Navigation
                
14. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Band
Titel
Autor
Homepage
>> Als E-Mail versenden
PARADOX
Ich will zurück auf die Bühne!
Thorsten Dietrich
www.facebook.com/paradoxthrash/


Stehaufmännchen Charly Steinhauer hat sich trotz diverser Rückschläge in den letzten Jahren nicht lumpen lassen und live alle paar Jahre ein starkes Werk abgeliefert, so dass wie 2016 mit "Pangea" gar das sechste Werk des Sänger und Gitarristen von Paradox in den Händen halten. Trotzdem wollte ich schon lange wissen, was denn bei Charly los ist und war. Dieser antwortete sehr bodenständig und offen - das sind immer die besten Interviews!

Hallo Charly, dieses Jahr feiern Paradox 30. Geburtstag, in den letzten Jahren hattest du wie ich hörte u.a. gesundheitliche Probleme, wonach angekündigte Konzerte nicht stattfanden - wirst du eigentlich wieder auftreten, oder bleiben Paradox eine Studioband?

Kurz nach der Veröffentlichung von "Tales Of The Weird" musste ich mich direkt am Heiligabend 2012 einer recht schwierigen Herzoperation unterziehen. Es dauerte mehr als 2 Jahre bis ich mich einigermaßen davon erholt hatte und mit dem Songwriting für das neue Album beginnen konnte. Liveshows waren schlichtweg unmöglich geworden. Mittlerweile fühle ich mich recht fit und bin auch wieder bereit Shows zu spielen. Touren wird jedoch nicht mehr möglich sein. Es kommt auch darauf an wie das neue Album von den Fans angenommen wird. Zudem mussten wir damals etliche Konzerte absagen wodurch einige Booker ziemlich angepisst waren und uns bestimmt nicht mehr buchen wollen.. Ich möchte keine leeren Versprechungen machen, aber ich würde gerne wieder zurück auf die Bühne. Ich vermisse den direkten Kontakt zu den Fans.

Wenn man sich die Ex-Musikerliste anschaut ist die nicht klein, 2016 scheint es dass du mit ein paar Griechen wie u.a. Gitarrist Gus Drax. zusammen arbeitest. Wie kam es dazu und warum ausgerechnet diese doch weit entfernten Musiker?

Gus Drax, mit dem ich schon seit 2010 in Kontakt stehe, hat auch schon auf "Tales Of The Weird" ein Solo beigesteuert. Nach dem Split mit Christian Muenzner war Gus mein erster Wunschsolist für das neue Album. Es musste ein außergewöhnlich guter Gitarrist sein, denn einen Christian Muenzner ersetzt man nicht eben mal so schnell. Da muss man lange und weit suchen. Gus, der auch bei Suicidal Angels spielt, zockt auch mit Kostas Milonas bei den griechischen Newcomern Sunburst. Ich wollte unbedingt Programmings vermeiden und echtes Schlagzeug auf dem Album haben. Kostas war sofort bereit dazu und beide haben meine Erwartungen übertroffen. Mit Tilen Hudrap (u.a. Vicious Rumors) bin ich schon länger in Facebook befreundet und als er erfahren hat, dass Olly Keller die Band verlässt dauerte es nicht lange bis er seine Dienste anbot. Mittlerweile ist er festes Mitglied und wir stehen täglich in Kontakt.

Du bist letztes Gründungsmitglied, Sänger, Komponist, Gitarrist - also bleibt alles an dir hängen! Ist das besser als sich auf andere verlassen zu müssen, oder gibt es auch Bereiche bei denen du Verantwortung abgibst?

Wenn es um die Musik geht habe ich als Hauptsongwriter und Produzent eine klare Vorstellung von dem, wie es am Ende zu klingen hat. Von daher kann ich diesbezüglich keine Verantwortung abgeben. Bei den Texten sieht es da hingegen schon anders aus. Wie auch schon für "Tales Of The Weird" (2012) zeichnet sich auch diesmal Achim "Daxx" Hömerlein (Ex-Vendetta) für die Texte hauptverantwortlich. Diesmal hat er sogar einen ganzen Song für die Japan CD komponiert, den ich 1:1 übernommen habe. Ich kenne "Daxx" schon aus den 80ern und wir sind echte Freunde. Ich würde sagen das perfekte Team was Musik und Text betrifft.

Eure AFM Alben Artworks hatte für mich immer einen düsteren Touch, teilweise auch leicht Fantasy-lastig, doch nun mit "Pangea" dem Urkontinent scheint ihr in Sachen Cover richtig in Sachen Fantasy und Mystik zu rutschen: Wie wirkt sich das auf eure Texte aus?

