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20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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HUMAN ZOO
Brauchen etwas länger!
Peter Hollecker
www.humanzoo-music.de


Human Zoo

Die Balinger Hard Rock Formation Human Zoo gibt es nun auch schon zwölf Jahre und verzaubert ihre Fans seitdem mit sowohl rockigen als auch melodischen Klängen. Dabei ist ihr Sound schon eigenwillig, gehört zum Stamm des Septetts nämlich ein Saxophonist. Als ich Songwriter und geistigen Vater Zarko Maestrovic vor fast vier Jahren, als nämlich ihr Album "Eyes Of The Stranger" erschien, zum letzten Mal gesprochen habe, erklärte er damals Besserung was die Zeitspanne zum nächsten Album betraf. Doch daraus wurde nichts, denn es dauerte genauso wie damals vom zweiten zum dritten Album erneut vier Jahre, bis es zum Release von "My Own God" kam. Doch in Erklärungsnot brachte ich den Keyboarder nicht, denn es gab außerdem eine ganze Menge Gesprächsstoff, was das vorzügliche neue Langeisen angeht!

Ja weißt du, wir hatten schon damals die Vorstellung, die neue Platte schneller zu veröffentlichen, aber da kam uns leider 2014 unser 10-jähriges Bandjubiläum in die Quere. Da standen wir vor der Entscheidung bis spätestens 2015 eine neue Platte zu machen oder relativ viel live zu spielen, um den Geburtstag der Band zu feiern. Da wir zu dieser Zeit auch ziemlich viele Angebote hatten, unter anderem haben wir mit Lilian Axe eine Europa-Tournee gespielt, haben wir uns dazu entschieden die ganze Live-Geschichte zuerst hinter uns zu bringen, um uns dann ganz in Ruhe der neuen Scheibe widmen zu können. Klar hat sich dadurch unsere Planungen etwas verzögert, aber ehrlich gesagt finde ich das gar nicht so schlimm.

Stimmt, und das Warten hat sich meiner Meinung nach ja auch gelohnt. Doch dazu etwas später mehr, lass uns zuerst noch den vollzogenen Wechsel am Bass kurz besprechen.

Genau, der Markus Ratheiser wollte sich einfach auf sein Privatleben konzentrieren und nicht mehr so viel unterwegs sein. Wir haben uns nicht gestritten und stehen immer noch in Kontakt. Er spielte auch noch alle Sachen ein, bis wir den Ralf gefunden hatten, ein sehr netter und fairer Mensch der Markus. Kein Stress, keine Probleme, alles bene wie ich zu sagen pflege. So ein Wechsel wird ja bei anderen Bands oft an die große Glocke gehängt oder unnötig aufgebauscht, das man sich nur an den Kopf fassen kann. Aber das ist nicht das Ding von Human Zoo und passt auch nicht in unsere Ideologie.

Gut, wär das auch abgehakt. Kommen wir also doch zum Kernthema, nämlich eurer neuen CD "My Own God". Eine ganz tolle, harte wie gleichfalls melodische und kraftvolle Platte ist euch meiner Meinung nach geglückt. Im Vergleich zu den Vorgängern habt ihr das Tempo doch ganz schön angezogen. Einverstanden?

Ja…doch, also ich denke dass sich die Fans immer noch 100 % auf eine Human Zoo gestylte Platte freuen können! Aber du hast das schon richtig erkannt, wir haben versucht, die Kunst etwas nach hinten zu drängen und etwas straighter zu werden. Ein weiterer Punkt war der, daß wir so viele neue Songs wie möglich live spielen wollen. Für eine ordentliche Show brauchst du gewisse Geschwindigkeiten, um das Publikum nicht zu langweilen, echte Stampfer halt. Und diese sind halt auf der neuen Platte drauf, haha!

Gut dass mich mein Gehör noch nicht im Stich gelassen hat. Ebenfalls fiel mir auf, und das meine ich jetzt gar nicht negativ, dass euer Markenzeichen, das Saxophon zwar noch präsent, jedoch nicht mehr so aufdringlich in die Songs integriert wurde. Es klingt also irgendwie homogener und natürlicher. Nochmal einverstanden?

Vielleicht denkst du, dass das Saxophon nicht mehr ganz so dominant ist? Mag sein, die Gemeinde spaltet sich sowieso an diesem Thema. Wir gingen ja noch nie durch die Lande und priesen das Saxophon in der Musik von Human Zoo als DAS große Ding an, das wurde uns nur immer nachgesagt! Wir haben nämlich das Instrument nicht genommen, um zu sagen, dass wir besser sind als die anderen, so ticken wir nicht. Das Saxophon in diese Art von Hard Rock zu integrieren, das war unser Anliegen und der Boris macht da wirklich einen phantastischen Job. Wir liegen musikalisch absolut auf einer Wellenlänge. Klar, das Sax gehört absolut zu Human Zoo, aber es bestimmt jetzt nicht komplett den Sound, darauf kann man sich doch gut einschießen, oder? Mir gefällt das immer noch super gut und hey, die Fans entscheiden letztendlich und zu uns kam noch niemand und sagte dass wir das Saxophon weglassen sollen.

