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15. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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DAN REED NETWORK
Fünf vor zwölf!
Martin Stark
www.danreed-network.com/


Dan Reed Network

DAN REED NETWORK sind nach fünfundzwanzig Jahren zurück und Dan Reed rockt wieder. Der Amerikaner, der heute in Prag lebt, ruht dennoch in sich selbst. Die meistens tiefgründigen Texte und der ganz eigene Sound sind auch 2016 wichtige Elemente. Vieles ist bekannt, aber die Funk-Rocker scheuen sich auch nicht, neue Wege zu beschreiten.

Dan, vor gar nicht allzu langer Zeit sprachen wir über deine aktuelle Solo-Platte "Transmission" und nun ist ein neues, das insgesamt vierte Dan Reed Network-Album fertig. Wie kam es zu der Scheibe? Oder besser gesagt was der auslösende Moment?

Es waren die Live-Shows der letzten zwei Jahre. Wir hatten unheimlich viel Spaß und haben alles auf uns zukommen lassen. Es sind zehn neue Nummern von uns als Band, die wir in den vergangenen Monaten schrieben und dann hier in Prag aufgenommen haben. Zwei weitere entstanden vor zehn beziehungsweise zwölf Jahren und passten seinerzeit nicht auf meine Solo-Alben. Eine weitere Nummer schrieb ich mit einem befreundeten schwedischen Musiker während meiner Zeit dort vor ein paar Jahren.

Ihr seid fast in Original-Besetzung zurück. Lediglich Keyboarder Blake Sakamoto ist durch Bob Daiker ersetzt worden. Wie kam es dazu, zumal Blake ja anfangs noch bei den ersten Reunion-Konzerten dabei war?

Er konnte nicht mehr in dem Ausmaß touren wie es nötig gewesen wäre. Er möchte sich mehr um seine Familie kümmern. Aber mit Bob, der mich schon seit Jahren bei Solo-Auftritten begleitet, haben wir einen mehr als ebenbürtigen Ersatz. Wir spielten im letzten Jahr ein paar Shows, die Chemie stimmte und Bob äußerte Interesse fest einzusteigen.

"B There With You" in der Mitte der Platte sticht ein wenig heraus und geht zudem sofort ins Ohr.

Das ist schön, dass du das so sieht. Diese Nummer ist zumindest mein und auch Dan Preds, unseres Drummers, Favorit. Es ist zudem weder eine der typischen Funk-Nummern noch ein klassisches DRN-Rock-Stück sondern besitzt eher dieses "Rainbow Child"-Feeling. Aber auch da ist Dan Reed Network.

Dan Reed Network

Mit "Save The World" ist eine waschechte Reggae-Nummer an Bord und dazu scheinst du nicht zu singen, oder?

Richtig, die Nummer hat unser Gitarrist Brian James geschrieben und er singt sie auch. Er lebt seit achtzehn Jahren in Honduras und dieser Sound ist eine Art Bestandsaufnahme dessen, was sein Leben auf dieser Insel ausmacht. Wir hatten auf dem letzten DRN-Album 1991 einen Song Namens "Chill Out", den auch Brian sang. Wir dachten es wäre cool so etwas nochmal zu machen. Ich singe auch hier nur Background.

Wie schwer war es denn stilistisch an die alten Platten anzudocken? Es sind immerhin über fünfundzwanzig Jahre ins Land gezogen. Spürt man da besonderen Druck?

Nein, Druck nicht. Es war eher eine Frage welchen Schalter man umlegen muss, um wieder in den Modus des Schreibens zu kommen, in dem früher viele unserer typischen DRN-Nummern entstanden sind. Die letzten Jahre habe ich ja doch eher mit der Akustikgitarre gearbeitet.

Die Scheibe scheint zweigeteilt zu sein. Finden sich auf der ersten Hälfte eine gute Handvoll Stücke, die deutlich an eure rockigen, funkigen und vor allem schnelleren Nummern erinnern, wird es zum Ende hin deutlich langsamer, ja vor allem deutlich melancholischer!

Ja, das ist richtig. Schau dich doch nur um in der Welt. In Amerika passieren momentan Besorgnis erregende Dinge. Donald Trump vereint viele Stimmen auf sich. Dann gewinnen in vielen Teilen der Welt Terror und religiöse Verblendung mit Al Quaida sowie dem IS schreckliche Bedeutung. Insgesamt nimmt die Macht der Konzerne zu, die Umweltverschmutzung erklimmt ein erschreckendes Ausmaß. Wir werden sehr bald an einem Punkt sein, an dem wir uns entschieden müssen, weiterhin zu versuchen, Probleme mit Krieg zu lösen oder doch endlich mal auf den Dialog und Kommunikation zu setzen. Es ist doch so, dass der Westen in seinem Versuch die Bösen zu stoppen nur mehr noch mehr Böse erschafft. In diesem Gesamtkontext ist auch das futuristische Artwork zu sehen. Aber ganz am Ende steht mit "Stand Tall" eine Nummer, die Mut macht und an das Gute im Menschen erinnert.

Gibt es Pläne die ersten drei Platten erneut aufzulegen?

Sicher könnte das irgendwann passieren, aber es so, dass die Rechte für immer bei Polygam, unserem alten Label liegen. Wir müssten die Songs lizensieren. Das haben wir schon kürzlich bei einem Best-Of-Album mit einigem unveröffentlichten Material getan, das wir etwas unterm Radar bei Konzerten und über die Website verkaufen. Die Rechte an den Songs gehören dem Label und das auch nach unserem Tod. Die Bedingungen sind echt übel, aber so wurden früher Deals gemacht. Wir waren seinerzeit froh überhaupt ein Label zu haben und unseren Traum leben zu können.

Was bedeutet das Comeback von Dan Reed Network für deine Solo-Karriere?

Im Grunde nichts, außer, dass der grobe Plan ist, zukünftig alle zwei bis drei Jahre ein neues DRN-Werk zu veröffentlichen und dazwischen Solo-Alben zu machen, aber wie gesagt, wir gehen das ganz entspannt an. Solange es Spaß macht, möchten wir weitermachen.

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