassen. Wir empfinden einfach viel Freude darüber, wie die Reaktionen zu "Forsaken Earth" ausfallen.

Wie fühlt es sich an, solch ein neues Album geschrieben zu haben? Was passiert nach so einer Phase, vor allem zwischen der Beendigung der Aufnahmen und dem Warten bis zur Veröffentlichung sowie auch den ersten Kritiken?

Man ist natürlich von der ganzen Studioarbeit und dem vielen Drumherum recht ausgelaugt. Es ist nicht die Aufnahme oder der Mix, es ist eher das Problem, alle unter einen Hut zu kriegen. Jeder hat andere Vorstellungen und Vorlieben und die Kommunikation von Allem kann recht anstrengend sein. Aber man hat nach der Fertigstellung keinen Gedanken an Ruhe. Man ist natürlich gespannt auf die Reaktionen der Fans und der Presse und fragt sich, warum soviel Monate bis dahin noch ins Land gehen müssen. Das einzige was da hilft, ist sich mit neuem Material auseinander zu setzen. So entstand in der Warterei schon ein Teil für das nächste Album.

Wie habt ihr persönlich die Entwicklung von "A Discouraged Believer" zu "Forsaken Earth" gesehen, war ein solcher Weg für euch absehbar?

Wir haben uns da nie wirklich Gedanken drüber gemacht. Wir haben lediglich weiter Musik gemacht, vielleicht mit dem Hintergedanken Sachen, die uns persönlich nicht gefallen haben, anders zu machen. Wir sind aber auch mit "A Discouraged Believer" fest verbunden und lieben es, die Songs zu spielen. Die Songs haben bei uns den gleichen Stellenwert wie die auf "Forsaken Earth". Die beiden Alben unterscheiden sich natürlich von einander, aber wir denken einiges vom ersten Album mit hinüber transportiert zu haben. Wir sind uns treu geblieben, auch wenn wir keine Kopie erschaffen haben.

Wie kam der Deal mit FDA Rekotz zustande, das ja eigentlich eher (Old School) Death Metal auf der Agenda hat und man da als moderne, melodische Doom Death-Band ja fast schon "zu gut" produziert ist.

Die Jungs von Deserted Fear waren da schon unter Vertrag und machten bei FDA Werbung für uns. So kam nach ein paar Demo-Sichtungen der Deal zustande. Wir sind schon ein wenig auffällig unter unseren Kollegen bei FDA. Aber das Label wächst ständig und wird sich auch in Zukunft breiter aufstellen und bestimmt für die eine oder andere Überraschung gut sein. Es steckt immer noch viel Enthusiasmus anstatt Marketing im FDA, hoffe das bleibt noch lange erhalten.

Unterliegt das neue Album einem übergeordneten Konzept oder stehen die Texte jedes einzelnen Songs für sich?

Es wurde kein strenges Korsett angelegt, um die Songs in die richtige Richtung zu bringen. Aber die Texte haben schon eine Verbindung zueinander, obwohl sie auch für sich einzeln stehen. Man kann die Texte in einen Zusammenhang bringen und es entsteht eine Geschichte oder ein Thema, welches sich mit dem Album verknüpft.

Erfurt hat als Landeshauptstadt vermutlich noch die größte Metalszene in Thüringen. Dennoch ist das Bundesland abseits von Erfurt, Jena, Weimar und Gera sehr ländlich geprägt, mit einer sehr überschaubaren Anzahl an Locations für harte Musik. Euer Titel "Small. Town. Depression" lässt vermuten, dass ihr mit dieser Situation als Band auch konfrontiert seid und diese verarbeitet/thematisiert.

Das wohl eher nicht. "Small. Town. Depression" hat als Grundlage eher zwischenmenschliche Probleme, Situationen, Sachen die einen bedrängen, einengen, aus denen man ausbrechen will. Wir fühlen uns als Band aber sehr frei und auch gar nicht schlecht aufgehoben in Thüringen. Das ist bei uns eh ein wenig anders, da immer wieder einer von uns im Ausland lebt und dadurch das klassische 'Bier im Proberaum'-Feeling eh nicht aufkommt. Die Zeiten wie Anfang der 90er, als der Klassenraum voll mit Metal-Shirts saß, werden wohl nicht wieder kommen. Viele Clubs oder Säle haben ihre Türen für immer zu gemacht, nicht aus fehlendem Interesse, sondern aus wirtschaftlichem Druck von außen. Die Schlinge um den Hals enthusiastischer Organisatoren wird immer enger, da bleibt nicht mehr viel Luft zum Atmen. Umso bemerkenswerter finden wir da das Durchhaltevermögen so mancher Clubs. Und da sollten wir auch den Erfurter Club FROM HELL erwähnen, dessen enthusiastische Betreiber seit Jahren den Kopf über Wasser halten.

Was sind eure nächsten Pläne, wie geht's weiter mit DÉCEMBRE NOIR?

DÉCEMBRE NOIR ist für uns im Moment sehr intensiv und das soll es auch bleiben. Wir arbeiten am nächsten Album und planen sehr viele Konzerte. Wir sind bereit, einige 'Strapazen' und Abenteuer auf uns zu nehmen und zu bestreiten. Es wird uns also in nächster Zeit hier und da auf der Bühne zu sehen geben und im Sommer nächsten Jahres beginnen wir mit den Aufnahmen zum nächsten Album. Es bleibt also nicht viel Zeit von DÉCEMBRE NOIR abzuschweifen.

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