Wär ja auch Quatsch. Schreibt der Boris seine Parts eigentlich selbst?

Also ich produziere ja unsere Sachen teilweise selber, seit "Eyes Of The Stranger" mit dem Chris Lausmann zusammen, wir harmonieren sehr gut miteinander. Beim Sax sieht es so aus, dass ich ziemlich viel kreiere und versuche vorzugeben, aber zusammen mit der Band vollenden wir das Ganze. Und der Boris muss die Sachen letztendlich spielen, er ist der Profi, weshalb er am besten weiß was geht und was nicht. Wir sind in dieser Hinsicht ein eingespieltes Team. Seine Aufgabe ist es also meine Ideen ordentlich in den Songs umzusetzen, und die absolviert er immer mit Bravour! Ich kann ihm in Sachen Saxophon nichts vorgeben, bezeichne mich jedoch ganz gern als Tippgeber, haha!

Es gibt ja leider viel zu wenige Bands aus Deutschland, die wie ihr im Bereich Melodic Rock beziehungsweise Melodic Hard Rock erfolgreich unterwegs sind. Fair Warning, Wild Frontier aus Kassel, im Ausland gibt es da weitaus mehr. Ist doch eigentlich schade, oder?

Human Zoo

Ja stimmt, der Querschnitt der letzten Jahre sagt, dass der Melodic Bereich in Deutschland kleiner wird. Doch in unserem Fall hat das nichts zu bedeuten, denn das hat nichts mit einem bestimmten Stil zu tun. Wir spielen nämlich die Musik, die uns liegt und die wir mögen. Und letztendlich ist es auch das was wir können. Wir können und wollen keinen Trends hinterherlaufen, das würde auch gar nicht funktionieren. Human Zoo gibt es jetzt seit zwölf Jahren und kein Label hat uns Vorschriften gemacht. Ich bin der festen Überzeugung, dass uns das am weitesten gebracht hat. Klar, keine Mega erfolgreichen Superstars, die in Riesenhallen auftreten, aber dafür musikalisch hochzufrieden!

Der Leser der euch nicht kennt will ja immer eine Beschreibung des Stils oder Vergleiche. Darf ich euch als Mischung zwischen Foreigner, den alten Bon Jovi, Gotthard und Fair Warning bezeichnen?

Volltreffer! Das ist genau der Bereich, in dem wir uns gerne bewegen. Man muss ja auch bedenken, dass man dazu einen Sänger braucht, der das Material auch repräsentieren kann. Den haben wir mit Thomas Seeburger am Start, deshalb machen wir das einfach so!" Richtig, und der kann auch teilweise aggressiver singen als er das auf den Vorgängern noch getan hat, hört man sich solche Songs wie "NSA", "Love Train" oder "Like A Bitch" an. Genau, da sind wir wieder beim Thema Punch. So einen Song wie "NSA" braucht eine gewisse Aggressivität, allein vom Thema her. Es ist ja ein politischer Text, der sich mit dieser ganzen Abhörproblematik etwas wütend auseinandersetzt, so was haben wir vorher auch noch nicht gemacht. Klappt aber auch.

Ihr kommt ja aus Balingen, wo alljährlich eines der größten Festivals stattfindet. Ihr habt erst einmal dort gespielt, wieso eigentlich?

Ja, da könnte durchaus noch was kommen. Aber einen Heimvorteil gibt es in dieser Hinsicht nicht und das ist gut so. Wenn die Veranstalter uns nochmal haben wollen, dann stehen wir sofort auf der Matte. Stilistisch sind wir ja breit aufgestellt und haben auch schon auf dem "Rock Of Ages" gespielt, wie Axel Rudi Pell ja auch auf beiden Festivals aufgetreten ist.

Bringt uns natürlich auf zwei Konzerte in Pratteln, auf denen ihr für ARP den Anheizer mimen dürft. Wie kam es dazu?

Als der Axel vor zwei Jahren seinen Anniversary Auftritt auf dem "BYH" gespielt hat, haben wir ihm unseren Proberaum zur Verfügung gestellt. Da lernten wir uns kennen und er versprach uns, bei Gelegenheit ein paar Gigs zusammen zu absolvieren. Und diese Gelegenheit ist jetzt gekommen. Ich habe selten einen netteren und zuvorkommen deren Menschen als Axel kennengelernt. Gerade im Musik-Biz, wo es um viel Geld geht und Grabenkämpfe an der Tagesordnung sind eine Seltenheit.

Sehr schönes Schlusswort!

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