Mystik kommt dem ganzen schon näher. "Pangea" steht symbolisch für den Anfang unserer Existenz aber wir alle wissen nicht wie es mal enden wird. Von daher symbolisiert "Pangea" den Anfang vom Ende unserer Existenz. Darüber haben Daxx und ich in zahlreichen Gesprächen spekuliert was und in welcher Form das Ende aussehen könnte und kamen zu dem Entschluss dieses Thema ein einigen Songs wie "Apophis", "Alien Godz", "El Muerte" oder dem Titelsong textlich zu verarbeiten. Meine Vision vom Ende ist auf dem Cover von Claudio Bergamin verewigt. Sie kommt eher von außen wie im Song "Alien Godz" beschrieben. Es könnte auch der "Schöpfer" selbst sein. In dem Fall der überdimensionale Alien Gott. Wir glauben alle an das Gute, aber wissen wir ob es nicht doch etwas Bösartiges ist? Die Frage bleibt letztendlich offen.

In einer Metalzeitschrift hat man dich den deutsche Jeff Waters genannt. Erst musste ich schmunzeln, dann fand ich den Vergleich gar nicht so übel. Hörst du das öfter und kannst du dich damit identifizieren oder nervt es dich vielleicht sogar?

Das ehrt mich schon sehr. Ein schöneres Kompliment kann man kaum bekommen als mit einem der besten der Metalszene verglichen zu werden. Ich bin ein Fan von Jeff. Leider ist er mir noch nie über den Weg gelaufen. ich gebe zu dass wir einen ähnlichen Rhythmusstil haben aber Jeff Waters ist schon eine andere Hausnummer als Charly Steinhauer. Da bleibe ich eher bescheiden.

Nach den ersten Durchläufen ist "Pangea" für mich ein typisches Paradox Album mit melodischem Thrash. Siehst du das anders, wenn ja warum?

Im Grunde genommen gebe ich Dir Recht. Mir gefällt der Begriff "Thrash with class" aus den 80igern, der gerne bei solchen Bands wie Savage Grace verwendet wurde. Ich bin Thrasher aber auch Power oder Speed Metal Fan. All diese Einflüße verarbeite ich in meinen Songs. Die Power Metal Einflüsse hört man in den melodischeren Songs wie "Cheat & Pretend" oder "Vale Of Tears". Die thrashlastigeren bei "Ballot Or Bullet" oder "Alien Godz". Das Ergebnis ist vielseitig ohne die Trademarks von Paradox vermissen zu müssen. "Pangea" ist ein zweifellos ein typisches Paradox Album.

Ich kenne eure erste drei Alben gar nicht, normal scheinen die auch nicht mehr erhältlich, gerade die ersten beiden werden gebraucht für Minimum 30-50 Euro bei einem Onlinehandel angeboten, werden die demnächst noch mal neu aufgelegt?

Die Rechte für die ersten beiden Alben "Product Of Imagination" und "Heresy" liegen bei Roadrunner Records. Ich glaube kaum, dass die daran interessiert sind die beiden ersten Alben nochmal neu aufzulegen. Ob AFM-Records unser 3. Album "Collision Course"(2000) noch einmal neu auflegt ist mir derzeit auch nicht bekannt, aber sowas kann sich ja bekanntlich schnell ändern.

Wie soll es denn die nächsten Jahren mit Paradox weitergehen, hast du schon viele Pläne?

Paradox hat mich 30 Jahre lang begleitet und gehört zu meinem Leben wie die Butter aufs Brot. Von daher ist an Ruhestand nicht zu denken. Ich habe bereits Pläne für das nächste Album. Das könnte etwas straighter und thrashiger ausfallen und eher in die "Heresy" Richtung gehen. Mal sehen, welche Riffs ich aus dem Ärmel schütteln kann, aber ich hätte richtig Bock auf "Back to the roots". Die Ideen gehen mir jedenfalls nicht aus. Ich freue mich gewaltig auf neue Musik von Paradox. Ich bin nicht mehr erfolgsorientiert, sondern möchte einfach nur gute Musik zu machen, solange die Gesundheit mitspielt. Ich möchte mich für Euren Support bedanken und auch die Chance nutzen alle Leser zu grüßen! Horns Up!

Das freut uns - wir wünschen dem sympathischen Charly samt Band viel Erfolg.

<< vorheriges Interview
MIDNIGHT ETERNAL - Fans des europäischen Sounds
nächstes Interview >>
DAN REED NETWORK - Fünf vor zwölf!




 Weitere Artikel mit/über PARADOX: